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Step by Step

Alexandra Tiede, die Gewinnerin der “Rolle in RRP”, konnte im Oktober ihre Trainingsstunde bei Landestrainerin Tina Hoffmann einlösen. Auf dem Gelände der Landes- Reit- und Fahrschule in Langenfeld standen für Alexandra und Rheinländerstute Famé einige Klippen der Vielseitigkeit, wie die Sunken Road und das Trapez, auf dem Programm.

In der Lösungsphase wird schnell klar, dass die neunjährige Famé den nötigen Ehrgeiz für den Busch mitbringt. Alexandra Tiede, die mit der Feedback-Tochter schon Platzierungen in L-Dressuren, A**-Springen und Vielseitigkeitsprüfungen auf A-Niveau erzielen konnte, beschreibt den Charakter der Dunkelbraunen: „Famé macht wirklich immer mit, egal was von ihr verlangt wird. Aber ihr Herz schlägt für das Gelände. Sie ist super mutig, es ist ihr egal, welche Sprünge man anreitet.“ Wenn man die energiegeladene Famé beobachtet, glaubt man das sofort. Alexandra, die die Stute seit zwei Jahren reitet und genau kennt, erklärt: „Bis Famé weiß, dass sie jetzt wirklich das tun darf, was sie am liebsten mag – über feste Sprünge im Gelände springen –, ist sie erst einmal etwas spannig. Sie ist aber nur deshalb unter Strom, weil sie ins Gelände will. Ich hätte jetzt auch 30 Runden über die Rennbahn reiten können und sie wäre danach immer noch kribbelig.“

Und genau in dem Bestreben, diese Energie in die richtigen Bahnen zu lenken, lassen sich die ersten Fehlerquellen finden, erläutert Tina Hoffmann: „In der Lösungsphase war das Pferd deutlich spannig und guckig, sodass Alexandra dazu neigte, zu sehr rückwärts zu reiten. Dadurch wird Famé sehr kurz im Hals und heizt sich noch mehr auf.“ Sie rät der 20-Jährigen, den Vorwärtsdrang ihres Pferdes gar nicht so stark zu bremsen, sondern es lieber zu beschäftigen und auf großen gebogenen Linien um die Sprünge auf dem Platz zu traben. Im Galopp soll Alexandra immer wieder in den leichten Sitz gehen und die Hand vorgeben, damit Famé im Rücken loslässt und ihren Rahmen erweitert. „Wichtig ist der ausbalancierte, leichte Sitz. Hier sollte Alexandra ihre Bügel noch ein Loch kürzer schnallen, um noch tiefer in den Absatz federn zu können“, so Hoffmann. Denn nur so klappt das Zusammenspiel der Hilfen: „Alexandra muss versuchen, dass sie Famé nicht nur über den Zügel pariert, sondern über ihren Sitz, indem sie sich aufrichtet und Druck auf den Bügel ausübt. Dadurch lassen sich die Pferde auch schließen und aufnehmen. Wichtig ist aber, darauf zu achten, dass die Pferde weiter galoppieren und nicht immer langsamer werden und auseinanderfallen.“ Tina Hoffmann lässt ihre Schülerin daher immer wieder Tempounterschiede reiten, wobei Alexandra ihr Pferd nur über die Position ihres Oberkörpers regulieren soll. Dabei sieht man schnell Fortschritte: „Als Alexandra sich getraut hat, das Pferd mehr loszulassen und nicht so viel mit der Hand zu parieren, sondern mehr über den Sitz, klappte das direkt viel besser und Famé hat sich schön fallen lassen.“ 

Trainingstipps für heiße Pferde

– Nicht rückwärts reiten

– Spannung nach vorne rauslassen und immer wieder im leichten Sitz galoppieren

– Das Pferd über den Sitz parieren und mit der Hand nicht so stark einwirken

Die richtige Distanz

Bei den ersten kleinen Sprüngen auf dem Platz fällt Tina Hoffmann auf, dass ihre Schülerin oft nicht die richtige Distanz wählt. „Alexandra reitet sehr viel rückwärts, um eine große Distanz zu erzielen und muss dann über dem Sprung mit dem Oberkörper zu sehr nach vorne kommen. Das Pferd ist trotzdem alles gesprungen, aber das geht ab einer gewissen Höhe nicht mehr.“

Alexandra beschreibt das Problem: „Beim Springen ist Famé schon einmal etwas unvorsichtig, deshalb versuche ich immer, sie groß an den Sprung heranzureiten und von dem Sprung wegzuhalten, damit sie Platz kriegt. Bei festen Sprüngen im Gelände besteht diese Problematik nicht, aber ich neige trotzdem dazu, den Absprungpunkt zu weit zu wählen.“ 

Daher gibt Tina Hoffmann den Tipp, sich einen Vorbereitungspunkt zu setzen: „Wenn man ein Hindernis anreitet, entscheidet man nicht zwei Galoppsprünge vorher, welche Hilfen man gibt, sondern viel früher. An diesem Vorbereitungsunkt muss ich alles geregelt haben, das Pferd aufgenommen und geschlossen haben. Auf dem Weg zum Hindernis muss der Rhythmus unbedingt erhalten bleiben. Der Galoppsprung soll verkürzt werden, aber kraftvoll bleiben. Trotzdem darf man nicht rückwärts reiten, sondern muss – gerade in den Wendungen – schön den Galopp mitnehmen. Alexandra muss gucken, dass sie den Vorbereitungspunkt früh genug wählt, um die passende Distanz zu finden. Sie soll sich im Sattel aufrichten, aber vor der Senkrechten bleiben und das Gesäß am Sattel haben. Auf langen Strecken soll sie die Stute natürlich im leichten Sitz galoppieren lassen.“ Gesagt, getan! Alexandra kann die Korrektur direkt umsetzen und ist begeistert: „Durch den Tipp, beim Anreiten früher im Sattel zu sitzen und größer auf dem Pferd bleiben, um mehr positive Grundspannung zu erhalten, wurden die Absprungdistanzen direkt viel besser. Ich muss mich einfach trauen, dichter an den Sprung zu kommen. Gerade bei den schmalen Sprüngen hat man zum Schluss gemerkt, dass die Sprünge umso schöner wurden, je dichter ich kam.“ Genau so sieht es auch die Landestrainerin: „Als Alexandra sich mehr getraut hat, den Galopp mitzunehmen, haben die Distanzen auch direkt viel besser funktioniert.“ 

Tipps für die richtige Distanz

– Vorbereitungspunkt suchen

– Den Galopp mitnehmen, das Pferd nicht zu stark zurücknehmen

– Sich früher im Sattel aufrichten, um eine positive Grundspannung zu erhalten

Von weit zu schmal

Durch die schräg stehenden Fangständer wirkt das Hindernis einladender für die Pferde.

Da es Alexandras Wunsch war, in der Trainingsstunde an schmalen Sprüngen zu arbeiten, stellte Tina Hoffmann ein Hindernis auf, dass man zuhause gut nachbauen kann: zwei Unterbauten und zwei leicht schräg gestellte Fangständer bilden zuerst einen Sprung mit normaler Breite. Diese stellten für Alexandra und Famé kein Problem dar, sodass eine der Unterbauten entfernt wurde und der Sprung nur noch halb so breit war. So kann man sich langsam an ein schmales Hindernis herantasten, ohne das Pferd zu überfordern.

Die beiden Hindernisstangen helfen Pferd und Reiter das Trapez anzureiten und können auch bei anderen festen Sprüngen als Hilfsmittel eingesetzt werden.

Da die festen Hindernisse im Busch sich nicht derart verändern lassen, kann man schmale Sprünge wie das Trapez mit einfachen Hilfsmitteln für das Pferd einladend gestalten. Zwei Hindernisstangen werden zuerst mit einem Ende auf die obere Kante der Hinderniskonstruktion gelegt, um das Hindernis einzurahmen. Als nächsten Schritt kann man die Stangen komplett auf den Boden legen und dann völlig entfernen. Durch diese Herangehensweise konnten Alexandra und Famé dieses eindrucksvolle Hindernis sofort meistern und werden auch in Zukunft keine Probleme mit schmalen Sprüngen haben.

Trainingstipps für schmale Sprünge

– Die Sprünge Schritt für Schritt schmaler bauen

– Aus zwei Unterbauten einen Sprung bauen und später ein Element entfernen

– Durch zwei seitliche Stangen dem Pferd den Sprung erleichtern

Der imaginäre Punkt

Egal wie tief der Sprung ist, der Blick des Reiters muss immer in die Ferne gerichtet werden, damit der Oberkörper aufrecht bleibt.

Zuletzt standen Sprünge in die Tiefe auf dem Programm. Auch dafür hält die Landes- Reit- und Fahrschule zahlreiche Hindernisse parat. Hier gilt es ebenfalls, sich langsam heranzutasten. Tina Hoffmann erklärt, was man beachten muss, wenn man in die Tiefe springt: „Der Reiter soll im Gelände seinen Blick generell immer hinter den Sprung richten und nicht in den Sprung nach unten gucken. Man darf auch nicht den Absprungpunkt auf dem Boden suchen, sondern muss von Anfang an einen Punkt finden, der hinter dem Sprung liegt. Bei Tiefsprüngen gilt das ganz besonders. Diesen bestimmten imaginären Punkt, zu dem man hingucken und hinreiten möchte, kann man sich gut schon beim Abgehen festlegen.“ 

Dieser imaginäre Punkt ist auch für den Sitz des Reiters über dem Sprung wichtig: „Wenn ich den Blick nach vorne richte, laufe ich nicht Gefahr, mit dem Oberkörper zu sehr nach vorne zu kommen. Der Oberkörper soll aufracht bleiben und der Zügel rutscht ein bisschen durch die Hand. Nach dem Sprung muss man jedoch die Zügel schnell wieder nachfassen, um eine korrekte Verbindung zu erhalten.“ Nach diesem Prinzip tasteten sich Alexandra und Famé über die Stufen an die Sunken Road heran. Bei diesem berühmten Hindernis kann man – je nachdem, welchen Weg man nimmt – die Tiefe und somit den Schwierigkeitsgrad erhöhen und überfordert das Pferd nicht. Selbst die tiefste Stelle sprangen Alexandra und Famé zum Schluss ohne mit der Wimper zu zucken herunter, sodass Tina Hoffman lobende Worte für Pferd und Reiterin fand: „Beide haben das wirklich gut gemacht und alles schnell umsetzen können. Ich bin sicher, dass sie in der nächsten Saison in der Vielseitigkeit noch eine Schippe drauflegen können.“ Auch Alexandra war begeistert von der Trainingsstunde: „Da ich Tina Hoffmanns Art zu unterrichten als sehr pferdefreundlich empfinde, habe ich mich sehr auf den Unterricht gefreut. Sie hat einfach für jedes Problem eine Lösung und geht auch kreative Wege. Sie ordnet nicht Schema X an, das man dann strikt befolgen muss.“

Zufriedene Gesichter nach dem Training bei Tina Hoffmann und Alexandra Tiede.

Keine Angst vor Sprüngen in die Tiefe

– Den Schwierigkeitsgrad der Sprünge langsam steigern

– Sich einen imaginären Punkt suchen, auf den man seinen Blick richtet

– Den Oberkörper aufrechtrecht lassen und die Zügel durch die Hand gleiten lassen

Wo kann man im Rheinland Geländetrainings absolvieren?

Es gibt im Rheinland mehrere Vereine/Reitanlagen, auf denen die Möglichkeit besteht, das Reiten über feste Hindernisse zu trainieren. Genaue Infos zu Trainingsmöglichkeiten bitte direkt bei den Vereinen/Betrieben einholen!

– Landes-Reit- und Fahrschule Rheinland, Langenfeld

– Reit- und Jagdclub Rodderberg / Broichhof

– RSV St. Hubertus Wesel-Obrighoven

– Zucht- Reit- und Fahrverein von Lützow Hamminkeln

– RV Enzen-Euskirchen/Rittergut Schick

– Annaberger Hof, Bonn

– RV Deutschritter Düren

– Reitklub Hofgarten, Düsseldorf 

– RV Lippe-Bruch Gahlen, Dorsten

– IGV Kleve, Rheurdt-Kengen

– RV Seydlitz-Kamp, Kamp-Lintfort

– RFV Bad Honnef, Hagerhof

– Reit- und Fahrverein Porz, Köln

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