Isabell Werth mit Wendy bei den Europameisterschaften 2025 in Crozet. Foto: Sportfotos-lafrentz.de
Isabell Werth mit Wendy bei den Europameisterschaften 2025 in Crozet. Foto: Sportfotos-lafrentz.de

FN-Ranglisten mit alten Bekannten und einem Fragezeichen

Isabell Werth mit Wendy bei den Europameisterschaften 2025 in Crozet. Foto: Sportfotos-lafrentz.de
Isabell Werth mit Wendy bei den Europameisterschaften 2025 in Crozet. Foto: Sportfotos-lafrentz.de

Im November wurden die FN-Ranglisten, die die Turnierreiter der vergangenen Saison nach Punkten rangieren, veröffentlicht. An der Spitze der drei olympischen Disziplinen gab es nichts Neues – Richard Vogel, Isabell Werth und Michael Jung sind wie schon 2024 die erfolgreichsten Reiter des Jahres. In der Dressur gibt es allerdings seit 2024 eine Rangierung, die Fragen aufwirft.

Dressur

Einmal mehr ist Isabell Werth unangefochtene Spitze des nationalen Dressurrankings. 113.545 Punkte hat sie auf dem Konto.

Überraschung auf Rang zwei

Während Platz eins im Erwartungshorizont ist, lässt der zweite Platz des nationalen Rankings aufmerken. 2024 konnte sich nämlich erstmals Doreen Lange aus Sachsen darüber freuen. Den hat sie auch dieses Jahr inne mit 86.998 Punkten. Die 32-Jährige ist damit also nicht nur die erfolgreichste Dressurreiterin Sachsens, sondern aus ganz Deutschland – und das, obwohl sie bis auf eines alle Turniere mit denselben zwei Pferden bestritten hat. Wer ist Doreen Lange, mag sich der eine oder andere fragen. Denn während man die anderen Reiter und Reiterinnen aus den Top Ten von Deutschen Meisterschaften und internationalen Großereignissen kennt, ist Lange weder in Balve noch bei CDI Veranstaltungen in Erscheinung getreten.

Dennoch erklärt sich die Rangierung durch die Veranstaltungen, die sie besucht hat. Sie ist dieses Jahr 23 Turniere geritten, davon 22 in Polen. In Summe waren es 92 S-, Dressurpferde-S-, Prix St. Georges- und Grand Prix-Prüfungen, die sie bei den Nachbarn bestritten hat. Dabei stellte sie stets die gleichen zwei Pferde vor. Nur in zehn von diesen 92 Prüfungen waren mehr Teilnehmer als einer (ihr selbst) vermerkt. In den zehn anderen Prüfungen, in denen sie nicht die einzige Teilnehmerin war, hatte sie maximal zwei Konkurrenten. So hat sie 77 Siege in der Saison gesammelt – zum Teil mit nur knapp 58 Prozent – und ansonsten zweite und dritte Plätze.

Regelkonformes Verhalten

Wir haben bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) nachgefragt, ob es für die Anrechnung der Ranglistenpunkte keine Mindeststandards gibt, etwa, was die Anzahl der Teilnehmer in der fraglichen Prüfung angeht. Der FN-Abteilung Turniersport ist das Thema nicht neu. Allerdings gehe hier alles mit rechten Dingen zu, erklärte die Teamleiterin Turniersport, Leonie Kalthoff. Ob es eine Mindestanzahl an Startern geben müsse, sei von Landesverband zu Landesverband unterschiedlich. Auch sieht die LPO keine Obergrenze für die Anzahl der Turnierstarts je Pferd pro Jahr vor. Allerdings sagte Kalthoff auch, dass man sich des Themas eventuell bei der nächsten LPO-Reform annehmen will. Eine Novelle des nationalen Turnierreglements ist für 2027 vorgesehen.

Hinter Lange: Hemmer & Co.

Auf Doreen Lange folgt im nationalen Ranking die Mannschaftseuropameisterin und Special-Medaillengewinnerin der Herzen, Katharina Hemmer. Mit 70.854 Punkten liegt sie vor Bianca Nowag-Aulenbrock (68.550), die allerdings im kommenden Jahr ohne ihre beiden Spitzenpferde Florine OLD und Queolito auskommen muss, die beide verkauft wurden. Fünfte ist Dorothee Schneider mit 58.075 Punkten.

Springen

Europameister Richard Vogel war bereits 2023 und 2024 Punktekönig im Springparcours und ist es auch 2025. Mit Abstand – er hat 265.683 Zähler auf dem Konto, Platz zwei folgt mit 190.269 Punkten. Die hat Vogels Lebens- und Geschäftspartnerin Sophie Hinners zusammengesprungen, die zusammen mit Vogel im EM-Bronzeteam ritt. Drittbester ist Daniel Deußer (170.480), gefolgt von Marcus Ehning (163.673) und Christian Kukuk (152.233).

Vielseitigkeit

Seit über zehn Jahren ist Michael Jung Spitzenreiter in der Vielseitigkeit. Nur 2023 musste er seinen Thron einmal räumen. Aber nachdem er – Chipmunk sei Dank – dieses Jahr einmal mehr Einzelsilber und Mannschaftsgold von der EM in Blenheim mit heimgebracht hat, liegt er auch 2025 wieder mit Abstand in Front mit 26.815 Punkten. Dahinter haben der ehemalige Schüler und seine Trainerin die Plätze getauscht. Calvin Böckmann hat mit 17.589 Zählern Ex-Nachwuchsbundestrainerin Julia Krajewski hinter sich gelassen. Die kommt auf 17.060 Punkte und liegt damit nun vor einem weiteren ihrer einstigen Schützlinge, nämlich Jérôme Robiné (12.992). Die Top fünf werden komplettiert durch Mannschaftseuropameisterin Malin Hansen-Hotopp mit 12.987 Zählern.

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