Muskeln wachsen nicht vom Futter allein – das Training muss entsprechend angepasst sein. Foto Rebecca Thamm
Muskeln wachsen nicht vom Futter allein – das Training muss entsprechend angepasst sein. Foto Rebecca Thamm

Den Muskelaufbau fördern

Viele Reiter gehen das Fütterungsmanagement nach der Devise: „Viel hilft Viel“ an. Gerade wenn es um Muskelaufbaupräparate geht, langt man oft und gerne in die Zusatzfutter-Döschen. Manch einer denkt, er könne so innerhalb kürzester Zeit ein untrainiertes Pferd zu einem athletischen Muskelprotz heranfüttern. Ganz so leicht geht dies natürlich nicht – wir haben bei Daniela Gentz nachgefragt, wie man Pferde optimal beim Muskelaufbau unterstützen kann.

Den Gedanken, den Muskelaufbau eines Pferdes allein über ein Futtermittel soweit beeinflussen zu können, dass man einen Vorzeige-Athleten im Stall stehen hat, sollte jeder Reiter so schnell wie möglich beiseiteschieben. „Die Themen Muskelaufbau und -erhalt sind ein hochkomplexes System, bei dem es auf das Management in allen Bereichen ankommt“, macht Daniela Gentz, Produktmanagerin bei der Firma Höveler deutlich. Die Fütterungsexpertin erklärt weiter: „An vorderster Stelle stehen das gezielte Training und die Haltung mit genügend Bewegungsmöglichkeiten für das Pferd. Aber auch die Bereiche allgemeine Gesundheit, passendes Equipment und regelmäßige Kontrolle der Zähne bilden eine wichtige Grundlage.“ Besonders das dauerhaft richtige Training hat beim Aufbau von Muskulatur oberste Priorität. „Dabei gilt es zu beachten, dass Pferde mit verspannter Muskulatur und Pferde mit Schmerzen, die gewünschten Muskeln nicht aufbauen werden. In diesen Fällen kann kein Futter der Welt den Muskel derart beeinflussen, dass er sich von selbst aufbaut“, weist die Fütterungsexpertin darauf hin, wie wichtig es ist, sich um das allgemeine Wohlbefinden der Vierbeiner zu kümmern. „Ein normales Zusatzfutter kann niemals allein das Wachstum des Muskels hervorrufen. Sollte dies der Fall sein, sprechen wir nicht mehr von schonendem Muskelaufbau, sondern von Doping“, gibt Gentz zu Bedenken. Und trotzdem sieht sie im Bereich der Fütterung viele wichtige Faktoren, die den Muskelaufbau positiv beeinflussen und nachhaltig unterstützen können. Denn genau wie die anderen Bausteine legt das richtige Fütterungsmanagement den entsprechenden Grundstein für den erfolgreichen Muskelaufbau. Dieser ist schon aus dem Grund wichtig, da das Pferd nur mit gezieltem Training in der Lage ist, die Anforderungen des Reitsports gesund auszuführen. „Ein erhöhtes Trainingsaufkommen zieht einen erhöhten Nährstoffbedarf nach sich. Um den Muskelaufbau zu fördern, sollte deshalb auf eine ausreichende Zufuhr unterstützender Nährstoffe geachtet werden“, erklärt Daniela Gentz. Dabei ist es immens wichtig, auch den Einsatzbereich des Pferdes zu berücksichtigen. „Je nach Disziplin werden an die Muskulatur der Tiere unterschiedliche Anforderungen gestellt. Bei der Auswahl der geeigneten Futtermittel muss dies unbedingt Berücksichtigung finden, damit das Pferd optimal versorgt ist“, weist Gentz darauf hin, dass Muskelaufbau nicht gleich Muskelaufbau ist.

Das Grundfutter im Fokus

Will man das Pferd im Bereich der Fütterung unterstützen, muss man sich zunächst die Grundration anschauen. Denn eine leistungsgerechte Fütterung ist nur möglich, wenn man sich alle Komponenten ansieht. Ein wichtiger Baustein ist dabei die Versorgung mit ausreichend Raufutter. Denn grundsätzlich kann ein Pferd nur optimal versorgt werden, wenn man sich auch mit dem Thema Heu-Fütterung auseinandersetzt. Allein von der Menge her bildet das Raufutter den größten Anteil der täglichen Futterration eines Pferdes. „Gerade Reiter die ihre Pferde in einem Pensionsstall untergebracht haben, haben in der Regel wenig bis keinen Einfluss auf die Heufütterung. Trotzdem muss das Raufutter in der Rationsberechnung berücksichtig werden. Je besser die Heuqualität, desto besser ist das Pferd natürlich grundversorgt. Aber auch bei sehr gutem Heu muss in der Regel über das Krippenfutter eine Ergänzung stattfinden, damit das Pferd optimal versorgt ist“, erklärt die Fütterungsexpertin. Bevor es dann aber an die Auswahl von passenden Ergänzungsfuttern geht, muss die Grundration des Kraftfutters angeschaut werden. „In den verschiedenen Ställen wird das Thema Kraftfutter sehr unterschiedlich angegangen. Manche Füttern Hafer in Kombination mit Pellets, Andere wählen ein Müsli. Das Wichtigste dabei ist, dass man die Zusammensetzung kennt“, erklärt Daniela Gentz die Vorgehensweise. Darauf aufbauend können dann mit Blick auf das Training die richtigen Supplemente ausgewählt werden. Denn auch wenn viele Pferdebesitzer das Gefühl haben, dass sie ihrem Vierbeiner unbedingt zahlreiche Futterzusätze verabreichen müssen, weiß die Expertin aus der Erfahrung, dass in vielen Ställen schon über das Grundfutter eine sehr gute Grundlage geschaffen wird. „Viele Reiter denken beim Thema Muskelaufbau nur an irgendwelche Pülverchen oder andere Zusatzgaben. Von diesen Supplementen versprechen sie sich einen schnell sichtbaren Effekt. Die grundsätzliche Fütterung wird oft völlig außer Acht gelassen. Das ist ein großer Fehler, denn ohne eine entsprechend konzipierte Basisfütterung wird kein Zusatzfutter den gewünschten Effekt erzielen können“, berichtet sie aus der Praxis. Dabei empfiehlt sie, die gefütterte Menge so gering wie möglich zu halten. Denn muss das Pferd zu große Kraftfuttermengen verarbeiten, kann dies auch zu einem Abfall der Leistungen führen. „Um genügend Energie für das Training zur Verfügung zu stellen, sind Öle oft eine gute Möglichkeit das Pferd zu unterstützen. Es ist aber sehr wichtig zu wissen, dass in den heutigen Kraftfuttern oft ein entsprechender Anteil an Ölen enthalten ist und deshalb nicht immer zwingend zusätzlich ergänzt werden muss“, klärt die Fütterungsexpertin auf. Sie weiß aber auch, dass der Pferdehalter im Normalfall nicht die gesamte Rationsplanung für seinen Vierbeiner gestalten kann. Hier kommt dann das Thema Supplemente ins Spiel. „Wenn man weiß, was das Pferd grundsätzlich zu fressen bekommt, bietet der Markt zahlreiche Möglichkeiten, die Tiere bedarfsgerecht zu unterstützen“, weist Daniela Gentz auf die Möglichkeiten hin, selbst Einfluss auf die Versorgung der Pferde zu nehmen.

Das richtige Futter finden

Hier sollte man sich im Idealfall aber auch mit einem Experten abstimmen. „Auf dem Markt sind so viele Produkte, die einen schnellen Muskelaufbau versprechen. Die Inhaltsstoffe und deren Grundqualität sind dabei aber sehr unterschiedlich“, erklärt Gentz. Sie weist dabei noch einmal darauf hin, dass die Fütterung dem Muskel die Möglichkeit geben soll, sich mit dem entsprechenden Training zu entwickeln. „Nimmt ein Zusatzfutter direkten Einfluss auf das Muskelwachstum, kann dies in einzelnen Fällen vertretbar sein, hier befinden wir uns dann aber bereits im Bereich einer Medikation, die unbedingt von einem Tierarzt betreut werden muss! Die Notwendigkeit einer solch drastischen Beeinflussung ist aber in der Regel nur im akuten Krankheitsfall gegeben“, macht sie deutlich. Um das passende Zusatzfutter auszuwählen muss man zunächst den Bedarf des eigenen Pferdes kennen. Denn das passende Futter zu finden ist sehr individuell und situationsbedingt. Die allgemeinen Bedarfswerte geben dabei einen guten Anhaltspunkt, stellen aber nur eine theoretische Grundlage dar. Bei der Rationsberechnung müssen immer die individuellen Anforderungen und Gegebenheiten berücksichtigt werden. „Viele Pferde haben aufgrund ihrer körperlichen Konstitution einen sehr speziellen Bedarf. Was dem Einen hilft, kann für den Anderen sogar hinderlich sein“, beleuchtet Daniela Gentz die Situation. Bei der Bewertung des Pferdes muss der Besitzer laut Gentz absolut unemotional vorgehen: „Es bringt weder das Pferd noch den Reiter weiter, wenn man sich die Situation schönredet oder einzelne Bereiche außer Acht lässt. Man kann dem Pferd über die Fütterung nur helfen, wenn die Einschätzung der Ist-Situation realistisch ist.“ Denn erfahrungsgemäß wird beispielsweise sehr häufig Muskulatur mit Fett verwechselt. Ein „rundes“ Pferd ist nicht automatisch auch ein muskulöses Pferd. Und auch die Einschätzung der Intensität der Arbeit ist oft nicht bedarfsgerecht. „Ehrlich gesagt spricht man, was die Beanspruchung des Körpers und den Bedarf an zusätzlichen Nährstoffen angeht nur im Distanzsport und beispielsweise beim Holzrücken von richtigen Höchstleistungen. Bis ungefähr M-Niveau handelt es sich in der Regel um mittlere Arbeit“, klärt die Expertin auf. Sie empfiehlt jedem Pferdebesitzer den Zustand und die Entwicklung seines Pferdes regelmäßig zu dokumentieren. Hierfür eignen sich neben Fotos und kurzen Notizen das tatsächliche Gewicht des Pferdes und der Body Condition Score. Mindestens einmal im Jahr sollte jeder Pferdebesitzer sein Pferd wiegen lassen. So hat er einen ersten Anhaltspunkt, wie man die Ration berechnen kann und kann auch die Entwicklung des Tieres sinnvoll nachhalten. Auch sollte jedem Reiter klar sein, dass Muskelaufbau nicht bedeutet, dass sich neue Muskeln bilden. Die vorhandene Muskulatur vergrößert sich.

Je nach Einsatzgebiet benötigt das Pferd die passende Unterstützung. Foto: Thamm

Bei der Auswahl des Zusatzfutters sollte auf eine entsprechende Qualität geachtet werden. Hier muss man sich im Zweifel ebenfalls von Experten beraten lassen. „Die Fütterung ist ein so wichtiges Thema, dass ich jedem Pferdehalter empfehle sich mit den entsprechenden Grundlagen wirklich einmal gezielt auseinanderzusetzen. Das ist natürlich vor Allem für die Vierbeiner gut, es spart aber im Zweifel auch viel Geld, denn teuer ist im Bereich Futter nicht gleich gut, auf der anderen Seite ist es aber auch Geldverschwendung ein günstiges Produkt zu verfüttern, welches dann nicht die entsprechende Wirkung erzielt“, empfiehlt die Expertin. Auf jedem Futter findet sich eine Liste der Inhaltsstoffe. Bei einem guten Futter für den Muskelaufbau ist besonders die Menge an verwertbaren Proteinen und essentiellen Aminosäuren wichtig. „Dabei sollte man sich aber nicht von seinem Bauchgefühl aufs Glatteis führen lassen. Denn beispielsweise ein hoher Rohfettgehalt klingt vielleicht erst einmal nicht so hochwertig, ist aber als schonende Energiequelle sehr wertvoll. Und auch Rohasche hört sich im ersten Moment nicht unbedingt nach einem hochwertigen Baustein an, kann aber viele Mineralien liefern“, erklärt Daniela Gentz. Die Auflistung der einzelnen Komponenten eines Futters ist dabei nicht beliebig vom Hersteller gestaltet: Je mehr ein Futter von einem Inhaltsstoff enthält, desto weiter vorne steht es in der Liste. Die verschiedenen Zusatzfutter haben dabei meist eine spezielle Ausrichtung, weshalb nicht jedes Futter für jedes Pferd das Richtige ist. Es gibt im Bereich der Sportpferdefütterung Angebote, die besonders auf einen hohen Energiegehalt aus sind, Andere konzentrieren sich auf einen hohen Proteingehalt.

Im Bereich des Muskelaufbaus wird oft auch auf den Einsatz von Algen gesetzt. Hier ist laut Daniela Gentz jedoch große Vorsicht geboten: „Algen können eine tolle Möglichkeit sein, den Muskelaufbau zu fördern. Allerdings ist Alge nicht gleich Alge und es gibt hier immense Qualitätsunterschiede! Die Herkunft der Algen ist oft nicht nachvollziehbar und häufig werden Algen verwendet, deren Qualität nicht ausreichend untersucht ist.“ Die Expertin mahnt in diesem Bereich deshalb zu absoluter Vorsicht, denn bei billigen und nicht gut überprüften Rohwaren kann in den Futtern ein zu hoher Anteil an Toxinen und Jod vorkommen. „In Bezug auf den Muskelaufbau mögen diese Produkte dann zwar den gewünschten Erfolg bringen, sie schaden dem Pferd dann aber trotzdem mehr, als das sie nutzen“, erklärt die Expertin weiter.

Drei Mythen zum Muskelaufbau

Mit Mais füttert man Muskeln an
Immer wieder hört man die Annahme, dass man mit Mais Muskeln anfüttern kann. Diese Idee kommt aus der Rinder- und Schweinemast, weil man die Tiere damit schön „rund“ bekommt. „Mais ist ein toller Energielieferant, hat dafür aber einen sehr hohen Anteil an Stärke, dafür aber nur einen geringen Anteil an Protein und sorgt damit für den Aufbau von Fett. In kleinen Mengen ist Mais ein super Bestandteil der Fütterung, als alleiniges Zusatzfuttermittel macht er den Muskel aber nicht größer“, klärt Daniela Gentz auf. 

Das Futter macht den Muskel größer
Das richtige Futter hilft dem Körper die Muskulatur auszubilden. Durch Fütterung wird ein Muskel aber nicht automatisch größer.

Eiweiß ist schlecht
Viele Pferdehalter haben Angst vor einem Eiweißüberschuss. Erkrankungen wie Hufrehe oder Kreuzverschlag sind hier immer wieder die Argumente. „Grundsätzlich muss man erst einmal verstehen, dass Protein (Eiweiß) sowohl für den Menschen, als auch für Pferde lebensnotwendig ist“, erklärt die Expertin und führt weiter aus: „Proteine sind eine Aneinanderkettung von Aminosäuren. Essentielle Aminosäuren können vom Pferd nicht selber hergestellt werden und müssen deshalb über das Futter in den Körper gelangen. Natürlich darf man es, wie mit allen anderen Komponenten auch, nicht übertreiben, aber ohne die Versorgung mit genügend Proteinen ist der Aufbau von Muskulatur nicht möglich.“

Die wichtigsten Inhaltsstoffe

Um den Muskelaufbau über die Fütterung positiv zu beeinflussen sind verschiedene Inhaltsstoffe besonders wichtig. Denn einige benötigte Faktoren kann das Pferd nicht selber herstellen und muss deshalb über die Fütterung entsprechend unterstützt werden. „Das Spurenelement Selen, Vitamin E, Magnesium und Lysin sind dabei die wichtigsten Faktoren für den Muskelaufbau und -erhalt beim Pferd“, erläutert Daniela Gentz. Aber auch bei dieser Aufzählung weist sie darauf hin, dass es kein Universal-Supplement gibt, welches immer und uneingeschränkt eingesetzt werden kann. „Gerade im Bereich Energie muss man die Geister die man ruft, später auch händeln können“, fügt die Expertin schmunzelnd hinzu. Der Vorteil bei der Gabe von Zusatzfuttermitteln ist es, dass sie dem Bedarf schnell angepasst werden können, ohne das gesamte Futter umstellen zu müssen. Um diese Anpassungen vorzunehmen, muss man sich im Klaren darüber sein wie die einzelnen Komponenten wirken. „Bei Selen handelt es sich um ein essentielles Spurenelement. Das bedeutet, dass es vom Körper nicht selber hergestellt werden kann. Deshalb muss Selen über das Futter aufgenommen werden“, erklärt Daniela Gentz. Selen sorgt dafür, dass der Abbau und die Beschädigung von Zellen gehemmt wird. In Kombination mit Vitamin E schützt es die Zellen des Pferdes vor Beschädigungen durch schädliche Substanzen. Wird die Fütterung von Selen und Vitamin E an die Leistung des Pferdes angepasst, wird also die Widerstandsfähigkeit der Zellen bei stärkerer Belastung gefördert. „Das ist bei Sportpferden relevant, denn wenn dem Pferd ausreichend Selen und Vitamin E zur Verfügung stehen, muss weniger Energie in den Erhalt, beziehungsweise den Ersatz von Zellen verwendet werden“, macht die Expertin deutlich. Diese Energie kann dann in die allgemeine Regeneration und den Muskelaufbau investiert werden. Darüber hinaus sind Selen und Vitamin E neben Vitamin A, Vitamin C und Zink wichtige Antioxidantien und haben somit eine bedeutende Funktion für die Immunabwehr. Gentz erklärt weiter: „Der Bedarf des Pferdes an Vitamin E und Selen steigt mit der Trainingsintensität. Aber auch Muskelerkrankungen, sowie vermehrte Aufnahme von Eiweißen und ungesättigten Fettsäuren erhöhen den Bedarf. Oft kann dieser nicht über das Grundfutter gedeckt werden, sodass eine Gabe von entsprechenden Zusatzmitteln hilfreich sein kann.“

Einen weiteren wichtigen Baustein in der Fütterung stellt Magnesium dar. Es beeinflusst die Enzyme der Muskel- und Nervenzellen und dient dabei als Gegenspieler zu Calcium. Magnesium setzt die Erregbarkeit der Zellen herab und sorgt dadurch für eine vermehrte Entspannung des Muskel- und Nervengewebes. Die Muskulatur wird insgesamt losgelassener und Durchlässigkeit und Rittigkeit können so gefördert werden. „Besonders nach hohen Anstrengungen kann Magnesium dem Pferd bei der Regeneration helfen. Erschöpfte und verspannte Muskulatur kann sich schneller entspannen“, erklärt Gentz weiter. Bei intensiv trainierten Pferden erhöht sich der Bedarf, weil Magnesium auch über den Schweiß ausgeschieden wird. „Anzeichen für einen Mangel an Magnesium können sowohl erhöhte Nervosität, als auch mangelnde Durchlässigkeit sein“, gibt die Fütterungsexpertin Anhaltspunkte für die Beurteilung.

Es ist hilfreich, den Ist-Zustand regelmäßig zu dokumentieren. Foto: Thamm

Eine sehr große Bedeutung für eine positive Entwicklung der Muskulatur hat auch Lysin. Als essentielle Aminosäure kann das Pferd auch Lysin nicht selber herstellen und muss deshalb über das Futter ausreichend versorgt werden. „Ohne Lysin kann Muskelaufbau nicht funktionieren. Denn als erstlimitierender Faktor bei der Proteinsynthese ist Lysin elementar für den Gewebe- und Muskelaufbau“, unterstreicht die Expertin die Wichtigkeit dieser Komponente. Ein Minimum an Lysin ist deshalb grundsätzlich erforderlich, um Eiweiße zu bilden. Wird dieses Minimum nicht zur Verfügung gestellt, ist es für das Pferd unmöglich Muskeln aufzubauen, ganz unabhängig davon, wie intensiv es trainiert wird. „Aber auch hier muss man bedenken, dass man es bei der Gabe nicht übertreiben sollte. Der Bedarf hängt wie bei allen anderen Inhaltsstoffen ganz stark vom individuellen Pferd und der zu erbringenden Leistung ab“, mahnt die Expertin vor einem Übermaß in der Supplementierung. Daniela Gentz empfiehlt bei der genauen Zusammensetzung den Rat eines Experten hinzuzuziehen. Sollte sich das Pferd trotz scheinbar optimaler Rationsgestaltung und dem passenden Training nicht wie gewünscht entwickeln, oder körperlich sogar abbauen, kann auch eine Blutprobe oder Haaranalyse Aufschluss über den tatsächlichen Stand geben. „Hält man die Fütterung aber dauerhaft im Blick, passt sie an die zu erbringende Leistung an und ist das Pferd im Allgemeinen gesund, ist dies aber meistens gar nicht nötig“, erklärt Gentz weiter. Sie appelliert bei dem gesamten Thema auch an den gesunden Menschenverstand. „Wenn ich den ganzen Tag auf der Couch liege und Popcorn esse, werde ich ganz sicher keine Muskulatur aufbauen. Und auch wenn ich dann plötzlich auf Gemüse umstelle, werde ich das gewünschte Ergebnis trotzdem nicht erzielen“, erklärt sie mit einem Augenzwinkern. Die passende Fütterung ist ein sehr wichtiger Baustein in Bezug auf den Aufbau von Muskulatur und sie bildet die nötige Grundlage für alle weiteren Aspekte. Denn ist ein Körper nicht ausreichend mit den Stoffen versorgt, die er benötigt, kann er sich nicht entwickeln. Über den Trog alleine löst man muskuläre Probleme jedoch nicht. „Ein wichtiger Faktor ist auch das Thema Zeit. Muskulatur bildet sich langsam aus und auch ein Zusatzfutter muss erst die Möglichkeit bekommen entsprechend verarbeitet zu werden und zu wirken. Muskelaufbau ist definitiv ein Marathon und kein Sprint“, fasst die Expertin abschließend zusammen.

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