Mit dem Herbst beginnt die Scher-Saison. Foto: Equipics/Zachrau
Mit dem Herbst beginnt die Scher-Saison. Foto: Equipics/Zachrau

Ab mit dem Pelz 

Nicht mehr lang, dann geht es dem Pelz an den Kragen: Mit der dunklen Jahreszeit kommt auch das Winterfell und damit für viele Pferde die Zeit des Scherens. Wir haben uns auf dem Markt umgesehen und auch einmal einen Blick in Richtung Wissenschaft geworfen: Welche Maschinen gibt es, wie werden sie gepflegt und was sagt die Forschung zu der Tatsache, dass wir unsere Pferde scheren? 

Das Scheren von Pferden ist für viele Reiterinnen und Reiter fester Bestandteil der Winterpflege. Doch welche Effekte sind wissenschaftlich tatsächlich belegt? Verschiedene Forschungsarbeiten haben sich in den vergangenen Jahren damit beschäftigt, wie sich Scheren auf die Thermoregulation, das Herz-Kreislauf-System und das Wohlbefinden der Tiere auswirkt. Ein genauer Blick auf die Ergebnisse zeigt, wann das Scheren sinnvoll ist, welche Risiken es birgt und wie wichtig das richtige Management im Anschluss ist. 

Wissenschaftliche Studien belegen Praktikabilität 

Eine der bekanntesten Studien stammt von Morgan, Funkquist und Nyman aus dem Department of Equine Studies der Universität Uppsala und lief unter dem Titel „The effect of coat clipping on thermoregulation during intense exercise in trotters“. Die Forscher untersuchten sechs Rennpferde auf einem Laufband, bevor und nachdem sie geschoren wurden. Die Tiere wurden bei intensiver Belastung getestet und es wurden unter anderem die zentrale venöse Bluttemperatur, die Hauttemperatur, die Atemfrequenz und die Wärmeabgabe gemessen. Es zeigte sich, dass geschorene Pferde eine niedrigere Bluttemperatur aufwiesen als ungeschorene Tiere, obwohl beide Gruppen der gleichen Belastung ausgesetzt waren. Gleichzeitig stieg die Hauttemperatur der geschorenen Pferde stärker an, was auf eine verbesserte Wärmeabgabe hinweist. Auch die Atemfrequenz normalisierte sich nach der Belastung schneller, und die nicht über Schwitzen regulierte Wärmeabgabe war insgesamt effizienter. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass Scheren die Belastung für das Thermoregulationssystem reduziert und die Erholung nach intensiver Arbeit erleichtert. Für Sportpferde, die im Winter voll im Training stehen, ist dies ein klarer Vorteil. 

Studien haben gezeigt, dass geschorene Pferde besser abschwitzen. Foto: Heiniger

Eindecken sinnvoll 

Eine weitere wichtige Untersuchung befasste sich mit dem Zusammenspiel von Schur und Eindecken. Im Jahr 2012 veröffentlichte die schwedische Forschergruppe um Wallsten, Dahlborn und von Walter eine Untersuchung, die den Einfluss von Fellschur und Eindeckung auf die Thermoregulation von Pferden analysierte. Sie zeigte, dass Pferde mit Decken nach der Arbeit langsamer abkühlen als unbedeckte Pferde. Die Körperkerntemperatur blieb dadurch länger erhöht. Geschorene Pferde ohne Decke gaben Wärme dagegen deutlich schneller ab, was direkt nach der Arbeit günstig ist, im längeren Ruhemodus jedoch ein Risiko für Unterkühlungen darstellt. Für die Praxis bedeutet dies, dass Decken nach dem Training mit Bedacht eingesetzt werden sollten: Unmittelbar im Anschluss können sie die Regeneration verlangsamen, langfristig sind sie jedoch unerlässlich, um den fehlenden natürlichen Kälteschutz auszugleichen. 

Auch skandinavische Untersuchungen an Warmblütern, Gotlandponys und New-Forest-Ponys lieferten wertvolle Erkenntnisse. Dabei zeigte sich, dass ungeschorene Pferde während körperlicher Belastung höhere Hauttemperaturen entwickelten, während geschorene Tiere Wärme effizienter abgaben. Dafür mussten sie allerdings schneller atmen. Die Herzfrequenz blieb weitgehend unbeeinflusst. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Scheren die Art der Thermoregulation verändert: Der Wärmestau im Körper wird reduziert, allerdings steigt die Atemarbeit an. 

Schermaschinen richtig pflegen – das rät der Hersteller 

Pascal Kopp, Marketingleiter der Firma Heiniger AG, hat sich die Zeit genommen und uns einige Tipps zur Pflege von Schermaschinen gegeben.  

Reinigung 

Scherkopf und Scharnierteil: Zwischen den Einsätzen Scherköpfe und Scharnierteil mit dem Pinsel reinigen.  

Ladegerät: Die Ladestation von der Stromversorgung trennen. Nötigenfalls Haare aus den beiden Lademulden entfernen. Die Kontakte mit einem trockenen Tuch bei Bedarf reinigen.  

Kontakte: Bei Bedarf die Kontakte des Akkus und der Schermaschine mit einem trockenen Tuch reinigen. 

 
Lagerung 

Schermaschine und Zubehör unter folgenden Bedingungen lagern:  

-Immer in der mitgelieferten Verpackung lagern 

-Nicht im Freien aufbewahren 

-Trocken und staubfrei lagern 

-Vor Sonneneinstrahlung schützen  

-Mechanische Erschütterungen vermeiden 

-Lagertemperatur: 0 bis 40°C 

-Relative Luftfeuchtigkeit: max. 75 %.  

-Bei Lagerung länger als drei Monate  

-regelmäßig den allgemeinen Zustand aller Teile kontrollieren. Falls erforderlich, die Konservierung auffrischen oder erneuern. 

Fehlerquellen ausmerzen 

-Keine Pressluft zur Entfernung von Haar oder Fell auf Messern oder Schermaschine verwenden  

-Die Messer oder Maschine nicht unter dem Wasser reinigen 

-Zur Reinigung keine aggressive Mittel wie Aceton anwenden 

-Die Pferde werden vor der Schur nicht gewaschen: Wichtig ist, dass Pferde möglichst sauber sind und das Fell trocken ist. Befindet sich Dreck, Kot oder Sand im Fell, werden die Messer umgehend stumpf. 

-Unzureichende Schmierung: Ungenügendes Ölen des Scherkopfes führt zur Erwärmung und einer reduzierten Lebensdauer von Schermaschine und Messer, wie auch eine Verkürzung der Akkulaufzeit. Deshalb: Schermesser während der Schur ausreichend ölen: mindestens alle 15 Minuten, damit sie nicht trocken laufen. 

Wann kühlen Pferde aus? 

Die Schweizer Forschungsanstalt Agroscope beschäftigte sich mit der thermoneutralen Zone des Pferdes. Diese liegt zwischen fünf und 25 Grad Celsius. Ungeschorene Pferde sind in diesem Temperaturbereich ohne zusätzliche Maßnahmen wohlauf. Geschorene Pferde dagegen beginnen schon bei etwa sechs Grad stärker auszukühlen und benötigen daher frühzeitig zusätzliche Decken. Ohne diesen Schutz steigt das Risiko für Unterkühlung, muskuläre Verspannungen und Leistungseinbußen. Damit wird deutlich: Scheren ist für Pferde im Training sinnvoll, setzt aber zwingend ein durchdachtes Deckenmanagement voraus. 

Eine weitere Untersuchung von Jørgensen und Kollegen aus dem Jahr 2020 beschäftigte sich mit der Fellstruktur und ihrer Bedeutung für die Wärmeabgabe. Mittels Infrarotmessungen wurde nachgewiesen, dass Felltyp und Dichte die Wärmeregulation erheblich beeinflussen. Pferde mit dichterem Fell entwickelten bei Belastung höhere Hauttemperaturen als Tiere mit dünnerem oder kürzerem Fell. Dies bestätigt die Beobachtung, dass das Scheren insbesondere bei stark behaarten Rassen den Wärmestau deutlich reduziert. 

Die wissenschaftliche Literatur bestätigt damit, dass das Scheren von Pferden im intensiven Wintertraining sinnvoll ist. Freizeitpferde mit leichter Arbeit profitieren dagegen oft schon von einer Teilschur, während Hochleistungspferde meist eine Vollschur benötigen. Klar ist aber auch: Scheren darf nie isoliert betrachtet werden, sondern muss immer in Kombination mit angepasstem Eindecken und einem aufmerksamen Management erfolgen. Nur so können die Vorteile genutzt und die Risiken vermieden werden. 

Akkubetriebene Maschinen erleichtern die Arbeit. Foto: Equipics/Zachrau
Akkubetriebene Maschinen erleichtern die Arbeit. Foto: Equipics/Zachrau

Schermaschinen: ein Marktcheck 

Der Schermaschinen-Markt bietet für jeden Bedarf und Geldbeutel eine praktikable Lösung: Von Hochleistungsmaschinen, die sich für den Dauereinsatz eigenen, bis hin zu kleineren Geräten für Teilschuren ist für jeden etwas dabei. Eine der größten Entwicklungen der letzten Jahre ist dabei der Schritt hin zu kabellosen Maschinen. Dank leistungsstarker Lithium-Ionen-Akkus können Pferdehalter inzwischen komplett unabhängig von Steckdosen arbeiten. Moderne Modelle schaffen mit einer Akkuladung zwischen 60 und 120 Minuten, manche sogar deutlich länger. Das macht das Scheren flexibler, da kein Kabel mehr im Weg ist, das sich um die Beine wickeln könnte.  

Ein weiterer Fortschritt liegt in der Geräusch- und Vibrationsreduzierung. Neue Motorentechniken ermöglichen eine deutlich leisere Arbeitsweise, wodurch empfindliche oder junge Pferde weniger erschrecken. Auch die Vibration in der Hand wurde reduziert, was das Scheren angenehmer macht. Auch am Gewicht der Maschinen wurde gearbeitet: Waren sie früher schwer und unhandlich, sind sie heute deutlich leichter und besser ausbalanciert. Schlanke Gehäuse und ergonomische Griffe sorgen dafür, dass auch längere Schuren problemlos möglich sind, ohne dass die Hand ermüdet. 

Schermaschinen-Kauf: das gilt es, zu beachten 

Welche Maschine eigenen sich für welchen Gebrauch? Pascal Kopp, Marketingleiter der Firma Heiniger AG, gibt Tipps, auf was bei der Anschaffung geachtet werden sollte. 

Batteriebetriebene oder kabelgebundene Maschine? Die Vorteile einer akkubetriebenen Maschine liegen auf der Hand: Flexibilität und Unabhängigkeit beim Scheren und mehr Komfort fürs Pferd. Kein störendes Kabel (Verletzungsgefahr). Unabhängig von Steckdosen kann eine Schur draußen durchgeführt werden. 

Ergonomie: Die Maschine sollte möglichst gut in der Hand liegen, kompakt, ausbalanciert und möglichst leicht sein.  

Geräusch / Lautstärke: Der Geräuschpegel der Maschine sollte möglichst tief und angenehm sein. Insbesondere bei nervösen oder sensiblen Tieren.  

Vibration: Hier gilt gleiches wie beim Geräuschpegel – beim Kauf darauf achten, dass die Maschine möglichst wenig vibriert. Nervöse und sensible Pferde können Vibrationen als unangenehm wahrnehmen.  

Laufzeit: Der Vorteil einer kabelgebundenen Maschine ist die unbegrenzte Laufzeit. Bei einer akkubetriebenen Maschine darauf achten, dass die Schurzeit genügend hoch ist, um ein Pferd zu scheren. Beim Scheren mehrerer Pferde sollte beim Lieferumfang darauf geachtet werden, dass zwei Akkus mitbestellt werden = Dauerbetrieb möglich.  

Power: Die Schermaschine sollte möglichst kraftvoll sein. Zusätzlich ist eine hohe Geschwindigkeit (Doppelhübe) empfehlenswert, um leicht und zügig durch dickes Fell und Pferdehaar zu gleiten. Dies bringt aber auch Nachteile mit sich: Je höher die Geschwindigkeit, desto schneller werden die Messer heiß.  

Messer: Es gibt eine Vielzahl Messer, welche auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Fellarten ausgerichtet sind. Wenn man sich bei der Wahl unsicher ist, sollte eine Beratung beim Fachhändler in Anspruch genommen werden. Beim Kauf von kleineren Schermaschinen mit dem Snap-on-Messersystem (Wechselscherkopf-System) darauf achten, dass breite Messer, sogenannte W-Messer, gekauft werden. 

Scherköpfe für jeden Bedarf 

Ein modernes System bietet zudem verschiedene Scherköpfe, die je nach Felllänge und Einsatz gewechselt werden können. Damit lassen sich sowohl großflächige Ganzkörperschuren als auch Feinarbeiten im Kopf- oder Beinbereich erledigen. Die Schermesser sind bei den meisten Maschinen aus besonders widerstandsfähigen Materialien gefertigt. Viele sind mehrfach nachschleifbar, was die Lebensdauer erhöht. Auch Akkus sind oft austauschbar, sodass nicht gleich ein neues Gerät gekauft werden muss. 

Besonders praktikabel: Einige moderne Maschinen verfügen über verschiedene Leistungsstufen, die digital gesteuert werden. So lässt sich die Schergeschwindigkeit an unterschiedliche Felltypen anpassen. Zudem gibt es Überhitzungsschutz oder automatische Abschaltungen, wenn die Maschine zu heiß wird.

Artikel teilen

Empfohlene Artikel