Was für ein Wochenende für Isabell Werth und Katrin Eckermann vor der eindrucksvollen Kulisse von Schloss Schönbrunn: Beim internationalen Spring- und Dressurturnier in Wien sorgten die beiden Rheinländerinnen gleich für mehrere Spitzenresultate. Werth gewann mit Viva Gold OLD sowohl den Grand Prix als auch die Grand Prix Kür. Eckermann setzte mit Chao Lee im CSI5 noch einen weiteren rheinischen Sieg obendrauf und entschied das mit 15 Paaren besetzte Stechen über 1,50 Meter für sich.
Die Longines Global Champions Tour machte in Wien an einem außergewöhnlichen Schauplatz Station. Geritten wurde im Ehrenhof von Schloss Schönbrunn. Neu war in diesem Jahr die Verbindung von internationalem Fünf-Sterne-Springsport und Vier-Sterne-Dressur: Erstmals gehörte auch ein CDI4* zum Programm der Veranstaltung.

Isabell Werth dominiert mit Viva Gold
Für Isabell Werth wurde der Auftritt in Wien zu einem nahezu perfekten Wochenende. Sie hatte den zehnjährigen Viva Gold OLD mit in die österreichische Hauptstadt gebracht – und der noch vergleichsweise unerfahrene Grand-Prix-Hengst bestätigte eindrucksvoll seine Entwicklung in die internationale Spitze.
Bereits im Grand Prix ließ das Paar der Konkurrenz keine Chance. 77,370 Prozent bedeuteten einen deutlichen Sieg. Katharina Hemmer und Special Gold PCH folgten mit 70,435 Prozent auf Rang zwei, der für Kanada startende Chris von Martels wurde mit Londoncrown und 70,413 Prozent Dritter. Damit lag Werth mehr als sechs Prozentpunkte vor der Zweitplatzierten.
Für Viva Gold war Wien dabei erst die achte internationale Prüfung seiner Karriere. Seine bisherige Bilanz kann sich sehen lassen: Sechs dieser acht Prüfungen hat der Hengst gewonnen. Unter anderem siegte er in dieser Saison bereits in Grand Prix beziehungsweise Grand Prix Special in Herning, Mannheim und Hagen sowie in der Grand Prix Kür von Hamburg.

86,565 Prozent in der Kür
Noch deutlicher fiel Werths Sieg in der Grand Prix Kür aus. 86,565 Prozent vergaben die Richter für den Auftritt von Viva Gold und seiner Reiterin. Dabei war es gerade einmal die dritte internationale Grand Prix Kür in der Karriere des zehnjährigen Hengstes. Seine internationale Kür-Premiere hatte er im Mai in Hamburg gegeben und dort bereits mit 84,365 Prozent gewonnen.
In Wien legte das Paar noch einmal deutlich zu. Die Kür ist musikalisch unter anderem auf Songs von Neil Diamond zugeschnitten; zum Abschluss erklang „Sweet Caroline“. Das Wiener Publikum begleitete die Schlusslinie mit Klatschen und belohnte den Auftritt anschließend mit Standing Ovations. Mit mehr als neun Prozentpunkten Vorsprung fiel der Sieg ausgesprochen deutlich aus. Moritz Treffinger und Cadeau Noir belegten mit 76,630 Prozent Rang zwei, Katharina Hemmer und Special Gold PCH wurden mit 76,080 Prozent Dritte. Damit verließ Werth Wien mit der maximalen Ausbeute aus ihren beiden Starts: zwei Prüfungen, zwei Siege.
Katrin Eckermann Rang sechs
Auch für Katrin Eckermann entwickelte sich der Auftritt vor Schloss Schönbrunn zu einem erfolgreichen Wochenende. Mit der 13-jährigen Chao Lee erreichte sie zunächst im CSI5*-Springen über 1,45 Meter eine vordere Platzierung. In der Zwei-Phasen-Prüfung blieben Eckermann und die rheinisch gezogene Stute in beiden Phasen fehlerfrei. Nach 46,32 Sekunden im ersten Abschnitt benötigten sie für die entscheidende zweite Phase 28,95 Sekunden. Das bedeutete Rang sechs. Es sollte allerdings lediglich der Auftakt zu einem noch größeren Erfolg werden.

Sieg gegen 14 Konkurrenten im Stechen
Im mit Stechen ausgetragenen CSI5*-Springen über 1,50 Meter zeigten Eckermann und Chao Lee zunächst einen fehlerfreien Umlauf in 73,57 Sekunden. Damit gehörten sie zu insgesamt 15 Paaren, die sich für das Stechen qualifizierten. Dort griff Eckermann an: Chao Lee blieb erneut ohne Fehler und galoppierte nach lediglich 36,42 Sekunden durch die Lichtschranke. Diese Zeit sollte niemand mehr erreichen.
Der Belgier Nathan Budd benötigte mit Ely des Rosiers Z 37,76 Sekunden und wurde Zweiter. Seine Landsfrau Gudrun Patteet folgte mit Baron-RR Z in 37,89 Sekunden auf Rang drei. Eckermann hatte damit einen Vorsprung von mehr als einer Sekunde auf ihre beiden stärksten Verfolger.

Für die Rheinländerin hatte dieser Erfolg eine besondere Bedeutung. Chao Lee, eine 2013 geborene Rheinländer Stute von Comme il faut aus einer Chacco-Blue-Mutter, wurde von Otmar Eckermann, Katrin Eckermanns Vater, gezüchtet. Reiterin und Pferd verbindet entsprechend eine lange gemeinsame Geschichte.
Cascajall auch vorne dabei
Eckermann hatte in Wien mit Iron Dames Cascajall NRW ein weiteres Pferd für die großen Aufgaben dabei. Der neunjährige Westfalen-Wallach von Casallco aus einer Comme-il-faut-Mutter belegte in der GCL Individual Competition über 1,60 Meter Rang sieben. Ein Abwurf verhinderte eine noch bessere Platzierung.



