
Wie bei den siebenjährigen war es auch bei den sechsjährigen Dressurpferden ein Hengst, der allen die Show gestohlen hat: Viva Vitalis unter Lukas Fischer.
Schon als er unter Lukas Fischer hereingeschwebt kam und lauthals wieherte, ließ der Oldenburger Hengst Viva Vitalis v. Vitalis-For Romance jeden wissen: Achtung, hier kommt etwas Besonderes. Der langbeinige, elastische und dabei doch mit der nötigen Stabilität ausgestattete Fuchs kam im Gestüt Lewitz zur Welt und war Siegerhengst der Mecklenburger Körung 2021. Er ist ein Enkel der berühmten Gesina v. Sir Donnerhall, die neben Bundeschampionesse Fasine unter anderem zehn gekörte Hengste brachte sowie drei S***-Pferde.
Man kann also sagen: Viva Vitalis ist erblich vorbelastet. Und er wird seinen Ahnen gerecht mit drei überdurchschnittlichen Grundgangarten. Aber das ist nicht alles. Der Hengst wieherte zwar sowohl heute als auch schon in der Qualifikation während der ganzen Aufgabe. Aber er machte sich dabei weder fest noch ließ er sich von seinem eigentlichen Job ablenken. Einzig in der ersten Schrittpirouette verlor er einmal den Takt. Aber im Mittel- und im starken Schritt war er sofort bereit, den Hals fallen zu lassen, sich an die Hand heranzudehnen, und fleißig durch den Körper zu marschieren. Eine 8,5 gab es hier, eine 9,3 im Trab und eine 9,5 im Galopp. Absolutes Highlight der Prüfung waren die fliegenden Wechsel: bombensicher auf die Hilfen, bergauf, locker durch den Körper und mit einer Balance, wie man sie sich schöner nicht wünschen könnte.
Trotz des Wieherns gaben die Richter auch in der Durchlässigkeit eine 9,0. „Ja, er wiehert“, erklärte Nicole Nockemann, die die Bewertungen der Richter in Worte kleidete. „Aber das ist das natürliche Geräusch eines Hengstes und er war nicht so abgelenkt, dass er nicht immer zu seinem Reiter zurückgefunden hätte.“
Der war heute offenbar so begeistert von seinem Pferd, dass ihm kurzzeitig der Weg im Viereck abhanden ging und er die zweite Kehrtvolte vergaß. Das Klingeln der Richterglocke rüttelte ihn wach. Das gab Abzug, aber das war schlussendlich auch egal, denn die beiden gewannen mit Riesenvorsprung. Die Endnote lautete: 8,96.
Silber ins Rheinland

Als Charlotte Tollhopf und Galleria’s Fancy Fergie die erste Hälfte der Finalprüfung hinter sich hatten, sah es so aus, als könnten sie dem Siegerpaar gefährlich werden. Schon in der Qualifikation hatten sie mit der zweithöchsten Gesamtnote die zweite Abteilung gewonnen. Und auch heute begannen die 28-Jährige Ausbilderin aus Mönchengladbach und die Hannoveraner Stute v. For Romance-Catoo stark. Zur Welt kam Fancy Fergie auf dem Hof Brüning – gezogen aus einem Holsteiner Springstamm. Vierjährig kam sie zu Charlotte Tollhopf in Beritt, fünfjährig waren die beiden Finalisten bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde. Sie kennen sich also gut. Das merkt man.
Geschmeidig, erhaben, leichtfüßig und elegant mit viel Gleichmaß und Selbstverständlichkeit arbeiteten sich Tollhopf und Fancy Fergie durch die Trabreprisen der schwierigen Finalaufgabe der Sechsjährigen (8,8). Auch die Schritttour war super – und zwar auch in der Rückführung, 9,0. In der Galopptour zeigte die Stute dann noch kleine Unsicherheiten, die dazu führten, dass die Harmonie etwas verloren ging und sich Fehler einschlichen. Im starken Galopp hätten die Richter sich zudem mehr Bodengewinn gewünscht, 8,3. Die Fehler wirkten sich auch auf die Durchlässigkeitsnote aus, 8,0.
Doch das änderte nichts an der Perspektive der Stute als Dressurpferd. Hier gab es die 8,5, so dass die beiden in Summe auf eine 8,52 kamen. Das war die Silbermedaille.
Charlotte Tollhopf strahlte: „Sie war Donnerstag noch einen Tick entspannter. Aber bei der Kulisse – ich könnte nicht glücklicher sein.“ Darauf angesprochen, was das besondere an Fancy Fergie sei, muss Charlotte nicht lange überlegen: „Ihr Charakter!“ Heißt konkret: „Verschmust – einfach total toll!“
Bronze für Be my Dancer
Die imposanten Fuchshengste standen heute hoch in der Gunst der Richter. Einer dieser Sorte ist auch der Westfale Be my Dancer v. Benicio-Vivaldi aus der Zucht von Leonie und Georg Kellerwessel, vorgestellt von Friederike Kampmeyer, die zusammen mit Mathieu Beckmann auch Mitbesitzerin des Kraftprotzes ist. Im Trab wurde der Hengst hinten recht breit, hier gab es die 7,5. Aber in Schritt- und Galopptour rissen die beiden es raus: 8,8 und 9,0. Die Durchlässigkeit wurde mit 8,4 bewertet, die Perspektive mit 8,5. Das bedeutete 8,44 insgesamt und die Bronzemedaille.
Platz acht für Frenzen und Livorno
Mit einer 8,1 waren Dr. Annabel Frenzen und der Hannoveraner Wallach Livorno v. Livaldon-Dancer (Z.: Mila-Daytona Piedade) zweitbestes rheinisches Paar. Sie belegten Rang acht.
Einziger Vertreter des rheinischen Pferdestammbuchs im Finale war Gut Wettlkam’s Erste Sahne v. Escamillo-Sir Donnerhall aus der Zucht von Hanne Schleupen. Der Hengst hatte seine Karriere im Gestüt Rickhof begonnen und gewann vier- und fünfjährig den Sporttest für gekörte Hengste, ehe er in den Besitz von Fußballstar Thomas Müller wechselte und nach Bayern zog. Inzwischen wird er von Johanna Wadenspanner präsentiert.
Über weite Teile der Aufgabe wurde der Hengst seinem Namen voll gerecht, verlor aber Schritt in der Rückführung heute den klaren Viertakt und hatte dann noch beim letzten fliegenden Wechsel einen dicken Patzer. Das minderte gleich mehrere Teilnoten (Schritt 6,5, Durchlässigkeit 7,0, Perspektive 7,5). Alles in allem belegte der Hengst heute mit einer 7,6 Rang 15.





