
Was das Rolex Top Ten-Springen für die Springreiter, ist das Top Ten Finale für die Dressurreiter. Bislang fand das stets in Stockholm statt. Nun ist es erstmal in Frankfurt zu Gast, allerdings nicht als Top Ten, sondern als Top 12 Finale. Wobei es am Ende doch nur elf Starter waren. Aber die haben den Zuschauern einiges geboten.
Gold-, Silber- und Bronzemedaillengewinner der Europameisterschaften trafen heute in Frankfurt zum ersten Mal seit Crozet wieder aufeinander, Justin Verboomen mit Zonik Plus, Isabell Werth mit Wendy und Cathrine Laudrup-Dufour auf Freestyle. Da wurde den Zuschauern in der für einen Freitagmorgen gut besuchten Festhalle einiges geboten.
Freestyle setzt den Maßstab
Als erstes Paar der „großen Drei“ gingen Cathrine Laudrup-Dufour und Mount St. John Freestyle heute ins Viereck von Frankfurt. Zu Beginn der Trabtour flossen sie von Lektion zu Lektion. Die erste Piaffe begann sehr gut, verlor dann minimal an Fleiß und Rhythmus. Im Schritt marschierte die Stute groß los und dehnte sich an die Hand heran. Danach ließ sie sich willig und spannungsfrei zurückführen. Auch der Übergang in die Passage gelang mit größter Selbstverständlichkeit. In der zweiten Piaffe verlor Freestyle dann einmal ganz den Takt. In der sehr harmonischen Galopptour ließen die beiden nicht einen Punkt liegen und ließen Höchtschwierigkeiten kinderleicht aussehen. Leider stolperte die Stute im starken Trab über die Diagonale. Das kostete noch einmal Punkte. Die Piaffe auf der letzten Mittellinie war die beste der Prüfung. Alles in allem wurden es 79,761 Prozent. Das war schon mal eine Hausnummer der dänischen Nummer eins und Nummer drei der Weltrangliste.
Auftritt Wendy
Das Ergebnis von Freestyle entsprach exakt der bisherigen persönlichen Grand Prix-Bestleistung von Isabell Werths Wendy de Fontaine. Dementsprechend war klar: Isabell Werth und Wendy mussten sich selbst übertreffen, um sich an die Spitze des Feldes zu setzen. Und wie Isabell Werth so ist: Challenge accepted!
Highlights der Trabtour waren die Rechtstraversale und die erste Piaffe. Besser geht es kaum. In den Verstärkungen tritt Wendy gerade in die Spuren der Vorderhufe. Im Schritt ließ sie sich schön los, zog fleißig und raumgreifend zur Hand. Beim Anpassagieren aus dem versammelten Schritt vor der zweiten Piaffe kam Spannung auf, aber Werth konnte die Situation managen, ohne dass ein Fehler passiert wäre. In der Galopptour wurde die Stute etwas stark und nach wie vor wünschte man sich mehr Durchsprung. Gut gelangen die Pirouetten. Die Piaffe auf der Schlusslinie erhielt zu recht von drei Richtern eine 10,0. Endergebnis: 81,456 Prozent. Damit hat Wendy die 80 Prozent Hürde nicht nur zum ersten Mal geknackt, sondern quasi pulverisiert.
Verboomen-Boom ungebrochen
Nach Werths Auftritt war klar: Auch die Europameister Justin Verboomen und Zonik Plus würden den Grand Prix ihres Lebens zeigen müssen, um in Frankfurt ihres Siegesserie nicht abreißen zu lassen. Beim Weltcup-Turnier in Lyon hatte der Belgier gesagt, ein so gutes Gefühl habe er noch nie gehabt. Dort erzielten er und sein erst neunjähriger Rheinländer Hengst 81,195 Prozent.
Um es kurz zu machen, es gelang ihnen, Wendy und Werth drei Punkte abzunehmen. Wie sicher der Zonik-Sohn in der Selbsthaltung ist, wie fein in der Hand und überhaupt an den Hilfen, das ist besonders. Vor allem, weil er daraus auch die schwierigsten Lektionen mit der größten Selbstverständlichkeit entwickelt. Okay, in den Piaffen schnickte er mit dem „Spielbein“ nicht bei allen Tritten, aber zwischendurch für eine Millisekunde nach hinten weg. Das hat man bei dem Paar schon besser gesehen. Dafür waren die Einerwechsel heute viel losgelassener und selbstverständlicher, als bei früheren Auftritten. Absolutes Highlight der Prüfung: die beiden Pirouetten, insbesondere die nach rechts. Alles in allem wurden es 81,587 Prozent und damit der Sieg.
Als er aus dem Viereck kam, habe er die Punkte erst gar nicht wissen wollen, verriet Verboomen. „Für mich ist das Gefühl viel wichtiger.“ Und das hätte er gerne zuerst mit den Eindrücken seiner Entourage abgeglichen, unter anderem seiner Schwester, die ihn bis zu den Europameisterschaften auch gleichzeitig als Pflegerin begleitet hat, und seiner Trainerin, Claudia Kircheiss. Verboomens eigenes Gefühl war dieses: „Normalerweise muss ich immer ,Ho Ho!‘ sagen. Inzwischen kann ich sogar treiben. Das ist ein ganz neues Gefühl und ich muss das erst lernen.“
Die nächste Chance zu „üben“ hat er am Sonntag ab 10.45 Uhr.
Die weiteren Platzierten
Hinter den Top drei Verboomen, Werth und Laudrup-Dufour konnten sich die Mannschaftsolympiasieger und -europameister Frederic Wandres und Bluetooth über den vierten Platz freuen. 76,674 Prozent waren ihr Ergebnis. Komplettiert wurde die Platzierung durch Polens Sandra Sysojewa mit Maxima Bella (74,348) und Patrik Kittel (SWE) im Sattel von Touchdown (73,978).
Dass es am Ende doch nur ein Top 11 und kein Top 12 Finale ist, liegt übrigens daran, dass die Stute Tabledance von Evelyn Eger sich vor Ort eine Verletzung zugezogen hat und dementsprechend zurückgezogen wurde.





