Slangerupgaards Safran und Anne Troensegaard, Sieger der Qualifikation der Sechsjährigen bei der WM junge Dressurpferde 2025. Foto: Sportfotos-lafrentz.de
Slangerupgaards Safran und Anne Troensegaard, Sieger der Qualifikation der Sechsjährigen bei der WM junge Dressurpferde 2025. Foto: Sportfotos-lafrentz.de

WM Verden: Dänemark top in Qualifikation der Sechsjährigen

Slangerupgaards Safran und Anne Troensegaard, Sieger der Qualifikation der Sechsjährigen bei der WM junge Dressurpferde 2025. Foto: Sportfotos-lafrentz.de
Slangerupgaards Safran und Anne Troensegaard, Sieger der Qualifikation der Sechsjährigen bei der WM junge Dressurpferde 2025. Foto: Sportfotos-lafrentz.de

Zumindest der am Dressursport interessierte Teil der Weltbevölkerung blickt dieses Wochenende nach Verden. Hier findet die Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde statt, alljährlich ein Highlight im Turnierkalender. Heute stand die Qualifikation der Sechsjährigen auf dem Programm. Schon dieser Auftakt war hoch interessant.

40 Pferden hatten die zwei Richtergruppen in der Besetzung Carlos Lopes (POR), Susan Hoevenaars (AUS) bei E sowie Kurt Christensen (DEN) und Dr. Sven-Günter Rothenberger bei C zu beurteilen. Zum ganz großen Teil kamen sie zu nachvollziehbaren Bewertungen, belohnten natürliche Bewegungsabläufe und ordneten anderes entsprechend ein. Auch wurde ein Pferd abgeklingelt, weil es nicht taktrein ging. Etwas, was selbstverständlich sein sollte, es aber leider nicht immer ist.

Siegerin Slangerupgaards Saffron

Siegerin der Prüfung wurde die leichtfüßige, elastische und doch kraftvolle Secret-Scolari-Tochter Slangerupgaards Saffron (Z. u. B.: Slangerupgaard A/S) mit Anne Troensegaard im Sattel. Troensegaard hatte ihre Heimat Dänemark 2010 bei den Weltreiterspielen in Kentucky auf dem Viereck vertreten. Eine Medaille gewann sie 2017 mit dem dänischen Trakehner Kipling TSF bei den Weltmeisterschaften der siebenjährigen Dressurpferde. Schon damals fiel sie mit ihrer feinen Reiterei auf. Das war heute nicht anders. Und ihre Stute gefiel durch ihr engagiertes, stets gut herangeschlossenes Hinterbein, viel Elastizität und sichere Balance.

Der Name „Slangerupgaards“ ist kein Unbekannter auf dem WM-Viereck. Saffrons Bruder, der Franklin-Sohn Flottenheimer hatte Dänemark als Fünf- und als Sechsjähriger in Ermelo vertreten, war allerdings nicht ins Finale gekommen. Das ist bei seiner Schwester, die letztes Jahr schon dänische Championesse der Fünfjährigen war, anders. Dürfte man sich etwas wünschen, dann wäre es, dass es der Reiterin in Zukunft gelingt, Saffrons Nase noch etwas mehr vorzulassen. Die Stute bewegt sich losgelassen von hinten nach vorne durch den Körper, ist auch nicht kurz im Hals, könnte aber die Nase noch etwas konstanter an bzw. vor der Senkrechten haben. Doch das Gesamtbild bei den beiden passte. Das fanden auch die Richter, die ihnen 92,2 Prozent gaben – 9,7 im Trab, 8,9 im Schritt, 9,0 im Schritt, 8,9 für die Durchlässigkeit und 9,6 für die Perspektive.

Dänemark zum zweiten

Platz zwei ging knapp geschlagen mit genau 92 Prozent an Brandtbjergs Divya, mit ihrer Elastizität und ihrer markanten Aktion im Trab eine typische Tochter des Hesselhøj Donkey Boy, in diesem Fall aus einer Donkey Boy-Mutter. Die dritte Mutter, Rosita v. Romancier-Mago xx, brachte auch den gekörten Don Romantic. Gezogen wurde die Stute von Familie Buhl, Besitzer ist Stutteri Søbakkehus, vorgestellt wurde sie von Anders Sjöbeck Hoeck.

Divyas hervorstechendstes Merkmal war neben der Elastizität die natürliche Bergauftendenz ihrer Bewegungen. Allerdings zeigte ein leichtes Nicken, dass die Stute noch nicht ganz sicher durch den Körper arbeitet. Für den Trab gaben die Richter eine 9,5, für den ausgesprochen raumgreifenden, fleißigen und taktsicheren Schritt eine 9,0, für den ebenfalls rhythmisch und fleißig klar ins Bergauf gesprungenen Galopp eine 9,2. Den ersten fliegenden Wechsel sprang die Stute in zwei Phasen, war davor allerdings auch nicht ganz gerade gerichtet. Der zweite von links nach rechts gelang. Trotz des Malheurs im ersten Wechsel gab es auf für die Durchlässigkeit noch eine 8,7 und auch sie erhielt eine 9,6 für die Perspektive.

Rang drei für den Vorjahreschampion

Lange hatte es so ausgesehen, als würde der Vorjahreschampion der Fünfjährigen, der KWPN-Hengst Red Viper v. Romanov Blue Hors-Sir Sinclair (Z.: Coen Herbert) sich unter seiner neuen Reiterin Dinja van Liere gegen den Rest des Feldes durchsetzen. Er erzielte 90 Prozent mit den Einzelnoten Trab 9,1, Schritt 8,5, Galopp 9,5, Durchlässigkeit 8,5 und Perspektive 9,4). Doch am Ende musste der Dunkelfuchs, der übrigens dem Prüfungssponsor Reesink Horses gehört, zwei dänischen Stuten den Vortritt lassen und belegte Rang drei.

Als Red Viper letztes Jahr Weltmeister wurde, war er von Bart Veeze vorgestellt worden. Unter der zarten Dinja van Liere kommen seine imposanten Bewegungen noch besser zur Geltung. Allerdings wirkte es zumindest im Trab so, als hätte van Liere noch einiges zu tun, um den Hengst geschlossen zu halten. Mal machte er sich eng, dann drückte er wieder etwas gegen die Hand. Auch in den Seitengängen wünschte man sich für die Zukunft geschmeidigeres Kreuzen. Das Rückwärtsrichten war deutlich gegen die Hand. Der Schritt dann aber mit vorbildlicher Dehnung, gut in Fleiß, Takt und Raumgriff. Im Galopp war der Hengst beständiger in der Anlehnung und auch die beiden fliegenden Wechsel gelangen recht sicher. Sehr schön die Galoppverstärkung an der langen Seite, die Rückführung willig, aber etwas gebremst. Der Mittelgalopp auf dem Zirkel wurde sehr eilig. Die Parade zum Trab vor dem Abwenden auf die Mittellinie kam verzögert.

Gre(a)ta Heemsoth

Einer Reiterin, der man einfach immer wieder gerne zuschaut, egal auf welchem Pferd, ist Greta Heemsoth. Sie hat in Verden zwei Hannoveraner Eisen im Feuer, die sie beide auf direktem Weg für das Finale qualifiziert hat: die Vorjahres-Bundeschampionesse Felice FRH v. Fürst Samarant-Riverside (Z.: René Janzen) und den Escolar-Don Nobless-Sohn Endorphin FRH, der letztes Jahr in Warendorf Silber gewann. Beide Pferde kennt Heemsoth praktisch seit ihrer Geburt, beide kamen auf dem Hof Pape, ihrem Arbeitgeber, zur Welt. Und beide hat sie heute toll in Szene gesetzt.

Neun der 40 Pferde, also fast ein Viertel des Teilnehmerfeldes führte das E wie Escolar auf der Vater-Seite. Der Großteil (6) ging auf Escamillo zurück, zwei weitere Pferde auf den Blue Hors-Hengst Emilio. Endorphin war der einzige direkte Escolar-Sohn des Starterfeldes und am Ende mit 87,80 Prozent bestes deutsches Pferd. Die Einzelnoten: Trab 9,0, Schritt 8,0, Galopp 9,3, Durchlässigkeit 8,5, Perspektive 9,1.

Heemsoths zweites Pferd, Bundeschampionesse Felice, ging nicht ganz fehlerfrei. Im Schritt kam sie nicht recht zur Ruhe, zackelte einmal an. Den ersten fliegenden Wechsel sprang sie in zwei Phasen, der zweite gelang. Am Ende wurde sie Achte mit 84,60 Prozent. 9,4 vergaben die Richter im Trab, 7,5 im Schritt, 9,1 im Galopp, 7,5 für die Durchlässigkeit und 8,8 für die Perspektive.

Die weiteren deutschen Finalisten

Von den zwölf Paaren, die sich auf dem direkten Weg fürs Finale qualifizieren konnten, trat ein Drittel für die deutsche Delegation an. Neben den beiden Pferden von Greta Heemsoth waren das zum einen Schatzmeister MZ OLD und Ann-Christin Wienkamp und zum anderen Escaneno unter Lisa Lindner.

Das „MZ“ bei dem Oldenburger Secret-De Niro-Sohn Schatzmeister steht für Mandy Zimmer. Züchter ist Ewald Grotelüschen. Wienkamp stellte den wuchtigen Braunen im Trab sehr geschlossen und mit energischem Hinterbein ins Bergauf angelegten Bewegungen vor, mehr Stellung und Biegung, besonders im Schulterherein nach rechts und in den Wendungen, wären wünschenswert gewesen. Im Schritt kam Schatzmeister zu gutem Raumgriff mit gewünschter Dehnung. Auch im Galopp sprang der Wallach aktiv und rhythmisch, bewegte sich jedoch nicht ganz so deutlich nach vorne-oben wie im Trab. Beide fliegenden Wechsel waren durchgesprungen, aber mit leichter Spannung. Am Ende wurde es für Schatzmeister Rang fünf mit genau 86 Prozent, die sich aus Trab 8,9, Schritt 8,0, Galopp 8,5, Durchlässigkeit 8,7 und Perspektive 8,9 ergaben.

Der im rheinischen Hünxe von Tobias Schult gezogene Escaneno v. Escamillo-Veneno wurde Siebter. Im Trab gaben die Richter eine 8,7, im Schritt 8,2, im Galopp und für die Durchlässigkeit 8,5, für die Perspektive als Dressurpferd 8,7. Das bedeutete 85,20 Prozent für den wunderschönen Braunen, bei dem man sich heute mehr aus der tragenden Hinterhand entwickelte Selbsthaltung gewünscht hätte.

Hoffen auf die zweite Chance

Die vier anderen deutschen Paare haben morgen Nachmittag um 14.30 Uhr noch einmal die Chance, sich für das Finale am Samstag zu qualifizieren. Die besten drei Pferde des kleinen Finales rücken ins große Finale vor. Vorbei ist das Turnier leider bereits jetzt für Charlott-Maria Schürmann und den talentierten Hannoveraner Wallach Vitamin B. Der Valverde-Christ-Sohn aus der Zucht von Hedda Ottmann-Dröge und im Besitz der österreichischen Familie Jöbstl mochte sich mit dem Verdener Viereck so gar nicht anfreunden. Schürmann kam auf beiden Händen nur bis zum jeweiligen Zirkelpunkt hinter dem Einritt, dann zeigte Vitamin B deutlich, dass er von dort aus keinen Schritt weiter gehen würde. Es klingelte zum Einreiten, Schürmann machte einen letzten Versuch, dann hob sie die Hand und verließ das Viereck. Es hatte nicht sollen sein.

Sozusagen erste Reserve und damit der heutigen Ergebnisliste nach mit den größten Aussichten auf eine Qualifikation über das kleine Finale ausgestattet, ist als 13. die Oldenburger Stute La Jolie SW OLD v. Escamillo-Londonderry (Z. u. B.: Sabine Wehle) unter Carina Scholz. Sie kam auf 82,60 Prozent.

Platz 15 wurde es für den dritten Escamillo-Nachkommen im deutschen Aufgebot, den Westfalen Winhorse’s Eleven NRW v. Escamillo-Den Haag (Z.: Roukaz Soufiah, B.: WinHorses BV) mit Flore De Winne im Sattel (81,0).

Auf Rang 22 landete am Ende die Oldenburger Stute Füchtels Hailey v. Don Martillo-Damon Hill (Z. u. B.: Clemens und Andrea Grafen von Merveldt) mit Patricia Seddig im Sattel. 77,20 Prozent vergaben die Richter für die Schwester der aktuellen Oldenburger Siegerstute Füchtels Hedda v. Bonds und der Teilnehmerin bei der WM der Siebenjährigen, Füchtels High Light v. Floriscount, deren Qualifikation für Freitagmorgen auf dem Programm steht.

Alle Ergebnisse finden Sie hier.

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