
Gestern wurde bei der FEI Generalversammlung in Hongkong über die vorgeschlagene Änderung der Blutregel im Springsport abgestimmt. Mit deutlicher Zustimmung wurde die Änderung beschlossen und tritt ab 1. Januar 2026 in Kraft. Die FN hält an ihrer Ablehnung fest.
Der International Jumping Riders Club hatte unter anderem beim FEI Sport Forum im April dafür geworben, die Blutregel im Springsport ausdifferenzierten zu gestalten. Blutende Pferde sollten nicht mehr pauschal ausgeschlossen werden, sondern es sollte nach Art der Verletzung und Ursache unterschieden werden, wie mit dem Fall umzugehen ist. Die FEI hatte den Vorschlag positiv aufgenommen und dazu folgenden Regelvorschlag erarbeitet:
259.1 Jede Blutung am Pferd während des Wettkampfs (vom Abreiten bis zum Abschluss der Kontrolle nach dem Ritt), die durch Ausrüstungsgegenstände, Sattelzeug oder den Reiter verursacht wurde, führt zu folgenden Sanktionen:
Erster Verstoß – Verwarnung
Zweiter Verstoß – Verwarnung
Sollte dieselbe verantwortliche Person zwei oder mehr Verwarnungen bei derselben oder einer anderen Veranstaltung innerhalb von 12 Monaten nach Erteilung der ersten Verwarnung erhalten, wird gegen die verantwortliche Person eine Geldstrafe von CHF 1’000 verhängt und sie wird automatisch für einen Zeitraum von einem Monat gesperrt, wobei diese Sperre am Tag nach dem letzten Tag der Veranstaltung beginnt, bei der die zweite Verwarnung erteilt wurde. Der FEI-Generalsekretär benachrichtigt die verantwortliche Person und bestätigt das Datum der Sperre. Um es klarzustellen: Die Zustellung der Benachrichtigung durch den Generalsekretär nach Beginn der Sperre soll in keiner Weise die Gültigkeit oder den Beginn der Sperre verschieben.
259.2 In anderen Fällen, in denen die Blut am Pferd festgestellt wird (z. B. wenn ein Pferd sich offenbar leicht in die Zunge oder Lippe gebissen hat oder von einem Insekt gestochen wurde), können die Offiziellen das Abspülen oder Abwischen des Blutes genehmigen und dem Reiter-/Pferdpaar die Fortsetzung des Wettkampfs gestatten, vorausgesetzt, das Pferd wurde als „fit to compete“ im Einvernehmen mit Art. 259.3 eingestuft. Die Offiziellen können jedoch das Reiter-/Pferdpaar disqualifizieren, wenn die Blutung anhält oder die Offiziellen Bedenken hinsichtlich des Wohlergehens des Pferdes haben. Der Reiter erhält keine Verwarnung, wenn dieser Artikel Anwendung findet.
259.3 In jeglichen Fällen, in denen gem Art. 259 Blut am Pferd festgestellt wird, darf das Pferd nur dann weiter an der jeweiligen Prüfung oder anderen Prüfungen bei dem Turnier teilnehmen, wenn es von der Ground Jury in Absprache mit dem zuständigen Tierarzt für „fit to compete“ erklärt wurde.
Anmerkung der Redaktion: Dies ist die aktuellste Fassung der Regel, wie sie in der Präsentation der FEI veröffentlicht ist. In einer vorherigen Version war der Aufbau des Textes anders, der Inhalt jedoch der gleiche. Zudem hieß es in der vorherigen Version in Art. 259.3:
Jegliches Blut am Pferd, das die Offiziellen nicht als geringfügig erachten, führt zur Disqualifikation oder zum Ausschluss und kann auch zu einem separaten Disziplinarverfahren wegen Misshandlung des Pferdes führen.
Statt dieses Passus gibt es nun einen Verweis auf Art. 264.2.1. (Verpflichtender Ausschluss wegen exzessiven Sporen- oder Peitschengebrauchs) und Art. 265 (Misshandlung des Pferdes) und Art. 142 in den FEI General Regulation (Misshandlung des Pferdes).
Neue Blutregel sieht nun folgendes vor
Über diesen Vorschlag wurde nun in Hongkong abgestimmt. Er wurde angenommen. Der Weltverband hat heute Morgen eine Pressemitteilung dazu veröffentlicht, in der von 96 Prozent Zustimmung die Regel ist. Die nun beschlossenen Änderungen des betreffenden Paragraph 259 in den FEI Jumping Rules werden wie folgt zusammengefasst:
- Neue obligatorische Wettkampftauglichkeitsprüfungen durch die Bodenjury in Absprache mit dem Veterinärbeauftragten in allen Fällen von Blutbefund.
- Pferde dürfen nur dann weiter am Wettkampf teilnehmen, wenn sie nach der oben genannten tierärztlichen Untersuchung für wettkampftauglich befunden wurden.
- Klarere Regeln für FEI-Funktionäre, wobei die Unterscheidung zwischen „geringfügigen” Verstößen entfällt und für mehr Einheitlichkeit und Objektivität gesorgt wird.
- Erhöhte Transparenz und Rechenschaftspflicht für Athleten, da alle aufgezeichneten Warnungen beim Springreiten von der FEI veröffentlicht werden.
- Automatische Benachrichtigung der nationalen Verbände über alle aufgezeichneten Warnungen beim Springreiten, die ihre Athleten betreffen, damit sie die Fälle besser überwachen und entscheiden können, ob zusätzliche Tierschutzkontrollen oder -maßnahmen erforderlich sind.
Folgende Regeln sollen auch weiterhin gelten
- obligatorische Disqualifikation bei übermäßigem Einsatz von Sporen;
- die Bestimmungen zum Missbrauch von Pferden;
- und die Möglichkeit, separate Disziplinarverfahren einzuleiten, um zusätzliche Sanktionen zu verhängen.
Warum die FN an ihrer Ablehnung der Regel festhält
FN-Präsident Martin Richenhagen hat eine halbe Stunde nach Veröffentlichung der FEI-Mitteilung ein Interview auf der FN-Homepage veröffentlicht, in der er sich zur Sache positioniert.
Herr Richenhagen, die FEI hat nun beschlossen, die sogenannte „Blutregel“ im Springreiten zu lockern. Was halten Sie davon?
Ich halte das für einen klaren Fehler. Blut hat im Pferdesport nichts zu suchen. Auch wenn die Zahl der Fälle weltweit sehr gering ist – zuletzt bei jedem 3.366 Start, wobei es zu mehr als 99 Prozent ganz geringfügige Kratzer sind – das Thema steht sinnbildlich für unseren Umgang mit dem Pferd. Wenn ein Pferd durch den Reiter verursacht blutet, kann es nicht weiter am Wettbewerb teilnehmen. Das ist eine Frage des Respekts und der Verantwortung.
Sie sprechen davon, dass die FEI die Regelung lockert – das ist ein Aspekt der vorgeschlagenen Regeländerung. Auf der anderen Seite gibt es weitere Regeln, die unter diesem Paragraphen gefasst sind: So werden Reiter künftig direkt verwarnt. Diese Verwarnung ist öffentlich einsehbar. Das gab es so bislang nicht, auch die vierwöchige Sperre bei zwei Verwarnungen wird neu in das Reglement aufgenommen. Außerdem gibt es nun eine fit-to-compete-Regel: Wenn Blut am Pferd festgestellt wird, dürfen Pferde nur weiterhin starten, wenn sie eine tierärztliche Untersuchung bestandnen haben. Was viele auch nicht wissen, ist, dass übermäßiger Gebrauch von Sporen weiterhin direkt zur Disqualifikation führt.
Die FEI argumentierte im Vorfeld, dass es auch harmlose Ursachen geben kann – etwa, wenn das Pferd einen leichten Kratzer im Einwirkungsbereich des Schenkels hat.
Es gibt solche Fälle. Aber die Regel zu lockern, halte ich nicht für richtig. Wir brauchen in dieser Frage keine Grauzonen. Jede sichtbare Verletzung ist ein Signal, das wir ernst nehmen müssen – und kein Anlass, die Messlatte niedriger zu legen. Wenn wir anfangen, Blut zu relativieren, verlieren wir die Achtung vor dem Lebewesen Pferd und das Vertrauen der Gesellschaft.
Also eine klare Nulltoleranz-Haltung?
Ja, unbedingt. Wir müssen uns bewusst sein: Wir stehen unter Beobachtung. Menschen, die den Pferdesport nicht kennen, sehen Bilder von Pferden mit Blut – und das löst Empörung aus. Und das zu Recht. Wir wollen Pferdesport mit gesunden, glücklichen Pferden zeigen – nicht mit Pferden, die offensichtlich verletzt sind.
Kritiker befürchten, dass die Regel zu streng ist und Reiter für minimale Verletzungen bestraft.
Ich verstehe diesen Einwand, aber das Ziel ist ja nicht, jemanden zu bestrafen – sondern dafür zu sorgen, dass so etwas gar nicht passiert. Wer verantwortungsvoll mit seinem Pferd umgeht, wird in der Regel kein Problem haben. Eine klare Regel schafft Bewusstsein und Achtsamkeit.
Viele Nationen sehen das ähnlich wie Deutschland. Ist das ein Signal an die FEI?
Ja, absolut. Wir sind nicht allein mit dieser Haltung. 20 Nationen haben gegen die Regeländerung gestimmt. Wir werden weiterhin an dem Thema bleiben.
Was erwarten Sie konkret von der FEI?
Die Regeländerung ist nun beschlossen. Sie tritt zum 1. Januar 2026 in Kraft. Nun werden wir im kommenden Jahr sehen, wie viele Verwarnungen ausgeprochen werden. So oder so bleiben wir dabei: Das Wohl des Pferdes steht über allem. Wir handeln aus Liebe zum Pferd und im Dienste der Menschen.
Wie steht die FN zu möglichen nationalen Lösungen?
Unser Anspruch ist, im Pferdesport Vorbild zu sein. Das bedeutet: höchste Standards im Umgang mit unseren Pferden. Pferde mit frischem Blut im Einwirkungsbereich oder einer Verletzung werden hierzulande disqualifiziert und so soll es auch bleiben.
Was würden Sie denjenigen sagen, die meinen, der Pferdesport müsse pragmatischer werden?
Pragmatismus hört dort auf, wo es um Tierwohl geht. Wir müssen zeigen, dass sportlicher Erfolg und pferdegerechtes Handeln zusammenpassen. Das ist unsere Verantwortung – gegenüber den Pferden, aber auch gegenüber der Gesellschaft.
fn-press/sag
Das sagt die FEI
Während die FEI von 96 Prozent Zustimmung spricht, heißt es von Seiten der FN, 56 Nationen hätten für die Umsetzung des obigen Vorschlags gestimmt, 20 dagegen. Das entspricht also knapp 74 Prozent Zustimmung statt 96. 82 Nationen sind stimmberechtigt.
FEI-Generalsekretärin Sabrina Ibàñez erklärt, man sei sich im Klaren darüber, dass das Thema kontrovers ist. Sie sagte:
„Wir würdigen und danken den nationalen Verbänden für die konstruktiven Diskussionen während der gesamten Woche, die deutlich unser gemeinsames Engagement für die Suche nach Lösungen widerspiegelten.
Trotz unterschiedlicher Meinungen konnten wir ein klareres Verständnis für die Positionen der anderen gewinnen und auch einige Missverständnisse und Fehlvorstellungen ausräumen.
Wir erkennen an, dass die Zustimmung nicht einstimmig war, und haben die Forderung mehrerer nationaler Verbände nach einem harmonischeren Ansatz für dieses Thema über alle Disziplinen hinweg zur Kenntnis genommen. Wir werden uns intensiv damit befassen.
Wir werden einen strukturierten, evidenzbasierten Ansatz verfolgen, der auf gründlichen Konsultationen basiert und sich an Daten orientiert. Unsere laufenden Projekte bei der FEI werden eine wichtige Rolle bei der Unterstützung einer genauen Datenerfassung spielen, und wir werden die Sicherheit und das Wohlergehen durch evidenzbasierte Maßnahmen, die sowohl streng als auch robust sind, weiter vorantreiben, um unsere unerschütterliche Unterstützung für das Wohlergehen der Pferde weiter unter Beweis zu stellen.
Wir erkennen an, dass eine Reihe von nationalen Verbänden gegen den Vorschlag gestimmt haben. Auch wenn ihre Gründe unterschiedlich sein mögen, nehmen wir dieses Ergebnis ernst und verpflichten uns, es sorgfältig zu prüfen, um die Bedenken besser zu verstehen und sie im weiteren Verlauf zu berücksichtigen.“
Die von den „Dressur Studien“ initiierte Petition gegen die Änderung der Regel hat in zehn Tagen knapp 66.000 Unterschriften bekommen und es wurde weltweit darüber berichtet.





