In Neustadt/Dosse und Adelheidsdorf gingen vergangene Woche die 50-Tage-Tests des Herbstes für Dressur- und Springhengste zu Ende. Hier die Hengste, die dort herausstachen.
Neustadt/Dosse
Bester Prüfling im Haupt- und Landgestüt Neustadt/Dosse war der Holsteiner Hengst Chezzini v. Chezzaro – Cassini II – Lombard. Gezogen wurde der Dreijährige von Hanno Lorenzen in Rantrum. Angemeldet hatte ihn die Mailänder Classic Champ Società Agricola S.R.L.. Chezzini war 2024 im Rahmen der Holsteiner Körung zur Zucht zugelassen worden und wechselte anschließend über die Auktion zu seinen heutigen Besitzern aus Italien.
Die konnten sich über eine Gesamtnote von 8,6 für ihren Youngster freuen. Interieur, Charakter und Leistungsbereitschaft waren den Richtern ebenso eine 9 wert wie der Galopp. Die Rittigkeit wurde mit 8,5 bewertet, ebenso Vermögen und Manier am Sprung sowie der Gesamteindruck. Der Fremdreiter vergab in der Rittigkeit sogar eine 8,75.
Mit 8,51 beendete der Reservesieger der OS-Körung 2024 die Prüfung, Facing the Future RS v. For my Pleasure – Untouchable – Stakkato. Francie Siegmund in Datzetal hatte den hellen Fuchs gezogen. Die Station von Matthias Schlamminger meldete ihn an. Sowohl die Mutter als auch die Großmutter waren selbst im Sport bis zur schweren Klasse erfolgreich. Aus dem direkten Stamm gingen mehrere gekörte Hengste hervor, wie zum Beispiel der Redefiner Landbeschäler Mbappé v. Million Dollar oder der 1,50 Meter erfolgreiche Class de Luxe v. Contendro, der auf der Station Maas J. Hell wirkt.
Auch bei Facing the Future RS wurden die drei inneren Werte mit jeweils 9,0 bewertet. Die gleiche Note gab es auch im Gesamteindruck, dazu 8,5 in Galopp, Vermögen, Manier und Rittigkeit der Bewertungskommission. Der Fremdreiter sah die Rittigkeit bei 8,25 ebenfalls im deutlich guten Bereich.
Adelheidsdorf (Springen)
Die überragenden Springhengste in Adelheidsdorf waren Cashmere Blue und El Nino PS mit den Endnoten 8,85 bzw. 8,8.
Cashmere Blue v. Chacoon Blue – Kashmir van Schuttershof – Cumano war Siegerhengst der OS-Körung 2025. Er ist allerdings ein KWPN-Hengst, der bei dem Niederländer Egbert Schep zur Welt kam. Inzwischen ist er auf der Station Tebbel beheimatet. Die Mütter im fallenden Stamm waren sämtlich selbst im Sport aktiv und wurden daneben ausgiebig für die Zucht genutzt. Aus der Großmutter Isolde ES v. Cumano war in Vechta bereits einmal ein Prämienhengst ernannt worden, ein Sohn des Candy de Nantuel, den Egbert Schep bereits einsetzte, als seine Vollschwester Hello Folie noch nicht in aller Munde war. Aus dem Stamm gingen unter anderem auch die Holsteiner Hengste Acrobat I – III sowie Acord I – III hervor.
Cashmere Blue, dessen Vater Chacoon Blue vor wenigen Wochen nach einem Reheschub infolge einer Kolik-OP eingeschläfert werden musste, bestätigte seine Ernennung zum Siegerhengst seiner Körung auch unter dem Sattel. Seine Leistungsbereitschaft wurde mit einer glatten 10 bewertet, das Interieur mit 9,75, der Charakter mit 9,5. Die Galoppade war den Richtern eine 8,5 wert. Rittigkeit, Springvermögen und -manier sahen sie ebenso im „sehr guten“ Bereich (9,0) wie den Gesamteindruck. Die Fremdreiternote von 8,75 rundete das Bild ab.
Der bereits vierjährige El Nino PS v. Emerald van’t Ruytershof – Baloubet du Rouet – Heartbreaker musste sich nur knapp geschlagen geben. Der Zangersheider Hengst aus der Zucht des Belgiers Ben Pelsmaeker steht inzwischen im Besitz der Paul Schockemöhle Hengsthaltung. Seine Charakternoten wurden alle drei mit 9,5 bewertet. Dazu zeigte er auch ansprechende Grundgangarten mit je 7,5 für Trab und Schritt sowie 9,0 im Galopp. Rittigkeit, Vermögen und Gesamteindruck sahen die Richter bei 9,0, die Manier bei 8,5. Dieselbe Wertnote vergab auch der Fremdreiter.
Mit Acorezzo v. Arezzo – Corrado von der Station Schult und Con Berlin TU v. Conthargos – Caspar vom Ferienhof Stücker waren auch zwei im Rheinland angesiedelte Hengste in Adelheidsdorf im Einsatz – und das mit Erfolg. Beide erhielten Bewertungen über 8.
Der Hannoveraner Schimmel Acorezzo stammt aus der Zucht von Antonius Schulze Averdiek und war im vergangenen Jahr Prämienhengst der Hannoveraner Körung in Verden. Jetzt in Adelheidsdorf beendete er seinen Test mit einer 8,41 insgesamt, „sehr guten“ Interieurnoten und Springbewertungen von je 8,5.
Mit dem Rheinländer Con Berlin TU (für Züchter Hans-Gerd Terhoeven-Urselmans) hatte Adelheidsdorf den Reservesieger der Westfalen-Körung 2024 zu Gast. Auch bei ihm: Charakter sehr gut, Vermögen und Gesamteindruck 8,5. Zusammen mit den weiteren Noten ergab das eine 8,14 als Gesamtnote.
Adelheidsdorf Dressur
Ähnlich knapp wie bei den Springhengsten war die Entscheidung auch bei den Dressurhengsten in Adelheidsdorf. Der Schockemöhle-Hengst Donation PS kam auf eine 8,68, der Marbacher Landbeschäler Danubio auf eine 8,6.
Donation PS v. Debutant PS – Totilas – Dante Weltino ist ein Oldenburger, der in der Lewitz zur Welt kam und Siegerhengst der Mecklenburger Körung 2024 wurde. Seine Großmutter ist die wunderschöne Rappstute Dante’s Pearl, die sich dieses Jahr mit Charlott-Maria Schürmann für das Louisdor-Preis Finale qualifizieren konnte. Der Fuchs erhielt eine 9,5 im Interieur, eine 9 für Charakter und Temperament und eine 10 für seine Leistungsbereitschaft. Den Trab bewerteten die Richter mit 8,0, den Galopp 9,5 und den Schritt mit 8,5. Rittigkeit und Gesamteindruck sah die Bewertungskommission bei 8,5, der Fremdreiter vergab eine 9.
Der Westfale Danubio v. Damaschino – Dimaggio – Lord Loxley kam bei Karl-August Schulte-Varendorff zur Welt und frisst seinen Hafer inzwischen auf der schwäbischen Alb im Haupt- und Landgestüt Marbach. Auch bei ihm finden sich Grand Prix-Pferde, gekörte Hengste und Staatsprämienstuten im Mutterstamm. Vor allem aber überzeugt Danubio selbst: dreimal 10,0 für Interieur, Charakter und Leistungsbereitschaft. Dementsprechend auch die Rittigkeitsnoten von Richtern und Fremdreiter: 9,0. Dass Danubios Trab „nur“ eine 7,5 wert war, verwundert angesichts der Tatsache, dass der Fuchs im Rahmen der Hengstparade als Aktionstraber Szenenapplaus erhielt. Dafür glänzte er besonders in Galopp (8,5) und Schritt (9,0).
Auch unter den Dressurhengsten fand sich ein Nachwuchshengst mit rheinischen Wurzeln: Great Europe WP v. Glamourdale – Boston – Lancer II. Bei der Abstammung mag es bei dem einen oder anderen bereits klingeln. Tatsächlich handelt es sich bei dem Westfalen um den Halbbruder zum Burg-Pokal Zweiten und Louisdor-Preis qualifizierten Lord Europe (Leonie Richter). Werner und Heike Pleines aus Uedem sind die Züchter des Erfolgs. Zuhause ist Great Europe inzwischen auf der Station Rüscher-Konermann. Dort konnte man sich über eine Gesamtnote von 7,95 freuen. Hervorzuheben unter den Teilwertnoten die 9,0 für die inneren Werte und den Galopp. 8,5 gab es im Trab, im Schritt allerdings nur 6,0.
Alle Kataloge und Ergebnislisten gibt es unter hengstleistungspruefung.de.





