
Der Rosenhof in Görlitz war die sechste von acht Qualifikationen für das Finale des Nürnberger Burg-Pokals 2025. Eine Reiterin, die in Frankfurt schon einmal ganz vorne stand, hat in Görlitz ein weiteres vierbeiniges Talent für den Showdown in der Festhalle qualifiziert.
Als Beatrice Hoffrogge das letzte Mal in Frankfurt siegte, hieß sie noch Buchwald mit Nachnamen und die Reiter trugen noch Zylinder. Damals legte sie den Grundstein für die großartige Karriere der Oldenburger Stute Weihegold. Anders als diese, die sie kurz nach dem zweiten Sieg in der Festhalle (erst Burg-Pokal, dann Louisdor-Preis) an ihre damalige Chefin Isabell Werth abgeben musste, wird sie den Oldenburger, mit dem sie gestern in Görlitz das Ticket für Frankfurt löste, aber wohl behalten können. Denn auf dem Hof Hoffrogge hat jeder ein „Hobbypferd“, also eines, das nicht zum Verkauf steht. Und Beatrices Hobbypferd ist der achtjährige Zuperman OLD, der in Görlitz allen davongaloppierte.
10,0 im Galopp
„Ich freue mich wirklich jeden Tag auf ihn. Er ist unheimlich intelligent, unheimlich gut auszubilden“, schwärmt Beatrice Hoffrogge von dem achtjährigen Zack-Enkel. „Er hat unheimlich viel Kraft und Power, ist aber andererseits auch ein bisschen speziell, ein bisschen sensibel. Es ist das Gesamtpaket“, beschreibt sie. Das gefiel auch den Richtern: Alle fünf Richter sahen das Paar an der Spitze trotz eines doppelt teuren Patzers in der Linkspirouette, wo der einstige Prämienhengst kurz das Gleichgewicht verlor und fast ausfiel. Dabei ist die Galopptour eigentlich eines der Highlights des Bronzemedaillengewinners der WM der sechsjährigen Dressurpferde 2023. Er fühle sich nicht an wie eine 10, sondern wie eine 12, sagte Hoffrogge im Vorfeld der Prüfung.
Das konnte Olympiasiegerin Heike Kemmer, die die Ritte kommentierte, gut nachvollziehen: „Schon der schöne Mittelgalopp an der langen Seite, den schaut man gerne an. Aber dann zu genießen, wie der im starken Galopp ins Bergauf vergrößert und sich dann aber auch wieder zurücknehmen lässt für den fliegenden Wechsel, das ist Bea schon sehr gut gelungen!“ Tatsächlich gab es im Mittelgalopp die Höchstnote 10. Im starken Galopp wurden es zwei Neunen.
Kemmer konnte sich aber nicht nur für den Galopp begeistern: „Mich beeindruckt die Geschmeidigkeit in den Trabverstärkungen, wie er sich fast katzenhaft weich bewegt, obwohl er als Hengst ja auch Masse hat, es aber dann trotzdem elegant und leichtfüßig rüberbringt.“
Und was den Patzer in der Pirouette angeht, hatte Hoffrogge selbst die Erklärung: „Ich hatte versucht, ein bisschen mehr Risiko in der Pirouette zu nehmen, weil draußen klappen die prima. Da habe ich mich geärgert.“ Nicht ärgern, einfach weiter üben. Mit ihren 73,878 Prozent haben sie das Ticket für das Finale des Nürnberger Burg-Pokals vom 17. bis 21. Dezember 2025 gelöst.
Mit Grazie auf Rang zwei
Platz zwei ging mit 72,366 Prozent an ein Paar, das schon letztes Jahr beim Bundeschampionat mit tollen Runden auf sich aufmerksam machte und Silber holte: Greta Busacker und ihre achtjährige westfälische For Dance-Tochter Frieda NRW. Man muss gar nicht wissen, dass Greta Busacker die Tochter von Ingrid Klimke ist, man sieht es am Reitstiel – der geschmeidige tiefe Sitz, die ruhige Schenkellage, die aufrechte Hand, die immer bestrebt ist, nach vorne mitzugehen bzw. der immer hinterher geritten wird. Kein Wunder, dass Busacker diese Saison schon bei zwei Stationen den Sonderehrenpreis für Sitz und Einwirkung bekommen hat.
Leider kamen im Galopp leichte Spannungen auf. Die Stute hob sich etwas heraus und wurde in diesen Momenten fest im Rücken und sprang den Galopp nicht mehr durch den Körper. Das sah man in der zweiten Pirouette, vor allem aber in den Serienwechseln. Doch Greta Busacker blieb so weich in der Hand wie zuvor, hielt Frieda am Sitz und ritt über diese Momente geschickt hinweg. So wurde die harmonische Runde nicht gestört.
Heike Kemmer war voll des Lobes für Sitz und Einwirkung der Reiterin: „Man sieht das schon im Trabe, wie Greta eins ist mit ihrer Stute und zu einer Einheit verschmilzt. Das ist wirklich Ausdruck eines geschmeidigen Sitzes, einer weichen Hand, die in Richtung Pferdemaul arbeitet. Das ist genau das, was das höchste Ziel und ist, und Greta verkörpert das in allerbester Ausführung.“
Platz drei für Segantini
Letzte Woche waren Dorothee Schneider und Segantini noch Finalisten bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde, wo Segantini eindrucksvoll demonstrierte, dass er Energie und Kraft für drei hat, das aber leider nicht immer produktiv aufs Viereck bringt. Da hatte Dorothee Schneider ihn auf Trense vorgestellt. Das ist beim Burg-Pokal nicht erlaubt, da muss es die Kandare sein. Damit schien der siebenjährige Secret-Sohn sich wohler zu fühlen als auf Trense, war aufmerksamer als noch in Verden, kaute und blieb mit der Konzentration im wesentlichen auf dem Viereck. Zu den Highlights gehörten die beiden schon sehr klein gesprungenen Pirouetten sowie die bereits sehr geradegerichteten Viererwechsel. In den Dreiern gab es in kleines Versehen, als der Hengst vorne einmal nicht mitsprang. Toll dann wieder die ganze Parade auf der Mittellinie mit diagonalem, willigen Rückwärtsrichten und prompten Antraben. Unter dem Strich kamen sie auf 72,195 Prozent und damit Rang drei.
Das Fazit von Dorothee Schneider: „Ja, schade um die Dreier. Aber insgesamt liebe ich es einfach, diese Pferd auszubilden und zu reiten. Der ist so besonders, der hat so viel Qualität und Versammlungsbereitschaft und auch Wille, sich dynamisch zu bewegen und zu präsentieren. Das ist einfach ein Genuss.“
Auch wenn er im Schritt einmal wieherte, das nimmt die Reitmeisterin gelassen. „Ja, das macht er manchmal noch. Aber er ist auch im Deckeinsatz. So ist das bei Hengsten manchmal, und der ist erst siebenjährig. Aber insgesamt bin ich super super happy mit der Runde. Und das ist ja auch eine schwierige Aufgabe für siebenjährig!“, gibt sie zu bedenken. Ergo: „Der hat richtig einen rausgehauen!“
Hengstparade
Von den elf Pferden in der Burg-Pokal Qualifikation von Görlitz waren insgesamt sechs Hengste. So auch der Viertplatzierte, der einstige Reitpferde-Bundeschampion Damaschino v. Danone I vom Klosterhof Medingen. Er wird seit Anfang des Jahres von Tessa Frank geritten und man kann sich nur wünschen, dass sie gut zusammenwachsen, denn der neunjährige Hannoveraner ist wirklich ein Ausnahmepferd, was sich in Görlitz insbesondere in der Trab- und Schritttour zeigte. In der Galopptour gab es hingegen noch kleine Unsicherheiten, besonders in den fliegenden Wechseln. In der Summe wurde es Rang vier mit 71,024 Prozent.
Noch ein ehemaliger Reitpferde-Bundeschampion, der früher auf dem Klosterhof im Einsatz war, ist der Vitalis-Sohn Va‘ Pensiero. Nachdem ihre Wege sich zwischenzeitlich trennten, sitzt nun wieder Hannah Laser im Sattel des Braunen. Auch ihnen gelang ein wunderschönes Halten und Rückwärtsrichten! Beim Finale in Frankfurt hätte es an dieser Stelle den Sonderehrenpreis gegeben. Auch die Trabtour war toll anzusehen. Im Schritt neigte der Hengst etwas zum Paradieren und im Galopp kam er immer mal wieder hinter die Senkrechte, obwohl die Reiterin sichtlich bemüht war, ihn vor sich zu halten. Dennoch alles in allem eine ansprechende Runde, die mit 70,317 Prozent und dem fünften Platz belohnt wurde. Auch wenn es mit Va‘ Pensiero nichts wurde, Hannah Laser hat mit Rod Laver in Elmlohe bereits einen anderen Hengst für Frankfurt qualifiziert.
Gleichauf auf dem fünften Rang platzierte sich die frisch gebackene U25-Europameisterin Anna Schölermann, Bereiterin bei Hubertus Schmidt, mit einem weiteren Vitalis-Sohn: Vitally PCH. Apropos Weihegold und Burg-Pokal – dieser auch erst siebenjährige Dunkelfuchshengst ist ein direkter Sohn dieser absoluten Ausnahmestute. Das sieht man nicht nur an seiner Qualität, sondern man merkt es laut seiner Reiterin vor allem an seinem Charakter. Anna Schölermann: „Ich sage immer, das ist das perfekteste Pferd, was wir im Stall haben! Ich kann nichts Negatives über dieses Pferd sagen. Der ist im Umgang toll. Das ist ein ganz ganz liebes Pferd, da würde ich jedes kleine Kind drauf setzen. Trotzdem hat der eine Wahnsinnsqualität und so ein Herz – der ist schon toll …“
Dahinter reihte sich ein weiterer gekörter – und in diesem Fall auch prämierter – Hannoveraner Hengst ein: der Bon Coeur-Sohn Bon Courage, seinerseits bereits Vater von Prämien- und Siegerhengsten und nun mit neun Jahren mit Thomas Schulze auch sportlich immer besser im Einsatz. Eine Prüfung mit vielen Highlights vor allem in der Trabtour führte zu 69,073 Prozent. Für solche Kleinigkeiten wie versammelten Schritt und dann noch Schrittpirouetten schien dem wunderschönen Dunkelfuchs jedoch einfach die Geduld zu fehlen. Hier kam Spannung auf. Aber der Hengst ließ auch erkennen, dass für ihn in Klasse S*/** nicht Schluss sein muss, sondern dass auch auch durchaus Talent für die Trablektionen höchster Versammlung mitbringt.





