Die Fahrsportfreunde Reichshof waren in diesem Jahr zum wiederholten Male Ausrichter der Rheinischen Meisterschaften im Gespannfahren. Auf ihrem Turniergelände in Reichshof-Eiershagen empfingen sie die Fahrer, ihre Pferde und Ponys am ersten Septemberwochenende unter besten Bedingungen.
Nicht nur organisatorisch lief alles wie am Schnürchen – auch der überarbeitete Dressurplatz und die erneuerten Geländehindernisse trugen dazu bei, dass die Teilnehmer sich rundum wohlfühlen und sportlich abliefern konnten. Schließlich hatten sie drei anspruchsvolle Teilprüfungen zu absolvieren, um am Ende als Medaillenträger auf dem Treppchen zu stehen. Bei der Meisterehrung blickte man schließlich sowohl in bekannte als auch in neue Gesichter.
Ursula Hüsges neue Meisterin

Bei den Einspännern Pferde konnte Ursula Hüsges den Titel von Heinz Künstler übernehmen, der letztes Jahr zum insgesamt 19. Mal Rheinischer Meister geworden war und dieses Mal nicht zum Teilnehmerfeld gehörte. Schon 2025 war Hüsges ihm dicht auf den Fersen und hatte Bronze gewonnen – nun sicherte sich die Fahrerin vom Reiterverein Osterath souverän die Goldmedaille. Mit Meisterhofs Meteor, ihrem 21-jährigen Welsh Cob, kam sie bereits mit gutem Vorsprung aus der Dressur, in der 43,60 Fehlerpunkte zu Buche schlugen. Im Gelände sortierte sich das Paar mit 49,55 Punkten an zweiter Stelle ein, das abschließende Kegelfahren konnte es mit nur 3,00 Fehlerpunkten wieder eindeutig für sich entscheiden. 96,15 Gesamtpunkte bedeuteten Rang eins in der kombinierten Wertung und damit auch den Meistertitel für Ursula Hüsges. Die Silbermedaille blieb währenddessen beim Gastgeber: Leon Calligaris und seine acht Jahre junge Westfalenstute Fianora fuhren zu 143,03 Strafpunkten. Die beiden wurden Fünfte in der Dressur sowie jeweils Vierte im Gelände und Kegelfahren. Auch in der Kombi-Wertung belegten sie damit Rang vier, in der Meisterschaft bedeutete ihr Ergebnis jedoch den Vizetitel.
Heimsieg für Andreas May

Von Silber im letzten Jahr zu Gold in diesem Jahr fuhr Andreas May von den Fahrsportfreunden Reichshof. Mit seinen beiden schweren Warmblütern Vilmos P und Vimos P, zwei Halbbrüdern aus der Sächsisch-Thüringischen Zucht, gelang ihm in der Dressur ein vielversprechender Auftakt – 58,60 Fehlerpunkten bedeuteten Platz zwei. Auch im Gelände kam er, mit 57,92 Strafpunkten im Gepäck, als Zweiter ins Ziel. Im Kegelfahren zeigte der erfahrene Sportler dann eindrucksvoll, worauf es ankommt, und ließ mit nur 0,40 Strafpunkten und über sechs Punkten Abstand die Konkurrenz hinter sich. Mit 116,92 Gesamtpunkten verdiente Andreas May sich somit den Sieg in der kombinierten Prüfung ebenso wie in der Meisterschaftswertung. Über Silber freute sich Anja Sander vom Reitverein Lippe-Bruch-Gahlen 1927 mit insgesamt 123,05 Strafpunkten. Sie hatte Lord Lucifer, einen siebenjährigen Ostfriesen/Alt-Oldenburger, seine fünf Jahre junge Halbschwester Lucky Lucifer sowie die elfjährige Stute Khaleesi mit nach Reichshof gebracht und setzte sie in unterschiedlichen Kombinationen ein. Wie gut Lord Lucifer und seine Halbschwester zusammen harmonieren, zeigten sie mit einem dritten Rang in der Dressur bei 61,20 Strafpunkten sowie Platz zwei im Kegelfahren bei 6,43 Strafpunkten. Im Gelände sorgte unterdessen Khaleesi an der Seite von Lord Lucifer für ordentlich Tempo, sodass Anja Sander diese Teilprüfung mit 55,42 Strafpunkten für sich entscheiden konnte. Zur Bronzemedaille fuhr Werner Pieper mit seinen Pferden Asko und Timo. Das für den Reit- und Fahrverein von Driesen Asperden-Kessel startende Gespann erzielte insgesamt 209,01 Fehlerpunkte, nachdem es Fünfter in der Dressur, Vierter im Gelände und nochmal Fünfter im Kegelfahren geworden war.
Herbert Troost fährt zum Sieg

In der Konkurrenz der Pony-Einspänner ging der Sieg an Herbert Troost. Dem Fahrer vom Reit- und Fahrverein Rheurdt 1892 gelang ein Auftakt nach Maß: Mit 45,20 Strafpunkten und deutlichem Abstand entschied er die Dressurprüfung für sich. Das Gelände beendete er mit 63,70 Strafpunkten auf dem vierten Rang, konnte sich im abschließenden Kegelfahren aber wieder steigern und hier mit 16,89 Strafpunkten als Zweitbester den Platz verlassen. In der kombinierten Wertung hatte Herbert Troost mit 125,79 Punkten zwar das Nachsehen hinter Markus Wertenbroich – nicht jedoch in der Wertung zur Rheinischen Meisterschaft, in der Wertenbroich nur bei den Vierspännern antrat und Troost sich somit den Titel bei den Einspännern sicherte. Die vierbeinige Partnerin seines Erfolgs war die 2018 geborene Reitponystute Glasgow. Zu Platz vier in der Kombi-Wertung, aber der Silbermedaille in der Meisterschaft, fuhr unterdessen Erich Gerards. Mit seiner 16 Jahre alten Stute Pitti war er für die Pferdesportgemeinschaft St. Georg Grenzland unterwegs und erzielte insgesamt 165,65 Strafpunkte.
Barbara Bierth: Auf Silber folgt Gold

Mit Barbara Bierth schaffte es eine weitere amtierende Vizemeisterin, in diesem Jahr Gold zu holen. Dank ihres Sieges in der kombinierten Wertung der Pony-Zweispänner stieg die Fahrerin vom Fahrverein St. Medardus Zülpich ganz oben auf das Treppchen, nachdem sie sich 2025 noch mit Silber hatte zufriedengeben müssen. Mit 54,20 Fehlerpunkten und Platz drei in der Dressur legte sie gut vor, um sich im Gelände dann noch einmal zu steigern und diese Teilwertung mit 47,24 Strafpunkten zu gewinnen. 6,55 Punkte kamen aus dem Kegelfahren hinzu, das Barbara Bierth an sechster Stelle beendete. Ihr Vorsprung war jedoch groß genug – und die Goldmedaille mit 107,99 Punkten sicher. Auch in diesem Jahr bestritt die junge Fahrerin die Landesmeisterschaft mit ihren Shetland Ponys Don Camillo und Pepone. Zur Vizemeisterin in dieser Anspannungsart kürte sich Aleyna Sezgin vom Reit- und Fahrverein Ziethen 1884. Sie konnte sich von Platz sechs in der Dressur mit 60,80 Strafpunkten auf Platz vier im Gelände mit 50,60 Strafpunkten vorarbeiten und auch das Kegelfahren mit 6,00 Strafpunkten auf dem vierten Rang beenden. Mit einem Gesamtergebnis von 117,40 Strafpunkten rangierte sie in der kombinierten Wertung zwar hinter Jennifer Hüllenkremer, der Bronzemedaillengewinnerin aus dem Vorjahr – in der Meisterschaftswertung wurde sie jedoch Zweite, da Hüllenkremer hier auf ihr zweites Gespann gesetzt hatte, mit dem sie das Treppchen letzten Endes aber knapp verfehlte. Aleyna Sezgin hatte ihre beiden Dartmoor Ponys Magnum Lagos und Magnum Landor vor der Kutsche. Auf den Bronzerang fuhr Katja Neuhaus, die ebenfalls den Fahrverein St. Medardus Zülpich vertrat. Mit Jarga Gelor und Bowie und Bowie, ihren beiden Welsh Mountain Ponys, kam sie auf insgesamt 122,79 Fehlerpunkte. Die Dressur und das Gelände konnte das Gespann jeweils auf dem zweiten Platz beenden, im Kegelfahren belegte es Rang acht.
Titelverteidigung für Markus Wertenbroich

Der „neue alte” Meister der Pony-Vierspänner heißt Markus Wertenbroich. Wie schon im letzten Jahr, konnte er sich auch auf der diesjährigen Meisterschaft den Titel sichern. Mit seinen Ponys Baccarras Revelation of Pegasu, SOM Streaks Belladonna, SOM Streaks Star und SOM Sweet Ballerina, vier American Miniature Horses, belegte er in der Dressur zunächst Rang fünf, nachdem er den Platz mit 64,40 Strafpunkten verließ. Im Gelände konnte sich das für den Fahrverein St. Medardus Zülpich startende Gespann mit 56,96 Punkten dann auf den zweiten Platz vorarbeiten und das Kegelfahren mit einer fehlerfreien Runde gewinnen. Insgesamt 121,36 Strafpunkte bedeuteten somit Rang drei in der kombinierten Wertung, aber Rang eins in der Wertung um die Rheinische Meisterschaft, da die beiden vor Markus Wertenbroich platzierten Teilnehmerinnen aus anderen Landesverbänden stammten. Seine Sammlung eine weitere Medaille ergänzen konnte zudem Jan Schwanse. Er verteidigte den Titel des Vizemeisters bei den Pony-Vierspännern mit insgesamt 141,88 Strafpunkten. Für den gastgebenden Verein unterwegs, wurde er für seine gelungene Dressurprüfung mit dem dritten Rang belohnt und beendete das Gelände sowie das Kegelfahren auf den Plätzen sechs und fünf. Seine vierbeinigen Erfolgspartner waren dabei Nieuwstads My Day, Chapeau, Charlotte und Chalina.
Elisa Schnitzler



