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Pferde, Begegnungen und ein doppelter Grund zum Feiern

Ein Hof voller Leben, Kinder mit bunt bemalten Hufeisen in den Händen, neugierige Blicke in Richtung Reithalle und mittendrin jede Menge Fachwissen. Auf dem Scharenfeld in Materborn wurde am vorletzten Septemberwochenende ausgiebig gefeiert. Der Pferdebetrieb Cluse blickte auf 30 Jahre zurück und Lea Heuvels feierte mit ihrer Reitschule gleichzeitig ihr 15-jähriges Bestehen. Beim gemeinsamen Hoffest wurde das Doppeljubiläum mit einem gelungenen und zugleich abwechslungsreichen „Kompetenztag Reiten“ gefeiert. Dabei ging es um weit mehr als ums Reiten. „Du liebst Pferde und trotzdem ist da eine gewisse Unsicherheit? Kein Problem, Vertrauen kann wachsen“. Dieser Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch den Tag. Denn wer Pferde mag, muss nicht automatisch ein erfahrener Reiter sein. Das Hoffest bot Gelegenheit, den Tieren näherzukommen, Fragen zu stellen und sich ganz ohne Berührungsängste mit dem Thema Pferd auseinanderzusetzen. 

„Mit dem Kompetenztag Reiten wollen wir Tierfreunden die Möglichkeit geben, direkt mit Spezialisten ins Gespräch zu kommen, die uns schon viele Jahre begleiten“, erklärte Georg Cluse. Und davon gab es reichlich. In zahlreichen Vorträgen erhielten die Besucher interessante Einblicke in unterschiedliche Bereiche rund ums Pferd. Von der Magnetimpulstherapie über Futterberatung, der Arbeit eines Pferdezahnarztes bis hin zu einem Vortrag über den empfindlichen Pferdemagen reichte das Themenspektrum. Auch die verschiedenen Möglichkeiten der Hufberatung wurden vorgestellt. 

Doch nicht nur Theorie stand auf dem Programm. Auch der direkte Kontakt zum Pferd spielte eine wichtige Rolle. Beim Ponyreiten konnten die jüngsten Besucher erste Erfahrungen sammeln. Unter dem Stichwort „Horsemanship mit Herz und Verstand“ wurde zudem gezeigt, wie wichtig ein respektvoller und vertrauensvoller Umgang zwischen Mensch und Tier ist. Das Interesse war groß und die Besucher kamen nicht nur wegen der Pferde. Auch Hunde- und Katzenhalter waren eingeladen, sich zu informieren und mit Fachleuten ins Gespräch zu kommen. Das Konzept ging auf. Der Hof füllte sich im Laufe des Tages mit Familien, Pferdefreunden, langjährigen Wegbegleitern und vielen neugierigen Gästen. 

Für Georg Cluse war das Hoffest zugleich ein Blick zurück auf drei Jahrzehnte Pferdebetrieb. Den Grundstein für den heutigen Hof legten seine Eltern Margarete und Hermann Cluse. Sein Vater war ursprünglich auf Bullenmast spezialisiert. Als schließlich die Frage im Raum stand, ob kurz vor seinem Ruhestand noch in einen Reitbetrieb investiert werden sollte, war die Entscheidung zunächst keineswegs selbstverständlich. „Mein Vater wollte drei Jahre vor der Rente nicht in einen Reitbetrieb investieren. Und dann war halt die Frage: Wollen wir mit Pferden weitermachen?“, erinnert sich Georg Cluse. Letztlich fiel die Entscheidung für die Pferde. Cluse baute eine Reithalle und entwickelte den Betrieb weiter. Heute, 30 Jahre später, kann er feststellen: „Dass wir nach so langer Zeit immer noch dabei sind, spricht in gewisser Weise auch ein bisschen für sich.“ Dabei sind es nicht nur Gebäude und Anlagen, die für ihn einen guten Pferdebetrieb ausmachen. Besonderen Wert legt Cluse auf das, was er seine „offene Küche“ nennt. Am Stalleingang liegen stets gutes Raufutter und Stroh bereit. „Das muss immer erste Sahne sein“, habe sein inzwischen verstorbener Vater stets gesagt. Ein Satz, den Georg Cluse bis heute nicht vergessen hat. 

Einen wichtigen Impuls für den Betrieb brachte vor einem Jahr Lea Heuvels mit ihrer Reitschule. Sie wurde zwischenzeitlich zu einem festen Bestandteil des Pferdehofes und sorgte noch einmal für zusätzlichen Schwung. Dass diese Verbindung funktioniert, zeigte sich beim Hoffest eindrucksvoll. „Wenn ich mir die Besucher am heutigen Hoffest ansehe, sind wir mit Reitbetrieb und Reitschule auf dem richtigen Weg“, freuten sich Lea Heuvels und Georg Cluse über den großen Zuspruch. Besonders Lea Heuvels war von der Resonanz überrascht. „Es sind ganz, ganz viele Leute da, was ich so nicht erwartet habe“, sagte sie angesichts der vielen Besucher. 

Während die Erwachsenen Fachvorträge besuchten oder sich mit Experten austauschten, gab es auch für die Kinder jede Menge zu erleben. Ponyreiten, Kinderschminken und eine Strohpyramide sorgten für Unterhaltung. Ein besonderer Renner war das Bemalen von Hufeisen. Mit viel Eifer und Fantasie entstanden individuelle Kunstwerke, die die jungen Besucher anschließend als Erinnerung an den Tag mit nach Hause nehmen durften. Auch Schmuck aus Pferdehaaren gehörte zum bunten Angebot und machte deutlich, wie vielfältig die Verbindung zwischen Mensch und Pferd sein kann. Am Ende blieb vor allem der Eindruck eines rundum gelungenen Hoffestes. Viele bekannte Gesichter waren gekommen, zahlreiche neue Besucher entdeckten den Pferdebetrieb Cluse und Lea Heuvels‘ Reitschule erstmals für sich. 30 Jahre Pferdebetrieb und 15 Jahre Reitschule, das Doppeljubiläum auf dem Scharenfeld war damit nicht nur Anlass für einen Blick zurück. Es zeigte vor allem, dass auf dem Hof auch nach drei Jahrzehnten die Freude an Pferden, der Austausch mit Menschen und der respektvolle Umgang mit den Tieren im Mittelpunkt stehen. 

Stephan Derks

Fotos: Stephan Derks

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