Es ist der schwerste Gang, den ein Pferdebesitzer gehen muss: Wenn ein Pferd stirbt, geht mit ihm häufig auch der beste Freund, Seelentröster und treuester Freizeitpartner. Um würdevoll Abschied nehmen zu können, entscheiden sich immer mehr Besitzer dafür, das Pferd zu bestatten. Das ist seit 2017 auch in Deutschland möglich.
Die Kremierung von Kleintieren ist für viele Tierliebhaber schon länger ein Muss. Pferdebesitzer hatten bis vor acht Jahren diese Möglichkeit nicht. Dann gab es eine Gesetzesänderung – seitdem ist auch das Einäschern von Pferden möglich. Somit muss es nicht mehr unbedingt die Abholung von der Tierkörperbeseitung sein, wenn das Pferd verstorben ist. Gleich mehrere Firmen haben sich in Deutschland mittlerweile darauf spezialisiert, auch Pferden eine würdevolle Bestattung zu ermöglichen.
Gesetzesänderung machte Pferdebestattung möglich
Dank & treu war das erste Unternehmen in Deutschland, das Pferdekremierungen möglich machte. In Schwäbisch Hall eröffnete im Oktober 2017 das erste Pferdekrematorium. Mittlerweile verfügen die Tierbestatter über einen zweiten Standort im Niedersächsischen Blender. Denn die Nachfrage ist groß.
„Viele Besitzer wünschen sich einfach, dass ihr Tier auch nach dem Tod noch würdevoll behandelt und nicht einfach vom Abdecker abgeholt und wie Müll entsorgt wird“, nennt Sandra Lutz von der Tierbestattung dank & treu eine Motivation der Besitzer, ihr Tier kremieren zu lassen. „Bei uns läuft schon die Abholung so behutsam wie möglich ab. Erst kürzlich sagte mir eine Besitzerin, wir hätten ihr einen Engel geschickt, weil der Fahrer so vorsichtig mit ihrem Pferd umgegangen ist.“
Platz der Erinnerung
Ein weiterer wichtiger Punkt: Auf Wunsch erhält der Besitzer nach der Kremierung die Asche seines Pferdes zurück – und behält so zumindest einen Teil seines Tieres für immer. „Die Einäscherung hilft vielen Pferdebesitzern in der Trauerphase. Vor allem bei der Einzelkremierung, wenn die Asche des geliebten Pferdes nach der Kremierung wieder zurück nach Hause kommt. Auf diese Weise wird ein besonderer Platz der Erinnerung geschaffen, die Pferdebesitzern das Gefühl vermitteln, das Seelenpferd ist nicht ganz verloren gegangen“, sagt auch Jennifer Gsell von Horsia von den Cremare Tierkrematorien.
Dabei ist es egal, wo das Pferd verstorben ist – es kann überall abgeholt werden. Das Besondere: Nicht nur das Aufladen erfolgt behutsam. Zudem ist der spezielle Pferdeanhänger gleichzeitig ein Abschiedsraum für die Besitzer: „Der Anhänger bekommt von Innen durch seine Fotowände und der Beleuchtung eine ganz besondere Atmosphäre“, berichtet Gsell. Liegt das Pferd im Anhänger, kann jeder Besitzer noch einmal in aller Ruhe Abschied von seinem treuen Begleiter nehmen.

Foto: www.dankundtreu.de
25 rote Rosen zum Abschied
Und auch im Krematorium selbst hat der Besitzer die Möglichkeit, dabei sein, wenn das Pferd verbrannt wird. „Bei uns gibt es einen Abschiedsraum, in dem der Besitzer sein Pferd noch einmal sehen kann“, berichtet Sandra Lutz von dank & treu. „Leider ist es aus veterinärrechtlichen Gründen nicht erlaubt, das Tier noch einmal zu berühren, daher ist er durch eine Scheibe von seinem Pferd getrennt, aber trotzdem sehr nah dran.“ Viele Besitzer nutzen diese Möglichkeit und können auch Abschiedsgeschenke mitbringen. „Für manche ist das das Lieblingsleckerli des Pferdes, oder aber auch Blumen.“ So kommt es vor, dass 25 rote Rosen – für jedes gemeinsame Jahr eine – oder aber Eimer voll mit Äpfeln oder Möhren auf den letzten Weg mitgegeben werden. „Manchmal ist es auch ein handgeschriebener Brief als letzter Gruß“, erzählt Lutz.
Die Begleitung der Kremierung muss allerdings vorher abgesprochen werden: „Dies ist mit zusätzlichen Kosten verbunden und muss unbedingt im Vorfeld als Wunsch geäußert werden“, erklärt Jennifer Gsell von Horsia. „Nur dann können wir rechtzeitig die Verabschiedung im zuständigen Krematorium veranlassen, die dazu benötigten Unterlagen vorbereiten und den Termin bereitstellen.“
Urne oder Gemeinschaftsgrab
Die Kremierung selbst dauert je nach Größe des Pferdes zwischen sechs und acht Stunden. Am Folgetag kann der Besitzer die Asche seines Pferdes dann abholen oder aber sich dafür entscheiden, sie vor Ort in einem Gemeinschaftsgrab beisetzen zu lassen.
Zwischen 20 und 30 Kilogramm Asche bleiben am Ende vom geliebten Freund über – die kann dann entweder in einer Urne an einem Lieblingsort platziert oder aber auch auf dem eigenen Grundstück verstreut werden. Zusätzlich bieten die Bestatter verschiedene Möglichkeiten, sie verarbeiten zu lassen, beispielsweise als Diamant oder anderes Schmuckstück. Auch aus dem Fell lassen sich Andenken fertigen. „Ich schätze, dass rund 80 Prozent aller Besitzer die Asche wieder mit nach Hause nehmen möchten“, berichtet Sandra Lutz.
Auch ist es möglich – und kostengünstiger, das Pferd in einer Sammelkremierung mit anderen Haustieren in einem großen Ofen einäschern zu lassen. „Da die Asche anschließend keinem Tier individuell zugeordnet werden kann, wird diese nicht zurückgeführt, sondern würdevoll bei Horsia beigesetzt“, erklärt Jennifer Gsell. „Im Anschluss erhält jeder Besitzer eine Kremierungsurkunde mit dem Namen seines Pferdes und dem Datum der Einäscherung.“ Sie betont: „Ganz gleich, welche Kremierungsart gewählt wird, jedes Tier wird mit dem gleichen Respekt behandelt, den es verdient hat.“
Die Kosten für die Kremierung eines Pferdes belaufen sich – je nach Gewicht und Kremierungsvariante auf durchschnittlich 2000 Euro, zuzüglich Transportkosten.

Foto: www.dankundtreu.de
Einäscherung muss genehmigt werden
Wer eine Einäscherung seines Pferdes in Betracht zieht, sollte sich bereits vorher informieren, wie der genaue Ablauf ist und was es zu bedenken gilt. Denn Deutschland wäre nicht Deutschland, wenn auch dieser letzte Gang des Pferdes mit Bürokratie verbunden wäre: „Das örtliche Veterinäramt – also das zuständige Amt am Sterbeort des Pferdes – muss die Kremierung genehmigen“, berichtet Sandra Lutz. Das Bestattungsunternehmen übernimmt die gesamte Organisation, benötigt dafür allerdings den ausgefüllten Antrag des Besitzers. „Wir übermitteln den Antrag gerne schon im Vorfeld an die Besitzer, sodass er dann am Tag X ausgefüllt und an uns übermittelt werden kann – ganz egal, ob per E-Mail oder WhatsApp. So können wir die Überführung schnellstmöglich durchführen.“ Die Korrespondenz mit dem Veterinäramt übernimmt dann der Bestatter. „Die Pferdebesitzer haben an dem Tag wirklich etwas anderes im Kopf, daher kümmern wird uns um den bürokratischen Teil.“ Mittlerweile kennen die meisten Veterinärämter das Prozedere bereits und handeln schnell, sodass keine großen Verzögerungen entstehen.
„In dem Moment, in dem der Besitzer den Antrag einreicht, beginnen wir, alles zu planen. Manchmal können wir das Pferd bereits an demselben Tag abholen, ansonsten aber auf jeden Fall am nächsten Tag.“ Und selbst am Wochenende ist ein Notdienst im Einsatz, sodass auch da nach Möglichkeit schnell gehandelt werden und das Pferd schon am Wochenende überführt werden kann. Die Kremierung selbst findet dann unter der Woche statt.
Begräbnis des geliebten Schulpferdes
Es sind übrigens nicht nur Privatpferde, die den letzten Gang im Krematorium antreten. Gerade erst wurde bei dank & treu ein geliebtes Schulpferd eingeäschert. „Das war eine tragische Geschichte, das Pferd ist im Unterricht mit einem Kind im Sattel tot zusammengebrochen. Alle Eltern haben zusammengelegt, damit es anschließend kremiert werden konnte.“ Es wurde ein Hufabdruck als Andenken genommen und das Pferd konnte im heimatlichen Stall in einer kleinen Zeremonie gemeinsam mit allen Kindern beigesetzt werden. Definitiv eine wunderbare Möglichkeit, den treuen Begleiter zu verabschieden und die große Trauer zu bewältigen.
Aquamation statt Einäscherung
Bei dank & treu gibt es eine ganz neue Möglichkeit, Tiere zu bestatten: die Aquamation, also eine Wasserbestattung. „Das Pferd wird, wie bei der Feuerbestattung, von uns abgeholt und überführt. Die Aquamation ist eine ganz nachhaltige, sanfte Variante der Bestattung. Man kann es sich ein bisschen vorstellen wie ein Dampfbad. Das Pferd liegt in warmem Wasser, der Körper wird durch Mineralien zersetzt“, erklärt Sandra Lutz. Die Wasserbestattung dauert ähnlich lange wie eine Einäscherung, ist aber deutlich energieschonender. „Wer den Gedanken des Verbrennens nicht mag oder sich Gedanken über die Nachhaltigkeit macht, für den ist das eine gute Alternative“, sagt Lutz. Zudem ist diese Variante preisgünstiger als eine Kremierung. „Allerdings kann man hier keine Asche zurückbekommen.“





