Der Ritt am Meer: ein Traum vieler Reiter. Foto: Equipics/Zachrau
Der Ritt am Meer: ein Traum vieler Reiter. Foto: Equipics/Zachrau

Urlaub auf dem Pferderücken 

Urlaubszeit ist die schönste Zeit – vor allem, wenn er im Sattel verbracht werden kann. Vom Urlaub mit dem eigenen Pferd bis hin zu Reitsafaris in fernen Ländern mit Leihpferden: Die Möglichkeiten sind groß, wenn es darum geht, auf dem Pferderücken die freie Zeit zu genießen. 

Im Galopp am Strand gen Sonnenuntergang: Für viele Reiter ist das ein lange gehegter Traum. Um den zu erleben, muss nicht weit gereist werden: sowohl an Nord- und Ostsee, aber beispielsweise auch an der niederländischen Küste gibt es eine Vielzahl an Ställen, die sowohl Boxen für die eigenen Pferde anbieten oder auch Ausritte auf den stalleigenen Pferden im Angebot haben.  

Wattritt: Endlose Weiten 

Auch das Watt der Nordsee hat seinen besonderen Reiz – großer Beliebtheit unter Pferdesportlern erfreut sich beispielsweise der Ritt von Duhnen nach Neuwerk. Schier endlose Weiten und lange Galoppstrecken auf dem Meeresboden warten hier bei Ebbe auf Pferd und Reiter. Allerdings gilt es auch, den ein oder anderen Wasserlauf zu überwinden, wenn die Insel Neuwerk das Ziel der Wahl ist: Mitten im Watt befinden sich so genannte Priele, die überquert werden müssen. Wer sich unsicher ist, ob sein Pferd diese mutig bezwingen wird, sollte ein watterfahrenes Begleitpferd an seiner Seite haben. Das macht so oder so Sinn, denn während viele Vierbeiner der scheinbar endlosen Weite mit großer Entspannung begegnen, sind andere damit überfordert und werden unsicher. Sicherheit ist im Watt ein wichtiges Thema, denn wer hier aus dem Sattel kommt, riskiert, dass sein Pferd Richtung auflaufender Flut flüchtet – immer wieder tauchen Nachrichten über vermisste Tiere im Watt auf, die nicht immer ein positives Ende haben.  

Wanderritt in die Pyrenäen. Foto: www.reit-safari.de

Unterkünfte direkt am Meer 

Wer auf Nummer sicher gehen will, bucht eine Unterbringung für sich und sein Pferd, die auf genau solche Ritte spezialisiert ist. Dazu gehört beispielsweise der Cuxhavener Ferienhof Hubertus von Elke und Siggi Braun, die sich auf Reiturlaube am Meer spezialisiert haben. Hier finden sowohl die Reiter als auch die Pferde Unterkunft – wahlweise können Boxen oder nur Weiden inklusive Fütterung für die Vierbeiner gebucht werden. Für die Reiter stehen Apartments und Ferienwohnungen zur Verfügung. Rund um die Unterkunft können 60 Kilometer lange Reitwege durch Heide, Wald, Wiese und natürlich am Meer erkundet werden – hilfreiche Tipps der Ferienhofbetreiber inklusive. Sogar eine Reitwegekarte steht den Urlaubern zur Verfügung. 

  


Einen breiten Sandstrand ohne Gezeiten finden Interessierte beispielsweise an der niederländischen Küste. Wer eine weitere Anfahrt nicht scheut, wird auch in Dänemark fündig: Hier warten endlose Sandstrände auf lange Ausritte für Pferd und Reiter.  
Nicht nur Ebbe und Flut spielen eine Rolle bei der Wahl des Urlaubsortes mit eigenem Pferd am Meer, auch die Zuwegung und Beschaffenheit der Strände spielt eine große Rolle. Auch wenn Naturstrände ihren besonderen Reiz haben, sind sie häufig steinreich und damit nicht unbedingt einladend für den Galopp am Meer. Es lohnt also, den direkten Kontakt zu Ferienanbietern zu suchen und alle wichtigen Fragen vorab zu klären. Dazu gehört auch, welche Versorgungsleistungen der Pferde vor Ort inkludiert sind und auf welche Bedürfnisse eingegangen werden kann. 

Reisen mit Pferd: Checkliste Zugfahrzeug 

Passt die maximale Anhängelast? 

Wie sieht es mit der maximalen Stützlast aus? 

Wie ist die Motorleistung? 

Wie hoch ist der Kraftstoffverbrauch? 

Wie ist die Bremsleistung des Zugwagens? 

Gibt es eine Feststellbremse? 

Verfügt das Fahrzeug über zusätzliche Sicherheitssysteme wie ESP, ASR und ABS? 

Wie gut ist die Hinterachse gedämpft und gefedert? 

Gesundheitszeugnis fürs Ausland 

Wichtig bei der Planung ist zudem: Soll es zusammen mit dem eigenen Pferd ins Ausland gehen, gilt es, einiges zu beachten. Denn verlässt ein Pferd Deutschland und betritt europäisches Ausland, müssen einige Bescheinigungen mitgeführt werden. Dazu gehört zum einen der Equidenpass. Der muss vollständig ausgefüllt sein: Abzeichendiagramm, Arzneimittelanhang und vor allem die Impfungen müssen vollständig eingetragen sein. Impfungen sind insbesondere dann Pflicht, wenn das Pferd zusätzlich an einem FEI-Turnier teilnehmen soll: Hier muss eine aktuelle Influenza-Impfung vorgelegt werden.  

Wer „einfach nur“ zum Ausritt ans ausländische Meer möchte, muss dennoch einen wichtigen Nachweis mitführen: die amtstierärztliche Bescheinigung. Die darf nicht älter als 48 Stunden sein und muss vom Amtstierarzt des zuständigen Veterinäramts ausgestellt worden sein. Der kommt vor Ort in den Stall, untersucht das Pferd und füllt die Bescheinigung aus. Dementsprechend muss mit zusätzlichen Kosten für die Reise ins Ausland kalkuliert werden. 

Wer ohne Bescheinigung reist und an der Grenze oder auch im Land kontrolliert wird, wird die Grenze gar nicht passieren dürfen beziehungsweise muss mit Strafzahlungen rechnen.  

Vor der Abreise 

Bevor es in den Traumurlaub mit Pferd geht, gilt es, Checklisten zu erstellen: Was benötige ich wirklich? Welche Ausrüstungsgegenstände sind unabdingbar? Auch der Pferdeanhänger sollte einer erneuten Prüfung unterzogen werden, bevor es auf eine weitere Reise geht – wer auf Nummer sicher gehen will, stellt ihn noch einmal einer Werkstatt für eine Durchsicht vor. Denn nichts im schlimmer, als im Ausland aufgrund eines Problems mit Zugfahrzeug oder Anhänger – im wahrsten Sinne des Wortes – zu stranden. Aber auch in Blick in die Versicherungspolice des Pferdes sollte zur To-Do-Liste gehören, denn eine entscheidende Frage im Vorfeld ist auch: Ist mein Pferd im Ausland überhaupt versichert, wenn ihm etwas passiert, oder aber es anderen einen Schaden zufügt? Wer sich unsicher ist, sollte vor der Auslandsreise noch einmal seinen Versicherungsberater kontaktieren. 

Reisen mit Pferd: Checkliste Anhänger 

Reifen: Gibt es Beschädigungen und Risse? Wie steht es um die Profiltiefe und den Luftdruck? Müssen die Radbolzen nachgezogen werden? 

Beleuchtung: Funktionieren alle Lichter und Lampen? 

Bremsen: Auflaufeinrichtung über Schmiernippel abschmieren 
Bremsseile und Bremsbeläge überprüfen  

Kugelkupplung ölen 

Stützrad ggf. Schmiernippel abschmieren 

TÜV-Fälligkeit überprüfen 

Boden und Wände auf Beschädigungen überprüfen 

Safari zu Pferde 

Nicht nur Reisen ins nahe Ausland stellen ihren besonderen Reiz dar. Ein Traum vieler Reiter sind exotischere Ziele. Dort wird es schwer, das eigene Pferd mitzunehmen. Dass dennoch Urlaube auf dem Pferderücken an weit entfernte Traumzielen möglich werden, darauf hat sich Ali Selzer spezialisiert. Die Münchenerin unternahm selbst viele Reisen auf den afrikanischen Kontinent, erlebte atemberaubende Begegnungen mit wilden Tieren in ursprünglicher Natur und die Vielfalt traumhaft schöner Landschaften – und wurde selbst „süchtig“, wie sie sagt. „Mein erster Ritt durch das Okavango Delta vor Jahren war eine einschneidende Erfahrung und seither weiß ich: Eine Safari zu Pferde ist die ultimative Erfahrung für den Naturfreund und Reiter“, erzählt sie. „Ich habe nie ein intensiveres Gefühl von Freiheit erlebt und mich gleichzeitig mehr verbunden und eins mit der Natur empfunden. Auf dem Rücken eines Pferdes riecht und spürt man die Umgebung auf unvergleichliche Weise – nicht nur in Afrika.“  

Ab in den afrikanischen Busch 

Im Laufe der Jahre stellte sie die verschiedensten Reisen für Reiter zusammen und bietet sie mit ihrem Unternehmen Reit-Safari an. Neben Reisen zu besonderen Zielen in Europa hat Selzer die verschiedensten Destinationen im Angebot. Dazu gehören diverse Länder Afrikas, Asiens sowie Mittel- und Südamerikas. „Sehr gefragt sind immer die Reitsafaris im südlichen Afrika, viele träumen wohl von dem besonderen Erlebnis im weitläufigen afrikanischen Busch unterwegs zu sein und Tierbeobachtungen vom Pferderücken aus zu machen. Das geht einem unter die Haut“, berichtet Ali Selzer. „Darüber hinaus sind die Wanderritte in Marokko, der Abenteuerritt in Tuschetien/Georgien, die Ritte an der Atlantikküste in Frankreich und in Portugal sowie Ritte in Südamerika sehr beliebt.“ Dabei unterstützt und berät sie ihre Kunden individuell und organisiert nicht nur die Reittour, sondern auf Wunsch auch das Vor- und Nachprogramm.  

„Zu meinem Kundenkreis zählen viele Pferdebesitzer und Pferdefreunde mit Reitbeteiligungen. Es sind versierte Reiter, die sich entschlossen haben, die Welt vom Pferderücken aus zu entdecken. Ich kann ihnen nur beipflichten, der Blick durch die Pferdeohren auf die Welt ist der Schönste“, schmunzelt die Unternehmerin. „Es sind viele Alleinreisende darunter, denn im Rahmen einer Reiterreise trifft man auf Menschen aus aller Welt mit dem gleichen Hobby und folglich einem umfassenden gemeinsamen Gesprächsthema. Das verbindet.“ 

Allerdings, auch das betont Selzer: „Eine Reiter-Reise ist sicher kein Schnäppchen, denn die guten Anbieter haben immer zwei bis drei Pferde im Pool für jeden Gastreiter zusätzlich zu den Pferden für die Guides. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Pferde ihre wohlverdiente Ruhepause haben und kranke und lahme Tiere nicht arbeiten müssen.“ 

Auge in Auge mit Giraffen in Kenia. Foto: www.reit-safari.de

Erfahren und fit 

Allerdings: Wer von einer mehrtägigen Erlebnistour im Sattel träumt, muss auch eine entsprechende Fitness mitbringen. Aktuelle Reit-Erfahrungen sind dabei elementar: „Ich halte Routine für einen wichtigen Aspekt beim Reiten, der auch zur Vermeidung von Unfällen beiträgt. Ich höre oft die Bemerkung, man würde sehr viel Sport machen wie Yoga, Joggen, wandern in den Bergen, schwimmen etc. und sei deshalb überaus fit. Leider vergessen die Menschen, dass ausschließlich beim Reiten zwei Muskelgruppen am Oberschenkel, die Adduktoren (innen) und Abduktoren (außen), gebraucht werden. Vor allem beim Reiten im englischen Sattel. Diese Muskelgruppen kann man nur mit regelmäßigem Reiten und sonst im Fitness-Studio mit speziellen Geräten trainieren.“  

Wie groß die Reiterfahrung – vor allem auch im Gelände – ist, ist am Ende auch entscheidend bei der Auswahl des passenden Reiturlaubs. Ali Selzer erklärt: „Grundsätzlich muss ein Reiter sicher sein in allen Gangarten und ein fremdes Pferd innerhalb einer Gruppe und im offenen Gelände souverän kontrollieren können. Die Anforderungen im Rahmen eines Wanderrittes sind höher anzusiedeln als für einen stationären Reiturlaub mit täglichen Ausritten. Hier besteht die Möglichkeit, einen halben oder ganzen Tag aufs Reiten zu verzichten, wenn beispielsweise der Popo weh tut. Diese Chance gibt es nicht bei einem Wanderritt mit wechselnden Unterkünften, da sind täglich vier bis sechs Stunden im Sattel keine Ausnahme.“ Auch schwieriges Terrain stellt erhöhte Ansprüche an Reiter und Pferd. Dazu gehören beispielsweise Ritte in bergigen Regionen, mit Flussdurchquerungen etc.  

Nerven bewahren 

Höchste Anforderungen an die Reiter stellt eine Reitsafari in afrikanischen Gebieten mit Löwen, Büffel- und Elefantenherden. „Die Pferde sind den Anblick der Wildtiere gewohnt, aber sie sind trotz allem Fluchttiere und im Busch ist man nie vor Überraschungen sicher. In jeder Situation muss der Reiter die Nerven bewahren und darf nicht in Panik verfallen, dann kann das beste Safari-Pferd seinen Job nicht mehr machen.“  

Als Orientierungshilfe hat die Reiseveranstalterin die Anforderungen zur Reit-Erfahrung in vier Stufen eingeteilt. „Bei jedem Ritt ist vermerkt, welche Mindestanforderungen an die Erfahrung der Reiter gestellt werden. Damit möchte ich den Interessierten eine Entscheidungshilfe geben. Es ist sehr wichtig und optimiert das Erlebnis, wenn die Reiter eine heterogene Gruppe bilden können, weil alle fast den gleichen Level an Reit-Erfahrung haben.“ Ihr Tipp: „Man sollte die Anforderungen an sich selbst nicht zu hoch ansiedeln, sonst könnten das Erlebnis und der Spaß während der Reittour darunter leiden.“

Artikel teilen

Empfohlene Artikel