
Der Finaltag bei den Deutschen Meisterschafte in Balve brachte Isabell Werth ihren 20. Titel bei den Deutschen Meisterschaften der Dressurreiter. Auf den weiteren Treppchenplätzen konnten sich zwei „Newcomer“ über ihre ersten Medaillen in dieser Altersklasse freuen.


Nachdem Wendy de Fontaine in der Weltcupsaison durfte sie heute bei den Deutschen Meisterschaften pausieren und ist in der Kür nicht an den Start gegangen. „Wir wollen mit ihr noch weiter Ruhe und Gelassenheit in die Prüfungen bringen. Seit Hamburg hat sich dieser Weg schon gut bestätigt“, erklärt Werth diese Entscheidung. Damit war der Weg frei für Wendy Stallkollegen Viva Gold. Der schicke Fuchshengst hätte mit seinem Ergebnis gestern schon eine Medaille gewonnen, da das Reglement pro Reiter aber nur einen Platz auf dem Treppchen vorsieht musste er hiermit noch bis zur heutigen Kür warten. Viva Gold gewann bereits seine Kür-Premiere in Hamburg und auch heute war er laut Katrina Wüst, Chefrichterin bei C und absolute Kür-Expertin, eine Liga für sich. 83,65 Prozent standen am Ende für Wert und Viva Gold zu Buche. Der Hengst gewann damit den ersten Titel in seiner Karriere. Für seine Reiterin machte er mit dieser Leistung die 20 in Bezug auf die Medaillen bei Deutschen Meisterschaften voll. „Das war heute seine beste Prüfung. Er hat sich über die Tage wirklich toll weiterentwickelt“, lobt die Reiterin ihren vierbeinigen Sportpartner. Sie erklärt aber auch: „Wir sind mit ihm natürlich noch auf dem Findungspfad. Die Lektionen sind bei ihm nicht das Problem. Aber er muss natürlich noch weiter Kraft und Muskulatur aufbauen.“ Mit dieser Erläuterung bringt sie auf den Punkt, was man auf dem Viereck beobachten konnte. Der Hengst, der in seiner Ahnengalerie keine geringere als Weihegold OLD führt, ist in Bezug auf die Piaffen und Passagen sicherlich als Ausnahmetalent zu bezeichnen. Und auch in Bezug auf die Leistungsbereitschaft hat er in einer mit höchsten Schwierigkeiten gespickten Kür gezeigt, dass er fürs große Viereck gemacht ist. Man konnte aber eben auch sehen, dass er mit seinen zehn Jahren noch auf dem Weg dahin ist ein ausgereiftes Grand Prix Pferd zu werden. Die zwischendurch fehlende Kraft zeigte er zum Beispiel mit einem zeitweise offenen Maul. Eine leichte Irritation gab es dann auch als er in der Pirouette äppeln musste – der Hengst blieb fast stehen. „Das müssen wir zu Hause noch einmal üben. Aber ich bin froh, dass es an dieser Stelle der Kür passiert ist da hat es nicht ganz so viele Punkte gekostet“, schmunzelt seine Reiterin, die ihm diesen kleinen Aussetzer absolut nicht übelnahm.


Auch Semmieke Rothenberger kennt den Moment auf dem Treppchen zu stehen aus ihrer bisherigen Karriere schon gut. Vom Ponyalter an bis hin zur U25-Tour ritt sie von Erfolg zu Erfolg und hat dabei schon eine große Medaillensammlung angelegt. Dieser kann sie nun das erste Edelmetall im Senioren-Bereich hinzufügen. „Ich bin ehrlich gesagt noch ziemlich sprachlos. Ich bin einfach stolz auf mein Pferd, der hier wirklich toll für mich gekämpft hat“, fasst sie nach dem Ritt ihre Emotionen zusammen. Das Paar erzielte im Rahmen dieser Deutschen Meisterschaften gleich zwei Mal ein Personal Best. In der heutigen Kür knackten sie die 80-Prozent Marke und sicherten sich damit die Silbermedaille. 80,88 Prozent war den Richtern die Vorstellung wert. Besonders hohe Punkte sammelte das Paar hier in Bezug auf den Schwierigkeitsgrad der Kür, aber auch für die Choreografie, die Musik und den Gesamteindruck. Die Passagen waren ein weiteres Highlight der Vorstellung.


Seit der Pony-Tour kenne sich Raphael Netz und Semmieke Rothenberger gut und auch im weiteren Verlauf der beiden Karrieren kreuzten sich die Wege nicht selten bei gemeinsamen Championatsauftritten und anderen wichtigen Turnieren. Umso schöner, wenn man dann gemeinsam zum ersten Mal auf dem Podium bei den Senioren stehen darf, erzählt Semmieke Rothenberger. Netz, der mit zwei Pferden nach Balve gereist ist und in der Kür auf Great Escape Camelot setzte war nach der Kür vor allem eins: STOLZ! Mit einem Ergebnis von 79,03 Prozent kann er das auch durchaus sein. Mit viel Gefühl präsentiere er den Johnson-Sohn auf dem Viereck. Fehler in den Einerwechseln sorgten an dieser Stelle im Protokoll für tiefsten Noten. Ansonsten überzeugten die Beiden mit einer sehr gleichmäßigen und harmonischen Vorstellung. Auf die Frage wie die weitere Saisonplanung nun aussieht verriet Netz: „Die Pferde haben jetzt erst ein wenig Urlaub“ und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „Und ich auch.“ Allzu lange wird dieser aber wahrscheinlich nicht ausfallen, denn beim Nationenpreisturnier in Hagen ist Netz als Ersatzreiter fürs deutsche Team nominiert. Im Team sind Isabell Werth mit Wendy de Fontaine (Viva Gold wird als Ersatzpferd zur Verfügung stehen), Frederic Wandres mit Bluetooth OLD, Charlott-Maria Schürmann mit Dante’s Pearl und Semmieke Rothenberger mit Farrington. Doch auch die anderen deutschen Reiter haben die Chance sich in Hagen noch einmal zu präsentieren. „Wir haben 15 Startplätze in der Vier-Sterne-Tour. Da können wir genug Paaren eine Chance geben“, erklärt Klaus Roeser.





