Louisdor-Preis Sieger 2025: Viva Gold mit Isabell Werth
Louisdor-Preis Sieger 2025: Viva Gold mit Isabell Werth

Deutlicher Louisdor-Preis Sieg für Viva Gold

Louisdor-Preis Sieger 2025: Viva Gold mit Isabell Werth
Louisdor-Preis Sieger 2025: Viva Gold mit Isabell Werth

Spätestens nach dem haushohen Sieg in der Einlaufprüfung war Isabell Werths der klare Favorit für den Louisdor-Preis 2025. Der Rolle wurde der bildschöne Hengst mit dem begnadeten Talent für Piaffe und Passage gerecht.

Mit 75,620 Prozent piaffierte der Oldenburger Hengst Viva Gold zum Sieg im Louisdor-Preis 2025. Platz zwei ging wie schon in der Einlaufprüfung an den Rheinländer Escolar’s Emil unter Thomas Wagner (72,380), gefolgt von Benjamin Werndl auf dem Hannoveraner Quaterhall-Sohn Quick Decision (70,660).

Pi und Pa in die Wiege gelegt

Erst seit Februar hat Isabell Werth Viva Gold unter dem Sattel. Seither ist er drei Turniere gegangen – wobei Frankfurt das dritte ist. Jedesmal hat er alles gewonnen. Der Fuchs ist nicht nur wunderschön, er ist ein Pferd mit allen Möglichkeiten, insbesondere in Piaffe, Passage und Pirouetten. Da kommt er ganz nach seiner Großmutter Weihegold. Im Vorfeld sagte Isabell Werth, wenn ein Fehler passiert, dann würde das an ihr liegen. Der Fehler passierte tatsächlich, einmal mehr in den Einerwechseln. Isabell Werth schimpfte lautstark mit sich selbst. „Das ist ja ein bisschen mein Standardthema“, räumte sie später ein. Neben den Höhepunkten in den Lektionen höchster Versammlung und anderen guten Momenten, etwa den Zick-Zack-Traversalen, hätte man sich insgesamt gewünscht, dass das Pferd mehr durch den Körper arbeitet.

„Ein Musterschüler“, lobte Dr. Dietrich Plewa als Kommentator den neunjährigen Hengst und sprach von „wirklich schulmäßigen Power-Piaffen“. Das konnte Isabell Werth nur bestätigen: „Im Moment habe ich vielleicht kein anderes Pferd, das eine solche Hankenbeugung mit sich bringt, wie dieses Pferd.“

Das, was eigentlich ein Ausbildungsergebnis ist, fällt dem Vivaldi-Sohn aus der Weihronce v. For Romance in den Schoß. Weshalb Plewa auch die Züchterin Christine Arns-Krogmann nicht vergaß: „Ich gratuliere auch der Züchterin. Das ist wirklich etwas ganz Besonderes“, so der ehemalige 5*-Richter.

Die züchterische Leistung ist umso besonderer angesichts der Tatsache, dass Christine Arns-Krogmann nicht nur ein Pferd für dieses Finale stellte, sondern zwei. Doch dazu später.

Escolar’s Emil

Zehnjährig ist der rheinische Escolar-Sohn Escolar’s Emil nun, ein Pferd, das optisch nicht gerade dem modernen Typ Dressurpferd entspricht. Aber wenn er sich in Bewegung setzt, ändert sich der Eindruck. Der Wallach war eines der elastischsten Pferde dieses Finales. Hier federte wirklich jedes Gelenk. Die Trabtraversalen – mehr Biegung und dabei Fluss durch den ganzen Körper geht nicht. Im Galopp – so wuchtig wie der Wallach mit der Contender-Mutter ist, so energisch federt er vom Boden weg. Das kommt ihm beispielsweise in den Pirouetten zugute. Leider passierten in der Galopptour kleinere Fehler, die die Gesamtwertung drückten. Aber man versteht, dass Thomas Wagner sagt, es mache „mega Freude“, dieses Pferd in der täglichen Arbeit reiten zu dürfen.

Quick Decision

Ein Pferd auf dem besten Weg ist der bunte Fuchs Quick Decision von Benjamin Werndl. Seit etwa einem Jahr sind die beiden ein Paar. Zuvor hatte Uta Gräf den neunjährigen Wallach unter dem Sattel. Trotz der verhältnismäßig jungen Partnerschaft ist es dem WM-Bronzemedaillengewinner von 2022 gelungen, sich bereits gut mit „Quicks“ zu arrangieren. Schon bei der Grußaufstellung wurde deutlich: Die beiden hatten sich heute etwas vorgenommen. Gleich in der ersten Trabverstärkung ritt Werndl auf Risiko. Quick Decision ist kein Angeber im Trab, sondern zeigt eine Verstärkung, wie man sie sich als Ausbildungsergebnis wünscht mit Raumgriff und Übertritt. Auch in den Traversalen überzeugten sie mit einem Maximum an Stellung, Biegung und Fluss. Anfangs schielte Quick Decision noch in die eine oder andere Ecke der voll besetzten Frankfurter Festhalle. Aber er ließ sich nicht nachhaltig aus dem Konzept bringen. Die erste Piaffe-Passage-Tour gelang sicher im Takt, auch wenn Werndl den Wallach in der Piaffe einmal deutlich auffordern musste. Das galt auch für die zweite, nur dass Quick Decision hier nicht wie gewünscht reagierte. Egal, weiter ging’s mit Höhepunkten in der Galopptour wie den sehr exakt herausgearbeiteten Zick-Zack-Traversalen und einer guten ersten Pirouette, während die zweite etwas Lastaufnahme vermissen ließ. Die beste Piaffe-Passage-Tour war die auf der letzten Mittellinie, wo die beiden noch mal richtig punkten konnten. „Diese letzte Mittellinie hat mich übers Jahr beschäftigt. Dass die jetzt so gelingt, ist der Höhepunkt meines ganzen Wochenendes“, freute sich Werndl nach seinem Ritt.

Der Spezi

Knapp geschlagene Vierte wurden Katharina Hemmer und der Oldenburger Hengst Special Gold OLD. Dieser Rappe ist das zweite von Christine Arns-Krogmann gezogene Pferd dieses Finales – und das zweite aus der Weihegold-Dynastie. Diese Stute hat mit ihren Töchtern aus dem Weissena- den Weihegold-Stamm gemacht. Pferde wie Viva Gold und Special Gold zeigen, warum. Ein ausgeprägtes Talent für Piaffe und Passage bringt auch Special Gold („Spezi“) mit. Aber das waren nicht die einzigen schönen Momente in dieser Prüfung. Da war zum einen die Anlehnung insgesamt, obwohl der Hengst mitunter das Maul öffnete, ging er nie gegen die Hand. Dann die Traversalen, die Verstärkungen, ingesamt die Sorgfalt und Ruhe, mit der Katharina Hemmer die Lektionen vorbereitete. Doppelt teuer war ein Fehler in den zweifach zählenden Einerwechseln. Die Pirouetten müssen auf Dauer noch kleiner werden und bei der letzten Piaffe setzte der Rappe etwas früh an. Aber alles in allem war es eine schöne Runde eines zufrieden und vertrauensvoll mitarbeitenden Pferdes. Dass die beiden sich schon sehr lange und sehr gut kennen, sieht man in der Prüfung und man sah es auch, als Hemmer in der Halle abstieg, um zum Mikrofon zu gehen und ihren eigenen Ritt zu kommentieren. Wo manche Reiter ihre Pferde einfach dem jeweiligen Pfleger in die Hand drückten, nahm sie sich die meiste Zeit von allen, um „Spezi“ ausgiebig zu loben und ihm zu zeigen, wie gut er seine Sache gemacht hatte. Und der Hengst stand wie ein Denkmal, um die Streicheleinheiten zu genießen. Da war sichtbar, wovon viele reden: Dieses Pferd wird geliebt.

Dietrich Plewa geizte nicht mit Lob, etwa für die Piaffen: „unheimlich schön gesetzt, fußt mit aktivem Hinterbein deutlich ab.“ Und was die etwas früh angesetzte Piaffe angeht: „Das ist doch genau das, was wir brauchen: Pferde, die bis zum Schluss wollen und Spaß haben.“

Katharina Hemmer war ebenfalls happy. „Ich habe ihn ja schon fünfjährig übernommen. Da war er noch stark überbaut. Aber als ich ihn das erste Mal geritten habe, kam ich raus und habe so gestrahlt, dass Hubertus (Schmidt, ihr Trainer, Anm. d. Red.) gefragt hat: ,Katha, was hast du denn gesehen?‘ Und ich habe gesagt: ,Alles!'“

Global Power – wo der Name Programm ist

Komplettiert wurden die Top fünf von einem der jüngsten Pferde dieses Louisdor-Preis Finales 2025, dem Oldenburger Grey Flanell-Sohn Global Power mit Evelyn Eger. Die beiden hatten erst Samstag vor einer Woche erfahren, dass sie ins Finale nachrücken nachdem Charlott-Maria Schürmann ihre Dante’s Pearl wegen eines Infekts zurückziehen musste. Global Power war bis heute noch nie einen langen Grand Prix gegangen und war heute gleich erstes Pferd im Finale – und präsentierte sich mit einer Selbstverständlichkeit, von der sich manch älteres Pferd, das noch folgte, eine Scheibe abschneiden konnte. Ehe sie ihre Aufgabe in Angriff nahmen, trabte Evelyn Eger den langbeinigen Rappen noch einmal leicht, ließ ihn sich noch ein wenig strecken, dann ging es los. Die Art, wie der Wallach beim Zügel aus der Hand kauen lassen vor der Prüfung den Oberhals aufwölbte, ließ schon erahnen, was kommt. Und das kam dann auch: ein solide ausgebildetes Pferd, bei dem alles noch im Werden, aber alles auf dem richtigen Weg ist. Noch fehlt es dem Wallach an Kraft, um die Schwierigkeiten des Grand Prix mit Leichtigkeit ausführen zu können. Aber das dürfte eine Frage der Zeit sein. Heute wurden es 69,880 Prozent und Rang fünf.

Lord Europe heute Zehnter

Es war nicht der Tag von Leonie Richter und dem zweiten Rheinländer im Starterfeld, dem Lord Leatherdale-Sohn Lord Europe. Sie fingen sehr schön an. Auch die erste Piaffe zeigte bereits, dass der Rappe anfängt, sich hier mehr zu tragen. Aber länger als ein paar Tritte hielt er das nicht durch. Dann schlichen sich in der Galopptour noch diverse Fehler ein (umspringen etc.), so dass unter dem Strich heute nicht mehr als 65,60 Prozent drin waren. Leonie Richter, die ab dem kommenden nicht mehr für Helgstrand Dressage, sondern auf eigene Rechnung tätig ist, trug es mit Fassung: „Ich weiß, er ist ein Ausnahmepferd. Der will einfach! Und das ist wichtig für später.“ Und ein Später wird es für die beiden geben. Lord Europe wird bei Leonie Richter in Beritt bleiben. Das steht bereits fest.

Alle Ergebnisse des Louisdor-Preises finden Sie hier.

Otto-Lörke-Preis 2025

Frankfurt war dieses Jahr der Rahmen, in dem der Otto-Lörke-Preis für Ausbilder, Reiter und Trainer des besten Nachwuchs-Grand Prix-Pferdes der Saison vergeben wurde. Der Preis ging zum einen Louisdor-Preis Finalsieger Viva Gold, der in Münster seinen ersten Grand Prix de Dressage holte, und zum anderen an Jessica von Bredow-Werndls Diallo BB, der zuletzt die Weltcup-Kür in Stuttgart gewonnen hatte.

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