Nicht nur in der Vielseitigkeit sorgen gutes Training und ebenso gute Ausrüstungsgegenstände für Sicherheit. Foto: Equipics/Zachrau
Nicht nur in der Vielseitigkeit sorgen gutes Training und ebenso gute Ausrüstungsgegenstände für Sicherheit. Foto: Equipics/Zachrau

Reiten – aber sicher! 

Das Zusammenspiel zwischen Mensch und Pferd ist das, was den Reitsport so besonders macht – und doch ist es gleichzeitig ein potenzieller Risikofaktor. Denn jedes Lebewesen kann sich mal erschrecken und jedes noch so brave Pferd hat als Fluchttier den Fluchtinstinkt in seinen Genen verankert. Dementsprechend sind im Umgang wie auch beim Reiten einige Regeln zu beachten, die der Sicherheit von Reiter und Pferd dienen. Zusätzlich gibt es zahlreiche Ausrüstungsgegenstände, die im Falle des Falles den Reiter schützen. RRP hat den Überblick. 

Wie komplex und zugleich wichtig das Thema Sicherheit beim Reiten ist, weiß auch Karl-Heinz Nothofer, der in seiner Position als Landestrainer der rheinischen Vielseitigkeitsreiter nicht nur Experte in einer der anspruchsvollsten Disziplinen des Reitsports ist, sondern im heimischen Betrieb auch immer wieder Reitanfänger beim ersten Kennenlernen mit dem Pferd unterstützt. Für ihn fängt der Sicherheitsaspekt schon an, bevor der Reiter überhaupt einen Fuß in den Steigbügel gestellt hat: “Der Großteil der heutzutage aktiven Reiter kommt ja nicht mehr aus der Landwirtschaft und hat daher nicht mehr dieses ursprüngliche Wissen um die Natur des Pferdes. Daher ist es wichtig, dass wir insbesondere Reitanfängern zunächst einmal vermitteln, dass sie es hier mit einem Lebewesen zu tun haben, welches ein Fluchttier ist”, so der erfahrene Ausbilder. “Grundsätzlich muss sich jeder Reiter, ganz gleich wie lange er schon dabei ist, darüber im Klaren sein, dass sich ein Pferd immer mal erschrecken kann oder womöglich Reaktionen zeigt, mit denen man nicht gerechnet hat.” 

Bei einem durchschnittlich 350 bis 450 Kilogramm wiegenden Pony beziehungsweise 500 bis 600 Kilogramm schweren Großpferd ist ein entsprechend umsichtiges Verhalten angebracht. Dies gilt beim Reiten, aber insbesondere auch im Umgang, wo immer wieder Unfälle passieren. Insbesondere, wenn man sein Pferd schon länger kennt, wird man hier mit der Zeit schnell ‘betriebsblind’ und lässt die ein oder andere Sicherheitsregel außer Acht. Daher empfiehlt Karl-Heinz Nothofer auch erfahrenen Pferdemenschen, ihr Tier immer mal wieder ganz bewusst zu beobachten und dessen Verhaltensweisen genau zu registrieren. “Auch, wenn ich mein Pferd schon einige Zeit kenne, kann mir beispielsweise sein Verhalten im Herdenverband weiteren Aufschluss über den Charakter geben oder ich kann seine aktuelle Stimmung besser beurteilen. Doch besonders dann, wenn ich ein Pferd, in dessen Sattel ich steigen soll, noch nicht so gut kenne, bekomme ich durch das vorherige Beobachten eine erste Einschätzung zu seinem Verhalten. Ist das Pferd gelassen oder hektisch? Reagiert es schnell gereizt oder wirkt es geduldig?” All diese Erkenntnisse sind eine wertvolle Basis für den sicheren Kontakt zwischen Mensch und Pferd, am Boden wie im Sattel. “Ich kann nur vorbereitet sein und die entsprechenden Hilfen geben, wenn ich das Verhalten meines Pferdes kenne und weiß, wie es reagiert,” betont Karl-Heinz Nothofer. 

Ein weiterer wichtiger Aspekt für den Trainer ist die körperliche Fitness des Reiters. “Reiten ist ein Sport und je fitter ich bin, desto besser kann ich im Zweifelsfall reagieren.” Zum Reiten gehört auch immer ein gewisses Maß an Selbstreflexion. Um der eigenen Sicherheit willen ist eine ehrliche Einschätzung hier besonders wichtig. Dies betrifft nicht nur die sportliche Verfassung, sondern auch die Gesundheitliche. “Wenn ich mich nicht fit fühle, muss ich mir darüber im Klaren sein, dass beim Reiten schneller etwas passieren kann, als das normalerweise der Fall wäre”, so Karl-Heinz Nothofer. Entscheidend ist aber auch, dass man sich als Reiter die folgenden Fragen stellt: Was kann ich reiten? Was möchte ich reiten? Und – Passt das Pferd zu mir und meinen Wünschen? “Nicht ohne Grund lernen Reitanfänger in aller Regel auf braven und erfahrenen Pferden oder Ponys das Reiten, wohingegen junge Vierbeiner zur Ausbildung eher in erfahrene Hände gehören”, erklärt der Ausbilder. “Ein gutes Beispiel ist aber auch das Ausreiten. Wenn ich primär mit meinem Pferd die Natur genießen möchte, sollte ich mir nach Möglichkeit ein Pferd suchen, das auch schon mal draußen war und das an die verschiedenen Situationen im Gelände gewöhnt ist.” 

Ein Reithelm ist Pflicht – er muss jedoch auch gut sitzen und bestimmte Sicherheitsvorgaben erfüllen. 
Foto: Rebecca Thamm
Ein Reithelm ist Pflicht – er muss jedoch auch gut sitzen und bestimmte Sicherheitsvorgaben erfüllen.
Foto: Rebecca Thamm


“Ich kann nur vorbereitet sein und die entsprechenden Hilfen geben, wenn ich das Verhalten meines Pferdes kenne und weiß, wie es reagiert.” 
Karl-Heinz Nothofer 

Weiterbildung fördert Sicherheit 

Wer all diese Aspekte beherzigt und sich nun auf den Rücken des Pferdes begibt, bringt gute Voraussetzungen mit sich, hat aber auch noch nicht ausgelernt. Im Gegenteil: Die eigenen Fähigkeiten im Sattel regelmäßig zu überprüfen und konsequent weiterzuentwickeln, gehört ebenso zum sicheren Reiten dazu. “Insbesondere im klassischen Schulbetrieb sollte ich mir anschauen, wie der Reitunterricht gestaltet wird, wenn ich dort Reiten lernen möchte. Wie viele Schüler reiten gleichzeitig? Kann der Reitlehrer dabei alles im Blick haben? Hier sollte ich sowohl aus Sicherheitsgründen als auch zum Wohle der Tiere Wert auf qualifizierten Unterricht legen”, sagt Karl-Heinz Nothofer. “Gerade für Einsteiger in den Reitsport ist es auch wichtig, nicht nur in der Halle zu reiten, sondern möglichst auch mal draußen oder gar in leichtem Gelände. So bekommt der Reiter zum Beispiel ein viel besseres Gefühl für das Pferd, wenn es auch mal leicht bergauf und bergab geht, und kann dann später auch einen Buckler besser sitzen. Je mehr man solche Dinge trainiert, desto sattelfester wird man.” 

Doch auch erfahrene Reiter sollten sich nicht auf ihrem Leistungsstand ausruhen, sondern immer bestrebt sein, sich noch weiterzuentwickeln. Denn wie im Umgang kann auch beim Reiten die Routine schnell zu Nachlässigkeit führen und die Nachlässigkeit wiederum zu einem Sicherheitsrisiko. “Ich begreife es als Pflicht eines ambitionierten Reiters, sich immer wieder Hilfe von Trainern zu holen, um das eigene Können zu überprüfen und zu verbessern”, so Karl-Heinz Nothofer. “Dies ist auch aus Sicherheitsgründen absolut sinnvoll. Eine gute Ausbildung verhindert viel, und zwar schon präventiv. Dementsprechend sollte sich der Reiter bemühen, sich stetig weiterzuentwickeln. Ganz unabhängig davon, was er mit seinem Pferd erreichen will und in welcher Disziplin er unterwegs ist.” 


“Eine gute Ausbildung verhindert viel, und zwar schon präventiv.” 
Karl-Heinz Nothofer 

Sicherheitssteigbügel – Sicherheit durch Innovation 

Ergänzend zur persönlichen Schutzausrüstung gibt es weitere Produkte, die für mehr Sicherheit sorgen können, beispielsweise Sicherheitssteigbügel. Marketingmanagerin Christine Gunia verrät Details über dieses innovative Produkt:  

“Sogenannte ‘Sicherheits’-Steigbügel sind ein noch recht neues Thema im Reitsport, aber das Angebot verschiedener Systeme wächst. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass bisher keine Mindestanforderungen an solche Produkte gestellt werden und weder Studien noch Untersuchungen zur tatsächlichen Verbesserung der Sicherheit existieren. Jedoch wurde auch hier bereits eine Arbeitsgruppe initiiert, welche Rahmenbedingungen erarbeiten wird.  

Wir arbeiten beispielsweise mit dem französischen Label RID’UP zusammen, das das sehr innovative Modell PLUS anbietet. Es handelt sich hierbei, im Gegensatz zu vielen anderen Produkten, um einen geschlossenen Steigbügel, der sich dank eines Gelenk-Clips beim Sturz komplett vom Steigbügelriemen löst. Nach dem Sturz lässt sich der Steigbügel einfach wieder in seinen Gelenk-Clip klicken.” 

Sicherheitssteigbügel sind auf verschiedene Weisen so konzipiert, dass sie den Fuß des Reiters schneller freigeben sollen als herkömmliche Steigbügel. In der Regel öffnet ein Mechanismus den Steigbügel bei Druckausübung oder der Steigbügel löst sich, wie beim oben beschriebenen Modell, sogar gänzlich vom Steigbügelriemen. Durch diese Funktionen soll verhindert werden, dass der Reiter mit seinem Fuß im Steigbügel hängenbleibt, denn das kann bei einem Sturz zur Folge haben, dass er vom Pferd mitgezogen wird. Wichtig ist in dem Zusammenhang natürlich auch entsprechendes Schuhwerk, das zusätzlich ein Durchrutschen des Fußes durch den Bügel verhindert. 

Ausrüstung – ohne geht es nicht 

Neben den reiterlichen Fähigkeiten tragen aber natürlich auch eine Menge Ausrüstungsgegenstände zur Sicherheit des Menschen bei. Grundvoraussetzung Nummer eins ist dabei der Reithelm. Wie wichtig dieser Kopfschutz ist, sieht man unter anderem daran, dass in vielen Ställen das Reiten mit Reithelm verpflichtend ist. “Trotzdem wird meines Erachtens heute immer noch viel zu wenig Wert auf das Thema Reithelm gelegt”, zeigt sich Karl-Heinz Nothofer kritisch gegenüber dem alltäglichen Umgang damit. “Man sollte sich auch die Frage stellen, wann das Aufsetzen des Helms sinnvoll ist. Ich empfehle beispielsweise Kindern, den Helm schon beim Putzen zu tragen, um geschützt zu sein, wenn das Pferd sich kurzerhand mit dem Kopf nach einer Fliege dreht”, gibt er zu Bedenken. 

Zur Grundausstattung des Reiters gehören neben einem gut sitzenden und passenden Reithelm aber auch Reitstiefel oder Stiefeletten, die verhindern, dass der Fuß durch den Steigbügel rutschen kann. Ebenso wichtig sind Handschuhe zum Schutz der Hände. “Handschuhe sind nicht nur beim Reiten sinnvoll, sondern auch beim Führen oder Longieren. Zusätzlich gilt natürlich, dass man sich den Strick oder die Longe niemals um die Hand wickeln darf”, erinnert Karl-Heinz Nothofer an eine der grundlegenden Regeln im Umgang mit dem Pferd. Zum Sicherheitsaspekt beim Reiten gehört darüber hinaus auch die Ausrüstung des Pferdes. Vor dem Aufsteigen sollten Sattel und Zaumzeug kontrolliert werden: Sind Zügel, Gurtstrippen und Steigbügelriemen funktionstüchtig? 

Zu den Ausrüstungsgegenständen, die zum Schutz des Reiters beitragen, zählen natürlich auch Sicherheits- und Airbagwesten. Gerade diese Produkte sind in den letzten Jahren stetig weiterentwickelt worden und daher heute deutlich leichter und komfortabler zu tragen. Karl-Heinz Nothofer empfiehlt das Tragen einer Schutzweste im Springen und in der Vielseitigkeit. Sobald feste Sprünge dazukommen, ist sie sogar Pflicht. Aber: “Die Sicherheitsweste muss, wie der Reithelm, wirklich gut passen, um ihren Zweck zu erfüllen. Außerdem muss sie so konzipiert sein, dass der Reiter sich noch darin bewegen und abrollen kann.” Der erfahrene Ausbilder rät daher dazu, diese Produkte nur mit Fachberatung zu kaufen. “Gerade bei den Westen gibt es verschiedene Schutzmöglichkeiten. Die Sicherheitsweste schützt den Oberkörper des Reiters rundum. Eine Airbagweste wird noch über die normale Weste drübergezogen. Der Grundgedanke des Airbags ist, dann zusätzlichen Schutz zu leisten, wenn der Reiter beim Sturz zwischen Erde und Pferde gerät, also dem Gewicht des Pferdes ausgesetzt ist”, erklärt er. 


“Sicherheitsweste und Reithelm müssen gut passen, um ihren Zweck zu erfüllen.” 
Karl-Heinz Nothofer 

Reithandschuhe – immer eine gute Idee 

Neben Reithelmen entwickelt uvex sports unter anderem auch Reithandschuhe. Andreas Beckers, Head of Category Equestrian, weiß, dass das Tragen von Handschuhen beim Kontakt mit dem Pferd in vielen Situationen sinnvoll ist: 
 
“Beim Führen, Verladen oder Longieren: Reithandschuhe schützen die Hände in allen Situationen auf und neben dem Pferd. Ihr abriebfestes Material verhindert zum Beispiel, dass die Zügel durch die Hand rutschen und ermöglicht so eine sicherere Zügelführung. Auch hier darf aber die Optik nicht zu kurz kommen – darum haben wir mit unserem uvex sumair glamour gerade ein schickes neues Modell entwickelt, das gleichzeitig auch ein echtes Style-Statement ist.” 

Handschuhe schützen nicht nur beim Reiten vor Verletzungen wie Verbrennungen oder Blasen an den Händen, sondern auch beim Führen und Longieren des Pferdes. Auch für diesen Bereich gibt es spezielle Produkte mit besonderer Ausstattung. Solche Handschuhe sind in der Regel besonders griffig und gut gepolstert, ohne dabei Feinmotorik und Gefühl einzuschränken. 

Sicherheitsvorschriften auf dem Turnier 

Auch Institutionen wie die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) oder die Fédération Équestre Internationale (FEI) haben seit einiger Zeit die Helmpflicht eingeführt. Während man früher in Dressurprüfungen noch zwischen Zylinder und Reitkappe wählen konnte, ist Letztere inzwischen vorgeschrieben. Folglich hat das Reiten ohne Helm auf dem Turnier auch Konsequenzen: “Wer auf einem nationalen Turnier ohne Helm unterwegs ist, wird zwar zunächst nur ermahnt, kann aber von der Veranstaltung ausgeschlossen werden, wenn er sich weigert, den Helm anzuziehen”, weiß Karl-Heinz Nothofer. “Im internationalen Reglement hat das Reiten ohne Helm allerdings schon eine schriftliche Verwarnung zur Folge, die auch der FEI mitgeteilt wird. Bei nochmaligem Vergehen zieht dies unter Umständen dann sogar eine kurzzeitige Wettbewerbssperre nach sich.” Auch das Tragen von Stiefeln oder Stiefeletten ist in der Leistungs-Prüfungs-Ordnung der FN verankert. Sicherheitswesten sind gemäß dem Regelwerk allerdings nur bei festen Sprüngen vorgeschrieben. Aus Sicherheitsgründen können übrigens auch Teilnehmer, die eine Gefahr für sich und/oder Andere darstellen, von einer Turnierveranstaltung ausgeschlossen werden. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn der Reiter keine Kontrolle mehr über sein Pferd hat oder sich das Pferd wiederholt widersetzt. “Zu erwähnen sind in puncto Sicherheit zudem die Sicherheitsauflagen, die im Springen für die hinteren Stangen eines Oxers verwendet werden müssen”, ergänzt Karl-Heinz Nothofer. 

Reithelme – zertifiziert, passgenau und sicher müssen sie sein 

RRP hat mit Andreas Beckers, Head of Category Equestrian von uvex sports, über den Sicherheitsaspekt und die Entwicklung von Reithelmen gesprochen. 

Frage: “Wie schütze ich mich bestmöglich beim Reiten und was sind die heutigen Standards?” 

Antwort: “Im Wettkampf, beim Training oder in der Freizeit: Ein Reithelm ist mittlerweile Pflicht beim Reiten. Selbst Spitzenathletinnen und -athleten können stürzen – und das kann fatale Folgen haben. Darum sollte hier niemand Abstriche machen und den Kopf als sensibelste Stelle bestmöglich schützen. Gerade für Einsteiger in den Reitsport ist dabei wichtig: Es muss auch wirklich ein zertifizierter Reithelm sein. Fahrradhelme reichen zum Beispiel als Kopfschutz beim Reiten nicht aus, denn ein Sturz vom Pferd verläuft anders als ein Sturz vom Fahrrad. Auch können nur Reithelme aufgrund ihrer speziellen Bauweise einem Schlag mit dem Pferdehuf standhalten. 

Die neue Reithelmnorm EN1384:2023-06 legt die Messlatte für die Sicherheit der Reiterinnen und Reiter seit dem Sommer 2023 noch höher. Mit unseren neuesten, innovativen Modellen erfüllen wir bereits diese neue Norm. Dafür setzen wir zum Beispiel auf eine komplett neu entwickelte EPS-Innenschale, die aus drei verschiedenen Teilen in unterschiedlichen Dichten besteht und somit bestmöglichen Schutz ermöglicht.” 

Frage: “Wie funktioniert die Entwicklung eines sicheren Reithelms, worauf wird hier besonders geachtet?” 

Antwort: “Maximale Sicherheit ist natürlich das A und O bei der Entwicklung eines Reithelms. Darum entwickeln und designen wir alle unsere Modelle komplett selbst. Das geht bis zu unserem eigenen Prüfstand, an dem wir alle Prototypen testen und immer weiter optimieren. So können wir neue Entwicklungen mit unseren eigenen Innovationen anschieben und unseren Beitrag für mehr Sicherheit im Reitsport leisten. Einen wertvollen Beitrag zur Produktentwicklung leistet auch das Feedback unserer Athletinnen und Athleten, wie zum Beispiel von Reitmeisterin Ingrid Klimke. 

Neben dem Aspekt Sicherheit spielen auch andere Faktoren eine wichtige Rolle: Eine gute Belüftung, ein passgenauer Sitz und auch die Optik. In diesem Frühjahr haben wir zum Beispiel mit dem uvex exxeed flash ein neues Modell vorgestellt, das mit 3.133 Swarovski®-Kristallen auf einem edlen Satin-Helmbezug die Blicke auf sich zieht.” 

Frage: “Wie sitzt der Reithelm optimal – und wie passt man ihn an?” 

Antwort: “Nur, wenn der Helm wirklich gut auf dem Kopf sitzt, ist ein optimaler Schutz sichergestellt. Als Erstes gilt es, durch das Ausmessen des Kopfumfangs die richtige Helmgröße herauszufinden. Doch jede Kopfform ist verschieden – darum setzen wir bei uvex für eine passgenaue Einstellung zusätzlich auf unser IAS 3D System. Damit ist eine dreidimensionale Größenanpassung möglich: Der Helm kann in der Höhe und in der Weite individuell auf den eigenen Kopf eingestellt werden. Das IAS 3D System sollte leicht unterhalb der Erhöhung im Hinterkopfbereich positioniert werden, zwischen Stirn und Helmschild sollte immer ein rechter Winkel bestehen. Als Faustregel gilt: Es darf nichts drücken, aber auch bei offenem Kinnriemen muss der Helm fest sitzen und seine Position halten. Erst dann werden die Gurtbänder geschlossen. Unsere Reithelme der neuesten Generation verfügen über verstellbare Y-Verteiler, sodass die Gurtbänder optimal positioniert und am Ohr vorbeigeführt werden. Der Kinnriemen sollte so anliegen, dass maximal zwei Finger horizontal nebeneinander zwischen Kinn und Riemen geschoben werden können.”

Besonderheiten in der Vielseitigkeit 

Als langjähriger Ausbilder und Landestrainer in der Vielseitigkeit weiß Karl-Heinz Nothofer: Gerade in der Krone der Reiterei ist eine gute Ausbildung die wichtigste Grundvoraussetzung. “Gutes Reiten verhindert am ehesten gefährliche Stürze”, sagt er. Trotzdem gibt es insbesondere beim Geländeritt auch einige technische Besonderheiten, die Stürzen vorbeugen sollen. Als renommierter Parcoursbauer kennt sich Karl-Heinz Nothofer auch auf diesem Gebiet bestens aus. “Auch, wenn gutes Reiten durch nichts zu ersetzen ist, können in der Vielseitigkeit vor allem die deformierbaren Sprünge schlimme Stürze verhindern. Hier hat sich in den letzten 20 Jahren sehr viel getan und die Entwicklung geht auch heute immer noch weiter, sowohl in der Praxis als auch im Labor.” Ein ‘Gamechanger’ ist dabei vor allem das sogenannte MIM-System. Bei diesem System ist ein Sprung mit Scharnieren so gebaut, dass sich das Oberteil bewegen lässt. Stößt ein Pferd mit einer gewissen Kraft dagegen, klappt sich bei einem Steilsprung das obere Teil ein Stück nach hinten weg. Bei einem Hoch-Weitsprung, wie beispielsweise dem Tisch, verschiebt sich das Teil zusätzlich ein Stück nach unten. “Im Detail funktioniert das Ganze so, dass die beweglichen Teile der Sprünge von Klammern gehalten werden. Diese wiederum haben eine genormte Kraft, nach der sie auslösen. Wenn das System ausgelöst hat, sind die Teile in der Regel deformiert und können auch nicht wiederverwendet werden”, erklärt Karl-Heinz Nothofer. “Wichtig ist dabei allerdings auch, dass der Sprung fest im Boden verankert ist, damit das System richtig ausgelöst wird. Der Sprung selbst darf sich bei Dagegenkommen nicht bewegen.” 

Airbagwesten können über Rückenprotektoren oder Sicherheitswesten getragen werden und bieten zusätzlichen Schutz. Im Bild zu sehen ist eine Airbagweste, bei der der Airbag ausgelöst hat. 
Foto: PEMAG
Airbagwesten können über Rückenprotektoren oder Sicherheitswesten getragen werden und bieten zusätzlichen Schutz. Im Bild zu sehen ist eine Airbagweste, bei der der Airbag ausgelöst hat.
Foto: PEMAG

Laut dem Experten steigt ab einer Hindernishöhe von circa einem Meter die Gefahr, dass das Pferd mit dem Oberarm hängenbleibt. Damit das Pferd im Zweifelsfall die Vorderbeine wieder schnell genug freibekommt, sollten solche Sprünge also mit dem MIM-System verwendet werden. Erfreulicherweise unterstützt die Stiftung Deutscher Pferdesport seit einigen Jahren die deutschen Veranstalter von Vielseitigkeitsturnieren bei der Ausrüstung ihrer Geländehindernisse mit diesem System. “Die MIM-Systeme werden den Veranstaltern kostenlos zur Verfügung gestellt, inklusive Anleitungen für die Hindernisbauer”, verrät Karl-Heinz Nothofer. Zu den wichtigen Sicherheitsaspekten beim Hindernisbau zählt er aber auch, dass die obere Kante der Sprünge abgerundet sein sollte, damit das Pferd im Zweifelsfall darüber gleiten kann, ohne sich zu verletzen. 

Nicht zuletzt schließt sich in der Vielseitigkeit der Kreis zur geistigen und körperlichen Fitness von Reiter und Pferd. Neben einer Dressur- und einer Springprüfung haben Turnierteilnehmer in dieser Disziplin schließlich auch noch den Geländeritt zu absolvieren – und der verlangt Zwei- wie Vierbeinern nochmals eine gute Konzentration wie auch Konstitution ab. “Wir reden hier schon im leichteren Prüfungssegment von etwa vier bis fünf Minuten Galopp am Stück, wobei es nicht nur um Schnelligkeit und Ausdauer, sondern auch das fehlerfreie Absolvieren von Geländesprüngen geht”, verdeutlicht Karl-Heinz Nothofer. “In den höheren Klassen und bei Championaten sind es auch gerne mal sieben bis elf Minuten Prüfungsdauer. Dazu müssen Pferd und Reiter natürlich entsprechend trainiert sein. Auch auf der Geländestrecke muss ich als Reiter mich und mein Pferd immer wieder reflektieren und sollte, gerade unter dem Sicherheitsaspekt, auch nicht zögern, mein Pferd aus der Prüfung rauszunehmen, wenn es zu müde wird.” 

Fest steht: Ob in Dressur, Springen oder Vielseitigkeit – Reiter haben eine große Verantwortung für ihre eigene Sicherheit sowie die des Pferdes. Sie sollten stets, im Alltag wie auf dem Turnier, bedacht und reflektiert agieren. Sich selbst und das Pferd fit zu halten ist wichtig, nicht nur für turnierambitionierte Reiter. Und natürlich sollte auch nicht an den sicherheitsrelevanten Ausrüstungsgegenständen gespart werden, die genau dann Schutz bieten, wenn trotz aller Vorsichtsmaßnahmen doch mal etwas passiert. 

Sicherheitswesten – Schutz für den Oberkörper 

RRP hat mit Christine Gunia, Marketingmanagerin der USG United Sportproducts Germany, über die verschiedenen Arten von Sicherheitswesten gesprochen. 

Frage: Wann und warum ist das Tragen von Sicherheitswesten beim Reiten empfehlenswert? 

Antwort: “In Geländeprüfungen der Vielseitigkeit zählen die sogenannten Level 3-Sicherheitswesten nach EN 13158-2018 beziehungsweise BETA2018 zur verpflichtenden persönlichen Schutzausrüstung. Wir empfehlen natürlich darüber hinaus – egal ob für das Turnier oder in der Freizeit – immer einen Oberkörperschutz zu verwenden. Dieser soll vor allem vor Schäden an der Wirbelsäule schützen. Hier bietet der Markt viele verschiedene Produkte an. Als Konsument ist man auf der sicheren Seite, wenn das Produkt eine offizielle Zertifizierung hat. Das bedeutet, dass ein solches Produkt von einer unabhängigen Stelle getestet wurde. Diese Tests stellen Situationen nach, die typisch bei Stürzen sind und untersuchen die Einwirkung von Druck auf bestimmte Bereiche des Körpers unter Verwendung des Schutzes.” 

Frage: “Welche Arten von Sicherheitswesten zählen zu den heutigen Standards?” 

Antwort: “Beim Oberkörperschutz unterscheiden wir zwischen Rückenprotektoren, Level 3-Sicherheitswesten und Airbagwesten. Bei Rückenprotektoren handelt es sich um leicht gepolsterte Westen mit einem dicken Rückenpolster, die nach EN 1621-2 zertifiziert sind. Diese sind vor allem bei Kindern eine beliebte Schutzform und werden hauptsächlich im Freizeitbereich angewendet. USG hat übrigens mit dem Precto Future Fit Green den weltweit ersten Oberkörperschutz entwickelt, der komplett aus recycelten Materialien besteht und dabei nach EN 1621-2 zertifiziert ist. Die Level3-Sicherheitswesten sind, wie schon erwähnt, Pflicht in Geländeprüfungen. Das sind dick gepolsterte Westen mit einem Rundum-Polster und Zertifikat nach EN 13158-2018. So tragen beispielsweise Michael Jung und Ingrid Klimke die Weste Flexi Motion von USG. Solche Westen werden aber nicht nur in der Vielseitigkeit, sondern werden auch beim Freizeitreiten häufig genutzt.  

Airbagwesten wiederum bieten einen zusätzlichen Schutz und können über Rückenprotektoren oder Level 3-Westen getragen werden. Die Airbagweste an sich ist ungepolstert, aber mit einem Airbag-Inlett versehen, das erst auslöst, wenn sich Reiter und Pferd trennen. Da bisher noch keine Norm dafür existiert, werden diese Westen derzeit bei allen Anbietern nach eigenen Standards getestet. Unsere Airbagwesten werden nach Maßstäben wie im Motorrad-Sport getestet, so zum Beispiel der EquiAirbag® AIXPLORER. Allerdings existiert bereits eine Arbeitsgruppe, welche Mindestanforderungen und die Legitimierung solcher Produkte für den Reitsport bis Ende 2025 erarbeitet, dann wird es auch passende Test-Anforderungen geben. Diese Westen sind immer häufiger im professionellen Turniersport beliebt, kommen aber auch langsam im Freizeitbereich an. Der Einsatz ohne Level 3-Weste oder Rückenprotektor als Einzelprodukt ist oft im Springsport zu sehen.” 

Tipp: In der Mai-Ausgabe der Rheinlands Reiter+Pferde stellen wir Ihnen das Thema Airbagwesten und verschiedene Modelle noch einmal genauer vor. 


“In der Vielseitigkeit können vor allem die deformierbaren Sprünge schlimme Stürze verhindern, aber gutes Reiten ist durch nichts zu ersetzen.” 
Karl-Heinz Nothofer 

Der RRP-Experte: Karl-Heinz Nothofer

Foto: PEMAG
Foto: PEMAG

Karl-Heinz Nothofer kommt aus Kamp-Lintfort, wo er zusammen mit seinem Bruder einen Pensions- und Ausbildungsstall betreibt. Er ist auf einem Bauernhof aufgewachsen und reitet seit seinem zehnten Lebensjahr. Als ausgebildeter Trainer unterstützt er nicht nur die Reitschüler im heimischen Betrieb, sondern zeichnet sich auch für die Betreuung der rheinischen Nachwuchs-Vielseitigkeitsreiter verantwortlich. Seit Ende 2019 ist Karl-Heinz Nothofer Landestrainer der Junioren und Jungen Reiter im Rheinland. Zudem ist der 66-Jährige national wie international anerkannter Parcoursbauer. Unter anderem ist er Parcourschef am Bundesleistungszentrum in Warendorf und setzt sich in dieser Funktion auch laufend mit dem Thema Sicherheit auseinander. Er engagiert sich zudem seit etwa zehn Jahren in der AG Nachwuchs des Ausschusses Vielseitigkeit bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung und ist hier auch Koordinator für das Thema Sicherheitshindernisse. 

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