Springsportmäßig war ja einiges los am Wochenende. Erfreulich aus rheinischer Sicht: Einer der deutschen Springreiter, die sich auf internationalem Parkett hervortaten, kommt aus Eschweiler – Tony Stormanns.
Der war dieses Wochenende in Wellington am Start, diesmal nicht in der U25-Tour, sondern beim CSI3*. Am Samstag stand unter anderem ein mit 32.000 Dollar dotiertes 1,50 Meter-Springen mit zwei Umläufen auf dem Programm. Es gab nur zwei fehlerfreie Ritte in beiden Runden und den einen davon lieferte der 18-jährige Stormanns. Einmal mehr war es RMF Balouwinsky, mit dem er unterwegs war. Er riskierte nichts, sondern ritt den zehn Jahre jungen Balous Bellini-Sohn konzentriert und ruhig bis ins Ziel. 54,84 Sekunden lautete die Zeit.
Das ist zu schlagen, dachte sich die US-Reiterin Emily Dehoff mit Manou de Muze und sprang in 49,17 Sekunden zum Sieg. Später sagte sie: „Mein Plan war eigentlich ein anderer. Ich wollte einige Galoppsprünge auslassen und so versuchen, die schnellste zu sein. Dann sah ich Tony reiten. Er war null, aber ruhig und langsam. Von daher wusste ich, ich kann ein bisschen schneller reiten und trotzdem noch darauf achten, null zu bleiben und ihn so hoffentlich am Ende zu schlagen.“ Hat geklappt.
Platziert im Großen Preis
Abgerundet wurde Stormanns‘ erfolgreiches Wochenende tags darauf im Großen Preis über 1,55 Meter. Hier setzte er auf seinen erfahrenen Championatscrack Donjon d’Asschaut, mit dem er im letzten Sommer unter anderem die deutschen Farben bei den Europameisterschaften in Riesenbeck vertreten hatte. Sie hatten zwar einen Abwurf im Normalparcours, aber konnten sich auf Rang 13 dennoch unter die Platzierten mischen. Ein ziemlich großes Trostpflaster dafür, dass er im U25-Grand Prix mit Cassius Clay ausschied.
Der Sieger im Großen Preis hieß übrigens Bertram Allen mit seinem Olympia- und WM-Pferd Pacino Amiro. An zweiter Stelle reihte sich die Belgierin Zoe Hank Conter – den zweiten Nachnamen trägt sie seit ihrer Hochzeit mit dem mexikanischen Springreiter Carlos Hank Guerrero im vergangenen Jahr – auf Tombola Z ein. Rang drei holten Yali Kass und Obora’s Crunchy Nut.
Das „andere Turnier in Florida“
Schon seit einer Weile ist das Winter Equestrian Festival in Wellington nicht mehr der einzige Ort in Florida, an dem es großen Sport zu sehen gibt. Das World Equestrian Center in Ocala, das rund vier Autostunden von Wellington entfernt liegt, ist schon seit einer Weile ebenfalls Schauplatz für große Veranstaltungen, unter anderem die US-amerikanische Station der FEI League of Nations der Springreiter. Am Wochenende ging es hier unter anderem um die Fahrkarten zum Weltcup-Finale im April in Fort Worth. Hier verbuchte die auch erst 21-jährige Mimi Gochman einen riesengroßen Erfolg, als sie im Sattel von Iron Maiden das erste 1,60 Springen ihres Lebens gewann und damit auch gleich das Ticket nach Texas löste. Tags darauf wurde sie mit einem anderen Pferd in Wellington Zweite in der U25-Tour.
Bester Deutscher war André Thieme mit Derby-Sieger Paule S auf Rang acht.
Er war nicht der einzige, der in Ocala erfolgreich war. Richard Vogel sicherte sich am Sonntag den Großen Preis der CSI2* Tour über 1,45 mit einem neuen Pferd, dem Holsteiner Hengst Cardentos v. Cardento, den er erst vor kurzem übernommen hat.
Außerdem war Vogel dieses Wochenende mit einem achtjährigen DSP-Hengst erfolgreich, den man früher unter Katrin Eckermann kannte, als er noch Earl of Alice hieß. Der neue Name des engen Verwandten von Simone Blums genialer Weltmeisterin lautet Ballycotton. Den bekam er, als er in den Besitz von Coolmore Showjumping wechselte, wo er eine Zeitlang von Tom Wachman geritten wurde. Mit Vogel war der Bronzemedaillengewinner der WM der jungen Springpferde von vor zwei Jahren bei den ersten drei Starts einmal siegreich und einmal Dritter über 1,40 Meter.
News aus der Wüste
Abu Dhabi war Schauplatz der ersten League of Nations-Etappe für dieses Jahr, ehe es weiter geht nach Florida. Bundestrainer Otto Becker hatte für Deutschland Daniel Deußer mit Pepita van’t Meulenhof, Sophie Hinners auf Lommers, Jörne Sprehe mit Toys und Marco Kutscher im Sattel von Catelly ins Rennen geschickt. Letzterer war mit zwei Nullrunden der Held des Tages. Nach dem ersten Umlauf sah es mit acht Fehlern für Deutschland noch nicht nach einer vorderen Platzierung aus. Doch das änderte sich, als in Runde zwei regelkonform nur noch drei Reiter pro Mannschaft starten durften und es somit kein Streichergebnis mehr gab. Da wurden die Karten neu gemischt und diesmal blieb auch Daniel Deußer mit Pepita fehlerfrei, während Hinners‘ KWPN-Wallach bei seiner Nationenpreis-Premiere einen top Job machte und auch diesmal mit nur einem Klotz ins Ziel kam. Mit zwölf Strafpunkte konnte sich Deutschland dank der besseren Gesamtzeit gegen die ebenfalls mit zwölf Fehlern behafteten Brasilianer durchsetzen. Der Sieg ging nach Frankreich mit acht Fehlern.
Die Brasilianer hatten Luciana Diniz und ihren 17-jährigen Routinier Vertigo du Desert in ihren Reihen. Diniz erwies sich als der „brasilianische Marco Kutscher“ – zwei Runden ohne Abwurf. Ihre hervorragende Form bestätigten die beiden auch noch am Sonntag als sie den Großen Preis für sich entschieden. Nach sieben gemeinsamen Jahren im Spitzensport war dies der erste Sieg in einem 1,60 Meter Grand Prix für die beiden.
Von Diniz lernen, heißt also tatsächlich von Siegern lernen. Das kann man z. B. im Mai beim CHIO Aachen CAMPUS.





