
Im dänischen Herning standen heute zwei Grand Prix-Prüfungen auf dem Programm, beide für sich hoch spannend. Isabell Werth war einmal siegreich und einmal Zweite. Lord Europe ist nun ein internationales 70 Prozent-Pferd und Cathrine Laudrup-Dufour hat einmal mehr daran erinnert, worum es beim Dressurreiten geht.
Genialer Viva Gold
Isabell Werths Vivaldi-Sohn Viva Gold ging heute den dritten Grand Prix seines Lebens, den ersten auf internationalem Parkett. Und auch diesmal war kein Vorbeikommen an dem wunderschönen Oldenburger Hengst, dem Weihegold-Enkel. Piaffe und Passage sind dem Hengst in die Wiege gelegt. Damit konnte er auch heute richtig punkten. In der zweiten Piaffe wurde er einmal zu ehrgeizig und verlor das Gleichgewicht, klappte dann hinter die Senkrechte und wurde rückständig mit dem Stützbein der Vorhand. Aber dann fing er sich wieder. Mit satten 77,50 Prozent gewann er die Prüfung haushoch.
Ein Dauerkonkurrent von Viva Gold ist der Rheinländer Hengst Lord Europe v. Lord Leatherdale aus der Zucht der ZG Pleines mit Leonie Richter. Die beiden haben sich im Mai 2025 in Hamburg als Erste und Zweite fürs Louisdor-Preis Finale qualifiziert und trafen auch heute bei ihrer CDI-Premiere wieder aufeinander. Lord Europe ging eine Prüfung ohne große technische Fehler die von den Richtern mit 70,109 Prozent bewertet wurde.
Dritte wurde die Britin Annabella Pidgley auf dem KWPN-Wallach Gio, den sie als Bronzemedaillengewinner der Olympischen Spiele in Tokio von Charlotte Dujardin übernahm. Die beiden kamen auf 69,978 Prozent.
Zweimal Personal Best in der Fünf-Sterne-Tour
Während die Entscheidung im CDI3* Grand Prix eindeutig war, war der Auftakt der Fünf-Sterne-Tour deutlich offener. Isabell Werth und Wendy waren vorletztes Paar der Prüfung vor Cathrine Laudrup-Dufour und Freestyle. Bis dahin hatte man unter anderem schon einen Daniel Bachmann Andersen auf dem von Mathis Goerens übernommenen Flash Gordon gesehen, die eine 73,130 Prozent Prüfung zeigten, denen man aus Zuschauer-Sicht aber gerne noch mehr gegeben hätte für Harmonie und klassisch gute (Grund-)Ausbildung und Training. Das sieht nach einem Championatspaar für Dänemark aus.
Sie hatten lange die Führung inne, bis Isabel Freese und Total Hope – noch ein Weihegold-Abkömmling – sie mit 74,652 Prozent überflügeln konnten.
Dann kam Wendy. Die Stute war in der Trabtour weicher und zufriedener in der Anlehnung als zuletzt. Piaffe und Passage sind ihre Stärken. Im starken Trab fußen die Hinterhufe nicht wie gefordert über, sondern hinter die Spuren der Vorderhufe. Der starke Schritt war fleißig, mit Raumgriff und Dehnungsbereitschaft. Im versammelten Schritt verlor die Stute das Gleichmaß. Auch in der Galopptour gelang es Werth, die Stute immer wieder von der Hand zu lösen und die Einerwechsel waren alle durchgesprungen, wenn auch festgehalten. Die Galopppirouetten waren zentriert, aber mit begrenzter Hankenbeugung vorgetragen. Zum Schluss hagelte es noch einmal Zehnen in Piaffe und Passage für das Paar. Es wurde eine neue persönliche Bestleistung: 81,913 Prozent.
Aber ein Paar kam noch: Cathrine Laudrup-Dufour und Freestyle. Um es kurz zu machen, die beiden haben diese Prüfung heute gerockt. Das war Dressurreiten vom Feinsten, das mit satten 84,174 Prozent bewertet wurde. Es waren nicht nur die spektakulären Lektionen, in denen die beiden Punkte sammeln konnten. Es waren auch die vermeintlichen Kleinigkeiten wie zum Beispiel der taktstabile versammelte Schritt, was diesen Ritt besonders machte. Kleines Aber: Insbesondere zum Schluss öffnete die Stute häufiger das Maul, aber das war nie die Reaktion auf eine rückwärts wirkende Hand. Dufour ritt immer „der Hand hinterher“. Die Vorstellung war großes Kino.
Morgen um 15.30 Uhr steht die Grand Prix Kür der Fünf-Sterne-Tour auf dem Programm.





