
Nicht nur in Aachen, auch andernorts wie zum Beispiel bei den Amadeus Indoors in Salzburg geben für Louisdor-Preis und Burg-Pokal qualifizierte Paare sich den letzten Feinschliff vor Frankfurt. Gestern Abend gab Benjamin Werndls Quick Decision hier sein internationales Grand Prix-Debüt.
Das verlief erfolgreich. Werndl und der neunjährige Quaterhall-Sohn gewannen den Grand Prix der CDI3*-Tour mit 70,674 Prozent. Quick Decision ist ein Pferd, das auf leise Art gefällt – keiner, der sein Vorderbein waagerecht in die Luft schleudert, sondern ein Pferd mit drei soliden Grundgangarten, das die Kriterien der Skala der Ausbildung erfüllt und dadurch positiv auffällt.
So reißt er in der Piaffe nicht die Füße in die Luft ohne in den Gelenken zu federn, wie es so oft zu sehen ist, sondern drückt sich wirklich vom Boden weg und fußt meistens sicher diagonal im Takt mit klar erkennbarer Hankenbeugung – wenngleich er sein Gleichgewicht zum Teil noch im Vorwärts sucht. Aber besonders die erste und die letzte Piaffe gelangen schon gut.
Zu Beginn der Aufgabe wirkte der bunte Fuchs gestern noch etwas abgelenkt vom Setting in der Salzburg-Arena. Beim Aufnehmen nach dem ersten Starken Trab legte er einen kurzen Hüpfer ein. In den Traversalen fehlte etwas der Zug nach vorne. Vielleicht, weil er etwas erspäht hatte. Besagten Zug nach vorn würde man sich insgesamt noch ausgeprägter wünschen. Trotzdem gelang es Werndl, ihn stets vor den treibenden Hilfen zu halten, ohne dass man den Eindruck hatte, es koste ihn außergewöhnliche Mühe. So präsentierte der Wallach sich im schönen Seitenbild und in guter Selbsthaltung. Fehler wie nicht ganz sauber durchgesprungene fliegende Wechsel in den Zick-Zack-Traversalen, wo er zudem einmal hin und her wechselte, dürften eine Frage von Kraft und Balance und damit Zeit sein. Alles in allem eine schöne Runde des WM-Bronzemedaillengewinners mit der Mannschaft von 2022 mit seinem neuen Hoffnungsträger.
Die beiden hatten sich in Wiesbaden für das Finale im Louisdor-Preis qualifiziert. Dort wird in der Einlaufprüfung der Louisdor-Grand Prix geritten und im eigentlichen Finale der Grand Prix de Dressage.
Weitere Platzierte
Auch das Pferd auf Rang zwei ist erst neunjährig: der Hannoveraner Wallach Dantiamo v. Dante Weltino unter Lisa Müller. Dantiamo ist ein hochbegabtes Pferd mit besonderem Talent in den versammelten Lektionen, die allerdings noch nicht ganz spannungsfrei gelangen und insbesondere in der Galopptour kam der Wallach zwischenzeitlich hinter die treibenden Hilfen und rollte sich ein. Als letztes Paar der Prüfung erzielten auch sie ein Ergebnis von mehr als 70 Prozent: 70,043.
Damit ließen sie einen alten Bekannten hinter sich: den inzwischen 15-jährigen Farant mit der Österreicherin Timna Valenta-Zach. Von 2021 bis 2023 sah man die beiden regelmäßig auf Turnieren, auch in Deutschland. Doch nun hatte der niederländische Spielberg-Sohn fast zwei Jahre Turnierpause. In Salzburg meldete er sich mit einem dritten Platz und einem Ergebnis von 69,804 Prozent zurück.
Mit Yara Reichert und Valverde war noch ein weiteres deutsches Paar in der Prüfung am Start. Sie belegten Rang fünf mit 68,543 Prozent, knapp hinter der Österreicherin Felicita Simoncic auf dem ehemaligen Dressurpferde-WM-Finalist Four Legends (68,848).
Wiedersehen mit „Faci“
Ein Wiedersehen gab es in Salzburg auch mit dem Hannoveraner Wallach Facilone. Der Fürstenball-Sohn war zunächst von Bianca Nowag-Aulenbrock vorgestellt worden und wurde mit ihr Hannoveraner Champion der vierjährigen Reitpferde. Fünfjährig holte er in Verden Silber und wechselte dann in österreichischen Beritt von Stephanie Dearing. Mit ihr nahm er sechs- und siebenjährig an der WM für junge Dressurpferde teil, ehe Marcus Hermes die weitere Ausbildung des hübschen Braunen übernahm. Unter ihm wurde Facilone Achter im Louisdor-Preis Finale. Dann stand er kurzzeitig bei Eyal Zlatin. Die Hoffnung war, dass Israel eine Mannschaft für die Olympischen Spiele in Paris qualifizieren könnte. Zlatin ist gebürtiger Israeli, Facilones Besitzerin Nicola Ahorner hat 2022 die Nationalität gewechselt, sie ist gebürtige Österreicherin. Doch mit Zlatin ist Facilone nie ein Turnier gegangen. Stattdessen bekam Helen Langehanenberg ihn unter den Sattel und bestritt die ersten internationalen Grand Prix-Turniere mit ihm, wobei sie mehrfach Ergebnisse von über 70 Prozent erzielten. Das letzte Turnier der beiden war der CDI3* in Lier im März 2025. Nun stellt Nicola Ahorner ihn selbst vor. In Budapest konnten sie sich in der U25 Tour gegen ihre beiden ungarischen Konkurrenten durchsetzen. Gestern war der erste CDI Grand Prix. Sie erhielten 63,196 Prozent.
Bundeschampionats-Silbergewinnerin St. Felice nun unter US-Reiter
Die Dressurreiter hatten die Amadeus Horse Indoors gestern mit dem Prix St. Georges eröffnet. Auch hier fanden sich bekannte Namen auf der Starterliste. Allen voran die Bundeschampionats-Silbermedaillengewinnerin der sechsjährigen Dressurpferde von 2023, St. Felice v. St. Schufro. Die nun achtjährige Hannoveraner Stute steht ebenfalls im Besitz der Familie Ahorner, die zur Porsche-Dynastie gehört. Als die Stute Silber in Warendorf gewann, war sie im Beritt bei Marcus Hermes. 2024 wurde sie einmal von Simone Pearce vorgestellt. Zwischenzeitlich stand sie auch bei Daniel Bachmann Andersen in Dänemark, mit dem Ahorner seit dem Erwerb von dessen Mannschaftsweltmeister Marshall-Bell zusammenarbeitet. Mit Bachmann Andersen ging die schöne Stute Im Herbst 2024 ihr erstes Turnier in Dänemark und war im Frühjahr dieses Jahres dort Intermédiaire I-siegreich.
In Salzburg wurde sie nun von dem US-Amerikaner Thomas Walker präsentiert. Der ist im Rheinland kein Unbekannter. Eine ganze Weile lang war er hier zusammen mit seinem Mann, dem Kanadier Ryan Torkkeli ansässig, ehe das Paar nach Bayern wechselte, wo sie auf dem Georgi-Hof der Familie Meggle tätig waren. Im Juli dieses Jahres zogen sie nun um in den Stall der Familie Ahorner und St. Felice zog ebenfalls um gen Süden. Das gestern war zumindest auf internationalem Parkett die Premiere für das neue Paar. Sie gewannen sie mit 70,482 Prozent als einziges Paar mit einem „ziemlich guten“ Ergebnis.
Walker war hoch zufrieden: „So eine Kulisse ist Feli nicht gewöhnt, aber sie war heute zu 100% bei mir und hat mir absolut vertraut. Wohin uns ihr Talent noch führt, kann ich nicht sagen. Aber ich bin der Familie Ahorner sehr dankbar, dass wir diese Reise zusammen machen dürfen.“
Die Plätze zwei und drei gingen an die Nachfolgerin des Paares Torkkeli/Walker im Stall Meggle, Kathrin Sudhölter. Sie ritt den von Familie Meggle selbst gezogenen 13-jährigen Rheinländer Hengst Long Island v. Lord Loxley mit 69,123 Prozent auf Rang drei vor seinem Stallkollegen, dem zwölfjährigen Hannoveraner Hengst Fidelio Royal v. For Romance (69,079).





