Olympiasieger in Aktion: Michael Jung und Chipmunk bei der EM in Blenheim 2025. Foto: Sportfotos-lafrentz.de
Olympiasieger in Aktion: Michael Jung und Chipmunk bei der EM in Blenheim 2025. Foto: Sportfotos-lafrentz.de

EM Blenheim: GER weiter in Führung, Michael Jung überragend

Olympiasieger in Aktion: Michael Jung und Chipmunk bei der EM in Blenheim 2025. Foto: Sportfotos-lafrentz.de
Olympiasieger in Aktion: Michael Jung und Chipmunk bei der EM in Blenheim 2025. Foto: Sportfotos-lafrentz.de

Tag zwei der Europameisterschaften der Vielseitigkeitsreiter in Blenheim. Nach wie vor liegen Deutschland und Großbritannien Kopf an Kopf, wobei die deutsche Equipe eine Nasenlänge Vorsprung hat. Überragendes Paar: die Olympiasieger Michael Jung und Chipmunk.

Mit einer 18,3 Minuspunkte-Dressur haben Michael Jung und Chipmunk einmal mehr abgeliefert. Der 17-jährige Contendro-Sohn mag nicht mit dem Bewegungspotenzial von Vierecksspezialisten mithalten können. Aber von seiner Durchlässigkeit, Balance und Korrektheit im Sinne der klassischen Ausbildung könnte sich so manches Grand Prix-Pferd noch eine Scheibe abschneiden. „Gänsehaut“, kommentierte Bundestrainer Peter Thomsen.

Und Michael Jungs eigenes Reitgefühl? „Spitze! Der war richtig konzentriert, schön versammelt und bei mir. Ich bin im Viereck richtig gut zum Reiten gekommen. Sicher gibt es ein paar Kleinigkeiten hier und da. Aber ich bin super happy und kann es nur immer wieder sagen: (…) fischerChipmunk – das macht einfach nur Freude, ihn zu reiten, jeden Tag, egal in welcher Disziplin. Das ist einfach ein unwahrscheinliches Pferd.“

Das kann er morgen einmal mehr im Cross demonstrieren. Die Deutschen mögen in Führung liegen, aber das heißt noch nichts. Jungs Einschätzung des Geländekurses: „Ich glaube, wir sind alle super vorbereitet. Das ist ein ordentlicher Kurs, der Boden ist perfekt. Es ist schön gebaut, es gibt überall Alternativen. Jeder Reiter muss konzentriert sein und blitzschnell auch mal umschalten können auf eine Alternative. Das macht letztendlich das Geländereiten aus.“

Die größten Herausforderungen des Kurses? „Von Start bis Ziel. Überall muss man aufpassen.“ Besonders anspruchsvoll sei der Mittelteil. „Da geht es Schlag auf Schlag“. Was die Zeit angeht, Michael Jung ist der Meinung, es werde Reiter geben, die es in die Zeit schaffen, aber einfach werde das nicht werden. „Sicherlich wird man im Mittelteil Zeit verlieren. Ich glaube, da muss man ruhig genug bleiben und die Zeit laufen lassen. Und am Ende, wenn die Pferde fit sind, kann man wieder gut Zeit reinholen.“

Starke Briten

Es war vor allem die Dressur von Michael Jung und Chipmunk, die das Team knapp in Führung gehalten hat. Denn zwischenzeitlich sah es so aus, als würden die Erzrivalen aus Großbritannien die Führung übernehmen. Tom McEwen und der Holsteiner Diarado-Sohn JL Dublin trumpften mit einer 26,2 Minuspunkte-Dressur auf, rangieren damit derzeit an dritter Stelle. Noch besser lief es erwartungsgemäß bei Laura Collett und London. Die beiden Bronzemedaillengewinner der Olympischen Spiele in Paris gingen mit 20,6 Minuspunkten in Führung, bis Jung und Chipmunk sie hinter sich ließen.

Zusammen mit den Ergebnissen der anderen beiden britischen Paare fürs Team, Yasmin Ingham auf Rehy DJ (29,0) und Piggy March mit Halo (29,4), kommen die Briten aktuell auf 76,8 Minuspunkte. Das ist derzeit der Silberkurs.

Das führende deutsche Team hat 74,4 Minuspunkte auf dem Konto, wobei Jérôme Robiné und sein heute etwas zu energiegeladener Ire Black Ice mit 30,4 Minuspunkten das Streichergebnis des Teams lieferten.

An dritter Stelle liegt mit 90,7 Minuspunkten Frankreich. Hier sind Luc Chateau auf Cocorico de l’Ebat (36,4), Sebastien Cavalon mit Elipso de la Vigne (29,0), Alexis Goury auf Je’vall (31,9) und Astier Nicolas mit Alertamalib’or (29,8) im Einsatz.

Alle Deutsche unter den besten 25

Malin Hansen-Hotopp und Libussa Lübbeke, die mit Quidditch und Caramia gestern abgeliefert hatten und nicht nur die deutsche Mannschaft in Führung gebracht, sondern auch selbst die Spitze der Einzelwertung erobert hatten, liegen nach Dressurtag zwei an aussichtsreicher sechster bzw. siebter Position.

Jérôme Robinè war nicht ganz glücklich mit seiner 30,4 Minuspunkte-Dressur, in der es Spannungsmomente gab, tröstete sich aber damit, dass sein Black Ice offensichtlich voller Saft und Kraft für das morgige Gelände ist. Derzeit liegen sie auf Rang 15.

Direkt dahinter rangiert Einzelreiter Calvin Böckmann mit The Phantom of the Opera mit 30,9 Minuspunkten. Anders als sein Landsmann war er hoch zufrieden mit seinem Auftritt: „Ich bin sehr happy, dass Phanty sich so gut benommen, so gut mitgemacht hat. Denn das ist kein einfaches Stadion mit diesen fünf, sechs Geländesprüngen drum herum und diesen Autos, die so nah dran stehen. Das haben wir als Deutsche wirklich sehr selten, und dann noch ein Grasstadion – deswegen bin ich wirklich sehr happy“, lobte er seinen Holsteiner Quo Vados-Sohn.

Und der Bundestrainer? „Die haben alle tolle Dressuren gezeigt, ein paar herausragende, ein paar sehr gute. Ich bin wirklich sehr stolz auf die Reiter. Die haben wirklich performt. Bis jetzt bin ich super zufrieden.“ Aber auch der Bundestrainer sagt klar: „Die Dressurergebnisse werden sich nach meiner Meinung gewaltig verändern!“ Denn das Gelände morgen hat es in sich, so Thomsen.

„Es ist ein traumhaftes Gelände. Aber es ist sehr, sehr anspruchsvoll. Der Reiter muss voll fokussiert sein. Die Zeit ist ganz schwer zu halten, viele typisch britische Komplexe. Für mich ist es so, dass das Gelände so schnell wie möglich geritten werden muss, aber man darf nicht der Uhr hinterherjagen. Man muss wirklich unheimlich konzentriert bleiben bis zum letzten Sprung. Und wer das fehlerfrei hinbekommt, ist ganz vorne dabei.“

Ob die Deutschen das „hinbekommen“, kann morgen ab 11 Uhr Ortszeit, 12 Uhr deutscher Zeit mitverfolgt werden.

Weitere Ergebnisse und Infos gibt es hier.

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