Lena Matzke ist Chef-Groom in Calvin Böckmanns Stall.
Lena Matzke ist Chef-Groom in Calvin Böckmanns Stall.

Pferdepfleger zu sein, ist eine Lebenseinstellung

Ohne sie geht nichts: Die Pferdepfleger sorgen dafür, dass der Hochleistungssportler Pferd rundum versorgt ist und damit auch bereit, sein Bestes im Parcours oder im Viereck zu geben. Wir haben mit Nachwuchsstar Calvin Böckmann darüber gesprochen, warum Grooms eines der wichtigsten Rädchen im Pferdemanagement sind.

Ein Groom zu sein, ist eine Lebenseinstellung. Denn wenn es um die Versorgung der Vierbeiner geht, ist eine Rundum-die-Uhr-Betreuung unerlässlich – insbesondere, wenn es sich um Hochleistungspferde handelt. Genau aus diesem Grund war Vielseitigkeitsreiter Calvin Böckmann im vergangenen Jahr auf der Suche nach einem neuen Chef-Groom für seinen Stall. Ein Unterfangen, dass sich als schwieriger herausstellen würde als gedacht: Nur wenige Bewerbungen erreichten den Top-Reiter, als er eine Ausschreibung auf Instagram veröffentlichte. „Ich habe 24.000 Follower, da sollte man eigentlich meinen, dass man dort schnell fündig wird“, erinnert er sich. Am Ende trudelten lediglich vier Bewerbungen ein, von denen zwei Personen gar keine Ahnung von Pferden hatten und eine erst 16 Jahre alt war. „Pferdepfleger zu sein, bedeutet jede Menge Fachkenntnis, Verantwortung und Hingabe“, ist Böckmann überzeugt. Offenbar seien nur noch die Wenigsten bereit, diese einzugehen. Aber am Ende hatte er doch Erfolg bei der Groom-Suche: „Dann kam die Bewerbung von Lena und die war wirklich ein Glücksgriff“, erzählt Böckmann.

Lena Matzke: Ein echter Glücksgriff

Lena Matzke, kommt ursprünglich aus Brandenburg und war zu dem Zeitpunkt ihrer Bewerbung selbstständige Bereiterin in Berlin-Brandenburg. „Vor zwei Jahren hatte ich einen schweren Reitunfall mit einem mehrfachen Beckenbruch, der mir bis heute noch etwas Probleme bereitet. Daher war ich auf der Suche nach einer neuen Aufgabe, da es mir zunehmend schwerer fiel, als selbstständige Bereiterin unterwegs zu sein“, erzählt Matzke. „Und ich hatte das Gefühl, es ist nun Zeit für was anderes. Ich wollte noch ein bisschen etwas Neues lernen und erleben. Zudem war es in Berlin-Brandenburg alles eher stagnierend, das ist nicht so ein Pferdeland wie Nordrhein-Westfalen.“ Sie war überzeugt: „Wenn man was lernt, dann am DOKR. So ein Job macht sich sicherlich gut im Lebenslauf, daher habe ich die Chance ergriffen und mich beworben.“

Pferdepfleger zu sein, bedeutet jede Menge Verantwortung und Hingabe

Calvin Böckmann ist überzeugt: „Die Pferdepfleger sind eines der wichtigsten Rädchen im Pferdemanagement.“
Calvin Böckmann ist überzeugt: „Die Pferdepfleger sind eines der wichtigsten Rädchen im Pferdemanagement. Foto: Stefan Lafrentz

Calvin Böckmann überlegte nicht lange und gab ihr schnell eine Zusage: Seit dem 1. Januar ist die gelernte Pferdewirtin Chef-Groom in seinem Stall. „Ohne Pfleger geht einfach gar nichts. Wenn man nur zwei Pferde hat, dann ist es was anderes. Aber um in dem Sport, in dem wir sind, auf leistungsmäßig hohem Niveau dauerhaft bleiben zu können, ist es einfach so, dass man mindestens fünf, besser noch zehn Pferde braucht. Und deshalb ist einfach so ein gutes Backup-Team zuhause immens wichtig.“ Das fange schon bei einfachen Aufgaben wie dem Putzen, Trensen und Satteln an und gehe mit dem Rein- und Rausbringen weiter. „Genauso wichtig ist das gesamte Management mit Hufschmied, Tierarzt, Impfen oder fürs Turnier packen. Da gehört einfach so viel dazu.“

Eine Bereiterin als Pferdepflegerin

Und obwohl auch seine Eltern, vor allem seine Mutter, sehr involviert in die täglichen Abläufe sind, war Lena die helfende Hand, die Calvin Böckmann in seinem Stall fehlte. „Sie kann sehr selbstständig arbeiten und weiß, worauf es in einem Stall wie unserem ankommt. Sie war wirklich ein Geschenk des Himmels, ich bin unglaublich dankbar, sie zu haben.“

Das neu geformte Team passt auch deswegen so gut zusammen, weil Lena Matzke nicht nur selbst Bereiterin ist, sondern auch aus dem Vielseitigkeitssport kommt: „Ich habe meine Ausbildung zur Pferdewirtin Fachrichtung klassische Reitausbildung im Stall von Andreas Dibowski absolviert und anschließend für Vielseitigkeitsreiterin Sophie Leube gearbeitet“, erzählt sie. Zudem konnte die 26-Jährige selbst Erfahrungen im Vielseitigkeits- und Springsattel sammeln und war bis zur Klasse L beziehungsweise bis zur Klasse M erfolgreich.

Ihre Erfahrung kommt ihr jetzt im Böckmannschen Stall zugute: „Es ist einfach toll, dass Lena die Pferde auch mit bewegen kann, zum Beispiel, wenn wir zum Galopptraining fahren, gemeinsam ausreiten oder ich mal fünf Tage auf Turnier weg bin“, berichtet Calvin Böckmann. Da wird er nämlich meistens von seinen Eltern begleitet – Lena hält dann zuhause die Stellung und sorgt dafür, dass im Stall alles seinen gewohnten Gang geht und es allen zuhause gebliebenen Pferde an nichts fehlt.

Die gelernte Bereiterin war selbst im Vielseitigkeitssattel unterwegs.
Die gelernte Bereiterin war selbst im Vielseitigkeitssattel unterwegs.

Jungpferdeausbildung

 Zudem hat Lena Matzke ihr ganz eigenes „Pferdeprojekt“ bekommen: Sie bildet eine junge Stute aus, die von der Familie Böckmann selbst gezogen wurde und langsam auf ihre Karriere als Sportpferd vorbereitet werden soll. „Sie wurde letzten Sommer angeritten und wir erarbeiten uns jetzt gemeinsam alle wichtigen Grundlagen und sammeln erste Turniererfahrungen. Hoffentlich wird Calvin sie dann irgendwann übernehmen und in den großen Sport bringen können“, erzählt die Bereiterin. „Ich denke, da ergänzen Calvin und ich uns ganz gut, weil ich schon einiges an Jungpferdeerfahrung mitbringe und da dann auch unterstützen kann.“

Die Pferde werden wirklich sehr intensiv betreut, das ist mir wichtig.

Lena Matzkes Tag beginnt um sieben Uhr mit einer kurzen Besprechung, wie welches Pferd an diesem Tag bewegt werden soll. Dann geht es ans Füttern und anschließend werden die ersten Pferde auf die Weiden oder Paddocks gebracht. „Lena kümmert sich um das Putzen und Fertigmachen der Pferde, plant die Führmaschinen-Zeiten und auch die Wellness wie beispielsweise Magnetfeldtherapien oder Aquatrainer“, erzählt Böckmann. „Die Pferde werden wirklich sehr intensiv betreut, das ist mir wichtig.“ Ebenso, dass derjenige, der die Pferde versorgt, ein Gespür dafür hat, sollte einmal etwas nicht stimmen: „Lena kennt die Pferde in- und auswendig und merkt sofort, wenn mal ein Bein ein bisschen dick ist oder sie einfach mal einen nicht so guten Tag haben. Ich als Reiter achte da auch sehr drauf, aber trotzdem entfällt mir manchmal etwas. Und dann ist es Gold wert, wenn man nochmal zwei Augen und zwei Hände hat, die etwas sehen und fühlen.“

Möglichst geregelte Arbeitszeiten

Trotz all der Verantwortung ist Calvin Böckmann wichtig, dass seine Pflegerin geregelte Arbeitszeiten hat: „Viele Pferdepfleger haben einen 10-Stunden-Tag oder sogar noch mehr, aber ich versuche, dass es bei uns nicht mehr als acht Stunden sind.“ Das ist das normale Pensum unter der Woche – am Wochenende hilft Matzke zusätzlich samstagmorgens mit. „Den Samstagnachmittag und den Sonntag übernehme ich dann allein“, berichtet Böckmann. Ihm ist durchaus bewusst: Ein solcher Einsatz ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich. „Pferdepfleger zu sein, ist definitiv eine Lebenseinstellung“, ist der Vielseitigkeitsreiter überzeugt.

Entweder, man ist mit Herzblut dabei, oder man lässt es sein

 Das sieht auch Lena Matzke ähnlich: „Entweder, man ist mit Herzblut dabei, oder man lässt es sein“, macht sie deutlich. „Ich habe von vielen Azubis, die bei uns im Stall waren, immer wieder gehört, dass sie mehr Ausgleichstage haben wollen, denn Work-Life-Balance ist ja ein großes Thema. Da denke mir jedes Mal: Wir sind in einem landwirtschaftlichen Bereich, wir arbeiten mit Tieren, die sich nicht selbst versorgen können, da sind solche Wünsche einfach schwierig. Vor allem in Hinblick darauf, dass der Pferdesport von Jahr zu Jahr gefühlt mehr in die Kritik gerät. Deswegen ist es unglaublich wichtig, dass man noch mehr Präsenz zeigt und deutlich macht: Wir geben unser Bestes für unseren Sportpartner Pferd.“

Und genau das ist bei Calvin Böckmann und Lena Matzke zweifelsohne der Fall.

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