Jessica Burke holte in Bordeaux den Sieg ihres Lebens. Foto: FEI
Jessica Burke holte in Bordeaux den Sieg ihres Lebens. Foto: FEI

Turnier-Telegramm mit Weltcup, Wellington und mehr

Jessica Burke holte in Bordeaux den Sieg ihres Lebens. Foto: FEI
Jessica Burke holte in Bordeaux den Sieg ihres Lebens. Foto: FEI

Das Wochenende brachte unter anderem eine überglückliche irische Weltcup-Siegerin und eine deutsche Sensation in Bordeaux, einen Michi Jung, der weiter die Erfolgswelle reitet, Debüts auf dem Viereck und einen Richard Vogel, der in Wellington mal wieder abgesahnt hat.

Der Weltcup der Springreiter in der Westeuropa-Liga hat am Wochenende im französischen Bordeaux Halt gemacht. Dort hat die Irin Jessica Burke einen Meilenstein in ihrer Karriere erreicht. Mit 34 Jahren verbuchte sie ihren ersten Fünf-Sterne-Sieg und hat damit das Ticket zum Weltcup-Finale so gut wie in der Tasche. Nicht nur, DASS sie in Bodeaux siegreich war, war ein Knaller, sondern vor allem auch das WIE. Im Sattel des wunderbaren kleinen Schimmels Good Star du Bary v. Rock’n Roll Semilly war sie die einzige Reiterin, die sowohl im Normalparcours als auch im Stechen ohne Abwurf ins Ziel kam. Als letzte Starterin musste sie sich entscheiden, nachdem ihre drei Konkurrenten je einen Springfehler hatten: auf Sicherheit reiten und auf eine weitere Nullrunde setzen oder flott sein und im Falle eines Abwurfes trotzdem ganz nach vorne kommen. Burke entschied sich für ersteres und Good Star erwies sich als Superstar, als er souverän null blieb.

„Mein Pferd ist erst zehn, er ist nun gerade sechs Weltcup-Prüfungen gesprungen. Fünfmal hatten wir einen um, aber heute waren wir null. Geduld zu haben, und auf den Tag X zu warten, ist sehr schwer. Dass der nun gekommen ist, ist noch gar nicht richtig angekommen“, erklärte eine emotional sichtlich angefasste Burke später im Interview.

Burke war Lehrerin, ehe sie sich vor sechs Jahren entschloss, den Springsport zu ihrem Beruf zu machen. Sie ist die erste Frau, die das Weltcup-Springen in Bordeaux gewinnen konnte, ihr erster Fünf-Sterne-, ihr erster Weltcup-Sieg. „Das ist tatsächlich ein sehr emotionaler Sieg für mich“, sagte sie. „Mein Besitzer ist hier und er feiert dieses Wochenende seinen 60. Geburtstag. Er ist mit seiner Familie gekommen und meine Familie ist auch hier. Das ist ganz besonders“, so Burke.

„Besonders“ sei auch ihr vierbeiniger Sportpartner, Good Star du Bary: „Er ist das beste Pferd, das ich je hatte. Er hat ein riesengroßes Herz. Es gibt nicht viele Pferde wie ihn, und ich habe großes Glück, dass ich ihn habe.“

Deußers Pech am Letzten, sensationeller Schewe

Die Hälfte des vierköpfigen Stechens machten zwei der drei deutschen Springreiter in Bordeaux aus. Der dritte, Michael Jung mit Heros Z, hatte im Umlauf einen Abwurf und einen Zeitfehler, war damit als Zwölfter aber ebenfalls noch im Geld. Die große Stunde dieser beiden Perspektivkader-Neulinge schlug tags darauf im Großen Preis, wo sie Dritte wurden.

Ins Weltcup-Stechen hatten es Daniel Deußer auf Otello de Guldenboom und Tom Schewe mit dem gerade erst neunjährigen Congress Blue PS geschafft. Letzterer war für Lorenzo ES eingesprungen, das eigentliche Spitzenpferd des Deutschen Vizemeisters Schewe, der sich im Training aber nicht Weltcup-fit anfühlte. Congress Blue PS hat seine Chance genutzt. Die beiden waren das erste Paar, dem es gelang, das Weltcup-Erstlingswerk von Parcourschef Yann Royant fehlerfrei zu bewältigen. Im Stechen traf er dann neben Burke auch auf Daniel Deußer mit Otello de Guldenboom und Yuri Mansur mit dem inzwischen 18-jährigen Vitiki. Ein Flüchtigkeitsfehler unterlief Schewe, aber ansonsten präsentierte sein energiegeladener OS-Wallach eine Runde, die am Ende gut genug für Rang drei war.

Das mit Abstand schnellste Paar waren Daniel Deußer und Otello. Doch zum letzten Oxer passte die Distanz nicht, es wurde weit, der belgische Tobago Z-Sohn zu lang, Platz zwei. Brasiliens Yuri Mansur und sein 18-jähriger Evergreen Vitiki belegten Rang vier.

Will will

Erstmals wurde in Bordeaux auch Dressur geritten, Grand Prix und Kür auf CDI4*-Niveau. Im Grand Prix meldete sich die in Baden-Württemberg beheimatete Australierin Simone Pearce nach ihrer Handverletzung in Folge eines Sturzes zurück. Sie saß im Sattel ihrer Zukunftshoffnung Will Marq, einem Spanischen Sportpferde-Wallach, der ihrem Freund Martin Fuchs gehört. Mit 71,130 Prozent holten sie ihren ersten internationalen Sieg. In der Kür mussten sie allerdings einem Olympiapaar aus Frankreich die Bühne überlassen: Pauline Basquin und Sertorius de Rima Z, die mit einer neuen Kür auf 80,465 Prozent kamen.

Schüler schlägt Lehrer

Für die Fahrer war Bordeaux der Höhepunkte ihrer Weltcup-Saison, das Finale. Die großen Favoriten waren – wie immer – Boyd Exell und Bram Chardon. Doch am Ende waren es weder der Australier noch der Niederländer, die allen davon fuhren, sondern der Belgier Dries Degrieck. Mit seinen 30 Jahren war er der jüngste Teilnehmer. Von Boyd Exell hat er gelernt, und das so gut, dass er den Meister an den Leinen in Bordeaux abhängen konnte. Exell musste in der letzten Runde einiges riskieren, was zu Abwürfen führte. Er wurde Dritter. Bram Chardon belegte Rang zwei. Ein überwältigter Degrieck sagte:

„Es ist ein unglaubliches Gefühl und es muss noch ein bisschen ankommen, weil ich es nicht glauben kann. Meine Pferde waren super und haben in der ganzen Saison nichts falsch gemacht. Wenn etwas schief lief, war es mein Fehler. Sie haben mir hier in Bordeaux wirklich durch den Kurs geholfen.“

Alle Ergebnisse aus Bordeaux inklusive Weltcup-Ranking der Springreiter finden Sie hier.

Vogel siegt in Wellington

Beim Winter Equestrian Festival in Wellington, Florida, stand das erste Fünf-Sterne-Wochenende des Jahres auf dem Programm. Richard Vogel hatte für den Großen Preis den erst zehnjährigen Gangster Montdesir gesattelt, ein Pferd, das er seit September unter dem Sattel hat. Seitdem ging der französische Hengst vier Große Preise und erreichte jedes Mal das Stechen. Zum ersten Mal stand er in Lyon als Sieger im Rampenlicht, seinem ersten CSI5* Grand Prix. Damals hängte er im Stechen Ben Maher und Enjeu de Griesien ab. Samstagnacht in Wellington trafen der Europameister und sein Kannan-Sohn wieder auf den Olympiasieger und dessen Toulon-Sohn. Und wieder war Gangster schneller. Drei Zehntelsekunden nahm er der Konkurrenz ab, von Vogel mit dessen unvergleichlichem Gefühl für Gleichgewicht und Rhythmus super begleitet. Maher und Enjeu mussten sich erneut mit dem zweiten Platz zufrieden geben. Über Rang drei konnte sich Helena Stormanns‘ französische Vorzeige-Elevin Nina Mallevaey mit Dynastie de Beaufour freuen. Als Elfte waren auch René Dittmer und Corsica X noch platziert.

Stormanns weiter im Florida-Hoch

Vogel war nicht der einzige deutsche Reiter, der beim Winter Equestrian Festival siegreich war. Nachdem er in Ocala den U25 Grand Prix gewonnen hatte, zog Tony Stormanns direkt weiter nach Wellington, um hier in den „Junior Jumper“ Prüfungen an den Start zu gehen. Am Freitag war er mit Twick Star Dritter in der 1,40 Meter-Prüfung, am Samstag gewann er die mit 15.000 Dollar dotierte 1,45 Meter-Prüfung, nachdem er mit RMF Balouwinsky als einziger Reiter fehlerfrei durch den ersten Umlauf gekommen war. Damit war ihm der Sieg bereits sicher, aber ein Stechen durfte er dennoch reiten. Hier landete dann allerdings eine Stange im Sand. Mit Twick Star war Tony zudem Vierter nach vier Fehlern im Normalparcours.

Alle Ergebnisse aus Wellington finden Sie hier.

Thieme und Kukuk in Ocala im Geld

Das Winter Equestrian Festival in Wellington als Turnierstandort hat in den letzten Jahren Konkurrenz vom World Equestrian Center in Ocala bekommen. Stormanns Erfolge waren erst der Auftakt für ein Vier-Sterne-Wochenende, bei dem auch zwei deutsche Reiter erfolgreich waren: André Thieme und Christian Kukuk. Während sein Olympiasieger Checker zuhause vom ehemaligen Chef Ludger Beerbaum fit gehalten wird, hat Kukuk neue Pferde mit in den USA. Das ist zum einen die elfjährige Selle Français-Stute Fantasia v. Armitag’s Boy. Die hatte Kukuk zwar schon 2025 einige Male geritten, aber dann saß zunächst Kathrin Stolmeijer im Sattel, ehe Kukuk Anfang des Jahres wieder übernahm. Dieses Wochenende waren sie Siebte in der Qualifikation für den Großen Preis und hatten am Sonntag einen Abwurf.

Von Jana Wargers hat Christian Kukuk die erst achtjährige Navarette N übernommen, eine Aganix du Seigneur-Tochter, deren Mutter Hot’n Spicy selbst auf 1,60 Meter-Niveau erfolgreich war. Ihre Tochter platzierte sich vergangene Woche mehrfach in der Zwei-Sterne-Tour.

Der dritte Neue im Kukuk-Beritt ist ein zehnjähriger Aganix du Seigneur-Enkel: Akarad Tivoli Z v. Akarad Hero Z. Auch er war schon mehrere Male platziert.

Alle Ergebnisse aus Ocala gibt es hier.

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