
Einst war es sein größter Traum, von seinem Idol Ludger Beerbaum lernen zu dürfen. Das hat Christian Kukuk 13 Jahre lang so erfolgreich getan, dass er 2024 zum olympischen Einzelgold sprang. Nun stellt er sich auf eigene Füße.
Ende des Jahres will Christian Kukuk den Stall Beerbaum in Riesenbeck verlassen. „Alles, was ich in sportlicher Hinsicht gelernt habe, weiß ich von Ludger Beerbaum. Er hat den allergrößten Anteil an meiner Reiterei und an meinen Erfolgen. Dafür bin ich Ludger unendlich dankbar“, sagt Christian Kukuk. Dass die Selbstständigkeit ein großer Schritt ist, ist ihm bewusst. „Ich bin mir darüber im Klaren, dass es schwierig sein wird, meinen Weg ohne seine (Ludger Beerbaums) schützende Hand und einzigartige Erfahrung zu bewältigen. Dennoch freue ich mich auf einen neuen Abschnitt in meinem Leben.“
Christian Kukuk ist bekannt für seinen feinen, leichten Reitstil. Der hat ihn zu unzähligen Erfolgen geführt. Seinen ersten Championatseinsatz hatte er 2021, erst bei den Olympischen Spielen in Tokio, wo Deutschland leer ausging, dann bei den Europameisterschaften in Riesenbeck. Dort gewann Kukuk im Sattel von Mumbai, der nun unter Marco Kutscher springt, Silber mit der Mannschaft und wurde Vierter in der Einzelwertung. 2023 war er in Mailand als Einzelreiter im EM-Einsatz mit Mumbai und belegte Rang 14. Eine weitere EM-Medaille gab es vor kurzem in La Coruña: Bronze mit der Mannschaft im Sattel von Just be Gentle.
Rund 20 Siege in Großen Preisen und 1,60 Meter-Springen hat Christian Kukuk in den letzten Jahren geholt. Für Beerbaums Global Champions League-Team Riesenbeck International war er eine wichtige Stütze und hatte großen Anteil an den Erfolgen des Teams in den vergangenen Jahren. Darüber hinaus gehörte der 35-Jährige 2023 zum siegreichen Nationenpreisteam in Barcelona.
Der größte Erfolg bislang war aber zweifelsohne die Goldmedaille in der Einzelwertung bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 mit Checker.
Dass Kukuk den Stall Beerbaum verlässt, heißt nicht, dass eine weitere Zusammenarbeit mit seinem langjährigen Chef ausgeschlossen ist. Im Gegenteil. Der sagt: „Als junger Sportler hat sich Christian über ein Jahrzehnt zu einem Aushängeschild unseres Stalles/Teams entwickelt. Die Tatsache, dass wir neben dem Arbeitsverhältnis vor allem auch ein persönlich besonders gutes, vertrauensvolles Verhältnis haben, wird uns auch in den kommenden Jahren – in welcher Konstellation auch immer – zusammenarbeiten lassen.“
Was die Frage nach der Zukunft angeht – ein Teil von Christian Kukuks Erfolgspferden gehört ihm selbst bzw. seiner ebenfalls reitenden Frau Veronica Tracy, mit der jüngst sein erstes Kind bekommen hat. So zum Beispiel EM-Stute Just be Gentle und Cepano Baloubet. Oder auch die acht Jahre junge Viki van Gogh, die jüngst in der Drei-Sterne-Tour der EM von La Coruña durch Nullrunden auf sich aufmerksam machte.
In guter Gesellschaft
Ludger Beerbaums Stall in Riesenbeck hat sich in den vergangenen 15 bis 20 Jahren zu dem entwickelt, was vorher Schockemöhle in Mühlen war: Hier reif(t)en die deutschen Championatsreiter heran. Und nicht nur die. Der schwedische Mannschaftsolympiasieger und Doppel-Weltmeister Henrik von Eckermann ist ebenso durch die Beerbaum-Schule gegangen, wie Europameister Richard Vogel. Letzterer allerdings nur kurz. Marco Kutscher war nie erfolgreicher, als in der Zeit, in der er bei Ludger Beerbaum ritt. Damals wurde er unter anderem Doppeleuropameister. Philipp Weishaupt zählt wie auch Christian Kukuk zu den aktuellen sportlichen Aushängeschildern. Und Irland hat dank Beerbaum mit Eoin McMahon einen weiteren Championatsreiter bekommen, der 2023 zum Mannschaftssilber beitrug, inzwischen aber auch auf eigenen Beinen steht. Bis auf Philipp Weishaupt haben sie alle irgendwann den Schritt in die Selbstständigkeit gemacht. Nun also auch Christian Kukuk.





