Libussa Lübbeke und Caramia. Foto: bpiht.co.uk
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EM Blenheim: Team GER in Führung nach Dressur Teil I

Libussa Lübbeke und Caramia. Foto: bpiht.co.uk
Libussa Lübbeke und Caramia. Foto: bpiht.co.uk

Besser hätte die Europameisterschaft der Vielseitigkeitsreiter im britischen Blenheim aus deutscher Sicht kaum beginnen können. Nach dem heutigen ersten Dressurtag belegen die ersten drei deutschen Starter die Plätze eins, zwei und neun. Die Einzelheiten

Libussa Lübbeke und Cara Mia waren heute um 11.05 Uhr erstes deutsches Paar auf dem Rasenviereck von Blenheim. Für die 24-Jährige ist Blenheim das erste Seniorenchampionat. Offensichtlich kein Grund, die Nerven zu verlieren für Lübbeke, die dieses Jahr unter anderem auch schon den Gesamtsieg im U25-Förderpreis in der Tasche hat. Mit ihrer Caramia, von der Familie selbst gezogen, von ihrem Bruder bis 2019 erfolgreich eingesetzt und jetzt mit ihr bis CCI5*-L erfahren (u.a. Platz 10 in Kentucky 2025), lieferte sie eine runde Prüfung, die mit 71,67 Prozent oder 28,3 Minuspunkten bewertet wurde.

Dass sie heute als erstes Paar ins Viereck mussten, habe sie als etwas „besonderes“ erlebt, sagte Libussa nach ihrem Ritt. „Gerade mit der Geschichte, dass man Anfang des Jahres noch gar nicht gedacht hätte, hier zu landen. Und dass man jetzt hier im Team reiten darf, das ist schon etwas besonderes und ein Ritterschlag, als erster Reiter in den ganzen Kurs geschickt zu werden.“ Doch bei aller Besonderheit: „Ich hatte das Glück, dass ich schon oft erster Reiter der Mannschaft sein durfte. Dementsprechend habe ein einfach die Routine abgerufen. Auf das Pferd kann man sich verlassen und dann macht das echt Spaß!“

Libussa und Caramia – die beiden kennen sich in- und auswendig. Die Hannoveraner Comte-Tochter ist ein Familienprojekt, selbst gezogen und zunächst von Libussas Bruder Fritz Ludwig ausgebildet, ehe sie 2019 die Zügel übernahm, weil ihr Bruder studiumsbedingt kürzer treten musste. „Seitdem habe ich mich mit ihr so zusammengefuchst, dass man von sich von Stern zu Stern vorgearbeitet hat und jetzt auf Fünf-Sterne- bzw. Championatsniveau angekommen ist. Wenn man sich das vor Augen hält, kann man es kaum fassen“, sagt sie. Dieses Wochenende haben sie die Chance zu beweisen, dass sie genau da sind, wohin sie gehören. Heute hat das schon mal hervorragend geklappt.

Malin Hansen-Hotopp

Libussa Lübbekes und Caramias Vorstellung reichte so lange für die Führung bis Malin Hansen-Hotopp und ihr 13-jähriger Holsteiner Wallach Carlitos Quidditch K als zweites Paar fürs deutsche Team aufs Viereck gingen. Das Paar aus Gransebieth in Mecklenburg-Vorpommern verbindet eine Geschichte mit Blenheim. Man kann sagen, hier hatten sie 2022 ihren finalen Durchbruch als sie den CCI4*-L für sich entschieden. Zwar konnten sie sich auch schon vorher auf Vier-Sterne-Niveau behaupten, aber ab diesem Moment kannte jeder die beiden. Ihr Championatsdebüt haben sie ein Jahr später bei der EM in Haras du Pin gegeben, wo sie Silber mit der Mannschaft gewannen.

Ihre Dressurleistung von damals haben sie heute bereits deutlich übertroffen. Damals waren es 31,5 Minuspunkte, heute kamen sie nach einer frischen, ausdrucksstarken und weitgehend durchlässigen Vorstellung mit 27,8 Minuspunkten aus dem Viereck – trotz eines übermütigen Hüpfers von Quidditch beim Angaloppieren nach der Schritttour.

Malin Hansen-Hotopps Fazit nach ihrem Ritt: „Ich bin sehr happy. Ich war ein bisschen skeptisch, weil er doch sehr ,an‘ war draußen und er auch ein bisschen guckig war, als ich reinkam. Ich habe mir bei Ingrid (Klimke) abgeschaut: dann erstmal nach vorne, damit der Druck rauskommt. Und ich glaube, bis auf den kleinen Bocker beim Angaloppieren war es wirklich toll!“

Nicolai Aldinger

Als erstes deutsches Einzelpaar waren heute Nicolai Aldinger und sein Holsteiner Schimmel Timmo an der Reihe. Auch für sie war es ein guter Auftakt in Blenheim mit 32,7 Minuspunkten. Obwohl auch Timmo heute schon in Cross-Laune war, wie sein Reiter berichtet. „Das ist sein Geländewetter“, weiß er. Und als bei der parallel stattfindenden Prüfung für acht- und neunjährige Nachwuchspferde gepfiffen wurde, seien Timmos Ohren „hoch gegangen“. Dafür hat er sich aber gut zusammengerissen, so dass Aldinger nach Tag eins auf dem Viereck Neunter ist.

Fazit und Ausblick auf das Gelände

„Perfekt gelaufen“, lautete das spontane Fazit von Bundestrainer Peter Thomsen nach der heutigen Dressur. Obwohl es hier „ja immer irgendetwas zu verbessern“ gebe. „Über die Platzziffern eins, zwei und neun freuen wir uns. Aber morgen geht es weiter. Und die Schlacht wird am Samstag im Gelände und dann im Springen entschieden“, lenkte er den Fokus auf die Herzstücke der EM am Samstag und Sonntag.

Ich finde das Gelände für ein Championat sehr sehr gut aufgebaut. Es ist ungefährlich, sehr fair, aber technisch am obersten Level, konditionell am obersten Level und hat eben viele typisch britische Elemente, wie zum Beispiel das in den Fluss reinspringen oder das Coffin in den Wald hinein. Da sind alle Abfragen, die Gelände anbieten kann, auch wirklich abgefragt. Man muss drei schnelle, fehlerfreie Runden haben, dann ist man in den Medaillen. Darauf bereiten wir uns vor, das versuchen wir.“

Ob es schwierig sein wird, in die Zeit zu reiten? „Ja, absolut“, ist der Mannschaftsolympiasieger von 2008 und 2012 überzeugt. „Ich glaube, es wird vielleicht gar keiner schaffen, vielleicht ein oder zwei. Wir werden sehen. Aber wenn man zu sehr die Zeit jagt, hat man auch ganz schnell einen Flaggenfehler, MIM oder eine Verweigerung.“

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