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Trilogie der Blickschulung: Blick der Wissenschaft, des Reiters und des Trainers

Zu einem erkenntnisreichen und außergewöhnlichen Fortbildungstag, initiiert, organisiert und durchgeführt von Angela Turck, Regionalvertreterin Mitte/West der Fachgruppe der Amateurausbilder im Deutschen Reiter- und Fahrerverband (DRFV), trafen sich Trainer C-B-A des Verbands und Interessierte auf der Reitanlage Flohr in Neuwied am 24. März 2024.

Stefanie Hennigfeld, Visual- und Kognitionstrainerin von Dynamik Eye, eröffnete das Programm mit einer Einführung in die Blickschulung und betonte den Stellenwert des Fokussierens für Fähigkeiten wie Timing, Koordination und Rhythmus zur Erbringung sportlicher Leistungen. Sie erklärte, wie das Auge Informationen aufnimmt, diese vom Gehirn verarbeitet und anschließend zu koordinierten Bewegungen umgesetzt werden. Prinzip: Das Auge führt – der Körper folgt. Als Kooperationspartner des Olympiastützpunkts NRW/Rheinland unterstrich sie den Einfluss visueller Wahrnehmung auf Bewegungen im Sport, da Fehler hier zu Nachteilen führen können. An gezielten Übungen veranschaulichte Stefanie Hennigfeld den Einfluss von Sehkraft auf Körperkontrolle und -bewegung und sie verdeutlichte, dass sowohl Sportler als auch Nicht-Sportler ihre visuellen Fähigkeiten durch Training verbessern können, was angesichts der heutigen digitalen Lebensweise zunehmend wichtiger wird. Abschließend verband sie diese Erkenntnisse mit dem Reitsport und erörterte die unterschiedlichen Sehfähigkeiten von Mensch und Pferd.

Im Anschluss wandte Marcel Schneider, anerkannter Trainer und internationaler Springreiter, die erläuterten Prinzipien auf das Springreiten an, um die Wichtigkeit eines trainierten Blicks für diesen Sport zu unterstreichen. Mit der Unterstützung zweier bereits bis zur Klasse S erfolgreichen Reitschülerinnen, demonstrierte Marcel Schneider die methodische Entwicklung eines geraden und ausbalancierten Galopps in variablen Geschwindigkeiten als essenzielle Grundlage für die präzise Wegführung im Parcours. Schneider betonte die Herausforderung, den optimalen Absprungpunkt zu identifizieren und präsentierte Übungen zur Verbesserung des rhythmischen Gefühls für Distanzen. Er setzt auf Videoanalysen im Training, um Reitern ihre Leistung visuell zu veranschaulichen und damit die Selbstwahrnehmung und Korrektur zu fördern. Dieses Vorgehen spiegelt den Grundsatz wider, dass die visuelle Aufnahme und Verarbeitung von Bewegungen das physische Nachempfinden vereinfacht und für Springreiter unerlässlich ist, um die Koordination im Raum optimal zu gestalten. 

Wolfgang Kutting, internationaler Dressurtrainer und Grand Prix-Richter, konzentrierte sich im dritten Segment des Symposiums auf die Schulung der visuellen Kompetenz der anwesenden Trainer. Er betonte, wie entscheidend es für Trainer ist, das Duo aus Reiter und Pferd präzise zu beobachten, um ihre Fähigkeiten und Entwicklungspotenziale adäquat zu fördern. Kutting stellte in seinem theoretischen Teil das Konzept des „magischen Dreiecks“ vor, ein Beobachtungsschema zur Identifizierung der korrekten Reitweise. Anhand dieses Konzepts kann der Ausbilder oder Richter seinen Blick für die Bewegung von Reiter und Pferd in Bezug auf die Prinzipien der Reitlehre schulen. Zur Veranschaulichung dieser Blickschulung bat Wolfgang Kutting die anwesenden Trainer in die Reithalle, um das Konzept des magischen Dreiecks in Kleingruppen in der Praxis anzuwenden.  

Die Ergebnisse wurden anschließend im Plenum besprochen, um die Beobachtungen zu evaluieren und potenzielle Trainingsansätze zu diskutieren. Wolfgang Kutting bedankte sich im Namen aller Teilnehmer bei Angela Turck für die Konzeption der Trilogie und der perfekten Organisation und Durchführung des Tages und ließ es sich nicht nehmen, ein wertschätzendes Feedback an die fachliche Qualität der anwesenden Trainer auszusprechen, die von der Basis bis in die Leistungsklassen die Grundlagen für einen guten und pferdegerechten Sport legen.

Alexandra Otholt

Foto: privat

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