
Als die letzten Töne der Jagdhornbläser über den großen Reitplatz klingen und die Pferde nach der Segnung langsam in Richtung Transporter geführt werden, ist eines deutlich zu spüren: Der 50. Reichswaldwanderritt ist Geschichte und er hat bei den Teilnehmern bleibende Eindrücke hinterlassen. Was bleibt, sind schöne Erinnerungen, neue Freundschaften und die Vorfreude auf ein Wiedersehen im kommenden Jahr. „Tolle Gäste, tolles Team, ein brillantes Wetter. Die Streckenführung war genial. Alle sind glücklich gewesen und haben gesagt, wie toll es gelaufen ist“, bilanziert Marita Heickmann, Vorsitzende des gastgebenden Vereins, kurz nach dem Ende der Jubiläumsveranstaltung. Dass ein solcher Ritt nicht allein durch gutes Wetter und schöne Wege zum Erfolg wird, weiß sie ebenso: Hinter den Kulissen waren zahlreiche Helferinnen und Helfer im Einsatz, um den Teilnehmern und ihren Pferden unbeschwerte Tage im Reichswald zu ermöglichen.
Einmal mehr bewahrheitete sich dabei das Motto des Reichswaldwanderritts: „Wenn aus Fremden Freunde werden.“ Eine, die dieses Motto ganz unmittelbar erlebt hat, ist die 74-jährige Dagmar Höhner aus Haltern am See. Gemeinsam mit ihrem Islandpferd machte sie sich auf den Weg nach Kranenburg. Besonders beeindruckt hat sie nicht nur die Landschaft, sondern auch das Miteinander. „Das Besondere an diesem Ritt war für mich, dass mein Pferd gelernt hat, in der Gruppe zu laufen. Und das Gelände ist auch etwas Besonderes. Diese wunderschönen, weiten Wege im Reichswald, die Gemeinschaft mit den Leuten hier. Das war toll“, erzählt Höhner. Ihre Entscheidung für die Zukunft steht bereits fest: „Den 51. Ritt habe ich bereits gebucht und bringe noch Freunde mit.“ Auch Jessica Golz aus Krefeld zeigte sich begeistert. Sie nahm zum zweiten Mal teil und genoss vor allem die Abwechslung, die der Reichswald bietet. „Ich bin infiziert“, sagt sie lachend. Zuhause reite man nicht durch ein solch weitläufiges Waldgebiet, sondern überwiegend am Rhein. Beim Reichswaldwanderritt dagegen führe jeden Tag eine andere Strecke durch den Wald. Für zusätzliche Unterstützung sorgte ihre persönliche Begleitung: Ihr Mann fuhr mit dem Fahrrad mit, während ihre beste Freundin ebenfalls dabei war.
Dass der Reichswaldwanderritt längst weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt ist, zeigt auch die Resonanz von Pepe Kröger aus Unna. Er kennt zahlreiche Veranstaltungen dieser Art in Deutschland und zieht dennoch einen besonderen Vergleich: „Ich muss sagen, das ist schon hier eine Highlight-Veranstaltung. Ich kenne viele Veranstaltungen bundesweit, die irgendwo einen ähnlichen Charakter haben. Aber das hier ist schon top organisiert – gute Stimmung, schöne Ritte und alles, was man sich als Reiter wünschen kann.“ Kröger erinnert sich zudem an die „alten Hasen“ des Reichswaldwanderritts. Zum Beispiel an Wilfried Schlief, Uwe Gersdorf und Lothar Müller aus Fröndenberg, die bereits in den 1980er-Jahren mit von der Partie waren. Dass sich eine Veranstaltung über Jahrzehnte hinweg eine solche Anziehungskraft bewahrt, ist sicherlich auch ein Zeichen für die besondere Atmosphäre, die den Ritt ausmacht.
Für den gastgebenden Reiterverein Kranenburg war das Jubiläum zugleich eine organisatorische Herausforderung. „Es war zwar anstrengend, aber sehr, sehr schön“, berichtet Silvia Janßen, Geschäftsführerin des RV Kranenburg, die selbst als Berittführerin unterwegs war. Besonders wichtig sei ihr gewesen, dass die Teilnehmer sich wohlfühlten. „Wir haben eine tolle Mannschaft an Berittführern. Auch innerhalb der Gruppen war alles sehr zufriedenstellend. Keiner hat gemeckert und es gab auch keine Unfälle. Das ist natürlich immer wichtig.“ Dass der Reichswaldwanderritt auch neue Teilnehmer gewinnen konnte, freut die Organisatoren besonders. Nach einem Fernsehbeitrag über die Veranstaltung meldeten sich spontan noch vier Reiterinnen und Reiter aus Düsseldorf an. Auch Sandra van den Boom, die gemeinsam mit ihrem Mann Stefan Gruppen durch den Reichswald führte, blickt zufrieden auf die Veranstaltung zurück. Nicht nur die Ritte selbst, sondern auch die geselligen Stunden danach hätten den besonderen Charakter des Wochenendes geprägt. An der Feuertonne wurde gemeinsam gelacht, erzählt und über die Erlebnisse des Tages gesprochen. „Wir hatten nicht nur viele, viele tolle Teilnehmer, sondern konnten mit diesen auch schöne, gesellige Abende an der Feuertonne verbringen. Immer wieder wurde uns berichtet, wie schön doch der Reichswald und vor allem das Reiten in diesem Waldgebiet sei“, erzählt sie.
Einen besonderen Moment erlebten die Reiterinnen und Reiter schließlich bei der Pferdesegnung. Carmen Elbers erinnerte daran, was die gemeinsame Leidenschaft eigentlich ausmacht: die besondere Beziehung zwischen Mensch und Tier. „Wir alle teilen ein Hobby und eine Leidenschaft“, sagte sie. Der Umgang mit den Pferden ermögliche es, gemeinsam Zeit zu verbringen, Erinnerungen zu schaffen und immer wieder neue Abenteuer zu erleben. Deshalb sei es wichtig, den Tieren Danke zu sagen und sich die besondere Verbindung zu ihnen bewusst zu machen, eine Verbindung, die von Vertrauen, Respekt und gemeinsamen Erlebnissen geprägt sei. Denn die Pferde tragen ihre Menschen nicht nur über die Wege des Reichswaldes. Sie tragen sie durch Herausforderungen, Abenteuer und besondere Momente. Gemeinsam entwickeln sich Mensch und Tier weiter, lernen voneinander und schaffen Erinnerungen, die bleiben.
Zum Abschied gab es für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch einen kleinen Glücksbringer: ein Kleeblatt. Es soll dafür sorgen, dass Reiter und Pferde gesund nach Hause kommen und im kommenden Jahr wieder den Weg nach Kranenburg finden. Denn nach dem 50. Reichswaldwanderritt ist vor dem 51. Reichswaldwanderritt. Dann verwandelt sich das Reiterdorf Frasselt erneut zum Treffpunkt für Pferdefreunde aus nah und fern. Und vielleicht werden dann wieder aus vielen Fremden neue Freunde.
Stephan Derks
Foto: Stephan Derks





