Mit neuer Zäumung zurück in der Erfolgsspur: United Touch S und Richard Vogel. Foto: LONGINES CHI CLASSICS Basel 2026 / Katja Stuppia
Mit neuer Zäumung zurück in der Erfolgsspur: United Touch S und Richard Vogel. Foto: LONGINES CHI CLASSICS Basel 2026 / Katja Stuppia

Werth und Vogel dominieren Weltcup in Basel

Mit neuer Zäumung zurück in der Erfolgsspur: United Touch S und Richard Vogel. Foto: LONGINES CHI CLASSICS Basel 2026 / Katja Stuppia
Mit neuer Zäumung zurück in der Erfolgsspur: United Touch S und Richard Vogel. Foto: LONGINES CHI CLASSICS Basel 2026 / Katja Stuppia

Die Erkenntnisse vom Wochenende beim Weltcup-Turnier in Basel – Dressur: Wendy mag es nicht windy. Springen: Nicht verzagen, Epaillard fragen!

Der Grand Prix von Isabell Werth und Wendy war spannend. Die Stute war sichtlich angespannt und ihre Energie entlud sich in der Galopptour. Als Grund dafür hatte Isabell Werth den Wind ausgemacht, der durch Abreitezelt pfiff und wohl auch an dessen Wänden rüttelte. Jedenfalls hatte sie dem Lob für die Veranstalter („Basel ist einfach wunderbar, es ist einfach ein tolles Turnier.“) in der Pressekonferenz nach dem Grand Prix auch noch einen Nebensatz angehängt: „Jetzt müssen wir den Wind beim Abreitzelt noch ein bisschen abstellen, das wird Herr Straumann aber sicher hinkriegen.“

Ob Turnierchef Thomas Staumann „es hingekriegt hat“, der Wind sich gelegt hatte oder Wendy sich an klappernde Zeltplanen gewöhnt hat, jedenfalls war die Stute in der Kür konzentrierter und gewann sie 86,155 Prozent – obwohl die Einerwechsel nach wie vor ein Problem darstellten.

Wäre der Sieger per Applausometer gekürt worden, hätte das Schweizer Duo Charlotta „Kiki“ Rogerson und Bonheur de la Vie die Ehrenrunde angeführt. Die 28-Jährige und ihr von Sandra Nuxoll ausgebildeter Bordeaux-Sohn, Louisdor-Preis Sieger 2021, setzten auf ihr Personal Best und Rang zwei im Grand Prix in der Kür noch einen drauf: 81,290 Prozent, wieder Platz zwei, wieder eine neue Bestmarke. Rogerson: „Es ist unfassbar. Ich kann immer noch nicht glauben, was hier gerade passiert. Bonheur ist ein tolles Pferd und wir fangen an, uns im Viereck immer besser zu verstehen. Ich bin so dankbar für diese Chance, dieses Pferd … Das ist ein Traum der wahr wird. Ich muss mich immer noch kneifen.“

Platz drei ging erneut an Raphael Netz und seinen energiegeladenen Gummiball Dieudonné. 80,725 Prozent vergaben die Richter. Mit dieser Platzierung konnte Netz seine Führung in der Gesamtwertung des Weltcups weiter ausbauen. Er war zufrieden: „Dieudonné war heute konzentriert, was nicht immer der Fall ist. Das ist erst sein zweites Weltcup-Turnier und er muss sich immer noch an Hallen wie diese und so viele Zuschauer gewöhnen“, so Netz.

Darauf angesprochen, ob sie mit Wendy das Weltcup-Finale in Fort Worth, Texas, reiten wird, erklärte Isabell Werth, der Fokus mit ihrer Olympia-Silber- und EM-Bronzemedaillengewinnerin liege auf der WM in Aachen. Aber mit Quantaz peile sie das Weltcup-Finale an.

Vogel siegt mit Epaillards Hilfe

Auch für die Springreiter war Basel Weltcup-Station. Mit dabei: Europameister Richard Vogel, der wohl der einzige Reiter weltweit ist, der am zweiten Wochenende des Jahres schon Schleifen auf drei Turnierplätzen auf zwei Kontinenten gesammelt hat. In Basel hatte er sein Toppferd dabei, United Touch S. Der hatte bei den letzten großen Prüfungen wie Genf oder Stuttgart in den wichtigen Springen immer einen Abwurf. Das bereitete Vogel Kopfzerbrechen und er sprach darüber mit Frankreichs Julien Epaillard. Der ist als Top-Pferdemann bekannt und hatte auch eine Idee: ein Hackamore. Vogel hatte keins, Epaillard dafür zwei. Also lieh er dem Rivalen sein zweites. Gut für Vogel, schlecht für Epaillard.

Denn ganz offensichtlich fühlte United Touch S sich mit der neuen Zäumung pudelwohl und sprang sensationell. Im Großen Preis gab es immer noch einen Abwurf. Aber Vogel hatte ja noch den Samstag, um etwas an der Feinjustierung zu arbeiten. Am Sonntag passte dann alles. Schon im Umlauf gelang den beiden eine Bilderbuchrunde und im Stechen hatten sie als vorletztes Paar alle Chancen. Ihr sicherlich stärkster Konkurrent, Ratgeber und Weltcup-Sieger Julien Epaillard, hatte einen Abwurf mit Donatello d’Auge. Vogel musste „nur noch“ zusehen, die Wendungen eng zu halten und die Stangen oben zu lassen. Das gelang. Er gewann das Springen und eroberte die Spitze des Weltcup-Rankings.

Platz zwei ging an die Niederländerin Kim Emmen auf ihrem Toppferd Imagine. Die beiden hatten das Wochenende ihres Lebens. Zwar waren sie bereits in „Oranje“ bei den Olympischen Spielen in Paris und der EM in Crozet am Start gewesen, aber noch nie hatten sie einen Großen Preis gewonnen. Dieses Versäumnis holten sie am Freitag in Basel nach – und setzten mit Rang zwei im Weltcup noch einen drauf!

Dritter wurde der Norweger Johan-Sebastian Gulliksen auf Harwich VDL, der seinen Reiter aus einer brenzligen Situation rettete, als dieser in einer Wendung die Zügel verlor. Harwich ließ sich nicht irritieren, nahm das nächste Hindernis ins Visier – das günstigerweise direkt an der Bande stand – und flog fehlerfrei darüber. Derweil hatte sein Reiter wieder alles sortiert und konnte ihn problemlos ins Ziel reiten. Harwich mag nicht der schnellste sein, wie sein Reiter im Vorfeld verkündet hatte, das musste er gestern aber auch gar nicht, denn die Konkurrenten nahmen ihm die Arbeit ab, indem sie Fehler machten.

Alle Ergebnisse und Infos aus Basel finden Sie hier.

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