
Das Publikum hätte anders entschieden und gab das den Richtern auch lautstark zu verstehen. Doch am Ende war die Rangierung im Finale beim Bundeschampionat der vierjährigen Hengste die gleiche wie in der Qualifikation: Esquire siegte vor dem Celler Landbeschäler Benjamin Franklin.
Mit Buhrufen quittierten die Zuschauer die Gesamtnote 9,3, die Peter Mannheims, Dr. Carsten Munk und Peter Olsson dem Oldenburger Hengst Esquire v. Escolar-Fürst Heinrich unter Eva Möller heute zugedacht hatten. „Sie können gern ,Buh!‘ rufen, damit müssen wir leben!“, nahm der kommentierende Richter Peter Olsson den Protest gelassen und fügte sachlich hinzu: „Wir haben hier ein komplettes Pferd mit drei sehr guten bis ausgezeichneten Grundgangarten gesehen.“
Dementsprechend waren die Wertnoten: 9,0 für den Trab, 9,5 für den Galopp 10,0 im Schritt. Hinzu kamen jeweils 9,0 für Rittigkeit und Exterieur.
In der Qualifikation hatte Esquire noch eine 10,0 in der Rittigkeit bekommen. Heute wirkte der kompakte Braune mit dem Ponykopf insbesondere unter der Fremdreiterin Claire-Louise Averkorn zum Schluss etwas müde – was ja auch kein Wunder nach mehreren Tagen Championatsatmosphäre, Stallzelt usw. ist. Trotzdem habe der Hengst jederzeit „seine Aufgabe erfüllt“, betonten die Richter.
Zuschauerliebling
In der Gunst des Publikums stand der Hannoveraner Hengst Benjamin Franklin v. Bon Vivaldi-Royal Blend aus der Zucht von Wilhelm Kamps am höchsten. Janina Tietze stellte ihn für das Landgestüt Celle für eine 9,2 vor (Trab: 9,5, Galopp 10,0, Schritt: 8,0, Rittigkeit 9,5, Exterieur: 9,0).
Bis auf die Farbe (beide braun) haben die beiden Hengste wenig gemein. Esquire ist ein richtiges Kraftpaket, in sich geschlossen und stabil und so bewegt er sich auch. Benjamin Franklin ist deutlich langliniger und eleganter. Die Bewegungen gingen geschmeidig durch den Körper, dabei locker, natürlich und stets ins Bergauf, aber nicht ganz so kraftvoll im Hinterbein wie bei Esquire. Auch kam der Hengst unter seiner eigenen Reiterin immer mal wieder hinter den Zügel. Doch Averkorn habe ein „sehr sehr gutes Reitgefühl“ auf ihm gehabt, betonte Olsson, als er die 9,5 begründete. Trotzdem, diesmal wurde es Silber.
Nochmal Bronze für das Gestüt von Bellin
Bereits bei den vierjährigen Stuten und Wallachen hatte ein Lord Europe-Sohn der Gestüt MJS von Bellin GmbH & Co. KG Bronze gewonnen: Lord Löwenherz von Bellin. Bei den vierjährigen Hengsten war es Louis Löwenherz von Bellin, der die zweite Bronzemedaille für das Gestüt von Monic Johanna Schmidheiny in Brandenburg holte. Während sein Halbbruder unter Ellen Richter ging, saß deren Schwester Leonie im Sattel von Louis Löwenherz. Der langbeinige Hannoveraner mit einer Don Index-Mutter aus der Zucht von Kerstin Klieber überzeugte insbesondere in Trab und Galopp, wo er mit 9,0 und 8,5 bewertet wurde. Der Schritt könnte mehr Raumgriff vertragen, wurde mit 7,5 bewertet. 8,5 gab es für die Rittigkeit, 9,5 für sein elegantes Erscheinungsbild und sein Exterieur.
Über den Champion
Esquire stammt aus der Zucht von Maria Burczyk. Die hatte ihn im Vorfeld der Oldenburger Hauptkörung 2023 an Maurice Tebbel verkauft, der ihn dann in Vechta präsentierte. Dort wurde der Escolar-Sohn mit dem Titel des Reservesiegers ausgezeichnet und wechselte dann über die Auktion in Oldenburger Besitz. Er hatte dieses Jahr bereits bei seiner Leistungsprüfung und beim Landeschampionat überzeugt. Und auch wenn die Zuschauer laut buhten, sahen es diejenigen, die beim Spectator Judging mitgemacht haben, genauso wie die Richter – sie setzten ihn mit 8,8 vor Benjamin Franklin mit 8,7.





