
Um 7.30 Uhr in der Früh ist Verden in Tag zwei bei der Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde gestartet. Die Qualifikation für das Finale der fünfjährigen Dressurpferde stand als erstes auf dem Programm. Der Sieg ging an einen Vertreter des KWPN. Dominierender Vererber auf der Vaterseite war Vivaldi mit elf Nachkommen von 45 Startern, der Großteil davon über Vitalis.
Der Sieger entspringt allerdings einem anderen großen Mannesstamm der Niederlande, dem des Ferro, in diesem Fall über Zack, genauer gesagt dessen Sohn Jameson RS2. Im vergangenen Jahr war der bildschöne Schimmelhengst Proud James in Ermelo Sieger der inoffiziellen Weltmeisterschaft der vierjährigen Dressurpferde geworden (Anm. d. Red.: Der WM-Titel wird nur bei den Fünf-, Sechs- und Siebenjährigen verteilt, Ermelo hat aber auch eine Prüfung für Vierjährige eingeführt, an der ebenfalls sämtliche Zuchtverbände teilnehmen können), nun gewann er die Qualifikation der WM der fünfjährigen Dressurpferde mit 89,60 Prozent. Damals wie heute stand der Jameson RS2-Sohn aus einer Johnson-Mutter (Z.: Y.M.M. Van Maasacker) im Besitz der Helstrand Dressage A/S. 2024 wurde er von Maxi Kira von Platen vorgestellt. Die arbeitet nun nicht mehr für Helgstrand, daher hat inzwischen Mette Sejbjerg Jensen im Sattel Platz genommen.
Sie brachte die naturgegebenen Stärken des Hengstes – vor allem seinen Fleiß und sein engagiertes Hinterbein – gut zur Geltung. Das Genick war in 95 Prozent der Aufgabe der höchste Punkte und die Nase vor bzw. an der Senkrechten. Vielleicht war Proud James zeitweilig sogar etwas zu hoch aufgerichtet. Am schönsten trabte er jedenfalls beim gut gezeigten Zügel aus der Hand kauen lassen. Das Angaloppieren aus dem Schritt hätte man sich mehr über den Rücken durch den Körper gewünscht. Insgesamt war der versammelte Galopp etwas eilig und die Reiterin schien alle Hände voll zu tun zu haben.
Die Richter griffen hoch in die Notenkiste für den imposanten Schimmel: Trab 9,0, Schritt 8,8, Galopp 9,0, Durchlässigkeit 8,8, Perspektive 9,2. Machte 89,6 Prozent in Summe und den Qualifikationssieg.
Viva Diamond I
Viva Diamond OLD, Oldenburger Stute v. Vitalis-Don Diamond, geboren auf dem Zuchthof Alberding und im Besitz von 360° Sportpferde, war mit ihrer Ausbilderin Linda Weiß gleich als fünftes Pferd der Prüfung an der Reihe. Die Braune bewegte sich sehr natürlich durch den Körper, sehr elastisch, mit engagiertem Hinterbein und in guter Anlehnung. Es war eine durchweg harmonische Vorstellung des Paares, sehr ausbalanciert – auch auf den geschmeidigen Schlangenlinien – und mit altersentsprechender Versammlungsbereitschaft und -fähigkeit. Wobei man sich im Galopp etwas mehr Bergauftendenz wünschen würde. In den Verstärkungen fußte die Stute mit den Hinterbeinen noch eine Idee breit. Das Rückwärtsrichten geriet schief. Der Schritt war ein Highlight. So viel Raumgriff bei gleichzeitig absoluter Taktsicherheit sieht man nicht oft. Die Richter vergaben 8,5 im Trab, 9,2 im Schritt, 8,4 im Galopp, Durchlässigkeit 8,8 und Perspektive 8,6. Machte 87 Prozent, die am Ende Rang zwei bedeuteten.
Wendys Sohn
Der dritte Platz ging an ein weiteres beim Oldenburger Pferdezuchtverband registriertes Pferd, das auch für die deutsche Delegation an den Start geht. Dabei ist an dem Pferd außer dem „Vornamen“ und dem (Mit-)Besitzer eigentlich nichts deutsch. Die Rede ist von Ferdinand de Fontaine. Der Vater Franklin ist ein durch und durch holländisch gezogener KWPN-Hengst, die Sezuan-Mutter eine dänische Warmblutstute – nicht irgendeine, sondern Wendy de Fontaine, Isabell Werths Olympiastute von Paris. Gezogen wurde Ferdinand von Wendys Besitzerin, Bolette Wandt, bzw. dem von ihr gegründeten Gestüt Chateau de Fontaine in Frankreich. Immerhin, wenn man in Wendys Ahnenreihe lange genug zurückgeht, kommt irgendwann eine Trakehner Stammstute. Besitzer ihres Sohnes Ferdinand ist die River Oak Equine Sports GmbH zusammen mit Helgstrand Dressage. Helgstrand-Bereiterin Merita Hagren stellt Ferdinand in Verden vor.
Der Rappe kann seine Mutter im Bewegungsablauf nicht verleugnen, zeigte viel Mechanik im Trab, wurde allerdings in den Verstärkungen eilig – wobei er in der ersten auch misten musste. Der Schritt ist taktischer bei gutem Raumgriff. Die beste Grundgangart ist sicherlich der energisch vom Boden weg ins Bergauf gesprungene Galopp. Für den Trab gaben die Richter eine 8,7, für den Schritt 8,2, im Galopp 9,0, 8,5 in der Durchlässigkeit und 9,0 für die Perspektive. Das ergab 86,80 Prozent in Summe.
Valentin, Viva Diamond II & weitere Finalisten
Neben den genannten schafften aus deutscher Sicht noch drei weitere Pferde die direkte Qualifikation fürs Finale. Das war zum einen der DSP-Wallach Valentin v. Vitalis-Don Schufro, gezogen von Dr. Jutta Steidl und vorgestellt von Johanna Wadenspanner für den Zuchthof Wadenspanner. Mit genau 86 Prozent belegte DSP Valentin Platz fünf.
Die beiden weiteren deutschen Paare lagen gleichauf mit 84,60 Prozent an neunter Stelle. Das war zum einen Lena Haßmann auf der Westfalen-Stute Estelle PS NRW v. Escalito-Wynton (Z. u. B. Peter Spelsberg), zum anderen der zweite deutsche Viva Diamond im Starterfeld, Birkhof’s Viva Diamond DSP, einstiger DSP-Siegerhengst aus der Zucht von Herbert und Ursula Linz, vorgestellt von Isabell Werths österreichischer Stallreiterin Lisa Wernitznig für Besitzerin Victoria Max-Theurer.
Bei letzterem drückte vor allem die 7,2 für den Schritt das Gesamtergebnis. Mit 8,9 in Trab und Galopp, 8,5 für die Durchlässigkeit und 8,8 für die Perspektive hätte er sonst ganz vorne mitgespielt. Zwar verfügt der Hengst über ausreichend Vor- und Übertritt, hätte aber die acht Phasen noch deutlicher präsentieren können. Außerdem erlaubte die Reiterin dem Hengst zwar maximale Dehnung, gab die Anlehnung dabei aber auf.
Zu den weiteren Finalisten zählt zum einen der viertplatzierte DWB-Hengst Faustino G. v. Farrell-Sezuan unter Betina Jæger. Der Hengst kam zwar beim Stutteri G zur Welt, ist jedoch weder mit dem Zwei-Millionen-Euro-Prämienhengst des Hannoveraner Verbands aus dem letzten Jahr, Daan G, noch mit der 2023er Weltmeisterin der jungen Dressurpferde, Quinn G., verwandt. Talentiert ist er trotzdem. 86,6 Prozent gaben die Richter.
Gleich zwei fünfjährige Pferde konnte das Gestüt Atterupgaard, Heimat von Cathrine Dufours Superstar Cassidy, nach Verden schicken, beide werden von Selina Solberg Vittinghus präsentiert, beide erhielten 85,80 Prozent, wurden somit gleichauf Sechste und qualifizierten sich auf direktem Weg fürs Finale. Das hat man auch nicht so oft. Das eine ist der Bon Courage-Sohn Bernachi, der dieselbe Mutter wie Cassidy hat, die Caprimond-Tochter Dicte. Das andere Pferd ist die Stute Daimi v. Springbank II-Bon Bravour.
Helgstrand-Stallreiterin Mette Sejbjerg Jensen hat mit dem Lord Europe-De Niro-Sohn Straight Horse Leonardo noch ein zweites Eisen im Feuer im Finale. Mit 85,60 Prozent belegte das Paar Rang acht.
Das Dutzend voll machen zwei weitere Vertreter des KWPN: Pina Colada M v. Governor-Dayano (Z.: J. Mol, B.: BG Scheerer/Vermunt) mit Bart Veeze (84,40) und der bildschöne Rappe Port-au-Prince v. Desperado-De Niro (Z.: Stoeterij Turfhorst, B.: Trainingsstal Witte Scholtens VOF) unter Kirsten Brouwer (84,20).
Ergebnisse der übrigen deutschen Pferde
Als Proud James 2024 bester Vierjähriger wurde, landeten Jessica Lynn Thomas und So Special auf dem zweiten Platz. Diesmal wurde es Rang 13 und damit der erste Reserveplatz für den Hannoveraner Hengst v. Secret-Bon Coeur aus der Zucht und im Besitz von Pia Sophie Wahlers. 83,40 Prozent gab es für den schönen Fuchs, der heute etwas unruhig und anscheinend nicht ganz zufrieden in der Anlehnung war. Beim Rückwärtsrichten zog die Reiterin regelrecht, um durchzukommen.
Direkt dahinter reihte sich die bunte Oldenburger Stute Because of you OLD v. Benicio-Dimaggio (Z.: Zuchthof Hollen, B.: Lara Steimle Lochmann) unter Beatrice Hoffrogge ein. Die Stute hatte sich einmal sehr deutlich frei gemacht, erhielt am Ende 83,20 Prozent.
Charlott-Maria Schürmann, die gestern so viel Pech hatte, als ihr talentierter Vitamin B sich einfach nicht in die Arena traute, zeigte heute mit der Hannoveraner Stute Viva las Vegas RS v. Viva Gold-Foundation (Z.: Reinhard Baumgartner, B.: Anne Haggenmüller) eine 80 Prozent-Runde und belegte Platz 19 unter den 45 Teilnehmern.
Gleich drei Paare wurden abgeklingelt, alle weil die Pferde sichtlich ungleich gingen.
La Jolie SW qualifiziert fürs Finale der sechsjährigen Dressurpferde
Nach der Qualifikation der fünfjährigen Dressurpferde folgte das kleine Finale der Sechsjährigen. Die besten drei der 24 Paare hatten die Chance, ins Finale am Samstagnachmittag vorzurücken. Gelungen ist das allen voran Carina Scholz und der Oldenburger Escamillo-Tochter La Jolie SW, SW für Züchterin und Besitzerin Sabine Weile. Mit einer wunderbar gerittenen Prüfung und einem durchlässigen, schwungvollen Pferd kamen sie auf 86,20 Prozent, das bedeutete den Sieg und damit die sichere Qualifikation für Samstag.
Auch das zweitplatzierte Pferd ist eine Oldenburger Stute, ebenfalls auf Escolar zurückgehend, hier allerdings über den Blue Hors-Hengst Emilio: Emoji JCD SL, gezogen von Stefanie Löhmann, im Besitz von Camille Judet Chéret und bemerkenswert harmonisch und schön vorgestellt von Corentin Pottier für Frankreich. 85 Prozent waren der Lohn.
An dritter Stelle fanden sich Diederik van Silfhout und der Toto Jr.-Riccione-Sohn O’Toto van Wimphof wieder (Z.: C. Rienks-Kramer, B.: Züchter und Joop van Uytert). Mit 83,20 Prozent sicherten sie dem KWPN ein weiteres Finalticket.





