In bayerischen Sauerlach findet derzeit das Reitsportfestival auf dem Waldhauser Hof statt. Unter anderem mit dabei: die vierfache Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl mit Kismet, die hier ihre erste reguläre Turnierprüfung ging – und gewann.
Seit Herbst 2024 hat Jessica von Bredow-Werndl die nun zehnjährige Ampere-Tochter Times Kismet unter dem Sattel. Sie hat sie von Charlotte Dujardin übernommen, die aufgrund eines Videos, das zeigte, wie sie bei einem Lehrgang auf ein Pferd einschlägt, ein Jahr lang gesperrt war. Mit Dujardin hatte Kismet unter anderem 2023 beide Prüfungen der kleinen Tour in Aachen gewonnen, und das mit sehr hohen Noten. Aber die beiden hatten noch keinen S***-Start zusammen absolviert, also noch nie eine Prüfung mit Piaffe und Passage.
Erster S***-Start, erster Sieg
Den weiteren Schritt in Richtung Grand Prix hat die Stute nun bei Jessica von Bredow-Werndl gemacht. Nun auch unter Turnierbedingungen. Zwar waren sie Anfang des Jahres im österreichischen Stadl Paura in einem Test of Choice am Start, aber das ist noch keine reguläre Prüfung. Diese Feuertaufe hatten sie gestern auf dem Waldhauser Hof in einer Intermédiaire A.
Sie gewannen die Prüfung mit 74,561 Prozent, wobei die einzelnen Bewertungen der (nationalen) Richter von 73,421 Prozent bei C bis 76,316 Prozent bei H reichten. Das Protokoll enthält hauptsächlich Wertnoten die diese mittlere 70er-Bewertung widerspiegeln.
So gab es für die (doppelt zählenden) Traversalverschiebungen im Trab Wertnoten zwischen 7 (C) und 8 (H). Die erste Passage erhielt von allen drei Richtern eine 8. Die erste Piaffe, in der Intermédiaire noch als halbe Tritte mit zwei Metern im Vorwärts erlaubt, wurde mit 7 (H), 6,5 (C) und 7,5 (M) bewertet. Starker Schritt und versammelter Schritt, Prüfsteine reeller Ausbildung wurden von allen drei Richtern mit 7 bzw. 7,5 bewertet. Die Piaffe daraus gelang besser als die erste, Wertnoten 8 und zweimal 7,5. Die Übergänge aus dem Schritt und in den versammelten Trab waren bei allen drei Unparteiischen eine 7,5. Die Benotung des anschließenden starken Trabs lag zwischen 7,5 (C und M) und 8,5 (H).
Die Grand Prix-Lektionen im Galopp erhielten ebenfalls hohe Noten. Die erste Pirouette nach links wurde bei M mit 7, bei C mit 7,5 und bei H mit 8 bewertet. Von 6 (C) bis 8 (M) reichten die Noten für die Zweierwechsel. Die Pirouette nach rechts erhielt zweimal die 8 und einmal die 7,5 (M). Die Einerwechsel sahen alle drei Richter im Bereich zwischen „ziemlich gut“ und „gut“, also 7,5. Der einzige Moment der Aufgabe, der unterhalb des Notendurchschnitts blieb, war der Übergang auf der Mittellinie aus dem versammelten Galopp in den versammelten Trab zum Schluss der Aufgabe.
Grundsätzlich wurde die Prüfung auf Clip my Horse übertragen. Aber als die beiden an der Reihe waren, filmte der Kameramann, die Baumwipfel im Hintergrund des herrlich gelegenen Vierecks auf dem Waldhauser Hof.
Alle Ergebnisse finden Sie hier.
Noch ein neues Pferd
Gestern war der Tag der Premieren für Jessica von Bredow-Werndl. Nicht nur mit Kismet war es der erste Turnierstart. Zuvor hatte sie die neunjährige Württemberger DSP-Stute Birkhof’s Zieta v. Zalando in einer Dressurprüfung Klasse M** für junge Pferde vorgestellt und hatte auch diese gewonnen. 71,716 Prozent waren es hier gewesen.
Zieta war bislang im Beritt von Jessica von Bredow-Werndls Bruder Benjamin gewesen. „Uns beiden liegt es besonders am Herzen, für jedes Pferd die perfekte Reiter-Pferd-Verbindung zu finden – so wie Vogue, der momentan beispielsweise bei Benjamin ist“, schreibt von Bredow-Werndl auf ihrer Instagram-Seite.
Vogue ist jener Vitalis-Sohn, der anlässlich der Westfalen-Körung 2021 für offiziell 940.000 Euro der Hengsthalter-Kooperation Helgstrand/Schockemöhle zugeschlagen wurde. Im Jahr darauf wurde er mit Leonie Richter von Helgstrand Germany im Sattel Bundeschampion der dreijährigen Hengste. Vierjährig belegte das Paar Rang in der Vierjährigen-Prüfung im Rahmen der Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde. Offiziell steht der inzwischen gelegte Braune seit 2024 bei den Werndls im Stall. Er gehört denselben Besitzern wie Kismet: der EE Invest GmbH, hinter der sich die Familie Viessmann des gleichnamigen Unternehmens für Klimatechnik verbirgt.
Der sechsjährige Wallach war dieses Jahr mehrfach mit Benjamin Werndl in Dressurpferdeprüfungen der Klasse M am Start, belegte bei einem Turnier in Brunnthal die Plätze vier (7,78) und drei (7,46) und Ende Juli auf dem Gut Kerschlach die Plätze zwei (8,10) und eins (8,22).





