
Fast schon ehrfürchtig still war die Atmosphäre in der Veranstaltungshalle, als die Drei-Sterne-Prüfung der schweren Klasse als krönender Abschluss des viertägigen Dressur-Events auf dem Kerkener Domselshof begann. Mit ruhiger, hochkonzentrierter Ausstrahlung präsentierten sich die neun Reiterpaare. Bereits beim Einreiten in versammeltem Trab wurde deutlich: Hier geht es um höchste Präzision, vollendete Harmonie und nahezu unsichtbare Hilfengebung. Jeder Tritt durchlässig, jede Bewegung Ausdruck jahrelanger Ausbildung und feinster Abstimmung zwischen Mensch und Pferd. Nach der abschließenden Grußaufstellung entlud sich förmlich die Spannung in verdientem Applaus. Ein bewegender Moment, der eindrucksvoll zeigte, was Dressur im Spitzensport bedeutet. Den Sieg in dieser höchstdotierten Prüfung sicherte sich Ricarda Mombach auf Don Piero, wobei Sophie Dammeyer vom RV Driesen Asperden-Kessel im Sattel von Volare B einen starken vierten Platz belegte.
Insgesamt standen 17 Prüfungen auf dem Turnierplan, darunter acht Wettbewerbe der Klasse S. Der sportliche Höhepunkt des Wochenendes, das Finale der Grand Prix Kür, eine anspruchsvolle Drei-Sterne-Prüfung, die Dressurkunst auf internationalem Niveau präsentierte. Perfekt choreografierte Programme, kreative Musikwahl und technische Höchstleistungen begeisterten das Publikum. Besonders eindrucksvoll waren die gleichmäßigen Galoppsprünge in den Pirouetten sowie der flüssige Bewegungsablauf in den Traversalen, bei denen Takt, Kadenz und Qualität stets erhalten blieben. Verdienter Beifall brandete von den Rängen auf, als die Europameisterin Katharina Hemmer auf dem Hannoveraner Wallach Slade erwartungsgemäß den Sieg holte. Platz zwei ging an Lisa Wernitzing vom RV Eversael auf Quintus. Für einen besonders emotionalen Moment sorgte Dressur-Ikone Isabell Werth. Die Rheinbergerin verabschiedete ihr Erfolgspferd Quintus offiziell aus dem großen Turniersport. Ein würdevoller Abschied eines echten Champions.
Ein weiteres Highlight bildete die Pony-Kür auf L-Niveau, bei der die jungen Talente mit erstaunlicher Reife und Präzision glänzten. Die Goldschleife sicherte sich Hannah-Charlotte Isbruch (Ober-Castrop) vor Charlotta Wittmann vom Neuss-Grefrather Reitclub. Ein Beweis für die gelungene Verbindung von Nachwuchs- und Spitzensport auf dem Domselshof. Bereits am ersten Turniertag durften sich die Zuschauer über hochklassigen Sport freuen, als Janine Drissen (PSG St. Georg Kevelaer) auf FS Blomberg in der S-Dressur auf Kandare den zweiten Platz hinter der Krefelderin Jessica Süß auf Dynoro NRW belegte.
Auch organisatorisch setzte das Equestrian Team um Sebastian Adams Maßstäbe. „Eine sehr gelungene Veranstaltung mit durchweg zufriedenen Reitern, tollem Sport an allen Tagen und optimalen Bedingungen. Nicht zuletzt dank der neuen Abreithalle“, resümierte Adams. Zwar habe es wetterbedingt einige Absagen gegeben, doch Lob von Teilnehmern und Zuschauern bestätigte das hohe Niveau des Turniers. Besonders hervorgehoben wurden die Liebe zum Detail und die professionelle Organisation, dem sich auch Katharina Hemmer im Siegerinterview anschloss und bereits ihr erneutes Kommen zusagte. Ein weiterer feierlicher Moment, die Verleihung des Goldenen Reitabzeichens an Martha Pickers vom Pappelhof. Eine verdiente Auszeichnung für ihre sportlichen Erfolge.
Stephan Derks
Foto: Sebastian Adams





