
Das Gut Ising am Chiemsee richtet dieses Wochenende ein gut besetztes Dressur- und Springturnier aus. Unter anderem ist Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl dabei und stellt ihre Zukunftshoffnung Kismet sowie zum ersten Mal seit Aachen ihr neues Grand Prix-Pferd Diallo vor – mit Erfolg.
Anfang des Jahres hatte Jessica von Bredow-Werndl den zehnjährigen Hannoveraner Dancier-Sohn Diallo von Uta Gräf übernommen, die ihn bis zur Grand Prix-Reife gefördert hatte. Seit 1. September heißt er nun nicht mehr nur Diallo, sondern Diallo BB für Bratrice Bürchler-Keller, die sich seit diesem Tag die Eigentümerschaft an dem talentierten Wallach mit Vorbesitzerin Annette Göbelsmann-Schweitzer teilt.
Der gemeinsame Weg von Diallo und Jessica von Bredow-Werndl begann gleich mit einem Paukenschlag. Nach Rang vier im Grand Prix gewannen sie den Grand Prix Special bei den Horses & Dreams in Hagen. Es war das erste internationale Turnier für Diallo. Bei der Pferd International in München triumphierten sie sowohl in Grand Prix als auch in Special. Kurz darauf gingen sie bei den Deutschen Meisterschaften in Balve an den Start, wo sie einen ansprechenden Grand Prix zeigten und mit knapp 74 Prozent Vierte wurden. Im Grand Prix Special zeigte sich dann die mangelnde Routine. Hier wurden sie mit 71,431 Prozent Zehnte, in der Kür mit 77,350 Prozent Siebte. Sie wurden für die CDI-Tour beim CHIO Aachen nominiert, wo sie jedoch schon im Grand Prix nach Problemen in der zweiten Piaffe mit 66,630 Prozent weit unter ihren Möglichkeiten blieben. Das war das letzte Mal im Viereck. Bis gestern.
Grand Prix auf Gut Ising
Während der Großteil der Dressurprüfungen beim Chiemsee Pferdefestival auf Gut Ising in der Halle stattfindet, hatte man das Viereck für den Grand Prix am späteren Abend auf den Springplatz verlegt und mit Flutlicht angestrahlt. Keine ganz einfache Atmosphäre also. Tatsächlich wirkte Diallo auch energiegeladen wie immer. Trotzdem gelang den beiden eine lektionsfehlerfreie Runde, die mit 76,50 Prozent und dem Sieg belohnt wurde. Alle drei Richter der national ausgeschriebenen Prüfung sahen die beiden an der Spitze, Heinrich Geigl bei H mit 74,60 Prozent, Michael Settertobulte bei C mit 78,90 Prozent und Tom Koch bei M mit 76 Prozent.
Einmal mehr überzeugte die Leichtigkeit, mit der Diallo die schwierige Aufgabe absolviert, besonders in der Trabtour. Auf Dauer müsste er in den ansonsten taktsicheren und lebhaft abfußenden Piaffen mehr mit der Hinterhand in Richtung Schwerpunkt arbeiten, um hier noch mehr Punkte zu bekommen. Vielleicht ist auch das eine Frage der inneren und äußeren Losgelassenheit. Dass er sich im Viereck noch nicht hundertprozentig zuhause fühlte, merkte man insbesondere in der Galopptour. Zwar blieb er ohne Lektionsfehler, hielt sich zum Teil aber noch etwas fest.
Jessica von Bredow-Werndl und Diallo gewannen die Prüfung mit Weile vor U25-Europameister Moritz Treffinger im Sattel von Fiderdance (70,90) und Leonie Krull, die ihre beiden Pferde All We Need (70,233) und Sternenwanderer (69,90) direkt hintereinander platzierte. Letzterer ist ein 19-jähriger rheinischer Lord Loxley-Sohn, der zuvor mit dem Kanadier Ryan Torkkeli am Start gewesen war und ihn unter anderem zu den Weltmeisterschaften 2022 in Herning begleitete.
Intermédiaire II an Kismet
Neben Diallo hatte Jessica von Bredow-Werndl auch die ebenfalls zehnjährige KWPN-Stute Times Kismet mit nach Ising gebracht, die sie vor einem Jahr von Charlotte Dujardin übernommen hatte. Nachdem die Britin wegen eines kurz vor den Olympischen Spielen veröffentlichten Lehrgangsvideos, auf dem sie ein Pferd mit der Longenpeitsche schlägt, für ein Jahr gesperrt wurde, ging Kismet nach Deutschland. Seit Februar 2025 ist die Ampere-Tochter auch bei der FEI als deutsches Pferd registriert und gehört nun Züchter Peter Belshaw zusammen mit der EE Investment GmbH, hinter der die Familie Viessmann steht.
In Sauerlach hatten sie vor kurzem erst ihr Turnierdebüt in einer Intermédiaire A gegeben, die sie auf Anhieb gewinnen konnten. 74,561 Prozent hatten die Richter ihnen hier gegeben. Auf Gut Ising ging „Kiss“ nun ihre erste Intermédiaire II, die sie ebenfalls gewann. 73,640 Prozent wurden es diesmal.
Die beiden hatten tolle Highlights in der Trabtour wie die Verstärkungen und die fließenden Traversalen. In den Piaffen nimmt die Stute Last auf und senkt sich in der Kruppe, aber noch fehlt ihr Kraft. Im Schritt ließ sie sich noch nicht recht los und zog nicht zur Hand. Die Pirouetten gelangen, ebenso die Zweierwechsel. Nach Fehlern in den fliegenden Wechseln von Sprung zu Sprung kam sie erst nach dem vorgeschriebenen Punkt zum Durchparieren in den Trab, was beides Punkte kostete.
Sie siegten dennoch deutlich vor Victoria Nielsen auf der neun Jahre jungen DSP-Stute Prinzessin Paula, die im vergangenen Jahr noch Siebte beim Nürnberger Burg-Pokal gewesen waren und nun „ziemlich gut“ auf S***-Niveau angekommen sind, wie sie mit 70,526 Prozent demonstrierten. Rang drei ging an Rudolf Widmann im Sattel des ebenfalls erst neunjährigen Romantic Prinz OLD v. Rock Forever (70,30).
Dressurpferde-S an Benjamin Werndls Great Gatsby
Nicht nur Jessica von Bredow-Werndl, auch ihr Bruder Benjamin hat gleich mehrere Pferde auf Gut Ising im Einsatz. Der neunjährige Quick Decision, der zusammen mit Diallo aus dem Stall von Uta Gräf nach Aubenhausen gekommen war und in gemeinschaftlichem Mitbesitz von Annette Göbelsmann-Schweitzer sowie der EE Invest GmbH und der Aubenhausen Dressage GmbH & Co. KG steht, ging gestern seinen ersten langen Grand Prix. Leider schien er sich nicht recht mit den äußeren Bedingungen anfreunden zu können. Mit 67,833 Prozent blieb er unter seinen Möglichkeiten. Die Louisdor-Preis Qualifikation in Wiesbaden hatten die beiden mit 72,5 Prozent gewonnen, das war allerdings auch kein langer Grand Prix.
Großes Trostpflaster für Benni Werndl: Zuvor hatte er im Sattel des erst achtjährigen Great Gatsby v. Grand Galaxy Win T-Don Romantic die Dressurpferdeprüfung der Klasse S mit über 80,920 Prozent gewonnen. 78,85 Prozent gab es für die technische Ausführung der Lektionen, 83 Prozent für die Qualität des Pferdes.
Platz zwei ging an einen weiteren Grand Galaxy Win T-Sohn, den Dänischen Wallach Ostmarks Digal unter Rudolf Widmann.
Alle Ergebnisse vom Chiemsee Pferdefestival finden Sie hier.





