Immer mehr Ställe entscheiden sich für vollverspiegelte Reithallen.
Immer mehr Ställe entscheiden sich für vollverspiegelte Reithallen.

Gute Aussichten 

Gerade beim Training ohne Anleitung ist er hilfreich: der prüfende Blick in den Reithallenspiegel. Doch nicht nur die optimale Sicht ist bei der Auswahl des passenden Produkts wichtig, auch der Sicherheitsaspekt spielt eine ebenso große Rolle wie bei der Entscheidung fürs richtige Bandensystem. Wir haben die wichtigsten Fakten zur optimalen Reithallenausrüstung für Sie zusammengetragen. 

Es erscheint so einfach: Ein folierter Reithallenspiegel ist nicht nur leicht, vor allem splittert er auch nicht. Dafür gibt es andere Nachteile. „Spiegelfolien verzerren häufig die Ansicht“, sagt Dominik Ganske, der sich mit seiner Firma HEGA auf die Herstellung von Reithallenspiegeln spezialisiert hat. „Oft bauen wir vorhandene Folienspiegel aus.“ Das liegt nicht nur an dem eigentlichen Spiegelbild, sondern auch an der Haltbarkeit der Folienspiegel: „Die Folie geht schneller kaputt.“ Ein weiterer Nachteil: Das Putzen ist weitaus schwieriger als bei Echtglas. Wer nicht aufpasst – und das kann in einer Umgebung mit Sand schnell vorkommen – putzt schnell Schrammen in den Spiegel. Zudem ist er anfälliger dafür, zu beschlagen, was je nach Witterung nicht selten vorkommen kann.  

Ton in Ton: Spiegelrahmen und Bande gehen nahtlos ineinander über. Fotos: HEGA

Echtglas – aber verletzungssicher 

Aber ist die Bruch- und damit die Verletzungsgefahr bei Echtglasspiegeln nicht größer? „Nein, die Spiegel sind extrem bruchfest. Das Glas ist neun Mal härter als herkömmliches Sicherheitsglas“, betont der Fachmann. Das demonstriert er gerne auf Messen: „Ich schlage ein Stahlkugel in die Spiegel. Da bricht nichts.“ Sollte es dennoch zum absoluten Härtefall kommen und ein Pferd beispielsweise mit voller Wucht in den Spiegel treten, würde das Glas zwar brechen, aber nicht herausfallen. Dafür sorgt eine spezielle Beschichtung aus Schaumstoff-Ether-Vlies auf der Hinterseite. So wird die Verletzungsgefahr minimiert – das Glas fällt nicht in den Reitstand, sondern bleibt an Ort und Stelle. 

Ein weiterer Sicherheitsaspekt ist die Art und Weise, wie der Spiegel in den Rahmen eingelassen wird. Das sollte möglichst spannungsfrei passieren. „Da liegt der Vorteil ganz klar bei einem Holzrahmen.“ Der ermöglicht es, den Spiegel zu halten, ohne dass er unter enormer Spannung steht. „Das wäre bei einem Kunststoffrahmen, wie er beispielsweise im Fensterbau verwendet wird, anders, dort wird mit einer Klemmleiste gearbeitet.“ Die könne zum einen dazu führen, dass es im Randbereich Verzerrungen im Spiegelbild gibt, zum anderen steht das Glas viel mehr unter Spannung. Ist das der Fall, kann im Zweifelsfall schon ein kleiner Stoß dafür sorgen, dass es in tausend Teile bricht. 

Non-plus-ultra: Echtglasspiegel mit Splitterschutz  

Michael Ziegler hat sich mit seiner Firma ZIEGLER Holz- und Kunststofftechnik unter anderem auf den Bau von Reithallenspiegeln spezialisiert. Im Gespräch verrät er uns, was es bei der Auswahl des geeigneten Spiegels zu beachten gilt. 

Welches ist aus Ihrer Sicht das beste Material für einen Reithallenspiegel? 

Wir sind eigentlich ein holzverarbeitender Betrieb. Der Ursprung unseres Einstiegs in das Reitspiegel-Geschäfts lag darin, dass einer unserer Kunden auf uns zukam und MDF-Platten mit einem aufgeklebten Acryl-Glasspiegel haben wollte. Da sich das als weniger praktikabel herausgestellt hat, dachten wir, wir könnten den Markt revolutionieren und einen bruchsicheren Spiegel mit Plexiglasspiegeln auf den Markt bringen. Allerdings gab es auch hier ein Problem: Diese Spiegel ergaben nur mit einem Abstand von vier bis fünf Metern ein gutes Bild, stand man weiter weg, fing das Spiegelbild an, zu verschwimmen.  

Auch den Versuch, mit Spiegelfolien zu arbeiten, haben wir wieder verworfen. Sie gingen einfach viel zu schnell kaputt – es musste nur ein Vogel gegen den Spiegel fliegen und die Folie riss. Zudem kann die Folie bei der Reinigung schnell Schäden aufweisen.  

Schlussendlich sind wir bei den Echtglasspiegeln gelandet, die wir jetzt vertreiben und sind überzeugt, dass dies einfach die beste Lösung ist: Das Spiegelbild ist brillant, sie sind dank der angebrachten Splitterschutzfolie zudem absolut sicher, da kein einziger Splitter herausfällt, sollte der Spiegel doch einmal brechen.  

Würden Sie sagen: Wer gerne sparen möchte und sich doch für einen Folienspiegel entscheidet, kauft zwei Mal? 

Auf jeden Fall. Sie sind einfach wirklich nicht so langlebig. Klar möchte jeder alle zwei Jahre etwas Neues verkaufen, aber das entspricht nicht unserer Philosophie. Daher haben wir jetzt ausschließlich Echtglasspiegel im Angebot, denn die halten wahrscheinlich ein Leben lang. Da investiert der Kunde zwar mehr Geld, bekommt dafür aber auch ein sicheres und sehr langlebiges Produkt.  

Welche Voraussetzungen muss eine Reithalle mitbringen, damit Spiegel angebracht werden können? 

Die Montage kann an allen erdenklichen Hallenwänden, die es gibt, realisiert werden. Das reicht von der normalen Holzwand, Standardholzwand über Metallbauweise mit Metallständern bis hin zur Blechverkleidung. Es wird zunächst eine Unterkonstruktion angebracht, auf der dann der Spiegel montiert wird. Da die Spiegel ein gewisses Eigengewicht haben, werden sie mit einem speziellen Hebegerät, einem Vakuumheber, in Position gebracht und dann befestigt.  

Was ist Ihre Empfehlung zur Reinigung der Spiegel? 

Ganz normal, wie Sie einen Spiegel zuhause auch reinigen. Dafür eignet sich beispielsweise eine Bürste mit langem Stiel. Es ist aber auch genauso möglich, sie zwischendurch immer mal wieder mit einem Wasserschlauch abzuspritzen. 

Welche Spiegelgrößen werden besonders nachgefragt? 

Komplettverspiegelungen der gesamten Halle haben einen Anteil von vielleicht zehn bis 20 Prozent. Die Kombination, die bei uns am meisten gefragt wird, ist ein Fünf-Meter Spiegel kombiniert mit 1,50m-Spiegel für die Ecken. Die Standardhöhen sind jeweils 1,70m. 

Auf die richtige Höhe kommt es an 

Auch das Gewicht des Reithallenspiegels spielt eine Rolle, wenn es um die Sicherheit und eine einfache Anbringung an die Hallenwand geht. Sinn machen daher leichtere Varianten bestehend aus 6mm Kristall-Spiegelglas, die zum einen mit dem Vlies und dann mit einer 20mm Dämmplatte vollflächig verklebt werden. „So kommen wir auf ein Gewicht von 20kg pro Quadratmeter.“ 

Dennoch ist es bei der Anbringung die beste Variante, den Spiegel quasi auf die Reithallenbande zu stellen und dann mit der Wand zu verschrauben. Aber auch eine höhere Befestigung ist kein Problem. Entscheidend ist die richtige Höhe, damit das Spiegelbild später von den Reitern optimal gesehen werden kann. „Die liegt zwischen 1,20m und 1,60m“, weiß der Experte. „Das richtet sich am Ende auch danach, welche Höhe die Reitbande hat.“ Aber: Die Aufstellung eines Spiegels ist auch dort möglich, wo es keine Bande gibt – beispielsweise auf einem Reitplatz. „Hier kann mit Aufstellvorrichtungen gearbeitet werden.“ Auch Reitplatzspiegel werden immer mehr nachgefragt, allerdings sind hier die Kosten im Vergleich zur Anbringung in einer Halle höher, da nicht nur die Aufstellvorrichtung hinzukommt, sondern auch extra ein Fundament dafür gegossen werden muss. „Während wir im Innenbereich viel mit Fichte arbeiten, kommen draußen Meranti-Holzrahmen zum Einsatz, da diese witterungsbeständiger sind.“ Unter freiem Himmel fällt die Wahl auch auf ein anderes Glas: „Herkömmliches Spiegelglas oxidiert schneller. Das kennt man von Badezimmerspiegeln: Sie bekommen schwarze Flecken, wenn sie zu häufig zu feucht werden.“ Outdoor empfehlen sich daher Spiegel mit einer Chrombeschichtung sowie einer speziellen Lackierung, die dafür sorgen, dass das Glas nicht oxidiert. 

Der Spiegel ist spannungsfrei in einen Holzrahmen eingelassen. Fotos: HEGA

Teil- oder vollverspiegelt? 

Ein weiterer Punkt, der wichtig bei der Anbringung der Spiegel ist – egal, ob innen oder außen: Er wird grundsätzlich mit einer Neigung verschraubt. Umso niedriger er hängt, umso geringer ist diese.  

Die Größe des Spiegels richtet sich nach Wunsch und natürlich auch Geldbeutel. Nicht wenige Hallen werden mittlerweile voll verspiegelt, manch einer entscheidet sich für einen großen Spiegel auf der langen und eine vollflächige Verspiegelung der kurzen Seite. Die kostengünstigere Lösung wären kleinere Spiegel nur in den jeweiligen Ecken der kurzen Seite. Die Höhe richtet sich nach den Gegebenheiten vor Ort – sind die Spiegel eher niedrig angebracht, reichen 1,80m Gesamthöhe, bei höher angebrachten Spiegeln sind es auch einmal 2,00m. Viele Hersteller bieten Wunschmaße an. 

„Es macht Sinn, dass ein Fachmann alles vor Ort genau ausmisst und dann zentimetergenau für die jeweiligen Gegebenheiten anfertigt und einpasst“, sagt Dominik Ganske. So manches Mal passen „Spiegel von der Stange“ einfach nicht, beispielsweise, wenn Pfosten vorhanden sind und das System dazwischen platziert werden soll.  

Ein klares Spiegelbild 

Gerade bei Hallen, die voll verspiegelt werden sollen, ist Handwerksarbeit gefragt: Große Flächen verzerrungsfrei abzudecken, bedarf eines ausgeklügelten Systems.  Dazu gehört auch, wie viele einzelne Spiegel am Ende die gesamte Fläche bilden – je weniger es sind, umso besser wird das spätere Spiegelbild. Einen Produzenten zu finden, der möglichst großrahmige Varianten anbieten kann, macht also Sinn. Denn niemand möchte am Ende verzerrt im Spiegel erscheinen – weder extrem in die Breite gezogen, noch zusammen gestaucht.  

Wer sich für Echtglasspiegel entscheidet, entscheidet sich in jedem Fall für mehr Langlebigkeit. Und wer wirklich lange etwas von seinen Spiegeln haben will, pflegt sie auch dementsprechend. „Falls es eine Beregnung für die Halle gibt, sollte die möglichst so ausgerichtet sein, dass sie die Spiegel nicht trifft“, rät der Fachmann. Zum einen kann ständig zu viel Nässe für schwarze Flecken im Spiegelglas sorgen. Zum anderen entstehen bei kalkhaltigem Wasser schnell unschöne Flecken, die nicht ganz so leicht wieder entfernt werden können: Da hilft dann im Zweifelsfall nur noch der Griff zur Essigessenz. Der Aufwand, Kalkflecken aus einem 20x2m großen Spiegel zu bekommen, ist dann jedoch nicht unerheblich. „Grundsätzlich reicht es aus, den Spiegel mit klarem Wasser zu reinigen“, sagt Dominik Ganske. Wer es genau nimmt, putzt ihn so wie er seinen Spiegel im Bad auch putzen würde: Hilfreich sind dafür Fensterwischer und Abzieher.  

Immer mehr Ställe entscheiden sich für vollverspiegelte Reithallen. Fotos: HEGA

Spiegelabdeckung per Knopfdruck 

Zu guter Letzt bleibt bei der Entscheidungsfindung für den passenden Spiegel noch das Thema Holzrahmen: Welche Optik passt am besten zur Halle? Auch da gibt es die verschiedensten Möglichkeiten, was die Holzauswahl, Lasur oder aber auch die Lackierung angeht, bis hin zur Farbe passend zu den Stahlträgern der Halle. Hier ist ebenfalls entscheidend, was der Stallbetreiber bereit ist, zu investieren.  

Nicht vergessen darf außerdem ein weiterer wichtiger Sicherheitsaspekt: Insbesondere für Reithallen, in denen die Pferde auch frei laufen gelassen werden, ist die passende Spiegelabdeckung unabdinglich – niemand will erleben, wie ein Pferd schließlich doch einmal in einen Spiegel springt und sich schwer verletzt. Hier bietet der Markt verschiedenste Lösungen – angefangen von Rollos, die mit einer Art Kettenzug betätigt werden, über Abdeckungen, die mit einer Handkurbel bedient werden, bis hin zur elektrischen Variante, die entweder per Knopfdruck oder mittlerweile auch schon per App auf dem Smartphone vollautomatisch funktioniert.

Der RRP-Experte: DOMINIK GANSKE

RRP-Experte Dominik Ganske

Dominik Ganske ist Geschäftsführer der Firma HEGA GmbH aus Ennigerloh, die sich sowohl auf den Bau von Reithallen-Spiegeln als auch Reithallen-Banden spezialisiert hat. Das Unternehmen bietet maßgefertigte Lösungen und beliefert nicht nur Ställe in Europa, sondern auch in Dubai oder Amerika. Dabei legt es besonderen Wert darauf, dass die verwendeten Materialien aus Deutschland kommen. 

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