
2015 hat Ludger Beerbaum das Reitsportzentrum Riesenbeck International eröffnet. Seither haben dort bereits Europameisterschaften in Springen, Dressur und Para-Dressur stattgefunden, dazu die Deutschen Meisterschaften der U25-Springreiter und Global Champions Tour- und -League-Etappen. So, wie dieses Wochenende. Vorschau auf die DM und Gelegenheit für Gastgeber Beerbaum und Riesenbeck International-Geschäftsführer Karsten Lütteken, die letzten zehn Jahre Revue passieren zu lassen.
Zum zweiten Mal ist Riesenbeck Gastgeber der Deutschen Meisterschaften der U25-Springreiter. Die werden im gleichen Modus ausgetragen wie ein Seniorenchampionat – los geht es mit einer Zeitspringprüfung, in der Fehler in Zeit umgerechnet werden und anhand der Platzierung Punkte vergeben werden, die die Teilnehmer, dann durch die Wertungen mitnehmen. Das Rechenverfahren ist etwas kompliziert. Die benötigte Zeit der Paare wird erst halbiert und dann die Zeit des Siegers davon abgezogen. Das bedeutet, dass der Sieger mit null Strafpunkten in den weiteren Wettkampf geht und alle nachfolgenden mit der entsprechenden Differenz. So ist nach Tag eins noch vieles offen, denn die Paare trennen oft nur wenige Zehntel voneinander.
Rheinische DM-Teilnehmer
Aus dem Rheinland sind fünf Paare mit dabei, die in der ersten Wertungsprüfung alle unter die Top 15 der 28 Starter kamen. Die aussichtsreichste Position hat sich nach Tag eins Liam Broich mit seinem Cadou Z erkämpft. Mit 0,51 Punkten sind sie Vierte nach der ersten Wertung. Vierte waren die beiden übrigens auch im Finale von Deutschlands U25-Springpokal in Aachen.
An achter Stelle reihte sich in der Platzierung Anna Maxi Althoff vom RV Hebborner Hof mit ihrem 16-jährigen Cardento-Sohn Enzo ein (1,59). Direkt dahinter liegt ihr Laura Hetzel, Tochter des rheinischen Landestrainers Holger Hetzel, mit der elfjährigen Jet V auf den Fersen (1,99). Hetzel war ebenso Finalistin des U25-Springpokals wie Lia Sophie Bolten, die gestern mit ihrer Charming Cassilia auf Platz zwölf sprang (2,63).
Ehe er zu den Europameisterschaften der Vielseitigkeitsreiter nach Blenheim aufbricht, macht Calvin Böckmann in Riesenbeck bei der U25 DM der Springreiter Station. Mitgebracht hat er den acht Jahre jungen Hengst Diro v. Diamant de Semilly, mit dem er gestern auf Rang 15 sprang, keinen Springfehler hinter dem Sieger (3,62).
Das war Hannes Ahlmann im Sattel des KWPN-Hengstes Madness v. Kannan. Das Duo drehte die schnellste Runde von 73,70 Sekunden und führt das Ranking dementsprechend an.
Interview mit den Riesenbeck International-Chefs
Ludger Beerbaum und Karsten Lütteken schauen zurück auf die Entwicklung des Reitsportzentrums Riesenbeck International und geben einen Ausblick in die Zukunft.
Sie feierten die Eröffnung der großen Reithalle vor zehn Jahren mit einem internationalen Turnier, an dem schon Olympiasieger wie Jeroen Dubbeldam und Steve Guerdat teilgenommen haben. Gab es damals Gedanken, Pläne und Hoffnungen, dass hier ein weltweit anerkanntes Reitsportzentrum entstehen könnte?
Ludger Beerbaum: Nein. Das war nicht das primäre Ziel. Natürlich haben wir das auch gemacht, um Veranstaltungen abzuhalten, aber die ursprüngliche Idee, überhaupt eine große Halle zu bauen, war noch mehr dadurch geprägt, dass wir noch mehr Platz zum Trainieren brauchten. Dann haben wir gesagt, wir schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe. Nur zum Trainieren brauchten wir keine so große Halle, wir wollten auch gerne Veranstaltungen machen. Aber dass wir so große internationale Turniere veranstalten würden, das war nicht der erste Plan. Die Organisation der Europameisterschaften der Springreiter kurze Zeit später hat sich ergeben und war nicht wirklich geplant. Und die Tatsache, dass zwei Olympiasieger zu Gast waren, das hat mit deren Freundschaft mit mir zu tun …
Karsten Lütteken: Es gab eher die Hoffnung und Gedanken als konkrete Pläne, wie sich das Reitsportzentrum entwickeln sollte. Aber es war natürlich unser Wunsch, Reiter von diesem Kaliber hier in Riesenbeck zu begrüßen.
Welche Baumaßnahmen sind in der Zwischenzeit erfolgt? Kommen die guten Reiter deswegen nach Riesenbeck?
Karsten Lütteken: Herausragend ist sicherlich der Bau der Stallungen zu den Europameisterschaften 2021. Damit hat sich Riesenbeck ganz klar eine Alleinstellung im internationalen Turnierzirkus erarbeitet und konnte seitdem bei vielen Veranstaltungen mit dieser Situation viele Pferdesportler und viele Reiter und Pfleger begeistern und davon überzeugen, regelmäßig nach Riesenbeck zu kommen.
Darüber hinaus haben wir in den Jahren sowohl das Rasenstadion ein wenig modernisiert als auch zwei große Sandplätze völlig neu installiert und sind damit das ganze Jahr über bestens aufgestellt.
Ludger Beerbaum: Die Baumaßnahmen allein, im wesentlich die 350 festen Boxen, sind nicht primär ausschlaggebend, dass viele gute Reiter regelmäßig kommen. Ich glaube vielmehr, dass grundsätzlich das Turnier- und das Prüfungsangebot den Ausschlag dafür geben, dass die Reiter kommen. Ein Beispiel ist die Longines Global Champions Tour. Mit der Tatsache, dass wir diese Serie ausrichten, haben wir automatisch immer ein Dutzend oder noch mehr Topreiter hier. Ich glaube, es ist ein Mix von allem. Die Turniere, die wir veranstalten, natürlich auch – das hat sich ja herumgesprochen -, die Bedingungen, die ganz gut sind. Und dass da eine Infrastruktur mit festen Boxen, großen Fenstern drin, zur Verfügung steht, ist dabei nicht abträglich. Es ist von allem etwas: die Turniere, das Prüfungsangebot, selbst die normalen Arbeitsturniere, die late entries, das ist für die Profis ein super Angebot, ihre Pferde auf den Weg zu bringen. Natürlich machen die das lieber bei guten Bedingungen.
Wie wichtig sind diese Anlage und die vielen Aktivitäten für das zweite Standbein, den Handel mit Pferden?
Ludger Beerbaum: Das ist schon nicht unwichtig. Nicht so sehr bezogen auf das Wort „Handel“ mit Pferden. Sondern mehr bezogen darauf, dass wir dadurch die Gelegenheit haben, sehr viele Pferde zu scouten und sie zu sehen. Das ganze Jahr kommen hier viele hunderte Pferde her. Ganz viele sind nicht zu verkaufen, aber wir sehen halt viele. Das ist das erste. Aber daraus resultiert noch nicht gleich der Handel. Der kommt dann erst hinterher. Für uns ist es auch angenehm, dass die ganzen jungen Pferde nicht durch die Gegend kutschiert werden müssen, sondern hier vorgestellt werden können und Turniererfahrung machen.
Wie sieht ein normales Jahresprogramm inzwischen bei Riesenbeck International aus?
Karsten Lütteken: Inzwischen hat es sich so eingespielt, dass wir ungefähr zehn internationale Turniere am Wochenende auf Zwei-Sterne-Niveau austragen. Diese sind ein klares Angebot in erster Linie an den Profisport und an die internationale Springsportszene. Alle Zuschauer sind jederzeit herzlich willkommen und der Eintritt ist immer kostenlos. Aber es sind tatsächlich keine großen Zuschauer-Events. Das behalten wir uns für ein oder zwei große Veranstaltungen im Jahr vor. Für die kommenden drei Jahre wird hier sicherlich die Longines Global Champions Tour die entscheidende zentrale Veranstaltung sein.
Es ist dieser Tage für Pferdesportveranstaltungen nicht einfach große Turniere auszurichten, die sich finanziell zumindest tragen. Die Kosten sind hoch, eine Sponsorensuche gestaltet sich zunehmend als schwierig. Das Fernsehen reduziert die Berichterstattung bis auf Aachen und Hamburg. Wie geht Riesenbeck mit dieser Problematik um?
Karsten Lütteken: Diese Problematik erkennen wir, haben wir seit Anbeginn unserer Aktivitäten als Turnierorganisator immer im Blick gehabt und wir sehen uns daher auch nicht nur als reiner Turnierveranstalter im Sinne eines Eventorganisators. Wir sehen uns viel stärker als Plattform für den Pferdesport sowohl intern, bei dem der Pferdesport sich untereinander vernetzt und auch Geschäfte machen kann, Handel betreiben kann, quasi den Wirtschaftsfaktor fährt, einfach um diesen weiter zu stärken, als auch in der Position, mit dem doch herausragenden Sportstall, den Beerbaum Stables, Teil der Turnierlandschaft zu sein. Und wir haben die Absicht, auch ein bisschen was an andere Sportler zurückgeben zu können und weiterhin Turniere auf höchstem Niveau zu organisieren.
Ludger Beerbaum: Da sind wir in einer vielleicht einzigartigen Situation, und das ist für uns schon von Vorteil gegenüber anderen Veranstaltern. Wenn wir nur Turniere veranstalten würden, hätten wir dasselbe Problem wie die anderen. Aber weil das Veranstalten von Turnieren eine von vier oder fünf Säulen ist, und die eine ein bisschen von der anderen lebt, können wir das ganz gut kompensieren. Wir haben ja neben der Turnierveranstaltung die Bereiche Ausbildung von Schülern und das Scouten und Anbieten von Pferden. Im Gesamtkonzept „Pferdewirtschaft“ ist das für uns vielleicht ein bisschen einfacher zu ertragen wie zum Beispiel die Tatsachen, dass es mit dem Fernsehen weniger wird, dass uns die großen Sponsoren eben nicht die Tür einrennen. Wir können unterschiedlich gewichten. Und deshalb funktioniert das für uns.





