
Das abschließende Parcoursspringen des FEI-Nationenpreises von Arville brachte die Entscheidung. Nach dem Gelände war die deutsche Mannschaft dem starken US-Team dicht auf den Fersen gewesen. Doch das Springen hatte es in sich und die vier deutschen Teamreiter sich mit soliden Runden den Sieg erkämpft. Und vielleicht auch einen Platz im EM-Team, denn darum ging es in Arville auch.
Noch sind die endgültigen Entscheidungen nicht gefallen, wer die deutschen Farben bei den Europameisterschaften in Blenheim im September vertreten darf. Das Auswahlkomitee hat die Qual der Wahl nach dem Auftritt der Longlist-Paare in Arville. Wie Bundestrainer Peter Thomsen es ausdrückte: „Die gesamte Longlist, die hier angetreten ist, hat Top-Leistungen gebracht. Einige hatten die Freigabe, eine ruhigere Runde zu drehen, aber alle, die sich noch in Szene setzen wollten, haben das eindrucksvoll getan – teils mit Spitzenplatzierungen.“
Gelegenheiten, sich in Szene zu setzen, bot Arville reichlich. Die Strecke führte über 3.920 Meter mit 22 Hindernissen, 34 Sprüngen über hügeliges Gelände. Hinzu kamen die technischen Herausforderungen. Das verlangte Reitern und Pferden nicht nur konditionell, sondern auch in Sachen Durchlässigkeit, Aufmerksamkeit und Geschicklichkeit einiges ab. 13 Paare schieden im Gelände aus, weitere acht gaben auf.
„Schwer, aber fair“, sei der Kurs gewesen, sagte die Vorsitzende des DOKR-Vielseitigkeitsausschusses, Dr. Annette Wyrwoll. „Man konnte sehen, dass sich die Verweigerungen nicht nur auf ein oder zwei Hindernisse konzentriert haben – sie verteilten sich über den gesamten Parcours. Die Reiter mussten bis zum Schluss konzentriert bleiben. Selbst die kleine Senke am Ziel stellte einige vor Probleme, ebenso wie das Coffin und die Ecken. Aber es war gut – Glückwunsch an den Parcoursbauer.“
Null und in der Zeit kamen nur vier Paare ins Ziel, darunter Anna Siemer mit Butts Avondale, die damit einmal mehr eindrucksvoll ihre Fitness im reifen Alter von 18 Jahren demonstrierte. Damit katapultierten die beiden sich von Platz 36 nach der Dressur auf Rang drei in der Endabrechnung. Sie waren allerdings als Einzelpaar am Start.
Sieg für die deutsche Mannschaft

Für die deutsche Mannschaft ritten Clavin Böckmann auf The Phantom Of The Opera, Libussa Lübbeke mit Caramia, Arne Bergendahl im Sattel von Luthien und Nicolai Aldinger mit Timmo. Alle vier lieferten wunderbare Geländerunden ab, kamen mit nur wenigen Zeitstrafpunkten auf topfitten und motivierten Pferden ins Ziel.
Nach der Dressur hatten sie mit 90,2 Minuspunkten noch an zweiter Stelle hinter Schweden gelegen. Im Gelände übernahmen zwischenzeitlich die USA die Führung mit 95,1 Minuspunkten die Führung, Deutschland mit 96,9 Minuspunkten dicht dahinter.
Dann kam das Parcoursspringen, nicht weniger, nur anders anspruchsvoll als tags zuvor das Gelände. Von den 70 Paaren in der Wertung beendeten nur neun das Springen ohne Fehler, darunter Calvin Böckmann und The Phantom Of The Opera, die sich damit auf Rang zwei in der Endabrechnung vorarbeiten konnten (32,8) hinter Lauren Nicholson und Larcot Z (31,7), denen das gleiche für die USA gelang. Die anderen Mannschaftsreiter kamen jedoch nicht ungeschoren ins Ziel.
4,4 Fehler wurden es für Libussa Lübbeke und Caramia, vier für einen Abwurf, 0,4 für die Zeit. Das reichte dennoch für Platz sechs in der Einzelwertung (35,2). Arne Bergendahl und seine Lucy hatten sowohl im Gelände als auch im Springen nur wenige Zeitfehler (1,6 bzw. 0,4) und schoben sich damit von Rang 46 nach der Dressur auf Platz acht vor (36,5). Eine Top Ten-Platzierung wurde es auch für das vierte deutsche Mannschaftspaar, Nicolai Aldinger und Timmo. Mit nur zwei Zeitfehlern hatten sie einen super Job im Cross gemacht, kassierten im Parcours dann 5,2 Strafpunkte on Top, Rang zehn (38,5).

Die weiteren deutschen Platzierungen
Die beiden Olympiasieger Michael Jung und Chipmunk waren als Führende nach der Dressur ins Gelände gestartet. Jung hatte allerdings von vornherein die Order, dass er sich Zeit lassen könne, und das tat er dann auch. 12,8 Zeitstrafpunkte warfen ihn zwischenzeitlich auf Rang zwölf zurück. Da sie aber eines der neun fehlerfreien Paare im Springen waren, wurde es am Ende noch Platz fünf für Jung und seinen 17-jährigen Routinier (34,6).
Einen tollen zwölften Platz belegten Emma Brüssau und Dark Desire GS (40,0). Malin Hansen-Hotopp und Quidditch K waren Zweite nach der Dressur, mussten sich im Gelände dann elf Strafpunkte für das Auslösen eines Sicherheitssystems anrechnen lassen. Im Parcours hatten sie nur 1,2 Zeitfehler auf dem Konto.
Die beiden Sieger von Hamm-Rhynern, das Rodderberger Erfolgsduo Pia Leuwer und Jard, belegte Rang 20 nach einer starken Dressur (Rang vier, 26,4 Minuspunkten), 15,2 Zeitfehlern im Cross und 5,2 Strafpunkten im Parcours.
Jérôme Robiné und Black Ice waren noch einen Hauch besser in der Dressur, 26,3 Minuspunkte, Rang drei, ließen sich im Gelände aber richtig Zeit, 22,8 Zeitfehler. Im Parcours waren es 2,4 Zeitstrafpunkte sowie ein Abwurf. Das bedeutete Platz 33 für Robiné und seinen 15-jährigen Iren.
Christoph Wahler und D’Accord, die im Frühjahr sensationell null und in der Zeit in Badminton gewesen waren und damit Siebte bei der schwierigsten Vielseitigkeitsprüfung der Welt geworden waren, kamen in Arville mit 15 Strafpunkten für eine „missed flag“ ins Ziel des Geländes. Im Parcours waren sie dann aber wieder souverän: null und in der Zeit, Platz 36. Sie stehen auf der Liste der genannten Paare für den CCI5* in Bughley, der vom 4. bis 7. September stattfindet, also 14 Tage vor der EM. Sollten sie nicht ins Team kommen – sie haben einen Plan B.
Direkt dahinter reihten sich Ann-Catrin Bierlein und Sir Scotty ein, die eine sensationelle Geländerunde abgeliefert hatten mit nur 0,4 Zeitfehlern, im Parcours dann aber 16 Strafpunkte für vier Abwürfe sowie 3,2 Zeitfehler kassierten.
Drei Paare stehen zur Wahl

Während sich Bundestrainer Peter Thomsen sehr zurückhielt, was die Nennung von Namen für die EM angeht, erklärte Dr. Annette Wyrwoll gegenüber der FEI: „Unseren drei besten Einzelpaaren – Michael Jung, Malin Hansen-Hotopp und Jérôme Robiné – haben wir gesagt, dass sie reiten können, wie sie wollen, da sie bereits ausgewählt sind. Die anderen wollten wir für Blenheim testen.“
Deutschland kann sechs Paare benennen. Vier starten für die Mannschaft, zwei ausschließlich in der Einzelwertung. Dazu die Tierärztin, zweifache Pferdewirtschaftsmeisterin und Olympiareiterin von Sydney: „Es ist schade, dass wir nicht fünf Kombinationen in das Team aufnehmen konnten, denn dann hätten wir auch Anna Siemer dabei gehabt.“
Die Entscheidung, welche drei Paare noch mit Blenheim fahren, solle am Dienstagabend im Rahmen einer Zoomkonferenz fallen. „Manchmal ist es besser, ein paar Mal darüber zu schlafen – vor allem, wenn man fünf Reiter und nur drei Plätze hat“, so Wyrwoll. Sie weiß: „Für zwei von ihnen wird es schwer werden. Wir wissen noch nicht, für wen, und selbst dann werden wir bis Blenheim warten und uns den Kurs ansehen, bevor wir das Team und die Einzelreiter endgültig festlegen.“
Weitere Erfolge fürs Rheinland
Neben der Vier-Sterne-Prüfung für den Nationenpreis gab es auch Ein-, Zwei- und Drei-Sterne-Prüfungen in Arville. Die verliefen sehr erfolgreich aus rheinischer Sicht.
Im CCI3*-S triumphierten Brandon Schäfer-Gehrau und Very Special mit ihrem Dressurergebnis von 26,2 Minuspunkten. Direkt dahinter reihten sich Arne Bergendahl und Bronco ein. 28,9 Zähler wurden es für den Sohn von Nationenpreissiegerin Luthien NRW. Abgerundet wurde der Erfolg durch Rang acht von Calvin Böckmann mit der Diarado-Tochter Lillybelle EA (33,6).
Einen weiteren Sieg gab es für Brandon Schäfer-Gehrau im CCI2*-S für die Reiter der Jahrgänge 1994 und jünger. Hier hatte er Cadorico gesattelt, der bereits in der Dressur die Führung übernommen hatte und seine 24,4 Minuspunkte auch ins Ziel brachte. Dahinter reihten sich Konstantin Harting und Caspar ein (28,6), gefolgt von Antonia Baumgart und Lamango (29,5). Über Platz zehn konnte sich Neil Hoffmann mit Lynnlane freuen (31,8).
Im CCI1*-Intro für die Reiter des Jahrgangs 1996 und jünger belegten Antonia Baumgart und ihre erst sechsjährige Karajan-Tochter Kelly Rose Rang drei. Sie hatten nach der Dressur die Führung übernommen mit 26,5 Minuspunkten und fügten dem Ergebnis lediglich vier Strafpunkte für einen Abwurf im Parcours hinzu.
In der anderen Abteilung des CCI1*-Intro hatten Josephine Schnaufer-Völkel und Chemie mit 27,3 Minuspunkten die Nase vorn (28,7). Nicht der einzige Erfolg fürs Rheinland in dieser Prüfung. Arne Bergendahls Verlobte Caro Hoffrichter ritt Archie CC auf den dritten Platz (30,1). Direkt dahinter platzierten sich Johanna Voelkel-Hilbrich und Alf Ph (32,7). Ben Leuwer und der sechs Jahre junge Cascadello-Sohn Casanova beendeten an achter Stelle (36,0).





