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Isabell Werth zu Gast beim Kreispferdezuchtverein Kleve

Die ausgezeichneten Züchter mit Isabell Werth in ihrer Mitte. 

Zur Jahresmitgliederversammlung des Kreispferdezuchtvereins Kleve konnte der Vorsitzende Johannes Baumeister zahlreiche der insgesamt 267 Mitglieder begrüßen. Unter den Gästen auch Norbert Paeßens, Vorsitzender des Kreispferdesportverbandes Kleve, Alexander Thoenes, Zuchtleiter des Rheinischen Pferdestammbuchs sowie die Ehrenmitglieder Wilma Nolden, Josef Saat und Leo Ophey und weitere Vertreter der regionalen und überregionalen Pferdeszene. Bereits zu Beginn der Versammlung wurde deutlich, wie lebendig der Austausch unter den Züchtern im Kreis Kleve ist. Intensiv diskutierten die Anwesenden über anstehende Anpaarungen. Welcher Hengst passt zu welcher Stute, wie sind Abstammung und Leistungsnachweise zu bewerten und welche Perspektiven ergeben sich daraus für die Zucht. Diese fachlichen Gespräche spiegeln die hohe Kompetenz und Leidenschaft wider, mit der sich die Züchter ihrer Arbeit widmen. 

Einen umfassenden Rückblick auf das vergangene Jahr präsentierte Kreistierzuchtberaterin Alexandra van de Fliert in ihrem detaillierten Geschäftsbericht. Sie zeichnete ein eindrucksvolles Bild der zahlreichen Erfolge, die Züchter aus dem Kreis Kleve bis hin auf internationaler Ebene erzielen konnten. Besonders hervorgehoben wurde dabei die Zuchtstätte Wilbers aus Weeze, die mit dem Hengst Arcassio erneut einen Bundeschampion stellte. Es ist bereits der 29. Titel für die erfolgreiche Zuchtstätte. Der Hengst steht inzwischen im Landgestüt Nordrhein-Westfalen und unterstreicht einmal mehr die Strahlkraft der regionalen Zucht. 

Die Jahresmitgliederversammlung bot zugleich einen würdigen Rahmen für Ehrungen verdienter Züchter. So wurden die Zuchtgemeinschaft Schraets, Geldern, Hans-Gerd Terhoeven-Urselmans, Keppeln sowie Gottfried Mevissen, Kevelaer mit der Rehkrone des Rheinischen Pferdestammbuchs in Silber ausgezeichnet. Johannes Litjes, Weeze, erhielt das Eichenlaub in Silber, während Gerda Stücker, Weeze, mit dem Eichenlaub in Gold geehrt wurde. Auszeichnungen, die die nachhaltigen züchterischen Leistungen der Preisträger eindrucksvoll würdigen. 

Ein besonderer Höhepunkt des Abends, das Referat von Isabell Werth, weltweit die erfolgreichste Dressurreiterin und zugleich die erfolgreichste Olympionikin Deutschlands. Sie stellte den Anwesenden ihre neue Partnerschaft mit Helgstrand Dressage Germany vor. Auf ihrem Anwesen im niederrheinischen Rheinberg entsteht seit Januar dieses Jahres eine hochmoderne Anlage, die neben einer EU-zugelassenen Hengststation auch umfassende Trainings- und Ausbildungsbedingungen für Zucht- und Sportpferde bietet. Werth selbst übernimmt dort eine zentrale Rolle in der Ausbildung der Pferde sowie in der Betreuung des Personals. In ihrem Vortrag schlug sie zugleich nachdenkliche Töne an. Die deutsche Pferdezucht gehöre zwar weiterhin zu den erfolgreichsten weltweit, stehe jedoch vor großen Herausforderungen. Rückläufige Zuchtzahlen, veränderte gesellschaftliche Sichtweisen und der Einfluss sozialer Medien verlangten ein Umdenken. „Die ländliche Reiterei stirbt aus, die Reiterei hat sich verändert“, betonte Werth. Es gelte, neue Anreize zu schaffen, den Zugang zum Pferd zu erleichtern und verstärkt auch den Freizeitbereich in den Blick zu nehmen. Entscheidend sei dabei das Prinzip: das passende Pferd für den passenden Reiter. Gleichzeitig warb sie für mehr Offenheit und Austausch innerhalb der Branche. Netzwerken sei der Schlüssel und manchmal müsse man auch neue Wege gehen, um potenzielle Kunden zu erreichen. Mit einem geplanten Tag der offenen Tür im Mai möchte sie den Züchtern zusätzliche Einblicke und Perspektiven bieten. 

Zum Abschluss der Versammlung wurde es noch einmal emotional: Nach 16 Jahren engagierter Tätigkeit wurde Alexandra van de Fliert unter langanhaltendem Beifall verabschiedet. Künftig wird sie im Kreis Wesel tätig sein. Ihr Wirken hat die Pferdezucht im Kreis Kleve nachhaltig geprägt und zahlreiche Entwicklungen mit angestoßen. Die Jahresmitgliederversammlung zeigte eindrucksvoll: Die Pferdezucht im Kreis Kleve ist erfolgreich, gut vernetzt und zugleich bereit, sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen. 

Stephan Derks

Foto: Stephan Derks

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