
Quinn G ist Weltmeisterin der siebenjährigen Dressurpferde. Damit gibt es nun drei Pferde mit der „Triple Crown“, die fünf-, sechs- und siebenjährig die WM junge Dressurpferde gewonnen haben: Sezuan, Fiontini und Quinn G. Alle drei kommen aus dem kleinen dänischen Zuchtverband DWB, der inklusive Springfohlen jährlich nur rund 1800 Neuzugänge zählt. Aber es kommt eben auf Qualität und nicht auf Quantität an, wie man dieses Wochenende wieder sehen konnte. Von den deutschen Pferden schaffte es keines unter die besten drei.
Es war ein interessantes Finale bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde mit drei Medaillenträgern, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Den dritten Titel ihrer Karriere sicherte sich die dänische Stute Quinn G. v. Quaterhit-Fassbinder, gezogen von Helene Geervliet mit 81,650 Prozent.
Silber ging mit 79,307 Prozent an den KWPN-Hengst Most Wanted Nero von Bellin v. Morricone-Donnerball (Z.: C.J. Bruin), den Leonie Richter für das MJS Gestüt von Bellin präsentiert. Über Bronze freute sich noch einmal das KWPN, diesmal dank der Vorstellung von Charlotte Fry und Ilegro aus der Zucht und im Besitz von Gertjan van Olst (78,650 Prozent).
Quinn, die Ja-Sagerin
Sie hat es geschafft. Auch wenn ihre Reiterin vorher eine schlaflose Nacht hatte. Keine Frage, Quinn G. ist ein tolles Pferd! Für das Gesamtbild hätte man sich aber eine dezentere Einwirkung der Reiterin (und Besitzerin) gewünscht. Die Quaterhit-Tochter trabt erhaben, geschmeidig, locker durch den Körper und mit viel Energie. Auf der rechten Hand schien sie sich in den Seitengängen etwas williger stellen und biegen zu lassen als nach links. In den Verstärkungen wurde sie minimal eilig. Aber alles in allem ein herrliches Bild. Die Wertnote für den Trab: 9,2.
Im Schritt zog die athletische Fuchsstute deutlich zur Hand hin, hielt den Takt in allen Tempi mit ergiebigem Vor- und Übertritt, 8,8.
Im Galopp zeigte Quinn G. recht schöne Serienwechsel und Pirouetten. Insgesamt wünschte man sich hier aber eine ausgeprägtere Schwebephase und zeitweilig einen klareren Dreitakt. Im Laufe der Prüfung verlor die Stute auch etwas die Bergauftendenz.
Die Richter lobten in ihrem Kommentar insbesondere die Bereitschaft, Last aufzunehmen und gaben auch hier eine 9,2.
Die Selbsthaltung war ein Thema, das die Richter in der Durchlässigkeitsnote berücksichtigten, 8,5.
Was die Perspektive angeht – man muss Quinn G. nicht geritten haben, um zu verstehen, warum Fiona Bigwood von ihrer Arbeitseinstellung schwärmt. Was auch immer sie „fragt“, Quinn sagt immer: „Ja, klar!“ Abgesehen von ihrer Qualität, die mit 9,2 bewertet wurde, dürfte vor allem das ihr den Weg in den großen Sport ebnen. Denn der ist das Ziel. Daran lässt Fiona Bigwood keine Zweifel aufkommen.
„Sie geht jetzt erstmal auf die Weide und über den Winter beginnen wir ein bisschen mit den Grand Prix-Lektionen zu spielen“, stellt sie in Aussicht.
Der verkannte Großvater
Dass Züchterin Helene Geervliet superstolz auf Quinn G. ist und sich freut, dass die Stute in so gute Hände gekommen ist (zu Fiona Bigwood gewandt sagte sie: „Ich merke, Sie lieben sie.“), versteht sich von selbst. Die Idee zu der Anpaarung von Quaterhit mit der einem hannoverschen Mutterstamm entspringenden Fyrstin Laura hatte aber gar nicht sie selbst, gab sie zu. Da habe sie einen sehr guten Berater, dem sie nicht zum ersten Mal zum Dank verpflichtet sei, wie sie selbst sagt.
„Wir haben die Mutter wegen des Hengstes Fassbinder gekauft. Er hat nur wenig gedeckt, wurde dann nach England verkauft und gelegt, bevor klar wurde, wie toll er sich vererbt hat.“ Denn Fassbinder – seinerseits ein Fürst Heinrich-Sohn aus der Vollschwester zu Cathrine Laudrup-Dufours Cassidy – ist unter anderem auch Vater der anderen dänischen Triple-Weltmeisterin Fiontini, die nun für die USA Grand Prix geht.
Die Anpaarung mit Quaterhit haben man wegen dessen Muttervater Lauries Crusador xx vorgenommen – „wegen des guten Temperaments“, wie Geervliet sagt. Quinn G ist das lebende Beispiel, dass diese züchterische Rechnung zu 100 Prozent aufging.
Von null auf Silber
Schwarz, schön, elegant, talentiert – das ist Leonie Richters KWPN-Hengst Most Wanted Nero v. Morricone-Donnerball. Dahinter steht ein niederländischer Mutterstamm. Die beiden hatten den Umweg über kleine Finale nehmen müssen. „Leonie ist das beste Beispiel, dass das kleine Finale Sinn macht“, wie Chefrichter Henning Lehrmann betonte. In der ersten Qualifikation fehlte es dem turniermäßig recht unerfahrenen Hengst noch an der nötigen Gelassenheit, was sich unter anderem im Schritt bemerkbar machte. Doch schon im kleinen Finale zeigte er, was er kann und siegte. Um heute dann noch einen drauf zu legen und eine kleine Sternstunde in den Verdener Sand zu zaubern.
Für den Trab gaben die Richter eine 9,3, für den Galopp eine 9,0, für die Durchlässigkeit die Tageshöchstnote von 9,2 und in der Perspektive ebenfalls eine 9,0. Der Schritt war auch heute die schwächste Grundgangart, aber im „ziemlich guten“ Bereich, 7,2.
Dass die beiden auch in den technischen Bereichen jeweils über 70 Prozent erhielten, ist nicht selbstverständlich. „Vor einem Jahr sind wir von nichts gestartet. Bei der ersten Sichtung hat man auch gemerkt, dass er eigentlich noch nicht so weit ist.“ Aber er hat schnell gelernt und ist als Nachrücker ins niederländische Aufgebot vorgestoßen. Zweite Chancen zu nutzen, ist offensichtlich das Ding dieses Paares. Leonie Richter: „Ich habe hier gemerkt, dass er von Tag zu Tag mehr Selbstbewusstsein bekommen hat und entspannter in der Prüfung wurde.“
Auch Most Wanted Nero bekommt jetzt erstmal Pause. Für das kommende Jahr stehe eventuell der Nürnberger Burg-Pokal auf dem Programm, sagt Leonie Richter. Dann werden sie und der Hengst bereits umgezogen sein. Ende des Jahres verlässt Richter Helgstrand Deutschland, um sich auf der heimischen Anlage selbstständig zu machen.
Bronze an Valegros Neffen
Im Trab führte kein Weg vorbei an Charlotte Frys Kraftpaket Ilegro – Takt (!!), Elastizität, Aktivität, Abdruck, alles vorhanden. Auch wirkte der Hengst heute zunächst relaxter als noch in der Qualifikation. Hier gab es die Tageshöchstnote von 9,5. In den Verstärkungen blieb er allerdings sehr eng im Hals.
Der Schritt ist die Schwachstelle des Inclusive-Sohnes aus einer Vollschwester zu Charlotte Dujardins dreifachem Olympiasieger Valegro. Vor- und Übertritt sind begrenzt. Aber weil er sicher im Takt ist und das auch mit in die Versammlung nimmt, gaben sie noch eine 7,2.
Ilegros Grundgalopp ist überzeugend in Aktivität, Abdruck und Bergauftendenz. Allerdings kamen hier Spannungen auf. Es gelang Fry zwar, den Hengst auch durch diesen Teil der Aufgabe weitgehend fehlerfrei durchzulavieren, aber wirkliche Lastaufnahme fiel Ilegro schwer und die Anlehnung war sehr fest. Die geforderte Unabhängigkeit von der Hand war da (noch?) nicht erkennbar. In den Serienwechseln entlud die Spannung sich dann in einem etwas „überaktiven Hinterbein“, wie die Richter es ausdrückten. Ilegro bockte nicht, schlug auch nicht aus, er wich mit den Hinterbeinen im Moment des Wechsels nach oben seitwärts aus. 8,8 gab es hier.
„Nicht jeder wäre in der Lage, dieses Kraftpaket zusammenzuhalten“, zollten die Richter der Reiterin Respekt. Aufgrund der Spannungsmomente gingen sie in der Durchlässigkeit auf eine 8,4 herunter, sahen aber eine „sehr gute“ Perspektive, also 9,0.
Charlotte Fry sagte selbst, dass es da noch „grüne Momente“ in der Aufgabe gab. „Kein Grund traurig zu sein“, betonte sie. „Der Trab war fantastisch, der Schritt viel besser.“ Und was die Zukunft angeht, der sieht sie mit Freude entgegen. „Über den Winter werden wir anfangen, mit Piaffe und Passage zu spielen. Das wird ein Spaß!“
Die deutschen Ergebnisse
Das beste deutsche Paar landete auf Rang sechs: Franz Trischberger mit dem Oldenburger Wallach Zewano OLD v. Zackerey-Romanov, gezogen von Alessandro Alemani aus dem berühmten Rudilore-Stamm und im Besitz des Ehepaars Norbert und Sandra Nuxoll. 8,4 für Trab und Galopp, 8,8 im Schritt, 8,2 für die Durchlässigkeit und 8,6 für die Perspektive summierten sich zusammen mit den technischen Bewertungen von um 70 Prozent zu 77,186 Prozent insgesamt.
Direkt dahinter landete mit 75,965 Prozent der Westfalen-Hengst Zulu GV v. Zarathustra MT-Sorento, wobei das GV für das Gestüt Vorwerk bzw. Elisabeth Max-Theurer als Züchter und Besitzer steht. Laura Strobel setzte den Hengst mit unglaublich viel Gefühl und Geschick in Szene, fand immer genau das richtige Maß, ihn zu fordern, ohne ihn zu überfordern. Insgesamt wünschte man dem Hengst ein bisschen mehr positive Eigeninitiative. Oder wie die Richter es ausdrückten: mehr Verbindung vom Bein zur Hand, wobei zu erahnen war, dass Strobel nicht mehr Druck hätte machen dürfen.
Bei den drei weiteren deutschen Paaren schlichen sich heute teure Fehler ein. Dorothee Schneider ritt den Secret-Fidermark-Sohn Segantini (Z.: Dr. Christine Feichtinger, B.: Maik Kanitzky) mit 74,779 Prozent auf Rang zehn. Der Hengst kämpfte heute mit seinen Hormonen, wieherte mehrfach laut und mit Körpereinsatz und machte sich im ersten starken Trab einmal frei. Überhaupt wirkte er nicht wirklich zufrieden in der Anlehnung und schien abgelenkt zu sein, so dass sich auch im weiteren Verlauf der Prüfung noch Fehler einschlichen, die eine bessere Platzierung verhinderten.
Auf Rang elf reihten sich Stefan Wolff und der westfälische Escolar-Vitalis-Sohn Elliot the Dancer NRW ein (Z.: Leo Hermanns, B.: BG Hildebrandt/Margossian). Dieser Fuchs bringt in Sachen Qualität alles mit, was man sich für ein Grand Prix-Pferd wünscht. Und hätte die Aufgabe nur aus der Trabtour bestanden, er wäre ganz vorn dabei gewesen (9,0). Im Galopp schlichen sich heute allerdings diverse Fehler ein, vor allem in den Serienwechseln. Vielleicht nur eine Frage von Kraft und Losgelassenheit. 74,586 Prozent lautete das Endergebnis der beiden.
Als letztes Paar der Prüfung betraten der bildschöne Trakehner Hengst Gaspard v. His Moment-Imperio (Z.: Dr. Angelica Lauritzen, B.: Nicole Derlin) und seine dänische Reiterin Cecilie Hedegaard das Viereck. Als Dritte der Qualifikation traute man den beiden durchaus eine Medaille zu. Doch schon nach der Grußaufstellung startete Gaspard erstmal im Galopp statt im Trab, und in der Trabtour galoppierte er mehrfach an. Es sollte heute einfach nicht sein. 69,486 Prozent bedeuteten am Ende Rang 14.





