
Der deutsche Vielseitigkeitskalender ist um eine weitere Vier-Sterne-Kurzprüfung reicher. Der Pferdezucht- und Reitverein Luhmühlen e.V. hat beschlossen, ein weiteres Turnierwochenende anzubieten, bei dem vom CCI1*-Intro bis zur Vier-Sterne-Prüfung alles vertreten ist. Das wurde gut angenommen. Mehr als 300 Nennungen sprechen für sich und die Qualität des Starterfeldes auch. Mehr als gut behauptet haben sich Ben Leuwer und Brandon Schäfer-Gehrau.
Außer der großen Vielseitigkeit im Juni mit Fünf-Sterne-Prüfung und den Deutschen Senioren-Meisterschaften, die von der TGL Luhmühlen ausgerichtet wird, ist der Pferdezucht- und Reitverein Luhmühlen e.V. Gastgeber sämtlicher Buschturniere in der Heide. Das waren bislang die CCI1*/2* und 3*-Turniere im März und im April und die Deutschen Jugendmeisterschaften. Letztes Wochenende feierte nun das erste CCI4*-S Turnier des PZRV Premiere. Es ist die sechste Vier-Sterne-Vielseitigkeit in Deutschland.
Die hatte es in sich. Von 35 Vier-Sterne-Startern haben nur 16 die Prüfung beendet. Herausragender Reiter des Wochenendes (und überhaupt) war Andrew Hoy. Der 66 Jahre junge Australier, der seine ersten Olympischen Spiele im Jahr 1984 bestritt, seither achtmal dabei war und dabei drei Mannschaftsgold-, eine Mannschaftssilber- und dazu noch eine Einzel-Silber und eine Einzelbronzemedaille gewonnen hat, hatte zwei Pferde in Luhmühlen am Start und belegte die Plätze eins und zwei.
Siegreich war er mit seinem Olympiabronze- und -siilbermedaillengewinner von Tokio, dem inzwischen 16-jährigen Franzosen Vassily de Lassos. Der Jaguar Mail-Sohn hatte die zweitbeste Dressur geliefert mit 29,8 Minuspunkten. Im Parcours kassierten sie zwei Abwürfe, im Gelände sechs Zeitstrafpunkte. Das Ergab unter dem Strich 43,8 Minuspunkte. Doch die reichten, um Vassilys Stallkollegen Gulliver des Lones mit 45,1 Minuspunkten auf Rang zwei zu verweisen.
Gulliver des Lones ist ein erst neunjähriger französischer Upsilon-Sohn und kein Unbekannter. Mit dem Franzosen Alexis Goury nahm er zweimal an Weltmeisterschaften der jungen Vielseitigkeitspferde teil. Seit Beginn des Jahres steht er nun im Besitz von Hoy. Ihre Turnierpremiere gaben sie beim Aachener Jump and Drive. Dass dies ein Sprungbrett für eine große Karriere sein kann, hat schon Julia Krajewskis Nickel bewiesen. Gulliver des Lones wurde danach Fünfter im CCI3* von Jardy mit Hoy und hat in Luhmühlen seine Vier-Sterne-Premiere mit Bravour gemeistert. Nach der 33,1 Minuspunkte-Dressur waren sie Achte. Durch einen fehlerfreien Springparcours konnten sie sich schon auf Rang vier vorarbeiten. Im Gelände ließ Hoy dem auf diesem Niveau noch unerfahrenen Schimmel Zeit und nahm zwölf Zeitfehler in Kauf.
Das beste deutsche Paar waren Libussa Lübbeke und Benedetta, die mit 48,9 Minuspunkten einen tollen dritten Platz belegten. Für die 24-jährige Libussa, die bei der EM in Blenheim ihrem ersten Championatseinsatz entgegensieht, dürfte dies die beste mentale Vorbereitung sein, die sie sich nur wünschen konnte. Es ist ihr bislang bestes Vier-Sterne-Ergebnis, und das mit der erst zehnjährigen selbst gezogenen und ausgebildeten Schimmelstute v. Bonaparte AA, die übrigens eine Halbschwester zu EM-Stute Caramia ist.
Rheinische Erfolge
In Marbach hatten das Rodderberger Duo Ben Leuwer und Quincent ihre erste gemeinsame Vier-Sterne-Prüfung bestritten. Da schieden sie noch aus. In Wiesbaden wurden sie jedoch bereits Achte. Und Platz acht wurde es auch in dieser anspruchsvollen Prüfung in Luhmühlen. In der Dressur hatten sie 35,5 Minuspunkte kassiert. Im Parcours kam ein Springfehler hinzu, im Cross waren es 20,4 Zeit-, aber kein Hindernisfehler. Machten unter dem Strich 59,9 Minuspunkte.
Brandon Schäfer-Gehrau, setzte seiner mega Saison, in der er bislang schon acht Prüfung hatte gewinnen können, noch ein weiteres Krönchen auf. Mit der neunjährigen Zangersheider Stute Perseverance Luxery From Second Life Z (v. Levisto) gewann er die die CCI2*-S Abteilung der Reiter des Jahrgangs 1999 und jünger. Es war ein Start-Ziel-Sieg mit Dressurergebnis. 25,1 Minuspunkte hatten die Richter dem Paar im Viereck gegeben und dabei beließen sie es auch.
Platz zwei, ebenfalls mit ihrem Dressurergebnis von 26,1 Minuspunkten, ging an Felicia von Baath und Donna Fiderella. Platz drei ging an die Mannschaftseuropameister der Junioren von 2023 und 2024, Matti Garlichs und Ludwig. Für den noch 18-Jährigen kamen zum drittbesten Dressurergebnis von 28,8 Minuspunkten lediglich 0,8 Zeitfehler im Cross hinzu.
Über Platz zehn konnte sich mit Anna Lena Schaaf, die gebürtig aus Vörde stammt, eine weitere Vertreterin des Rheinlands freuen. Sie stellte ihre Nachwuchshoffnung Kilcooley Kalbarri vor, einen neunjährigen Iren, der zum Teil dem Schweizer Felix Vogg gehört. Der Wallach ist fast ein reiner Vollblüter mit einem irischen Mutterstamm, aber Vollblut-Vater und Mutter-Vater. Letzterer ist Master Imp xx, einer der erfolgreichsten Vielseitigkeitsvererber überhaupt. Mit Anna Lena Schaaf bildet Kilcooley Kalbarri erst seit einigen Monaten ein Paar. Felix Vogg hatte ihn bei seinen ersten internationalen Prüfungen vorgestellt. 2023 und Anfang 2024 ging er unter Jana Lehmkuhl, ehe Vogg ihn zurücknahm und schon siegreich auf Zwei-Sterne-Niveau präsentierte. Anna Lena Schaaf ritt den Wallach bei den CCI2*-Prüfungen Ende Juni in Luhmühlen und Anfang August in Hamm, war aber nicht platziert. Aber aller guten Dinge sind ja drei, nun hat es geklappt. Nach einer 31,7 Minuspunkte Dressur gab es einen Abwurf im Springen. Doch im Gelände waren sie null und in der Zeit.
Junge Talente
Im CCI1*-Intro stellten sowohl Brandon Schäfer-Gehrau als auch Calvin Böckmann zwei erst siebenjährige Nachwuchshoffnungen vor. Schäfer-Gehrau ritt Perseverance Sheer Magic v. Diacontinus mit nur zwei Zeitfehlern im Gelände zusätzlich zu 29,5 Minuspunkten aus der Dressur auf den siebten Platz. Damit hat der Hannoveraner einmal mehr die Einschätzung seines Reiters bestätigt, dass in ihm ein Buschpferd steckt. Denn eigentlich hatte Sheer Magic seine Karriere im Parcours begonnen. Dies war seine dritte Vielseitigkeitsprüfung.
Ein weiteres erst siebenjähriges Talent, dass seine Qualitäten schon in Parcours und Cross bewiesen hat, ist Calvin Böckmanns Bubine P, eine Tochter des Bubalu VDL aus dem Mutterstamm von Ingrid Klimkes Jungpferdeweltmeisterin Asha P. Auch für sie war es erst die dritte Vielseitigkeit. Mit 33,2 Minuspunkten aus der Dressur waren Böckmann und Bubine als 18. in den Wettkampf gestartet. Dabei beließen sie es. Das war am Ende Rang neun.





