
Die Premiere des Top 12 Finales der Dressurreiter in Frankfurt war etwas Besonderes. Die Ritte von Europameister Justin Verboomen und Cathrine Laudrup-Dufour waren beide so überwältigend gut, dass man nicht Richter sein wollte, um eine Entscheidung zu treffen. Es waren Auftritte, die bewegt haben, nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Reiter.
Am Ende war es knapp. Zwei Richter hatten Justin Verboomen und Zonik Plus an der Spitze, drei Cathrine Laudrup-Dufour und Mount St. John Freestyle. Gewonnen hat dennoch der Belgier, und zwar mit einem Personal Best von 91,195 Prozent. Auch die Dänin kam auf mehr als 91 Prozent: 91,095. „Und es hat immer noch nicht gereicht“, scherzte sie später. Heute hätten wirklich beide Paare gewinnen können, es wäre fair gewesen. Ihre Auftritte sorgten beide für Gänsehaut bei allen Beteiligten.
Die beste Freestyle, die es je gab
Die Hannoveraner Fidertanz-Tochter Mount St. John Freestyle ist nun 16 Jahre alt. Oder vielmehr jung. Sie ist schon lange im Geschäft. Ihr erstes Championat ging sie neunjährig unter Charlotte Dujardin für Großbritannien. Es mag daran liegen, dass gut sieben Jahre vergangen sind und die Stute schlicht an Kraft gewonnen hat. Jedenfalls ist sie heute ein anderes Pferd – lockerer, zufriedener, geschmeidiger, einfach richtig gut. Die Kür des Paares ist so schwierig mit Übergängen von der Piaffe- in die Galopppirouette und wieder zurück, mit kompliziertesten Linien und die beiden ließen es aussehen wie ein Kinderspiel. Nicht ein falscher Tritt trübte die Harmonie. Dazu die Musik, die so gut zu diesem Paar passt. Das war ein Genuss. Nicht nur für die Zuschauer, wie sich bei der anschließenden Pressekonferenz zeigte.
Cathrine Laudrup-Dufour sollte etwas zu ihrem Ritt sagen. „Normalerweise habe ich alle meine Pferde selbst ausgebildet und wir waren eine gewachsene Partnerschaft. Mit Freestyle hatte ich heute zum ersten Mal Tränen in den Augen. Ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass wir es wirklich zusammen gemacht haben …“ Und mit dem letzten Satz flossen schon wieder die Tränen. Der neben ihr sitzende Justin Verboomen tätschelte ihr voller Verständnis die Schulter. Er weiß genau, wie es ist, wenn einem das Pferd so viel gibt, dass es einen zu Tränen rührt.
Black Beauty hat mal wieder geliefert
Da Zonik Plus das aber eigentlich bei jedem seiner Auftritte tut, hat Justin Verboomen sich wahrscheinlich inzwischen dran gewöhnt. Heute bildete keine Ausnahme. Ja, da gibt es noch Spannungsmomente, etwa in der Galopptour. Das sagt der Europameister auch selbst. „Ich weiß, wir können noch vieles verbessern, mehr Leichtigkeit, mehr Fluss in der Galopptour.“ Aber er weiß auch: „Für den Moment sind wir einfach nur happy!“
Kein Wunder. Die Elastizität, die Leichtigkeit und der Stolz, mit dem Zonik Plus auch heute wieder durch seine Kür getanzt ist, das ist einfach herrlich anzuschauen. Nach dem Ritt des Paares gab es Standing Ovations. Und selbst mancher Kollege Verboomens sagte: „Das ist einfach geil!“
Platz drei für Werth und Wendy
Mit 87,165 Prozent ging der dritte Rang an die Initiatorin des Top 12 Finales in Frankfurt, Isabell Werth mit Wendy de Fontaine. Ein Highlight der Prüfung waren die wirklich tollen Piaffen. Ansonsten wirkte die Stute heute angespannt und hatte Fehler in den Serienwechseln, die das Ergebnis drückten.
Die Schlusslinie war etwas anders als gewohnt mit den Klängen der Arie Nessun Dorma aus Puccinis Oper Turandot. Es war eine Reminiszenz an Isabell Werths verstorbenen Ehemann. Ein besonderer Moment.
„Kleine Europameisterschaft“
Als Präsidentin des International Dressage Riders Club (IDRC) war es Isabell Werths Idee, das ursprünglich in Stockholm angesiedelte Top Ten Finale als Top 12 Finale nach Frankfurt zu holen. Das war ein Erfolg. Wie Chefrichterin Katrina Wüst sagte: „Ich habe in Crozet gerichtet. Da waren die drei schon die besten. Aber heute war es noch besser.“
Werth bedankte sich bei den Sponsoren, die das Finale unterstützt haben, und bei ihren Kollegen, die der recht spontanen Einladung sofort gefolgt sind. „Es könnte eine große Chance für den Dressursport sein“, sagte sie. Die Begeisterung auf den Rängen nach den Auftritten von Verboomen und Laudrup-Dufour und die Ritte selbst waren auf jeden Fall Werbung pur.





