
Nicht nur die deutschen Vielseitigkeitsreiter kehren mit Medaillen zurück von ihrem Jahreshöhepunkt, der EM in Blenheim. Für die Ponyfahrer ging es in Haras du Pin um die Weltmeisterschaften. Und auch hier lief es hervorragend für Deutschland! Für die Springreiter ging es unter anderem um die FEI League of Nations in Frankreich und um Global Champions Tour Meriten in New York, USA.
Einmal Gold, zweimal Silber
Das französische Nationalgestüt Haras du Pin war Gastgeber der Weltmeisterschaften der Ponyfahrer. Eine kleine Sensation war der Titel von Tobias Bücker und Double Dream bei den Einspännern. Bis zur letzten Disziplin, dem Kegelfahren, lagen der Emsdettener und sein Pony knapp hinter der Schweizerin Vera Bütikofer. Dementsprechend musste Bücker als Vorletzter in den Kegelparcours und legte eine super Runde vor: kein Abwurf, nur 1,03 Strafpunkte für Zeitüberschreitung. Nun konnte er nur noch warten, ob Vera Bütikofer im Titelkampf die Nerven behalten würde. Tat sie nicht. Ein Ball fiel. Damit war Tobias Bücker mit 136,53 Strafpunkten Weltmeister und Bütikofer holte mit 138,39 Minuspunkten Silber.
Das war eine sensationelle Leistung, mit der Tobias Bücker nicht gerechnet hatte, obwohl er schon zweimal Weltmeister war, 2003 bei den Ein- und 2009 bei den Vierspännern: „Ich wusste, dass ich mit Double ein gutes Pony habe, aber ich habe ihn erst seit knapp zwei Jahren und wo wir international stehen, konnte ich nicht sagen. Ich hatte schon gehofft, dass wir vorne unter den Top sechs mitfahren werden, aber dass es so gut geklappt hat, ist schon Wahnsinn!“, sagte er im Gespräch mit der FN.
Bei den Vierspännern sicherte sich Steffen Brauchle die Silbermedaille, ganz knapp geschlagen von der Niederländerin Marijke Hammink. Patrick Harrer war der zweite deutsche Starter bei den Vierspännern und wurde Neunter. Zusammen mit den Einspännerfahrern Tobias Bücker und Anna Genkinger sowie den Zweispännern von Carl Holzum und Christof Weihe holten Brauchle und Harrer außerdem die Silbermedaille in der Mannschaftswertung. Mit 415,94 Minuspunkten musste Team Deutschland sich den Niederländern nur hauchdünn geschlagen geben. Die waren auf 414,83 Minuspunkte gekommen.
FEI League of Nations in St. Tropez

Zum ersten Mal richtete der Polo Club St. Tropez – Haras de Gassin einen Nationenpreis der Springreiter aus. Es war die letzte Etappe der FEI League of Nations vor dem großen Finale in Barcelona vom 2. bis 5. Oktober. Der Sieg ging mit 15 Strafpunkten an ein junges britisches Team: Tim Gredley auf Medoc de Toxandria (8/0), Jack Whitaker mit Jack JL (0/4) und die beiden Nationenpreis-Debütanten Adrian Whiteway im Sattel von Chacco Volo (1/2) sowie Mark Edwards auf Dillinger NE (EL/-).
Mit jeweils nur einem Strafpunkt Abstand mussten sich die Italiener (16) und die belgischen Europameister (17) knapp geschlagen geben.
Dass es an der Spitze so eng war, war das Pech für Deutschland. Otto Beckers Team hatte mit fünf Strafpunkten im ersten Umlauf die beste Leistung gezeigt. Daniel Deußer auf Othello de Guldenboom war ebenso fehlerfrei geblieben wie Sandra Auffarth und Quirici H. Einen super Nationenpreis-Einstand mit dem neun Jahre jungen Diamant de Semilly-Sohn Quirazo van het Merelsnest feierte die WM Mannschafts-Dritte von 2018, Laura Klaphake mit jeweils fünf Strafpunkten in beiden Umläufen. Schlusspaar für Deutschland in Runde eins waren Europameister Richard Vogel und Cloudio. Sie kassierten drei Abwürfe. Damit war klar, welcher der vier Reiter im zweiten Umlauf zuschauen musste. Denn so ist es die Regel bei den FEI League of Nations-Nationenpreisen: Im zweiten Umlauf gehen nur noch drei Paare an den Start. Hier hatten alle drei deutschen Paare einen Abwurf, Klaphake zusätzlich den Zeitstrafpunkt. Das bedeutete Rang vier mit 18 Fehlern. Ein Abwurf weniger und es wäre der Sieg gewesen. Pech!
CSI2* Grand Prix für Vogel
Trost für Richard Vogel: Ehe am Nachmittag der Nationenpreis losging, konnte er sich auf einem neuen Pferd den Großen Preis der Zwei-Sterne-Tour über 1,45 Meter sichern. Das neue Pferd ist ein neunjähriger französischer Kannan-Sohn mit Namen Gangster Montdesier, der von dem Franzosen Simon Lorraine in den Sport gebracht worden war, letztes Jahr kurzzeitig unter Cian O’Connor ging, dann an die Dänin Karoline Sloth Kjær und seit Mai mit Jana Wargers. Zuletzt probierte Angelica Agustosson Zanotelli einmal ihr Glück mit Gangster Montdesir. St. Tropez war nun das erste Turnier mit Richard Vogel – und zugleich der erste Sieg in einem Großen Preis.
Im Großen Preis der Fünf-Sterne-Tour konnte kein deutsches Paar ins Geld springen. Sandra Auffarth und Quirici H verpassten die Platzierung mit einem Abwurf im ersten Umlauf knapp. Bei Deußer und Gangster v/h Noddevelt kam noch ein Zeitfehler hinzu. Laura Klaphake und Quizano hatten acht Fehler. Vogel und Cloudio waren auch hier schon mit zwölf Strafpunkten ins Ziel gekommen. Sieger wurde der US-Reiter Karl Cook auf Superstute Caracole de la Roque, mit der er letztes Jahr olympisches Mannschaftssilber holte.
Gilles Thomas brilliert im Big Apple

Der Liberty State Park in New York war die Kulisse für die zwölfte Etappe der Global Champions Tour 2025. Der belgische Mannschaftseuropameister und Dritte der Einzelwertung, Gilles Thomas, demonstrierte eindrucksvoll, dass er für die Zukunft neben Superstar Ermitage Kalone auch noch weitere Eisen im Feuer hat. Die neun Jahre junge Qalista DN v. Emerald ist jedenfalls eines mit Zukunft. Seit Mai letzten Jahres hat Gilles Thomas die BWP-Stute unter seinen Fittichen. Nach mehreren herausragenden Platzierungen in dieser Saison (Vierte in St. Tropez, Dritte in Valkenswaard) war der gestrige Sieg der bislang größte Erfolg des Paares.
Dahinter reihten sich Thibault Philippaerts auf Pittman v/h Lilleveld und Nadja Peter Steiner mit Nice van’t Zorgvliet ein. Für beide war es die erste Top drei-Platzierung bei einer Global Champions Tour Etappe. Und da sich Gilles Thomas seine Fahrkarte zum „Super Grand Prix“ der Serie in Prag schon bei einer vorherigen Gelegenheit geholt hat, kann sich Thibault auf seinen ersten Auftritt dort freuen. Er kennt das Turnier allerdings bereits gut. Schließlich waren dort schon seine älteren Brüder Nicola und Olivier am Start.
Von den deutschen Paaren konnte sich keiner fürs Stechen qualifizieren. Maximilian Weishaupt und Zuccero hatten ebenso vier Fehler wie, sein Bruder Philipp mit Oreo D.R. und Marco Kutscher auf Aventador S. Acht wurden es bei Sophie Hinners und Combella, neun bei Marcus Ehning und Flower Girl.





