
Die Europameisterschaften der Para-Dressurreiter werfen ihre Schatten voraus. Mit dabei ist im Grade V Regine Mispelkamp aus Geldern mit Pramwaldhof’s Bayala. Die Nominierung für die EM in Ermelo (3. bis 7. September) markiert ein wichtiges Etappenziel für die zweifache Silbermedaillengewinnerin der Paralympics 2024 und ihre neue Medaillenhoffnung.
Ermelo wird für Regine Mispelkamp das erste Championat mit der zehnjährigen Oldenburger Stute Pramwaldhof’s Bayala v. Barroso. Seit rund zwei Jahren sind die beiden ein Team. Während die großen Para-Prüfungen wie Paralympics, Welt- und Europameisterschaften bislang Mispelkamps Toppferd Highlander Delight’s vorbehalten gewesen waren, konnten sich die Pferdewirtschaftsmeisterin und Bayala in Ruhe an die großen Aufgaben herantasten.
Dass sie dieses Jahr anstelle von Highlander Delight’s für Deutschland antritt, war von langer Hand geplant. „Ich hatte schon vor Paris (den Paralympics, Anm. d. Red.) im letzten Jahr gesagt, dass Highlander dieses Jahr ,Reisepause‘ haben soll und ich mich ganz auf Bayala konzentrieren will, damit sie Prüfungsroutine bekommt und ich dann im nächsten Jahr zwei gleichwertige Toppferde habe“, erklärt Mispelkamp.
Sowohl Highlander als auch Bayala für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren, das ist Mispelkamps Ziel. Die findet bekanntlich 2026 in Aachen statt, wird also nicht nur sportlich ein Highlight für die deutschen Pferdesportler. Highlander Delight’s hat dieses Jahr nicht komplett Pause. Er geht weiterhin Turniere, am Wochenende wieder eines im Regelsport. Aber seine Stallkollegin ist für die große Herausforderung 2025 in Ermelo vorgesehen.
Große Hufspuren
Dass Bayala das Zeug dazu hat, in die Hufspuren von Highlander Delight’s zu treten, steht für Mispelkamp außer Frage. Das sagt einiges über die Stute. Bei vier Championaten saß Mispelkamp auf dem 13-jährigen KWPN-Wallach v. Florencio, zwei Paralympics, einer Europa- und einer Weltmeisterschaft. Dabei gewannen sie in Tokio 2021 Bronze in der Kür. In Paris 2024 kamen zwei Silbermedaillen in Einzelwertung und Kür sowie Bronze in der Mannschaftswertung hinzu. Bei der EM 2023 in Riesenbeck gewannen sie Silber mit der Mannschaft, dazu Einzelbronze.
Auf lange Sicht sieht Regine Mispelkamp aber auch Bayala in dieser Liga: „Jeder der beiden Pferde hat auf seine Art Medaillenchancen.“ Bei den Deutschen Meisterschaften in Balve gab es jedenfalls schon mal zwei zweite Plätze und einen dritten Rang.
Stärken und Aufgaben
Bayalas Stärken sieht Mispelkamp zum Beispiel in den Seitengängen – und die zählen im Para-Sport doppelt: „Die Stute hat einen tollen Takt. Den nimmt sie ganz easy mit in die Seitengänge im Trab, was Highlander nicht ganz so leichtfällt.“ Woran sie jetzt noch arbeiten müssen, sei die Konstanz.
An Konstanz und Konzentration gelte es nun zu arbeiten, sagt Mispelkamp. Und an den Grußaufstellungen. „Das ist meinem linken Schenkel geschuldet, mit dem ich nicht so gut einwirken kann“, wie mit dem rechten, erklärt die an Multipler Sklerose erkrankte ausgebildete MTA. Aber sie ist optimistisch, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie und Bayala sich auch hier einig werden.
Vielleicht ist dann sogar schon bei der EM eine Medaille drin. „Das wäre ein Bonbönchen! Aber mit der Qualifikation habe ich mein Ziel für dieses Jahr schon erreicht“, so Mispelkamp. Doch träumen ist natürlich erlaubt: „Wenn sie sich so weiterentwickelt, wie sie gerade ist, rechne ich mir Medaillenchancen aus. Von ihrer Qualität her, hat sie alle Möglichkeiten!“
Und in die Zukunft gedacht? „Das Gestüt Pramwaldhof will mich und den Para-Sport unterstützen. Bayala ist mir bis zu den Paralympics 2028 in LA vertraglich zugesichert …“
Aber nun erstmal EM in Ermelo!





