
Die Schwestern Baumgürtel und Anna Teibel Raben feiern ihre U21 EM-Medaillen. Foto: Łukasz Kowalski
Zur Krönung eines erfolgreichen Wochenendes bei den U21- und U25-Europameisterschaften in Kronberg haben die deutschen Nachwuchsdressurreiter auch in ihrer jeweiligen Kürprüfung noch einmal richtig abgesahnt. Bei den Jungen Reitern gab es einen Hattrick, in der Altersklasse U25 einen neuen Einzeleuropameister.
Der Hattrick gelang heute Vormittag Lana-Pinou Baumgürtel, die mit ihren 19 Jahren in ihrem ersten Junge Reiter-Jahr auf ihrer wunderbaren Emma alles gewonnen hat, was geht. Nachdem sie das Team mit dem besten Ergebnis in der FEI-Mannschaftsaufgabe für die Altersklasse U21 zum Sieg geführt hatten, folgte gestern Einzel-Titel Nummer eins und heute dann die Kirsche auf der Torte: Sieg in der Kür mit 80,120 Prozent, ein neues Personal Best, Platz eins von allen Richtern.
Lana-Pinou war noch etwas baff: „Ich kann es noch gar nicht fassen. Ich glaube, das dauert noch ein bisschen. Ich bin überglücklich. Vor allen Dingen heute mit meiner neuen Kür hätte ich das niemals erwartet, aber es hat einfach nur komplett Spaß gemacht.“ Vor allen Dingen die letzten Trablinien in ihrer Kür mit starkem Trab und Traversalen habe sie genossen. „Das sind einfach Emmas Highlights, da gibt sie noch mal alles. Das ist das schönste Gefühl, das man haben kann.“
Den Familienerfolg an diesem Wochenende perfekt gemacht hat die Silbermedaille der älteren Schwester Lucie-Anouk auf ihrem Hugo. Sie hatte ja letztes Jahr dreimal Gold bei den Jungen Reitern gewonnen. Dies ist ihre letzte Saison als Junge Reiterin. Mit 76,580 Prozent musste sie sich nur ihrer jüngeren Schwester geschlagen geben. Sie sagte: „Hugo hat sich super angefühlt, ich kann mich einfach immer auf ihn verlassen. Er ist mein Verlass- und Medaillen-Pony (lacht). Ich bin einfach super dankbar, er gibt immer alles für mich und hat ein Herz aus Gold.“
Die Bronzemedaille ging nach Dänemark an Anna Teibel Raben auf Sparaday, die sich mit 76,490 dicht hinter Lucie-Anouk und Hugo einordneten.
Wer sich fragt, ob es das schon mal gegeben hat, dass ein Geschwisterpaar zusammen auf dem Nachwuchs EM-Treppchen steht – ja, hat es. 2005 waren es die vierfache Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl und ihr Bruder, WM-Bronzegewinner Benjamin Werndl, gewesen, die Gold und Silber unter sich ausmachten.
Gold für Treffinger
Deutschland und Dänemark machten auch bei den U25-Reitern die Medaillen unter sich aus. Am Ende waren es Moritz Treffinger (22) und Cadeau Noir, die nach Bronze im Vorjahr diesmal aufs oberste Treppchen tanzten mit ihrer Backstreet Boys-Kür. Und auch hier stand die magische 8 vor dem Komma: 80,4 Prozent. Der Bereiter des Gestüts Bonhomme weinte vor Freude – besonders über Cadeau Noir: „Es war die letzten Tage nicht einfach. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich sicher sein könnte, dass es läuft. Ich weiß auch nicht so richtig, was Cadeau da in der Prüfung macht, er performt einfach. Beim Abreiten war es heute ein bisschen wackelig, wir hatten unsere Problemchen, aber in der Kür hat er so gekämpft. Es war vom Gefühl unsere beste Kür je. Ich hatte das Gefühl, dass Cadeau genau wusste, diese sieben Minuten, auf die kommt es an. Er hat alles gegeben, er war elektrisch, locker, bei mir. Ich konnte einfach nur draufsitzen und genießen. Das hier ist eine einzige Liebeserklärung an dieses Pferd – ich liebe dieses Pferd!“
Nicht nur für Treffinger war dies heute die beste Kür seines Lebens, auch für die beiden Reiterinnen auf dem Treppchen. Das war auf dem Silberrang die Dänin Sara Aagard Hyrm im Sattel von Atterupgaards Cooper. Sie erzielten 79,925 Prozent und Sara schwärmte: „Ich vertraue ihm und er vertraut mir und ich glaube, das hat geholfen. Cooper war unglaublich da drinnen in der Kür. Die Atmosphäre war so super, sie hat uns noch mal einen ‚Kick‘ gegeben – eine wahnsinnig tolle Erfahrung!“
Eine Goldmedaille hat sie schon von 2023 zuhause, nun kam mit 79,340 Prozent noch eine Bronzemedaille hinzu für Felicitas Hendricks und ihren Drombusch aka „Drömmel“. Die beiden haben zwar schon Weltcup-Turniere erfolgreich zusammen bestritten, aber ein solches Reitgefühl wie heute habe sie noch nie gehabt, sagte Hendricks später. Die Abschlusspiaffe ritt die 25-Jährige einhändig. „Drombusch hat bis zum letzten Halten alles gegeben, ich bin überglücklich“, schwärmte sie. Und jeder Reiter weiß: Das ist ein Gefühl, das besser ist als jede Medaille.
Weitere Ergebnisse
Und was hat die frisch gebackene Einzel-Europameisterin Anna Schölermann gemacht mit ihrem Springborgs Guardian? Ebenfalls geliefert bei ihrer Premiere mit der Herbert Grönemeyer-Kür, zu der Annas Lehrmeister Hubertus Schmidt und seine einstige Championatsstute Wansuela Suerte unzählige Erfolge feierten. Allerdings unterlief den beiden in teurer Fehler, als der elfjährige Hotline-Sohn in einer Trabtraversale angaloppierte. Am Ende wurde es Rang sechs für die wunderbar reitende Ausbilderin. 77,735 Prozent markierte auch für sie eine neue persönliche Bestmarke.
Die Ergebnisse auf den vorderen Plätzen lagen alle nur einen Wimpernschlag auseinander. Rang vier und fünf ging an zwei alte Hasen bei Seniorenchampionaten unter neuen Reiterinnen. Annabella Pidgley, die letztes Jahr im Sattel des Olympiabronzemedaillengewinners Gio Gold gewonnen hatte, wurde mit dem WM-Silberpferd von Cathrine Dufour, Vamos Amigos, Vierte (77,970). Platz fünf (77,885) sicherte sich Tallulah Lynn Nater aus der Schweiz auf dem Hannoveraner Hengst Flynn FRH, der letztes Jahr unter belgischer Flagge mit Flore de Winne bei den Olympischen Spielen in Paris im Einsatz gewesen war.





