Neumünster ist dieses Wochenende Qualifikationsstandort für den Weltcup der Dressurreiter. Mit dabei ist unter anderem die Nummer eins der Weltrangliste, Justin Verboomen. Der zeigte heute Morgen in den Holstenhallen, dass er nicht nur mit Toppferd Zonik Plus eine Klasse für sich ist.
Der elfjährige Oldenburger Damon Hill-Sohn Djembe de Hus, ausgebildet von Jessica Michel Botton, ist seit Frühjahr 2025 in Beritt bei Justin Verboomen. In Troisdorf traten sie das erste Mal auf einem Turnier auf und waren siegreich. In Mechelen bestritten sie ihre erste Weltcup-Etappe und wurden zweimal Zweite. Heute war kein Vorbeikommen an ihnen.
Wer meint, Dressurreiten auf höchstem Level mit Leichtigkeit und Harmonie wäre eine Utopie, sollte sich einmal einen Ritt von Justin Verboomen mit Djembe de Hus anschauen. Was dieses Paar in Perfektion demonstrierte, war, wie durch reelle Ausbildung und Training eine harmonische, vertrauensvolle Partnerschaft entsteht. Die Anlehnung soll das Gewicht des Zügels sein? Verboomen und Djembe du Hus zeigen, wie es geht – und dass die schwierigsten Lektionen dann nur umso beeindruckender aussehen. Die Vorstellung wurde heute mit 76,826 Prozent belohnt, der deutlich besten Bewertung, die das Paar je erhalten hat und auch das mit Abstand beste Ergebnis des heutigen Grand Prix für die Weltcup-Kür von Neumünster.
Platz zwei für Belgien, Rang drei für die Nummer eins
Die belgische Dressur erlebt derzeit einen nie dagewesenen Boom. Auf der Welle reiten momentan auch Larissa Pauluis und ihr einstiges Springpferd Flambeau. Dieser Ampere-Sohn war es, der mit seiner Reiterin in Mechelen noch an Verboomen und Djembe de Hus vorbeipiaffierte. Das ist die große Stärke des Braunen, der heute mit einem neuen Personal Best von 74,196 Prozent aus dem Viereck kam.
Das Paar, das derzeit die Gesamtwertung des Weltcup-Rankings anführt, Raphael Netz und Great Escape Camelot, konnte sich ebenfalls über eine neue persönliche Bestmarke freuen: 73,587 Prozent. Sie waren letztes Paar der Prüfung und wie beim Sieger sticht auch bei ihnen sofort die feine Anlehnung ins Auge. Zu den Highlights der Prüfung zählte unter anderem die Traversalverschiebungen und das Halten und Rückwärtsrichten. In den ersten Piaffen stützte der 15-jährige Johnson-Sohn vorne deutlich, die Passagen sind eigentlich viel besser, aber vor der ersten Piaffe gab es einen teuren Taktfehler. Die sorgfältig herausgearbeiteten Lektionen in der Galopptour brachten dann wieder Punkte.
Der portugiesische Rheinländer
Die rheinischen Farben hielt heute der für den RV Graf von Schmettow-Eversael startende Portugiese João Pedro Moreira auf seinem sympathischen Oldenburger Hengst Fürst Kennedy hoch. Die beiden begannen mit einer ausdrucksvollen Trabverstärkung. Die Passage war ausdrucksvoll und kraftvoll abfedernd, nicht immer ganz gleichmäßig durchschwingend. Diese Energie in der Passage konnte Fürst Kennedy in die Piaffen (noch?) nicht ganz mitnehmen. Auch im Galopp war die Verstärkung ein Highlight, ebenso die Linkspirouette. Die nach rechts geriet hingegen etwas groß. Auf der Schlusslinie kam es beim Übergang vom versammelten Trab in die Passage zu einer Stockung. Die letzte Piaffe war die beste der Prüfung. Beim Übergang in die Passage wollte Fürst Kennedy hingegen einmal nach vorne durchstarten. Was während der gesamten Prüfung auffiel, war die tendenziell enge Kopf-Hals-Einstellung. Mit 71,565 Prozent wurden die beiden heute Vierte.
Fünf Deutsche am Start
Als Gastgebernation durfte Deutschland insgesamt fünf Paare für die Teilnahme am Weltcup nominieren. Zweitbester Deutscher hinter dem früheren U25-Europameister Netz war mit Moritz Treffinger der aktuelle U25-Champion. Er bestreitet seine erste Weltcup-Tour mit den Hengsten des Gestüts Bonhomme, seines Arbeitgebers. heute hatte er den nun 17-jährigen Oldenburger Fiderdance v. Fidertanz gesattelt und gefiel einmal mehr durch sein elegantes Reiten und feines Einwirken. Mit 71,370 Prozent belegten die beiden einen starken fünften Rang.
Damit waren sie noch vor der Mannschaftseuropameisterin Ingrid Klimke platziert, die nicht EM-Pferd Vayron, sondern die Hannoveraner Fürstenball-Tochter First Class mit nach Neumünster gebracht hatte. Die zierliche Braune mag nicht mit dem allergrößten Potenzial gesegnet sein, aber sie ist ein so eifriges und bemühtes Pferd und Ingrid Klimke stellt sie so vor, dass kein Punkt liegen bleibt. Das bedeuteten heute 71 Prozent.
Gestüt Vorwerk-Bereiterin Laura Strobel hat vor einer Weile die Stute Sisters Act MT OLD übernommen, die Vorwerk-Besitzerin Sissy Max-Theurer gehört und von Dorothee Schneider ausgebildet wurde. Neumünster ist ihr erster Weltcup-Auftritt und den läuteten sie mit einem 68,826 Prozent Grand Prix ein. Damit waren sie Elfte.
Pech hatten Juliane Brunkhorst, die gestern noch mit Louisdor-Finalist Diamante Negro den nationalen Grand Prix in wunderbarer Manier gewonnen hatte, und Fürst Enno. Auch für sie wäre es der erste Weltcup-Auftritt gewesen morgen in der Kür. Doch daraus wird nichts. Der 13-jährige Fuchs v. Fürst Romancier begann gut, wollte heute aber überhaupt nicht piaffieren und erhob sich stattdessen auf die Hinterbeine. Er machte das in aller Seelenruhe, so dass Brunkhorst genügend Zeit blieb, zu reagieren. Chefrichterin Elke Ebert klingelte das Paar ab. Eigentlich soll das Glockenzeichen nach 20 Sekunden des Ungehorsams ertönen, die waren noch nicht vergangen und Juliane Brunkhorst wollte noch einmal zum Piaffieren ansetzen, damit sie beide mit einem guten Gefühl die Halle verlassen konnten. Da ertönte noch einmal die Klingel. Damit wird man die beiden morgen in der Kür nicht sehen. Schade eigentlich!





