Nicht mehr lang, dann geht es für die Pferde endlich wieder ins frische Grün. In diesem Jahr dürfte das Gras bei der richtigen Winterpflege der Weide besonders gut sprießen: Dank des milden und feuchten Winters hat es beste Bedingung zum Wachsen. Damit das auch den Sommer über so bleibt, gilt es, gutes Management zu betreiben – insbesondere, wenn nur begrenzt Weideflächen zur Verfügung stehen.
Immer mehr Pferde für immer weniger Weideland: Mit dieser Herausforderung sehen sich immer mehr Stallbesitzer konfrontiert. Umso wichtiger ist die Pflege der vorhandenen Flächen, um sie in der warmen Jahreszeit möglichst lange nicht nur als Auslauf-, sondern auch als Futterquelle nutzen zu können. Doch nicht nur zu wenig stallnahe Weideflächen, sondern auch der Klimawandel sorgen dafür, dass die Herausforderung mancherorts groß ist. In den vergangenen Jahren sahen sich Stallbetreiber teils klimatischen Extremsituationen ausgesetzt: Lang andauernde Regenfälle setzten die Flächen so sehr unter Wasser, dass sie im Handumdrehen zu tiefen Matschlandschaften mutierten. Dann wiederum gab es immer wieder Dürreperioden, in denen wochenlang kein Tropfen Regen fiel, das Gras am Halm verdorrte und die Wiese schnell zur staubigen Steppe wurde.
Ausgeklügeltes Management
Um diesen Extremen gewachsen zu sein, bedarf es eines ausgeklügelten Managements, dem sowohl die sorgfältige An- und Nachsaat, die Auswahl der richtigen Gräser, Unkrautbekämpfung und Düngung als auch eine intelligente, umschichtige Beweidung der Flächen zugrunde liegen.
Helmut Muß, Landwirtschaftsmeister aus dem rheinland-pfälzischen Oberscheid, hat sich mit „Die gute Pferdeweide“ auf Beratungen rund ums Grünland für Pferde spezialisiert und sieht sich mit einer Vielzahl an Problematiken konfrontiert, wenn Stallbetreiber ihn um Hilfe bitten. Er zieht den Vergleich zu dem Leben der Wildpferde in freier Natur: „Pferde sind ursprünglich in Steppenlandschaften zuhause und karge Flächen gewohnt. Allerdings sind unsere ‚Steppenlandschaften‘ in der Pferdehaltung mittlerweile so klein, dass sie mehrmals täglich über die gleiche Steppe laufen.“ Damit werde die Fläche doppelt beansprucht: als Futterquelle, aber auch als Auslauffläche.
„Und genau da kommen wir zum Punkt: Wir sollten immer einen Teil der Steppe nicht zugänglich machen, damit sie sich wieder erholen kann.“ Und: Wer die Pferde auch im Winter auf den Flächen laufen hatte, sollte die Weiden rechtzeitig schließen, um sie neu anzusäen und so optimal auf den Sommer vorzubereiten.
„Eine regelmäßige Kontrolle beziehungsweise Flächenbegehung ist sinnvoll. Nur so sind Schäden oder ungünstige Pflanzenbestandsentwicklungen in vollem Umfang erkennbar. Das so genannte Grünlandmonitoring hat folglich das Ziel, notwendige Pflegemaßnahmen festzulegen und ggf. auch Änderungen im Weidemanagement vorzunehmen“, rät Hubert Kivelitz von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Besonders im Frühjahr kurz vor dem Vegetationsbeginn sei dieses Monitoring wichtig. „Dabei wird der Flächenzustand erfasst: Gibt es Frost-, Wildschwein-, Mäuseschäden, Tritt-/Fahrspuren? Auch sollten Lückenanteile und Pflanzenarten bestimmt werden.“

Pflegeroutinen für eine effektive Nutzung
Weideexperte Helmut Muß hat die wichtigsten Punkte so zusammengefasst:
Täglich: Der Zustand des Zauns sollte ein Mal täglich überprüft werden. Ein kaputter Zaun kann nicht nur für die Pferde gefährlich sein, sondern auch für andere Tiere. Außerdem sollte, wenn es arbeitswirtschaftlich möglich ist, den Kot von der Weide entfernt werden. Das verhindert die Verbreitung von Krankheiten und Parasiten.
Wöchentlich :Jede Woche sollte mit einem Spaziergang über die Weide beginnen. Dabei liegt das Augenmerk auf Unebenheiten, Löcher, Giftpflanzen, Beikräuter und gefährliche Gegenstände. Außerdem gilt es, den Zustand des Grases zu überprüfen. Ist es zu kurz oder zu lang? Gibt es Stellen, die regelrecht kahlgefressen, also überweidet sind?
Monatlich: Einmal im Monat sollte der Boden der Weide überprüft werden. Haben sich Löcher und Stolperfallen gebildet? Eventuell müssen er auflockert oder eingeebnet und verdichtet werden.
Platz zum Wachsen
Obligatorisch vor Weidebeginn ist das Schleppen der Weideflächen. „So werden Erdaufwerfungen durch Maulwürfe und Mäuse sowie Trittschäden zur Vermeidung von Futterverschmutzungen eingeebnet und die Exkremente der Weidetiere aus dem letzten Herbst ebenso eingearbeitet wie eingetrocknete Reste der Frühjahrsgülle. Gleichzeitig sorgt das Schleppen für eine „Durchlüftung“ und leichte Entfilzung der Grasnarbe und damit Begünstigung der wachstumsfördernden Lichtverhältnisse“, erklärt Kivelitz. Wichtig sei jedoch, dass die Fläche vor dem Schleppen trocken ist. Sollte die Fläche vermoost sein und über viel angestorbenes Pflanzenmaterial verfügen, kann die Fläche mit einem Grünlandstriegel und seinen zahlreichen stabilen Striegelzinken die dicht verfilzte Grünlandnarbe wirkungsvoll aufgeflockert werden. „Auch flach wurzelnde Ungräser wie die Gemeine Rispe werden herausgekämmt“, sagt der Experte. „Diese Maßnahme hat zugleich den Effekt, dass die Bestockung der Gräser durch positive Lichtverhältnisse am Stängelgrund angeregt wird und sich eine dichte und trittfeste Grasnarbe entwickeln kann.“ Durch das Striegeln werden Lücken geschaffen, die unbedingt über eine Nachsaat mit geeigneten und möglichst empfohlenen Arten und Sorten geschlossen werden sollten. „Denn wer eine lückige Grünlandnarbe sich selbst überlässt und allein auf das Regenerationsvermögen des Pflanzenbestandes hofft, der muss mit einer starken Ausbreitung unerwünschter Arten rechnen“, mahnt Kivelitz.
Gerade, wer über keine großen Weideflächen verfügt, sollte nachsäen – und das nicht nur im Frühjahr. „Wir haben zwei Sorten an Gräsern: horstbildende und narbenbildende Gräser“, erklärt Weideexperte Helmut Muß. Narbenbildende Gräser vermehren sich nicht nur über den Samenwurf, sondern auch vegetativ. Nach und nach können sie und auch unliebsamere Kräuter wie Hahnenfuß, Löwenzahn, Wegerich, Ampfer oder Jakobskreuzkraut so die horstbildenden Gräser verdrängen. „Diese Unkräuter wurzeln oft tief und haben über Jahre die Energie, wieder nachzuwachsen.“
Abgefressene Flächen schützen
Um kleinere Flächen lange effektiv nutzen zu können, empfiehlt Helmut Muß, sie immer nur stückweise für die Pferde zu öffnen. „Wenn die Pferde auf das nächste Stück umgeweidet werden, ist es sinnvoll, die abgefressene Fläche wieder abzuzäunen, damit sie sich erholen kann.“ Zum einen ist sie so trittgeschützt – zum anderen werden die nachwachsenden Jungpflanzen geschützt, denn die jungen Triebe werden von den Pferden gerne gefressen, das belastet die Pflanzen jedoch besonders stark.“
Auch Hubert Kivelitz warnt davor, ohnehin schon kleinere Weideflächen zu lange zu beweiden: „Pferde zeigen zum einen ein mehr oder weniger stark selektives Fressverhalten. Besonders gerne werden junge Gräser, Weißklee und schmackhafte Kräuter im jungen Zustand gefressen. Die dentale Anatomie erlaubt es ihnen zudem, die präferierten Arten tief, mitunter bis zum Boden, zu verbeißen. Weniger schmackhafte Pflanzenarten oder überständige Gräser und Kräuter werden meist gemieden. Während Rinder Gräser nur bis zu einer Pflanzenhöhe von maximal 3 cm abfressen, können Pferde Pflanzen bis unmittelbar über dem Boden verbeißen. Bei tiefem Verbiss wird bei den Futtergräsern auch der tiefliegende Teilbereich der Blätter bzw. Stoppeln abgefressen, wo ein Großteil der Nährstoffe eingelagert wird, die für die Regeneration erforderlich sind. Je häufiger Gräser während der Vegetationszeit sehr tief verbissen werden, desto stärker sind diese gestresst, regenerieren langsamer und sind dadurch weniger konkurrenzfähig gegenüber weniger schmackhaften Pflanzenarten.“ Insbesondere unter trockenen Bedingungen könnten regelmäßig tief verbissene Gräser auch ganz absterben oder sie werden zunehmend von Problemunkräutern verdrängt. „Als Folge dieser Überbeweidung treten dann verstärkt Pflanzenarten bzw. Pflanzengesellschaften auf, die an einen intensiven Verbiss und Tritt aber auch an Trockenheit bestens angepasst sind. Typische robuste Zeigerpflanzen einer sogenannten Trittrasengesellschaft sind Breitwegerich, Gänseblümchen, Vogelknöterich, Jährige Rispe, Gänsefingerkraut Strahlenlose Kamille und Hirtentäschel. Auch der stark licht- und weidebedürftige Weißklee ist bestens an häufigen und intensiven Verbiss angepasst und kann so im Laufe der Zeit unerwünscht hohe Ertragsanteile einnehmen.“

Nachsaat – auch im Sommer
Um ein dauerhaftes Wachstum der Gräser zu fördern, rät Helmut Muß dazu, im Frühjahr und Herbst maschinell nachzusäen – allerdings nur, wenn keine Gefahr für Nachtfröste besteht. In den meisten Teilen Deutschlands sind die optimalen Zeitpunkte Anfang Oktober und Anfang April. Und auch den Sommer über empfiehlt er die sogenannte Übersaat – zumindest, wenn es ausreichend Niederschläge gibt. „Für kleinere Flächen kann der Samen auch mit kleineren Elektrostreuern oder händisch einfach über der Fläche verstreut werden“, sagt der Experte. Dann darf das Stück Wiese auch offenbleiben, denn es ergibt sich ein positiver Effekt: „Die Pferde fressen die Samen nicht und trampeln sie automatisch ein, wenn sie die Fläche betreten.“ Sobald die ersten neuen Pflanzen nach zehn Tagen beginnen, zu sprießen, sollte das Weidestück aber wieder abgesperrt werden, um die Jungpflanzen zu schützen. Bestehen größere Lücken auf der Fläche, sollten bis zu 20kg Samen pro Hektar nachgesät werden. „In diesem Saatgut sollte kein Deutsches Weidelgras und kein Englisches Raygras vorhanden sein, da es sehr energiereich ist und sich schnell ausbreitet.“ Dadurch werde der Fruktangehalt der Weide exponentiell erhöht. „Nicht ohne Grund wird das Weidelgras/Raygras in Amerika bereits als Giftpflanze für Pferde eingestuft.“
Für die Nachsaat besonders beanspruchter Flächen empfiehlt Helmut Muß die alleinige Ansaat von Wiesenrispel. „Es ist auch ein narbenbildendes Gras, das keine so hohe Wachstumshöhe hat, fruktanarm ist und beispielsweise auch für die Anlage von Fußballfeldern genutzt wird, da es besonders trittfest ist.“ Flächen, die nicht so so stark beansprucht werden, können mit einer artenreichen, fruktanarmen Samenmischung nachgesät werden.
Die Herausforderung: die Weide als Auslauffläche und Futterquelle in einem
„Es gibt nicht ‚die Pferdeweide‘ oder eine ‚ideale Pferdeweide‘“, ist Hubert Kivelitz von der Landwirtschaftskammer NRW überzeugt. „Je nach Art der Weidenutzung, Haltungsverfahren, Tierbesatz und Rasse haben Pferde unterschiedliche Ansprüche an die Weide und die Weideaufwüchse als wichtige Futterquelle.“ Die Weide habe für das Pferd genauso wie für andere Weidetiere drei wesentliche Funktionen zu erfüllen: Sie ist zum einen eine wichtige Futterquelle, sie ist essenzielle Bewegungsfläche und letztlich ein „Auffangbecken“ für die Ausscheidungen. „Da die Erhaltung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Pferdes immer im Mittelpunkt der Haltung stehen sollte, müssen dessen Ansprüche im Hinblick das Futter und den Bewegungsdrang gleichermaßen in Einklang gebracht werden.“
Da Pferde in unseren Klima- und Nutzungsverhältnissen aber auf der Weide in der Regel keine rohfaserreichen und energiearmen Steppengräser vorfinden, sondern überwiegend strukturarmes aber energie- und proteinreiche Futterpflanzen wie Gräser, Kräuter und Kleearten, besteht immer auch das Risiko von Verdauungs- und Stoffwechselstörungen. „Je nach Weideführung und Disposition für Stoffwechselstörungen, können Pferde gerade auf der Weide auch krank gefüttert werden“, mahnt der Experte. Zunehmende Verfettung der Tiere sowie Magen- und Darm-Probleme, die beispielsweise zu Koliken oder Stoffwechselstörungen wie Hufrehe oder EMS führen können, seien häufige Signale einer nicht angepassten Fütterung. „Der Rohfasergehalt einer Gesamtration für Pferde sollte bei mindestens 18 – 25 Prozent liegen. Am besten geeignet als Grobfutter ist im Grunde möglichst staubfreies Qualitätsheu mit 25 bis 35 Prozent Rohfasergehalt. Da dieses jedoch so meist nicht auf der Weide wächst, sollte über das Weide- und Fütterungsmanagement darauf geachtet werden, den individuellen Energie-, Nährstoff- und Strukturbedarf der Pferde anzupassen.“
Vor allem Ganztagsweideformen ohne weitere Zufütterung von Heu oder Stroh könnten vor allem für Kleinpferde ein Gesundheitsrisiko bedeuten. „Aufgrund ihres Fressverhaltens und Futteraufnahmevermögens werden dabei bis zu 25 Prozent mehr Energie und oft die doppelte bis dreifache Menge an Rohprotein des eigentlichen Bedarfs aufgenommen. Je größer ein Pferd, desto besser kann es mit Weide umgehen. Insbesondere in den weniger wüchsigen Sommermonaten kann es durchaus vorkommen, dass Warmblut-Pferde ihren Energiebedarf nicht ausreichend decken können, was im ungünstigen Fall zu einem körperlichen Substanzverlust führen kann. Der Proteinbedarf wird aber in der Regel auf der Weide mehr als ausreichend gedeckt. Eine Zufütterung mit eiweißarmen Kraftfuttermitteln kann in einem solchen Fall sinnvoll sein.“
Das Bewegungsverhalten von Pferden auf der Weide ist weniger vom Alter oder der Rasse noch vom Weidesystem abhängig, als viel mehr von der Weidedauer. „Empirisch laufen Pferde, die nur stundenweise auf die Weide kommen und sonst überwiegend in der Box stehen, relativ gesehen deutlich mehr und schneller als Pferde, die ausschließlich auf der Weide stehen. Dementsprechend stärker ist die mechanische Beanspruchung der Weide bei „Stallpferden“, was durch das Tragen von Hufeisen zusätzlich verstärkt wird.“ Da auch die Futteraufnahme von Pferden, die auf die Weide zum Auslaufen nur stundenweise geführt werden, begrenzt sei, da vorwiegend strukturreiches Futter im Stall gefüttert wird, sei für eine solche Praxis eine rasenartige Grasnarbe bestens geeignet. „Solch eine Grasnarbe sollte robust und strapazierfähig gegenüber Trittbelastung sein und ein hohes Regenerationsvermögen aufweisen. Unter dieser Prämisse können Grasnarben auch hohe Anteile an Deutschem Weidelgras aufweisen, da es aufgrund seiner agronomischen Eigenschaften bestens für die Entwicklung rasenartiger Grasnarben geeignet ist. Es ist zudem sehr schmackhaft für Pferde und weist einen hohen Energie- und Proteingehalt auf.“ Darüber hinaus sei Deutsches Weidelgras aufgrund seiner schnellen Keimung und Anfangsentwicklung bestens für Nachsaaten geeignet.
Kivelitz betont: „Bei stundenweiser Weideführung stellt die suboptimale Futtereignung dieses Grases unter Weidenutzung (z.B. wegen hohem Fruktangehalt) kein Problem dar. Nehmen insbesondere kleine Pferde auf Standweiden dagegen dauerhaft sehr hohe Mengen von jungen, protein-, energie- und fruktanreichen Gräsern wie Deutsches Weidelgras auf, kann es zu den bereits beschriebenen Verdauungs- und Stoffwechselstörungen kommen.“ Daher empfiehlt er: „Bei ausschließlicher Grobfutteraufnahme über die Weide, sind Gräser wie Wiesenlieschgras, Rotschwingel, Straußgras, Wiesenrispe oder zu gewissen Anteilen auch Knaulgras und Wiesenfuchsschwanz aus ernährungsphysiologischer Sicht günstiger zu bewerten als Deutsches Weidelgras. Diese Arten weisen bei gleichem Entwicklungsstadium in der Regel geringere Energie, Protein- und Fruktangehalte auf, als das Deutsche Weidelgras.

Unkräuter bekämpfen
Entscheidend für den Erfolg und die lange Nutzung der Weiden ist aber auch die geschlossene Grasnarbe – die lässt sich nur mit entsprechender Pflege erreichen. Das bedeutet: Unkräuter sollten das ganze Jahr über entfernt werden. Ein Beispiel für eine besonders hartnäckige Pflanze sind Knötericharten wie Ampfer, der bis 2,50 Meter tief wurzelt: „Eine Ampferpflanze nimmt durch ihre großen Blätter den Platz für bis zu 50 Graspflanzen weg.“ Es sei also immer sinnvoll, diese zu entfernen. Das gleiche gelte für Hahnenfuß, Klappertopf oder Graukresse. „Bleibt die Grasnarbe möglichst geschlossen, haben auch Giftpflanzen wie Jakobskreuzkraut weniger Chancen, zu wachsen.“
Sollte Jakobskreuzkraut im Frühjahr dennoch auf den Weiden zu finden sein, rät Helmut Muß, die Pflanzen erst zu entfernen, wenn sie in der Blüte sind. „Die Wurzeln von Jakobskreuzkraut wird mit dem Auftrag gebildet, einen Fruchtstand zu bilden. Wird die Pflanze vor der Blüte entfernt, wächst sie sich der Regel sofort wieder nach und vermehrt sich dazu noch.“ Entscheidend ist, die Pflanze zu entnehmen, bevor sich die Pusteblume entwickelt hat. „Jakobskreuzkraut sollte immer mit Handschuhen entnommen und direkt in Säcken verstaut werden, denn auch nach dem Entfernen kann noch die Pusteblume entstehen und ihre befruchteten Samen verteilen.“ Abwägen sollte man jedoch bei jungen Pferden, die im Zweifelsfall doch einmal testen und in die Giftpflanze reinbeißen. „Die älteren Pferde kennen das und meiden die Pflanze.“
Ein weiterer Punkt, der für eine effektive Nutzung der Weideflächen unerlässlich ist: die Düngung. „Nicht ohne Grund arbeiten alle Landwirte mit Bodenproben, bevor sie den optimalen Dünger für ihre Flächen auswählen. Das ist für Pferdeweiden genauso essenziell.“ Viele Pferdehalter lassen sich im Landhandel beraten, was sie düngen sollten, und nehmen dann das gängigste Volldüngerprodukt, ohne überhaupt den Nährstoffbedarf ihrer Weiden zu kennen. „Nicht selten komme ich in einen Stall, nehme eine Bodenprobe und stellen beispielsweise fest: Phosphor geht durch die Decke.“ Gras brauche mehr Kalium als Phosphor, um optimal wachsen zu können. „Das Wachstum richtet sich immer nach dem Nährstoff, der am geringsten im Boden vorhanden ist. Habe ich also an einer Stelle einen Mangel, helfen mir die anderen Nährstoffe auch nicht weiter.“
Bodenproben für die optimale Düngung
Optimaler Zeitpunkt für die Entnahme einer Bodenprobe ist der Herbst. „Prinzipiell ist das aber das ganze Jahr über möglich, solange es keinen Frost gab oder die Flächen zu trocken sind.“ Das Düngen selbst kann das ganze Jahr über erfolgen – zumindest mit den Nährstoffen, die nicht ausgewaschen werden. Dazu gehören Phosphor, Kalium, Magnesium, Kalk. Schwefel und Stickstoff sollten im Frühjahr vor Beginn der Weidesaison gedüngt werden, da sie auswaschbar sind. Allerdings: So gut das Weidemanagement auch sein mag: Ist die Weidefläche knapp, muss neu gedacht werden, um sie überhaupt über die Sommermonate nutzen zu können. Hubert Kivelitz: „Stehen für Koppelweidesysteme nicht ausreichende Flächen zur Verfügung, kann vor allem bei flächenknappen Betrieben die Anlage von pferdegerechten Paddocks, Trails oder Ausläufen dazu beitragen, dass die Weiden nur zeitweise als Bewegungs- und Futterfläche zugeführt werden. Scheidet aus Kosten- oder baurechtlichen Gründen auch die Anlage eines Paddocks aus und ist nur eine Standweide möglich, auf der zudem ein unausgewogenes, das heißt, ein zu enges Verhältnis zwischen Tierbesatz, Weidezeit und erforderlicher Weidefläche besteht, sind sowohl aus pflanzenbaulicher als auch aus futterbaulicher Sicht, ungünstige Fehlentwicklungen vorprogrammiert. Unter diesen Bedingungen ist die Weide selbst mehr oder weniger nur als Auslauffläche zu betrachten, auf der die Futteraufnahme primär über Zufütterung erfolgt.“
Die RRP-Experte: Hubert Kivelitz

Hubert Kivelitz ist bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen für die Fachgebiete Grünland, Futterbau und Zwischenfrüchte zuständig. Er betreute maßgeblich die Herausgabe des Praxishandbuchs „Grünland für Pferde“, das in Zusammenarbeit der Landwirtschaftskammern Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein sowie der Universitäten Göttingen und Halle erstellt wurde.
Die RRP-Experte: Helmut Muß

„Die Weide vom Pferd her denken“ ist das Motto von Helmut Muß. Der Landwirtschaftsmeister hat sich mit „Die gute Pferdeweide“ auf Beratungen in Sachen Pferdeweiden spezialisiert und ist im ganzen deutschsprachigen Raum für Hofbesuche unterwegs. Außerdem ist er Dozent an der Kölner Pferdeakademie und bietet Seminare und Webinare an.





