Der Weidezaun sollte täglich kontrolliert werden.
Der Weidezaun sollte täglich kontrolliert werden.

Weidezaun – Sicher, langlebig – aber kostengünstig?

Wer sich für den Bau eines neuen Weidezauns entscheidet, wünscht sich vor allem eins: Er sollte möglichst sicher, langlebig – und dabei am besten kostengünstig sein. Lassen sich diese drei Punkte miteinander vereinbaren? Wir sind der Sache auf den Grund gegangen.

Ohne Frage: Der Zaun gehört zu den wichtigsten Anschaffungen, die auf einen Pferdebetrieb zukommen. Dabei ist er nicht nur sicherheitsrelevant für die Pferde an sich, sondern auch rechtlich gesehen – er muss bestimmte Anforderungen erfüllen, damit der Stallinhaber im Falle eines Ausbruchs mit verursachten Folgeschäden nicht haftbar gemacht werden kann. Die Haftung des Tierhalters sowie des Tieraufsehers bei Schadenseintritt wird in zwei Paragrafen des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) behandelt: In § 833 BGB ist festgelegt, dass der Tierhalter für Schäden, die durch sein Pferd verursacht werden, haftet. Dabei spielt es keine Rolle, ob ihn ein Verschulden trifft oder nicht. Diese Haftung entsteht durch die allgemeine Gefahr, die das Halten eines Tieres darstellt.

Tieraufseher haftet

Wenn Tiere gewerblich gehalten werden, kann der Halter jedoch von der Schadenshaftung befreit werden, wenn er nachweisen kann, dass er die erforderliche Sorgfalt bei der Beaufsichtigung des Tieres angewendet hat oder dass der Schaden auch bei Beachtung dieser Sorgfalt entstanden wäre. In § 834 BGB wird die Haftung des Tieraufsehers geregelt: Der Tieraufseher haftet nicht nur für Schäden an Dritten, sondern auch für Schäden am Pferd. Sollte es zu einer Anklage aufgrund verursachter Schäden nach einem Weideausbruch kommen und der Tieraufseher kann nicht nachweisen, dass er seiner Sorgfaltspflicht nachgekommen ist, drohen Strafen gemäß dem Strafgesetzbuch (StGB) – dies kann von einem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr (§ 315 b StGB) bis hin zu fahrlässiger Körperverletzung (§ 229 StGB) oder Tötung (§ 222 StGB) reichen. Das Gesetz sieht hierfür Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren vor. Zäune sollten daher nicht nur täglich kontrolliert werden, es macht auch Sinn, die Kontrolle zu protokollieren, um im Falle des Falles auf der sicheren Seite zu sein.

Als sichere Einzäunung gilt nach wie vor das, was 2009 in den „Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten“ festgehalten wurde. Als Kriterien werden verschiedene Punkte berücksichtigt: So spielen Rasse und Geschlecht der Pferde, Beweidungsform (ganzjährig, zeitweise), Bestandsdichte und Futterangebot, Art, Lage und Größe der Weide (Verkehrsnähe, Risikobereiche) bzw. des Auslaufs, sowie die Beschaffenheit des Zaunmate­rials eine wichtige Rolle. „Für die Zaunhöhe gilt die Faustzahl 0,75- bis 0,8-mal der Widerristhöhe. Je nach Pferdebestand entspricht dies einer Höhe zwischen 1,10 und 1,60 Metern. Die Höhe des obersten Querriegels sollte die Widerristhöhe minus 10 Prozent betragen. Damit der Zaun stabil steht, sollten die Pfähle alle 2,50 bis 4 Meter gesetzt und zu etwa einem Drittel ihrer Länge eingesetzt werden“, erklärt Wiebke Grauerholz von der Firma Haidkoppel.

Immer mehr Privathalter entscheiden sich für Elektrozäune.
Immer mehr Privathalter entscheiden sich für Elektrozäune. Bild Equipics

Empfohlene Zaunhöhen und Drahtanzahl bei Elektro-Außenzäunen für Pferde
(nach Norm VDE 0131)

 Bei Abständen von unter 1.000 m zu Risikobereichen wie z. B. stark frequentierten Verkehrswegen (Autobahnen, Bundesstraßen, Flugplätze, Bahnlinien)Fern von Risikobereichen
PonyElektro-Festzaun, 3-reihig
(120 cm / 75 cm / 45 cm)
Elektrozaun, 2-reihig
(105 cm / 60 cm)
GroßpferdeElektro-Festzaun, 3-reihig
(140 cm / 100 cm / 60 cm)
Elektrozaun, 2-reihig
(120 cm / 60 cm)
Springpferde, HengsteElektro-Festzaun, 3-reihig
(160 cm / 110 cm / 60 cm)
Elektrozaun, 3-reihig
(140 cm / 100 cm / 60 cm)

Gesetzliche Vorgaben

Je nach Risikobereich muss der Zaun über zwei bis vier Querabgrenzungen verfügen, wobei sich die erste Querabgrenzung zwischen 40 bis 70cm über dem Boden befinden muss. Als mögliches Zaunmaterial werden Holz, Metallrohre oder Elektrozäune in der Leitlinie angegeben und als Richtwert für Elektrogeräte gilt: Sie müssen mindestens über 2.000 Volt 2, max. 15 Joule2 Impulsenergie sowie ein VDE- oder GSE-Prüfsiegel verfügen.

Eine weitere wichtige Frage: Soll es ein Festzaun oder ein Mobilzaun sein? „Außenzäune sollten grundsätzlich als Festzäune errichtet werden“, sagt Wiebke Grauerholz von der Firma Haidkoppel Zaunsysteme. In den Innenbereichen setzten die meisten Betriebe ebenfalls auf Festzaunvarianten, die als Kombination aus Holz- und Elektrozaun oder als reiner Elektrozaun errichtet würden. Aber: „Die Nutzung von mobilen Zäunen nimmt bei privaten Pferdehaltern immer mehr zu“ hat die Expertin festgestellt. „Elektrozäune sind gegenüber einem Holzzaun nicht nur kostengünstig und langlebig, sondern lassen sich auch vielseitig einsetzen. Pferde akzeptieren schnell die elektrische Abgrenzung, so dass durch die Verwendung von Elektrozäunen bei geringem Materialeinsatz, einfacher und schneller Montage ein hütesicherer Zaun entsteht.“

Beim Bau eines Elektrozauns gibt es einiges zu beachten. „Ein funktionsfähiger Elektrozaun besteht aus Pfählen, Isolatoren, Stromleitern wie Elektrobreitband oder Litze, Verbindern, einem Weidezaungerät sowie einer Einrichtung zum Erden des Stromgerätes“, erläutert Grauerholz. Sie betont: „Alle Zubehörteile müssen aufeinander abgestimmt sein. Das Leitermaterial muss regelmäßig auf Drahtbruch und Bewuchs unterhalb des Zaunes untersucht werden. Die Leitfähigkeit ist bei Bedarf mittels Spannungstester zu überprüfen. Trockener Untergrund am Erdungsstab muss vermieden werden, um eine konstante Stromstärke zu erhalten.“

Gesetzliche Vorgaben Elektro-Einzäunung

  • Für die Stromzufuhr sollten FI-Steckdosen genutzt werden
  • Pro Einzäunung darf nur ein Weidezaungerät werden werden. Zur nächsten Elektrozaunanlage muss ein Mindestabstand von 2,5 Meter eingehalten werden.
  • Ein Weidezaungerät darf nicht in einer feuergefährdeten Stallanlage oder Betriebsstätte verbaut werden. Zum nächsten Erdungssystem muss ein Mindestabstand von zehn Metern eingehalten werden.
  • Befinden sich Weiden an öffentlichen Wegen, müssen Warnschilder mit dem Hinweis „Vorsicht, Elektrozaun“ angebracht werden. Die Schilder sollten Gelb mit schwarzer Schrift und sollten mindestens 10x20cm groß sein. Der Der Zaun muss an jedem Tor und an jedem öffentlichen Zugangspunkt gekennzeichnet sein.
  • Müssen Zaunleitungen über Straßen gelegt werden, sollte dies unterirdisch geschehen oder mit einem Mindestabstand von fünf Metern über der Erde.
  • Der Tierhalter muss die Weidesicherheit des Zaunes täglich überprüfen.
  • Zaunzuleitungen nicht zusammen mit Netzstrom von Telefon- und Datenkabeln verlegen.
  • Anschlusskabel von elektrischen Weidezäunen dürfen oberirdische Strom- oder Kommunikationsleitungen nicht kreuzen.
  • Kreuzungen mit Freilandleitungen vermeiden; falls unvermeidbar, unter der Freileitung und möglichst rechtwinklig durchführen.

Haltbarkeit ein wichtiges Thema

Beim Kauf der Zaunmaterialien sollte darüber hinaus darauf geachtet werden, dass sie möglichst langlebig sind. Denn auch hier gilt: Wer billig kauft, kauft zweimal. Laut Wiebke Grauerholz ist hier der Elektrozaun klar im Vorteil: „Führend ist eindeutig der Elektrozaun“, ist sie überzeugt. „Denn Isolatoren und Breitbänder aus Kunststoffen verbunden mit Edelstahlstromleitern haben neben einer guten Sichtbarkeit und einer geringen Verletzungsgefahr eine hohe Resistenz gegen jegliche Witterungseinflüsse. Als Zaunpfahl sind Pfähle aus recyceltem Kunststoff, Eiche oder Robinie geeignet, denn diese sind nicht nur langlebig und stabil, sondern zeigen ebenfalls von Natur aus eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen Schädlinge und Witterungseinflüsse.“

Optisch ansprechender, aber teurer in der Anschaffung sind hingegen reine Holzzäune. Holz als Naturmaterial ist gleichzeitig auch weniger langlebig und pflegeintensiver – oder ist das nur ein Vorurteil?

„Auch Holzzäune können viele Jahre halten, es kommt auf das gewählte Material und die Vorbehandlung des Holzes an“, sagt Theo Berger. Seine Firma Zaunbau Berger ist jetzt Teil des Unternehmens De Sutter Naturally. Berger ist jedoch weiterhin in ganz Deutschlands unterwegs und berät mit seiner langjährigen Erfahrung Pferdebetriebe. Mittlerweile gibt es verschiedene Verfahren, die dafür sorgen, dass auch Holz über einen langen Zeitraum genutzt werden kann, ohne aufgrund der Wettereinflüsse schnell zu verrotten. „Die Hölzer werden zum einen getrocknet und zum anderen auch imprägniert“, nennt Berger eine Variante. Entscheidend dabei ist, dass die Imprägnierung nicht mit noch feuchtem Holz durchgeführt wird – „so hält Hartholz 30 Jahre oder länger“. Nach der so genannten Kammertrocknung ist eine anschließende Imprägnierung deutlich wirkungsvoller.

Harthölzer sind robuster

Generell lohnt es sich, in Sachen Zaunwahl in eine langlebige Variante zu investieren: Harthölzer sind zwar in der Anschaffung teurer, halten dafür aber deutlich länger. „Eine etwas günstigere Alternative ist Robinie oder auch tropisches Hartholz wie Royal Tropic, die ebenfalls sehr robust ist“, erklärt der Experte.

Daneben sind Eiche, Weißbuche, Ulme oder auch Nadelhölzer wie Tanne, Lärche, Fichte oder Kiefer beliebte Hölzer für den Zaunbau. Bei Weichhölzern sollte darauf geachtet werden, dass sie imprägniert wurden. Entscheidend ist hierbei das RAL-Gütezeichen: Es besagt, dass die Hölzer ordnungsgemäß imprägniert und ein hochwertiges Produkt verwendet wurde. Trifft die Wahl auf Eichenholz, sollte dieses vorher drei bis fünf Jahre abgelagert worden sein, um die Haltbarkeit des Materials zu erhöhen. Auch gespaltene Hölzer sind langlebiger, da die Brechung entlang der Faser das Eindringen von Feuchtigkeit minimiert. Bei Robinienholz gilt es, darauf zu achten, dass das Holz geschält wurde, bevor es gelagert wird, denn die Rinde ist giftig für Pferde.

Ein No-Go bei der Materialwahl ist die Verwendung alter Eisenbahnschwellen oder Strom- und Telegrafenmasten: Sie wurden mit Teeröl getränkt, um sie lange haltbar zu machen. Seit 2001 ist ihre Verwendung streng verboten, da der Stoff krebserregend ist. Sollten sich dennoch entsprechende Hölzer auf den Weiden befinden, müssen sie bei Entsorgung als Sondermüll behandelt werden.

Für den Außenzaun einer Anlage sollte immer ein stabiler Festzahn gewählt werden. Bild: Berger/De Sutter

Risikogebiet: Ja oder nein?

Das rheinland-pfälzische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau hat in der Broschüre „Empfehlungen zur tiergerechten Pferdehaltung“ aufgelistet, welche Materialien es gibt und wie lange sie haltbar sind: Dabei beziffert die Behörde die Haltbarkeit von kesseldruckimprägniertem Holz mit 15 bis 20 Jahren, nennt gleichzeitig aber die Gefahr des Verbisses. Das jedoch kann minimiert werden, in dem die Holzzäune zusätzlich mit einer Elektrolitze am oberen Querriegel ausgestattet werden. Metall- und Kunststoffzäune werden mit einer Haltbarkeit von 20 bis 25 Jahren angegeben.

Einen Unterschied bei der Zaunwahl macht darüber hinaus auch die jeweilige Verwendung und die Tatsache, ob sich die Auslauffläche in einem Risikogebiet befindet oder nicht. Als Risikogebiet werden Entfernungen von bis zu 1.000 Meter zu Autobahnen, Bahnlinien oder Flugplätzen angegeben. So dürfen Standard-Elektrozäune mit Breitband und Seil in diesen Bereichen nicht als Einzäunung verwendet werden, weil sie als begrenzt ausbruchssicher eingestuft werden.

So oder so: Wer über die Anschaffung eines neuen Zauns nachdenkt, sollte eine persönliche Beratung in Betracht ziehen. Nur so können die örtlichen Gegebenheiten bei der Wahl berücksichtigt und Vor- und Nachteile abgewogen werden. Blind- und Billigkäufe online sind gerade bei sicherheitsrelevanten Materialien nicht zu empfehlen.

Tägliche Zaunkontrolle

Wenn der Zaun erst einmal steht – wie sieht es mit der anschließenden Pflege aus, damit man möglichst lange etwas von der Einzäunung hat? Entgegen der landläufigen Meinung muss ein Holzzaun nicht gestrichen werden, um ihn zu schützen, im Gegenteil: „Hat man sich für einen imprägnierten Zaun entschieden, wäre das Streichen sogar kontraproduktiv“, betont Theo Berger. „Die Pflege besteht aus meiner Sicht darin, den Bewuchs niedrig zu halten, sodass der Stromfluss immer gewährleistet ist.“ Auch sei eine ständige Sichtkontrolle empfehlenswert: „Ist irgendwo was kaputt gegangen, sollte es schnellstmöglich repariert werden.“

Auch bei reinen Stromzäunen ist eine regelmäßige Begutachtung wichtig: „Um einem vorzeitigen Verschleiß von Elektrozäunen vorzubeugen, sollten die Stromleiter regelmäßig auf Reißfestigkeit und Spannung überprüft werden. Das Breitband soll so fest gespannt sein, dass es nicht im Wind flattert. Bänder sollten mit Verbindern und nicht mittels Knoten verbunden werden, denn diese führen zu Drahtbruch“, rät Wiebke Grauerholz von der Firma Haidkoppel. „Scheinbar brüchige Isolatoren müssen ausgewechselt werden, um eine eventuelle Reibung der Bruchstelle am Band zu verhindern. Flechten sind vom Breitband im Frühjahr zu entfernen, um weiterhin eine gute Leitfähigkeit zu gewährleisten.“

Das passende Tor wählen

Eine potenzielle Schwachstelle im System Weide- oder Paddockzaun ist das Tor: Es sollte besonders stabil und gut verankert sein, vorzugsweise mit einbetonierten Pfosten. Es ist außerdem ratsam, das Tor nicht in einer Ecke zu platzieren, um den Pferden mehr Platz zum Ausweichen zu geben, falls sich die Herde bereits vor dem Tor sammelt. Für die Nutzung des Tores ausschließlich zum Holen der Pferde von der Koppel reicht eine Breite von zwei bis drei Metern aus; für das Befahren der Weide mit Schleppern oder ähnlichem wird eine Breite von bis zu fünf Metern empfohlen. Elektrifizierte Weidetore bieten die höchste Ausbruchssicherheit, da der Strom im geschlossenen Zustand von einer Seite des Tores zur anderen weitergeleitet wird.

Wird der Stromfluss aus irgendeinem Grund trotz aller Vorarbeiten unterbrochen, gibt es ein weiteres nützliches Helferlein: Weidezaunsensoren messen den Stromfluss durchgehend. Gibt es ein Problem mit der Stromspannung, senden sie eine Warnung per App, sodass schnelles Handeln sofort möglich wird.

Ein sicheres Tor sollte besonders stabil sein. Bild: Berger/De Sutter

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