Persönlichkeiten aus Sport, Politik und Wirtschaft kamen beim RV Blücher Sevelen zusammen, um mehr über den Para-Dressursport zu erfahren. Foto: Gina Priss
Persönlichkeiten aus Sport, Politik und Wirtschaft kamen beim RV Blücher Sevelen zusammen, um mehr über den Para-Dressursport zu erfahren. Foto: Gina Priss

„Politik und Wirtschaft meets Para-Dressur“ – ein Konzept macht Schule

Persönlichkeiten aus Sport, Politik und Wirtschaft kamen beim RV Blücher Sevelen zusammen, um mehr über den Para-Dressursport zu erfahren. Foto: Gina Priss
Persönlichkeiten aus Sport, Politik und Wirtschaft kamen beim RV Blücher Sevelen zusammen, um mehr über den Para-Dressursport zu erfahren. Foto: Gina Priss

Die dreifache Europameisterin der Para-Dressur, Regine Mispelkamp, will sich nicht nur für ihre eigene Karriere im Sattel einsetzen, sondern dem Sport auch etwas zurückgeben. Darum hat sie zusammen mit Mitstreiterin Melanie Wienand ein Veranstaltungskonzept entwickelt, dessen Premiere im Februar beim Reitverein Blücher Sevelen so erfolgreich war, dass es nun auch von anderen Gastgebern aufgegriffen wird: „Para-Sport trifft Politik und Wirtschaft“.

Die Idee der Veranstaltung „Para-Sport trifft Politik und Wirtschaft“ ist einfach: Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft zusammenbringen und ihnen zeigen, was den Para-Sport mit Pferden ausmacht. Das Ganze flankiert von Diskussionen, wie Inklusion in einer modernen Gesellschaft funktionieren kann, was bereits getan wird und wo und wie noch nachgebessert werden kann. 

Genauso geschah es, als die Bürgermeisterin und die Bürgermeister von Geldern, Kerken und Issum, der Landtagsabgeordnete Stephan Wolters, Matthias Lade und Ite Pascher vom Verein Inklusives Unternehmernetzwerk e.V. sowie Vertreter der Volksbank an der Niers im Februar in der Reithalle des gastgebenden Reitvereins Blücher Sevelen zusammenkamen, um mit Regine Mispelkamp und deren Kaderkollegin Melanie Wienand auch, aber nicht nur über ihren Sport zu sprechen. Rund 80 Gäste waren gekommen, um den praktischen Vorführungen der Para-Reiter zuzuschauen und der von WDR-Moderatorin und Para-Botschafterin Kerstin von der Linden geführten Diskussion zu lauschen.

Der praktische Teil

Für viele der Anwesenden waren es echte Aha-Momente, als sie das Livetraining von Bundestrainerin Silke Fütterer-Sommer mit zwei Nachwuchs-Parareiterinnen verfolgten. Wie verständigt man sich mit einem Pferd, wenn man einen Arm und ein Bein nicht benutzen kann? Wie reitet man, ohne das Pferd zu stören, wenn man an Parkinson erkrankt ist? An diesem Abend konnten die Anwesenden das nicht nur sehen, sie konnten es dank der Erläuterungen und Anweisungen der Bundestrainerin vor allem auch verstehen. Wie toll auch ein Mensch mit Handicap mit seinem Pferd harmonieren kann, erlebten sie dann ganz zum Schluss beim Höhepunkt der Veranstaltung, als Regine Mispelkamp mit Pramwaldhof’s Bayala noch einmal ihre goldgekrönte EM-Kür zeigte. 

Diese praktischen Eindrücke haben den Anwesenden nachdrücklich vor Augen geführt, dass Para-Dressur heutzutage etwas ganz anderes ist als früher, als die einzige Anforderung ans Pferd war: Hauptsache brav. Para-Dressurpferde müssen ebenso gute Grundgangarten haben wie die Pferde im Regelsport. Sie müssen sensibel, aber gleichzeitig geduldig sein. Sie müssen kopfklar sein, aber dennoch auf feinste Hilfen reagieren. Kurz: Die Anforderungen an das Pferd sind mannigfaltig, die an die Reiter auch. Para-Dressur auf Championatsebene ist ein Sport, der Förderung benötigt wie alle anderen Sportarten auch – finanziell, aber auch strukturell. 

Ziel der Treffen

Beides sind Themen, die bei den von Mispelkamp und dem RV Blücher Sevelen initiierten Treffen aufgegriffen werden. Hier soll einerseits gezeigt werden, dass Para-Sport gefördert werden muss, vor allem aber auch, dass er für Sponsoren interessant ist. Gleichzeitig soll aufgezeigt werden, welche strukturellen Maßnahmen vonnöten sind, um Nachwuchs nach oben zu bringen. Mispelkamp träumt beispielsweise von einem bundesweiten Stützpunkt-Netzwerk für die Para-Dressur. 

Das Ziel ist es aber auch, Para-Reitern auf regionaler Ebene mehr Turnierstarts zu ermöglichen. Der RV Blücher Sevelen hat’s vorgemacht, indem er Para-Prüfungen bei seinem Sommerturnier ausgeschrieben hat. Als das Thema an dem Veranstaltungsabend auf diese Maßnahme kam, war das Interesse anderer Turnierveranstalter groß – was braucht es dafür? Wie kann man das umsetzen? „Oft geht es darum, Berührungsängste zu überwinden“, weiß Regine Mispelkamp. „Viele wissen gar nicht, dass es die Möglichkeit gibt. Und wenn sich dann herausstellt, dass alles gar nicht so kompliziert ist und der Stein erstmal ins Rollen gekommen ist …“ 

Andere Städte bekunden Interesse

Apropos Stein ins Rollen bringen – das hat der Abend geschafft. Mispelkamp berichtet, sie habe danach Anfragen von Vertretern verschiedener weiterer Städte und Gemeinden bekommen, die sich eine ähnliche Veranstaltung bei sich wünschen. „In Anbetracht der Bewerbung für die Olympischen Spiele und Paralympics kommt unser Projekt genau zum richtigen Zeitpunkt“, freut sich Mispelkamp. Denn so ist es eine Win-Win-Situation – der Para-Sport wird bekannter und besser verstanden, die potenziellen Paralympics-Gastgeber können zeigen, wie weit sie beim Thema Inklusion bereits sind bzw. erleben, wo sie noch nachbessern können, um ihre Chancen bei den Bewerbungen zu verbessern. Mispelkamp berichtet, sie habe bereits Anfragen unter anderem aus Köln und Hamburg auf dem Tisch. Damit hat sie selbst nicht gerechnet. Aber: „Der Para-Sport hat mir gezeigt, was alles möglich ist.“   

Artikel teilen

Empfohlene Artikel