Kalte Füße kennen unsere Pferde nicht. Während wir in dicken Thermoboots herumlaufen, sind ihre Hufe mit dem perfekten Kälteschutzsystem ausgestattet. Dennoch ist in der kalten Jahreszeit Vorsicht geboten: Nässe und Schmutz können dem Horn zusetzen und auch bei Frost ist besondere Vorsicht geboten.
Dass Pferde problemlos in einer frostig-kalten Umgebung klarkommen können, zeigt das Beispiel der sibirischen Jakuten-Pferde: Sie leben neun Monate des Jahres in extremer Kälte – bis zu -60°C können ihnen nichts anhaben. Zwar sind unsere Sportpferde keine Robustponys – Hufe haben sie trotzdem und damit auch den gleichen Hufmechanismus und -aufbau. Dass dieser auch vor Kälte besonderen Schutz bietet, erklärt sich im Aufbau des Hufes: Die Wandlederhaut ist in 600 bis 700 Falten geschlagen und mit 100 bis 150 Nebenblättchen ausgestattet. Das ermöglicht nicht nur, dass der Huf mit einer besonderen Stoßdämpfung ausgestattet ist, gleichzeitig ist er gegen extreme Umwelteinflüsse geschützt.
Bewegung sorgt für Wärme
Wichtig dafür, dass der Huf Eigenwärme produzieren kann, ist vor allem Bewegung. Sie sorgt dafür, dass das Horn durchblutet wird, Wärme erzeugt und damit den Huf bestens gegen Kälte isoliert. Dabei hilft die so genannte Blutpumpenfunktion: Beim Auffußen werden die Hufe weit gestellt und es strömt mehr Blut ins Hufinnere. Bei Entlastung entsteht ein Sog, der das Blut zurück in den Körper transportiert. Damit wird auch der Stoffwechsel angekurbelt und in Schwung gehalten – Schadstoffe werden abgebaut und ausgeleitet. Ist der Hufmechanismus eingeschränkt, kann es zu Problemen kommen. Dazu gehören Huferkrankungen wie Huflederhautentzündungen, Abszesse oder Belastungsrehe.
Bei beschlagenen Pferden ist dieser Mechanismus von Hause aus eingeschränkt: Der Huf kann sich nicht so weit ausdehnen wir ein unbeschlagener Huf, dementsprechend wird er weniger durchblutet und damit auch weniger warm als ein Barhuf. Tests ergaben, dass unbeschlagene Hufe bei Minustemperaturen eine Durchschnitts-Grundtemperatur von 18 °C haben, während beschlagene Hufe bis zu 8°C kälter sind. Das bedeutet auch: Gerade für beschlagene Pferde ist Bewegung im Winter wichtig, um die Durchblutung zu fördern. Und auch eine Erhöhung der Raufuttermenge kann die Heizung anfeuern: Beim Fressen und Verdauen wird die Durchblutung angeregt – auch in den Hufen.
Gesundes Horn: Pflegetipps für den Winter
„Die Hufe benötigen im Winter oft besondere Pflege – Strahlfäule ist ein häufiges Problem oder aber die Hufe sind durch die Feuchtigkeit einfach zu weich und empfindlich“, sagt Christian Klös von der Firma leovet. Um dem entgegenzuwirken, könnten spezielle Hufpflegeprodukte eingesetzt werden. Wichtig sei dabei eine mineralölfreie Rezeptur, um den natürlichen Hufmechanismus nicht zu behindern und den Huf weiter „atmen“ zu lassen. „Regelmäßige, gute Pflege stärkt den Huf und seine Schutzmechanismen und kann Problemen wie Strahlfäule vorbeugen. Um den Huf zu festigen, gibt es Spezialprodukte, wobei allerdings häufig der krebserregende und umweltschädliche Stoff Glutaraldehyd zum Einsatz kommt.“ Besser sei es, auf ein Produkt mit rein natürlichen Inhaltsstoffen zu setzen, um seine eigene Gesundheit und die Umwelt zu schonen. „Für Strahlfäule empfehlen sich desinfizierend wirkende Mittel, die tief einziehen und am Ursprung die Fäule bekämpfen. Vorab sollte der Huf natürlich gründlich gereinigt werden“, rät Klös.
Ähnlich sieht das Nikolai Piefel von der Firma MM Cosmetics und setzt dabei ebenfalls auf natürliche Inhaltsstoffe: „Der angegriffene Strahl kann mit einer Mischung aus Propolis, Bio-Ringelblumenextrakt und Schellack behandelt werden; die Basis bildet Bio-Ethanol. Durch seine dünnflüssige Konsistenz dringt die Mischung tief in die Strahlfurche ein und erreicht alle Bereiche“, sagt er.
Eine solche Behandlung sei gerade im Winter immer mal wieder vonnöten: „Strahlfäule beim Pferd entsteht durch Bakterien, die in die Hufsohle eindringen und das Strahlhorn, den zentralen Teil des Hufes, schädigen. Feuchtigkeit, Schmutz, ungünstige Haltungsbedingungen und unzureichende Hufpflege schaffen optimale Bedingungen für das Wachstum dieser Bakterien, die den Strahl angreifen und zu einer Infektion führen“, erklärt Piefel. Eine unzureichende Luftzirkulation unter dem Huf könne die Strahlfäule verschlimmern. „Daher sind regelmäßiges Ausmisten der Box, trockene Einstreu und regelmäßige gründliche Hufreinigung entscheidend, um das Risiko zu minimieren. Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung unterstützen ebenfalls die Gesunderhaltung der Hufe. Frühzeitige Erkennung und Behandlung sind wichtig, um die Ausbreitung der Strahlfäule zu stoppen und die Heilungschancen zu verbessern.“
Eisen ab im Winter?
Vor diesem Hintergrund mag es besonders sinnvoll erscheinen, den Beschlag im Winter abzunehmen, wie es in vielen Ställen praktiziert wird. Nach der Turniersaison kommen die Eisen runter – damit sich die Hufe erholen können. Problem ist hier allerdings: Pferde, die Eisen gewöhnt sich, können insbesondere bei gefrorenen Böden schnell Probleme entwickeln. Wer immer nur in Schuhen unterwegs ist und dann über einen steinigen Weg laufen soll, kann sich ungefähr vorstellen, wie schmerzhaft das sein kann. Doch nicht nur Fühligkeit kann die Folge sein, im schlimmsten Fall drohen Lederhautentzündungen, Hufbeinprellungen, Hufgeschwüre oder sogar eine Belastungsrehe. Für Eisenpferde, die im Winter barhuf laufen, sich aber dennoch auf dem Winterpaddock oder der Winterweide bewegen sollen, kann daher ein Hufschutz in Form von Hufschuhen oder auch ein Klebebeschlag Sinn machen. Beides schränkt den Hufmechanismus weniger ein und kommt ohne Nägel und damit Beschädigungen des Horns aus, schützt aber die Hufsohle und schränkt zusätzlich den Abrieb ein. Denn: Weniger Durchblutung bedeutet nicht nur kältere Füße, sondern auch weniger Hornwachstum.

Aufstollen verhindern
Wer auch im Winter nicht auf einen Beschlag verzichten möchte, muss diesen entsprechend optimieren. Auch wenn in unseren Gefilden eher selten Schnee fällt, sollte der beschlagene Huf darauf vorbereitet sein, denn ist die Landschaft erstmal weiß und soll das Pferd dennoch auf die Weide oder den Paddock oder im Schnee geritten werden, kommt es schnell zum Aufstollen des Schnees zwischen den Hufeisenschenkeln. Innerhalb kürzester Zeit läuft das Pferd auf Eisklötzen – die Verletzungsgefahr ist groß. Gängigste Lösung für dieses Problem sind Schnee-Grips, die zwischen Huf und Eisen mit aufgenagelt werden.
Die Spezialeinlagen bestehen aus einem Gummischlauch, der dem inneren Rand des Hufeisens an der Hufsohle verläuft, beim Auffußen auf Schnee zusammengedrückt wird und beim Abheben des Hufes vom Boden durch die Eigenspannung des Gummis den eingeballten Schnee selbsttätig herausdrückt. Wird die Lasche an den Schenkelenden der Hufeisen zusätzlich festgenietet, kann die Schnee-Grip-Einlage durchaus zwei Beschlagsperioden, also den ganzen Winter, verwendet werden. Wer vom Schnee überrascht wird und schnell handeln muss, weil der neue Beschlag seines Pferdes noch auf sich warten lässt, kann als Übergangslösung auf Huf Kitt, Schnee-Feder oder Schneesohlen zurückgreifen, die manuell in den Huf gebracht werden und so ebenfalls das Aufstollen verhindern können.
Schraubstollen für mehr Trittsicherheit
Insbesondere bei gefrorenen oder auch vereisten Böden ist zudem ein Gleitschutz ratsam. Hartmetallstifte verhindern zwar das Wegrutschen auf Asphalt oder Beton, bieten in der Regel im Winter aber nicht ausreichend Rutschsicherheit. Wer auf Nummer sicher gehen will, greift auf Schraubstollen zurück. Sie werden an den Hufeisenschenkeln angebracht, sollten aber nach dem Ausritt ausgeschraubt werden, um Verletzungsgefahren im Stall vorzubeugen. In Kombination mit Hartmetallstiften ist dieser Beschlag besonders effektiv: Während die Stollen für zusätzlichen Halt angeschraubt werden können, sorgen die Stifte dauerhaft für mehr Trittsicherheit.
Zusätzlich besteht außerdem die Möglichkeit, im Zehenbereich des Hufeisens Hartmetallstifte anzubringen – das macht aber nur Sinn, wenn das Pferd viel im Schnee und auf glatten Flächen unterwegs ist. Fahrsportler werden den Beschlag kennen: Ihre Pferde sind ohnehin schon bestens für die kalte Jahreszeit gerüstet; die Eisen müssen lediglich um einen Aufstollschutz ergänzt werden.
Fäulnis als Ärgernis
Zu den häufigsten Hufproblematiken im Winter gehört die Strahlfäule. Durch längere Stehzeiten in der Box sowie auf feuchten Untergründen kann sie schnell zum Problem werden. Das weiche Hufhorn des Strahls zersetzt wird, wird zur schmierig-bröckeligen, schwarzen Masse – und stinkt. Wird Strahlfäule nicht bekämpft, bilden sich Spalten und Aushöhlungen, in denen sich die Bakterien unter sauerstoffarmen Bedingungen massenhaft vermehren. Das Horn löst sich regelrecht auf, und der Strahl kann irgendwann sogar ganz verschwinden. Das wirkt sich auch auf den Hufmechanismus aus: Die Durchblutung der Lederhaut funktioniert nicht mehr richtig, sodass der Huf unterversorgt und das Hornwachstum gehemmt wird.
Besonders gefährdet sind Hufe, die zu feucht werden: Durch das Stehen in Schlamm auf Weiden und Paddocks verliert das Horn seine Festigkeit und Elastizität. Die Hufe brechen schneller aus und ihre Funktion als Abwehrbarriere wird eingeschränkt: Bakterien können leichter eindringen. Bakterien und Pilze lieben feuchtes Wetter und vermehren sich dann besonders stark. Ursächlich für die Entstehung von Strahlfäule ist das Fusobakterium necrophorus, das sich besonders in schlecht gemisteten Boxen oder mit Kot versetzten Ausläufen tummelt.
Besonders die Box kann keimbelastet sein: Stehen die Pferde im Winter viel in der Box, sind die Hufe fast rund um die Uhr Mikroorganismen und ammoniakhaltiger Feuchtigkeit aus der Stalleinstreu ausgesetzt. Der alkalische Ammoniak ist eine der wenigen Substanzen, welche das sonst sehr stabile Horn angreifen und zersetzen kann.

Strahlfäule richtig behandeln
Sollte es erste Anzeichen auf Strahlfäule geben, sollten das faulige Hufhorn gründlich entfernt werden. Nach Ausschneiden des Strahls sollten die noch vorhandenen Risse, Furchen oder Taschen desinfiziert werden. Das funktioniert mit entsprechenden Präparaten ebenso wie mit alkoholhaltiger Jodlösung oder Wasserstoffperoxid. Was wie lange angewendet wird, sollte mit dem Hufbearbeiter besprochen werden, da zu viel des Guten das Horn wiederum austrocknen kann.
Wichtig ist aber vor allem, dass die Ursache abgestellt wird. Neben penibler Boxenhygiene kann es bei matschigen Paddocks zusätzlich helfen, zumindest den Boden in den Bereichen, an denen sich die Pferde die meiste Zeit aufhalten – wie beispielsweise die Heuraufe – , zu befestigen und damit trocken zu legen.
Auch die tägliche Hufpflege ist ein Muss: Sorgfältiges Auskratzen und -bürsten sorgt dafür, dass weniger Bakterien ins Horn dringen.
Matsch adé
Wichtigste Voraussetzung für gesunde Hufe auch im Winter ist ein trockener, möglichst keimfreier Untergrund. Im Sommer ist das selten ein Problem: Der Paddock ist trocken und bietet optimale Bedingungen für Hufe, Sehnen und Gelenke. Doch kaum kommen Herbst und Winter, verwandelt er sich in eine Schlammkuhle. Der Matsch verbindet sich mit dem Urin und dem Pferdemist, bietet Feuchtigkeitsbakterien einen Wohnraum und sorgt für Mauke und Strahlfäule. Wenn es friert, verwandelt sich die matschige Fläche in einer Schlitterbahn und Stolperfalle für Tier und Mensch.
Matsch entsteht immer dann, wenn der Boden zu nass ist und die Feuchtigkeit nicht wegkann. Das kann beispielsweise an einem hohen Grundwasserspiegel liegen. Häufigste Ursache ist jedoch die Tatsache, dass der Boden zu stark verdichtet ist und das Regenwasser nach unten hin nicht wegsickern kann. Das passiert häufig schon alleine durch das relativ hohe Eigengewicht der Pferde.
Die effektivste Lösung, einen Paddock möglichst matschfrei zu halten, besteht im Aufbringen mehrerer Bodenschichten. Am besten bewährt hat sich hierbei der klassische Drei-Schichten-Aufbau. Er besteht aus einer Tragschicht, einer Trennschicht und einer Tretschicht. Dabei hat die Aufgabe, das Wasser aufzunehmen, beziehungsweise abzuleiten. Die Tragschicht besteht aus Bauschutt, Kieseln oder anderen sich verkeilenden Steinen und sollte idealerweise zwischen 15 bis 30 Zentimeter dick sein. So kann sie Wasser aufnehmen und gleichzeitig dem Belastungsdruck durch das Gewicht von oben standhalten. Zusätzliche Sicherheit kann die Verlegung einer Drainage bringen.
Die Trennschicht muss wasserdurchlässig sein und verhindern, dass sich die Trag- und die Tretschicht vermengen. Als Trennschicht sind verschiedene Materialien geeignet, beispielsweise Paddockplatten und -matten und Vlies.
Als Tretschicht eignen sich vor allem Sand und Holzschnitzel. Dabei sollte ein Sand mit wenig Lehmanteil gewählt werden, damit die Oberfläche weiterhin wasserdurchlässig bleibt. Hackschnitzel wiederum besitzen den Vorteil, dass sie Nässe gut ableiten und im Gegensatz zu Sand im Sommer nicht stauben. Der Nachteil ist aber, dass sie schneller verrotten und immer wieder erneuert werden müssen.
Auch wenn jeder Paddock-Neubau eine zusätzliche Investition bedeutet: Insbesondere vor dem Hintergrund klimatischer Veränderungen kann sie sich durchaus lohnen. In den vergangenen Jahren erlebten wir auch in Deutschland immer mehr Wetterextreme – von langanhaltenden bis hin zu Starkregenfällen bis hin zu Dürreperioden. Dementsprechend müssen die Haltungsbedingungen auch Extremsituationen angepasst werden beziehungsweise standhalten.
Hufgeschwüre im Winter
Eine weitere Huferkrankung, die während der kalten Jahreszeit zunimmt, sind Hufgeschwüre. Ist das Horn ohnehin schon spröde und aufgequollen, können durch Ballentritte, Risse oder Spalten Bakterien ins Hufinnere gelangen und so eine Entzündung verursachen. Auch Prellungen – beispielsweise ausgelöst durch gefrorenen Matschboden – oder Quetschungen können ein Hufgeschwür zur Folge haben. Quetschungen entstehen beispielsweise durch zu lange Eckstreben. Sie können dafür sorgen, dass Lederhaut und Hufknorpel über einen längeren Zeitraum zu viel Druck ausgesetzt sind und so nur mangelhaft durchblutet werden. Teilbereiche des Horns sterben ab und werden vom Körper abgestoßen – ein Hufgeschwür entsteht. Meist ist das so schmerzhaft, dass das Pferd den betroffenen Huf nicht mehr aufsetzen mag. Der Huf ist deutlich wärmer, oft ist auch eine Pulsation der Zehenarterie am Fesselkopf spürbar. Dann gilt es, schnell zu handeln und einen Tierarzt hinzuzuziehen, der das Geschwür eröffnet und gegebenenfalls direkt mit einem Antibiotikum dafür sorgen kann, dass die betroffene Region schneller abheilt. Das Loch sollte kegelförmig geschnitten werden, weil es sich dann nicht so schnell schließt und von innen nach außen zuwachsen kann.





