Steve Guerdat und Iashin Sitte in Helsinki 2026. Foto: FEI/Kim C. Lundin
Steve Guerdat und Iashin Sitte in Helsinki 2026. Foto: FEI/Kim C. Lundin

Weltcup für Guerdat, Sensationserfolg für de Boer-Schwarz

Steve Guerdat und Iashin Sitte in Helsinki 2026. Foto: FEI/Kim C. Lundin
Steve Guerdat und Iashin Sitte in Helsinki 2026. Foto: FEI/Kim C. Lundin

In Helsinki wurden vergangenes Wochenende die letzten Weltcup-Tickets an die Springreiter der Westeuropa-Liga verteilt. Nun steht fest: Vier Deutsche reisen zum Finale nach Fort Worth. Nicht mit dabei ist Paula de Boer-Schwarz, die gestern aber nichtsdestotrotz den größten Erfolg ihrer Springreiter-Karriere feierte.

Steve Guerdat hat einige schwierige Monate hinter sich. Zweimal musste er sich wegen eines Bandscheibenvorfalls in ärztliche Behandlung begeben und jedesmal längere Zeit pausieren. Dementsprechend konnte er erst spät in die Weltcup-Saison einsteigen und musste darauf hoffen, bei den letzten Stationen noch Punkte zu sammeln. Bei der vorletzten Etappe in Göteborg gehörte er noch nicht zum Kreis der Finalkandidaten. Dementsprechend musste er auf Helsinki hoffen. „Wir sind den ganzen Weg hierher gekommen, nur um die letzten paar Weltcup-Punkte zu bekommen, die uns noch zum Finale fehlten, also wollte ich es nicht vermasseln“, fasste der Schweizer Olympiasieger zusammen. Er hat es nicht vermasselt. Im Gegenteil.

Schon in Leipzig war es der belgische Bamako de Muze-Sohn Iashin Sitte gewesen, der Guerdat überhaupt hoffen ließ, es noch nach Fort Worth zu schaffen. Und Iashin Sitte war es nun auch, der für seinen Reiter das Maximum an möglichen Punkten zusammensprang. Die beiden waren viertes der sieben Paare im Stechen und setzten mit ihren fehlerfreien 38 Sekunden eine Benchmark, die vom Rest des Feldes nicht zu toppen war – auch wenn die Norwegerin Oda Charlotte Lyngvaer mit ihrer zwölfjährigen Stute Carabella vd Neyen Z bis auf vier Hundertstel Sekunden an sie herankamen. Dritter wurde gleich bei seinem ersten Weltcup-Auftritt der Belgier Viktor Daem auf Kavaliers Blue.

Sensationelle Paula de Boer-Schwarz

Das einzige weitere Paar, das in beiden Umläufen fehlerfrei blieb, kam aus Deutschland: Paula de Boer-Schwarz und ihre selbst ausgebildete Mylord Carthago-Tochter My Miss Marple. Mit Springpferde-Prüfungen der Klasse A haben die beiden angefangen. Gestern waren sie erstes Starterpaar im Weltcup-Springen und ließen den von Guilhermo Jorge (BRA) entworfenen Parcours wie ein Kinderspiel aussehen. Dass er alles andere als das war, zeigt sich schon an der Tatsache, dass es nur sieben Paare ins Stechen schafften.

Hier waren die 33-Jährige und ihre Stute dann wieder erstes Paar. Sie riskierten nicht alles, aber da sie auch hier null blieben, war die Wahrscheinlichkeit für eine gute Platzierung hoch. Es wurde Rang vier. Der größte Erfolg der Springreiterlaufbahn von de Boer-Schwarz. Man muss dazu sagen, dass es ihr größter Erfolg im Springsattel war, weil sie nicht nur im Parcours auf Fünf-Sterne-Niveau unterwegs ist, sondern auch Dressur bis Grand Prix und Vielseitigkeit bis CCI2* reitet. Was für ein Erfolg!

Wie de Boer schon nach Runde eins auf die Frage nach ihrer Gefühlslage hervorsprudelte: „Ich kann’s kaum beschrieben. Ich bin gerade einfach das glücklichste Mädchen auf der Welt.“ Und als sie dann noch auf ihre Verbindung zu Miss Marple angesprochen wurde, wurde ihr die Stimme ein bisschen brüchig: „Wie kennen uns schon so lange. Ich liebe dieses Pferd zum Mond und zurück. Es ist einfach 110 Prozent Vertrauen auf beiden Seiten. Sie hat mir heute das Gefühl gegeben, das ist möglich!“

Die Weltcup-Finalisten

Nun steht fest, wer aus der Westeuropa-Liga beim Weltcup-Finale in Fort Worth antreten wird. Dazu gehören vier deutsche Springreiter, allen voran Daniel Deußer als Drittplatzierter des Rankings. Richard Vogels Beteiligung steht auch schon seit langem fest, auch wenn er seine zwischenzeitliche Führung abgeben musste und nun Siebter ist. Aber die Rangierung ist beim Finale selbst ohnehin irrelevant. Hier geht es wieder von vorne los. Dementsprechend haben auch Patrik Stühlmeyer und Philipp Schulze Topphoff die gleichen Chancen wie alle anderen. Sie haben die beiden letzten Qualifikationsplätze ergattert, konnten ihren Anspruch mit den Platzierungen 12 und 13 in Helsinki noch einmal untermauern.

Weitere Ergebnisse aus Helsinki sowie die Liste mit allen Finalqualifizierten finden Sie hier.

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